"Black Paintings" - Haus der Kunst, München (15.09.06 - 14.01.07)

art-in.de

Eingabedaten: 04.09.2006, München


"Black Paintings" - Haus der Kunst, München (15.09.06 - 14.01.07)

"Black was a sacred colour for the Abstract Expressionists, it was their lapis lazuli; they made a mystique of it, partly perhaps because of its austerity, partly perhaps because there was something splendidly macho in being able to produce a good strong black." (David Sylvester)

Das künstlerische Klima in New York

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Amerika mit dem Abstrakten Expressionismus eine Malerei, mit der sich die Künstler von der als lähmend empfundenen Last europäischer Tradition emanzipierten. New York war das Zentrum der jungen amerikanischen Kunst. Dort herrschte ein Klima der Aufbruchsstimmung und allgemeinen Offenheit. Maler wie Arshile Gorky, Willem de Kooning, Robert Motherwell und Jackson Pollock bildeten mit Barnett Newman, Ad Reinhardt, Mark Rothko und anderen die erste Generation der New York School, die sich im Stadtteil Greenwich Village konzentrierte. Als Treffpunkt dienten ihnen verschiedene Galerien - wie die von Betty Parsons, Samuel Kootz, Charles Egan und Sidney Janis - oder Clubs der Stadt, darunter Eighth Street Club oder Artists' Club.

New York kämpfte nunmehr mit Paris, bisher unbestrittener Mittelpunkt der europäischen Moderne, um die Vormachtstellung im Kunstsektor. Ad Reinhardt erinnert sich: "Ich weiß nicht, wie sich die Geschichte anderer über die vierziger und fünfziger Jahre anhört, aber diese ganze Sache mit dem Erfolg hat damals angefangen. Zumindest einige meiner Studenten haben sich begierig auf die ganze Geschichte gestürzt, dass Paris tot und New York das Zentrum der Kunstwelt sei."

Besonders diese erste Generation der New York School war auch für mystisches, okkultes, spirituelles Gedankengut und das Konzept der Erhabenheit offen. Barnett Newman verwendet den Begriff der Erhabenheit in seinem Text "The Sublime Is Now" von 1948, und auch für Mark Rothko war er von Bedeutung. Dem Konzept des Erhabenen lag die Frage nach Wahrheit und Wirklichkeit zugrunde. Die Absicht, den Betrachter damit zu konfrontieren, fand ihren Ausdruck im meist großen Format, in der Nähe zur Monochromie und einer dunklen Farbpalette.

Die Entstehung der schwarzen Serien

Ende der 1940er Jahre beschäftigten sich Künstler der New York School - Robert Rauschenberg, Ad Reinhardt, Mark Rothko, Frank Stella und Barnett Newman - intensiv mit der Farbe Schwarz. Es entstand eine erstaunliche Anzahl von nahezu monochromen schwarzen Bildserien, die heute die Glanzstücke international bedeutender Sammlungen bilden, aber bisher nie in einer Ausstellung vereint wurden.

Robert Rauschenberg (geb. 1925) begann 1951 als Erster eine Serie mit schwarzen Bildern, die ihn 1954 zu seinen Combine-Paintings führten. Fünf Jahre später, 1956, entschied Ad Reinhardt (1913-1967), nur noch schwarze Bilder zu malen. 1960 legte er sich zudem auf ein bestimmtes Format und eine Binnenstruktur fest, so dass bis zu seinem Tod im Jahr 1967 ausschließlich schwarze, quadratische Gemälde mit einer Kreuzstruktur entstanden. Frank Stella (geb. 1936) schuf zwischen 1958 und 1960 vierundzwanzig schwarze Gemälde. Er tat dies, ähnlich wie Rauschenberg, zu Beginn seiner Karriere.

Ab 1957 wurde auch die Farbpalette von Mark Rothko (1903-1970) dunkler, bis er schließlich 1964 zu seinen Black-form Paintings gelangte. Seine dunklen Bilder entstanden meist raumbezogen und fanden ihren Höhepunkt in den Werken der Kapelle in Houston, an denen Rothko 1964 zu arbeiten begann.

