Ein Kessel Buntes Mike Kelley - Ausstellungskatalog Sammlung Goetz
Mike Kelley - Sammlung Goetz
Kaum ein zeitgenössischer Künstler ist so vielseitig wie er: von ausgestopften Stofftieren, hölzernen Vogelhäuschen und Filzbannern über Performances, inszenierte Photographien und Zeichnungen bis hin zu aufwendigen Installationen mit überdimensionierten gläsernen Käseglocken oder komplett ausgestalteten Kinderzimmern – Mike Kelley fühlt sich pudelwohl im postmodernen >Anything Goes< und schöpft seit Beginn seiner künstlerischen Laufbahn im Jahre 1978 aus dem Vollen. Seine Arbeiten zeugen von einer ungeheuer sensiblen Materialauswahl und sind gleichzeitig stets von einer sorgsam recherchierten theoretischen Fragestellungen geprägt. Mal philosophisch, mal populärwissenschaftlich, mal kunsttheoretisch, mal vom musikalischen Underground inspiriert, wühlt Mike Kelley im Bewusstsein und Unterbewusstsein der amerikanischen Gesellschaft und überrascht mit immer wieder neuen Themen, denen er sich oftmals auf sehr ironische Art und Weise nähert. Schade nur, dass man in Deutschland so selten etwas von ihm zu Gesicht bekommt!
Ingvild Goetz ist eine der wenigen SammlerInnen in der BRD, die schon in den 1990ern auf den Amerikaner aufmerksam wurde und Werke von ihm anzukaufen begann. Nachdem sie Kelleys Werke im Jahre 2000 zusammen mit denen des Schweizer Künstlerduos Peter Fischli/ David Weiss gezeigt hatte, präsentierte sie vom 1. Dezember 2008 bis 25. April 2009 eine umfassende Einzelausstellung des Künstlers in ihren Münchner Räumlichkeiten. Über 40 Arbeiten aus verschiedensten Werkphasen kann die ehemalige Galeristin und Versandhaus-Erbin ihr Eigen nennen (u.a. auch ein jüngst erworbenes Stück aus Kelleys spektakulärer >Kandors< Serie) und ist damit im Besitz eines der weltweit größten Mike-Kelley-Konvolute. Für alle diejenigen, die die Ausstellung verpasst haben, bleibt der anlässlich der Schau publizierte, 272 Seiten starke Hardcoverkatalog mit dem schlichten Titel >Mike Kelley<.
Der komplett zweisprachige (Deutsch/ Englisch) Band wird von einem recht intimen Einblick in Ingvild Goetz´ Begegnungen mit dem Werk Mike Kelleys eingeläutet, in dem die Sammlerin von ihrer Begeisterung für den Künstler berichtet. In dem Telefoninterview, das Karsten Löckemann (Kurator für Photographie) und Stephan Urbaschek (Senior-Kurator für Ausstellungen und Medienkunst) im August 2008 mit Kelley geführt haben, werden generelle Fragen zum künstlerischen Werdegang erläutert, wohingegen John Welchman für den Katalog erstmals den Versuch unternimmt, einen Glossar für Mike Kelleys Werk zusammenzustellen. Angefangen mit Inspirationquellen wie >Acconci, Vito<, über wesentliche Begriffe in Kelleys Œuvre wie >Empathie< oder >Repressed Memory Syndrome< bis hin zu konkreten Werkerläuterungen wie >Unisex Love Nest< versucht Welchman hier, Licht in das breitgefächerte Spektrum des Kelleyschen Kosmos zu bringen. Zusammen mit den reichhaltigen Abbildungen und konkreten Beschreibungen der Werke, die in der Sammlung Goetz vertreten sind, bietet der Katalog einen ersten Überblick über das spannende Schaffen des Künstlers. Ein kleiner Wermutstropfen jedoch sind die wieder “aufgewärmten“, d.h. wiederveröffentlichten Texte >Theorie, Müll, Stofftiere, Christus< von Mike Kelley selbst und >Der Hausmeister im Haushalt unseres Seelenlebens< von Rainald Schumacher, die bereits im Katalog von der Ausstellung mit Fischli/ Weiss veröffentlicht wurden.
Mike Kelley
Hrsg. Ingvild Goetz, Karsten Löckemann, Stephan Urbaschek
2008
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