Die Herausgeber Klaus Heid und Ruediger John werben in der Ankündigung zu ihrem Buch: "Transfer: ist Mehrwert: - neue operative Felder für die Kunst, - neue Impulse für die Wirtschaft, - neues Know-how für die Wissenschaft und neue Perspektiven für die gesellschaftliche Lebenspraxis." Diesen Mehrwert soll eine aktuelle Bestandsaufnahme des Zusammenwirkens zwischen Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft liefern. Ein hochgestecktes Ziel, dessen Weg in der kurzen Einleitung des Buches leider nur wenig differenziert dargestellt wird.
Für ihren Zweck haben Heid / John in Interviews und theoretischen Beiträgen Experten aus den unterschiedlichen Bereichen zu Wort kommen lassen. Darunter u.a. Gernot Böhme (Philosoph), Michael Brater (Unternehmensberater), Dimitros Chalatsis / Nadja Koch (Künstler), Max Hollein (Direktor, Schirnkunsthalle), Michael Lingner (Künstler/Theoretiker), Frank Wilhelmi oder Lothar Späth (beide: Unternehmer).
Im ersten Interview des Buches zwischen Klaus Heid und Gernot Böhme, beschreibt Böhme u.a. die Gefahr der Funktionalisierung der Kunst durch die Wirtschaft, übersieht aber dabei gleichzeitig, dass er bei seiner Forderung nach einer kritischen Intervention von Kunst, Kunst als Marketingmittel instrumentalisiert. Abgesehen davon, dass hier eine altbekannte These einmal mehr ausgeführt wird, stellt sich die Frage, warum bei vergleichsweise interessanten Betrachtungen Böhmes, wie z.B. seinen Erörterungen zur ästhetischen Wissenschaft als Vermittlerrolle zwischen Kunst und Wirtschaft, nicht eingehender nachgefragt wurde. Im Vergleich zu den theoretischen Ausführungen zwischen Böhme und Heid spricht Max Hollein aus der Praxis als Museumsdirektor darüber, dass Unternehmen keineswegs daran interessiert sind, sich die Kunst einzuverleiben, sondern vielmehr von den Synergieeffekten profitieren. Zudem erfährt der Leser einiges über Zusammenhänge zwischen Ausstellungskonzepten als Reaktion auf bzw. als Vorwegnahme von aktuellen Gegebenheiten.
Gleichfalls interessant sind die Ausführungen von Michael Brater, der aus seiner Erfahrung als Unternehmensberater, die Rolle des künstlerischen Handelns für die Alltagspraxis analysiert. Kunst, Alltag und Wirtschaft werden hier synergetisch verknüpft und auf ihre jeweils unterschiedliche Mechanismen hin befragt.
Einen völlig anderen Blick auf Kunst und Gesellschaft wirft die spezifisch ethnologische Sichtweise, die sich in dem Interview mit dem Ethnologen Karl-Heinz Kohl widerspiegelt, der u.a. über das künstlerische Schaffen afrikanischer, ozeanischer oder südamerikanischer Kulturen im Kontext westlicher- und nicht-westlicher Gesellschaftsformen spricht. Dabei geht es auch um Themen wie Ausstellungspraxis oder Vermittlungsfunktionen von Kunst.
Ähnlich unterschiedlich wie die Interviews, von denen hier nur 4 kurz angerissen wurden, sind die Textbeiträge gewichtet: Auch hier gibt es Texte, deren Intention sich in einem emotional aufgeladenen Engagement gegen Kunstbetrieb, Wirtschaft und Gesellschaft erschöpft, die dementsprechend dem Ziel, vom oben zitierten Mehrwert, beträchtlich entgegenwirken. Andere Texte wie bspw. der "Bericht über das Forschungsprojekt ´Wirtschaftkultur durch Kunst`, an dem verschiedene Autoren u.a. der Kunsthistoriker Michael Bockemühl oder die Kauffrau Nadine Trossen teilhaben, geben wiederum ein äußerst differenziertes Bild zu den vielfältigen Potenzialen und Möglichkeiten des Zusammenwirkens zwischen Kunst, Wirtschaft und Wissenschaft.
Insofern bleibt das Buch zwiespältig: Es enthält einige Anregungen, bleibt jedoch leider hinter seinem eingangs erwähnten Ziel um einiges zurück.
Transfer: Kunst Wirtschaft Wissenschaft
Hrsg. Klaus Heid, Ruediger John
[sic!], Baden-Baden 2003
ISBN 3-933809-46-0
Preis: 18,50 EUR
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