Selbstbefragung und Neuausrichtung

Welche Bedeutung nehmen die schwarzen Bilder im gesamten Schaffen der Künstler ein? Welche Wechselwirkung gibt es zwischen der Persönlichkeit eines Künstlers, den geistigen Inhalten, mit denen er sich beschäftigte, und der künstlerischen Phase, in der er sich befand, als er die schwarzen Bilder malte? Die Ausstellung zeigt, dass die schwarzen Gemälde für Durchbrüche und Übergänge im Oeuvre der Künstler stehen. Sie möchte sogar zu dem Schluss (ver-)führen, diese Bilder als eine Art Selbstporträt zu lesen.

Dass die schwarzen Serien der vier Künstler einen Übergang oder Wandel kennzeichnen, ihn thematisieren oder erst ermöglichen, ist vielleicht auch ihre interessanteste Gemeinsamkeit. Die schwarzen Bilder besaßen für Stella und Rauschenberg eine klärende Funktion; für Rothko waren sie ein Höhepunkt, den er regelrecht angestrebt hatte; für Reinhardt wurden sie zu Bausteinen seines Manifests der großen Verweigerung.

Ad Reinhardt und Mark Rothko, die Väter der amerikanischen Avantgarde, verfolgen mit ihren schwarzen Bildern beharrlich und konsequent das Anliegen, ihre Sprache zu entfalten bis zu einem Stadium der Reife. Beide übersteigern dabei ein gewisses Maß: der eine sein Maß an Sachlichkeit, der andere sein Maß an Tragik. Bei Rothko steht Schwarz für die Leere und das Nichts, die den Betrachter auf existenzielle Fragen und Erfahrungen zurückwerfen; bei Reinhardt steht Schwarz für Verweigerung, für Unsichtbarkeit, Farblosigkeit und Gleichmut.

Robert Rauschenberg und Frank Stella, die jungen "Freiheitskämpfer", verwenden die Farbe Schwarz, um die Spuren der Tradition und der eigenen Konditionierung verschwinden zu lassen und ihr Grundvokabular neu zu erfinden. Der eine wird die Welt des Alltags in sein Vokabular aufnehmen, der andere die Welt des Vieldeutigen und des Absurden. Schwarz steht bei Rauschenberg und Stella für die Beschränkung auf das Quasi-Nichts, das ihnen bei der Suche nach sich selbst als Ausgangspunkt dient. Für Rauschenberg bedeutet Schwarz auch das Nicht-Wissen, wie es für ihn künstlerisch weitergehen würde; bei Stella dagegen klingt eine gewisse Absurdität, eine Ort- und Zeitlosigkeit mit.

...

Die Ausstellung

Die Präsentation der schwarzen Gemälde im Haus der Kunst bietet die Möglichkeit, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der im New York der Nachkriegszeit entstandenen Werke zu entdecken. Die Ausstellung offenbart die Radikalität der künstlerischen Positionen, die Hand in Hand gingen mit den Entwicklungen in Theater, Musik und Literatur. Das neue Selbstverständnis führte zu einer Neuorientierung der Kunst, die das gesamte 20. Jahrhundert prägen sollte. Betrachtet man die Entwicklung des Abstrakten Expressionismus, entsteht der Eindruck, dass die amerikanischen Künstler in den Jahren zwischen 1950 und 1965 auch von der Idee getragen wurden, sich vom maßgebenden Einfluss der europäischen Tradition loszusagen und mit New York - neben Paris - ein neues Zentrum der Avantgarde zu begründen. Vor diesem Hintergrund wirken die Black Paintings wie der Ausdruck eines kollektiven Strebens nach künstlerischer Selbstbehauptung.( Presse / HdK )

Öffnungszeiten: mo - so 10 - 20 h, do 10 - 22 h

Haus der Kunst - Muenchen
Prinzregentenstrasse 1
D-80538 Muenchen
Tel.+49-(0)89-21127-115

hausderkunst.de
ch

Tweet

Artikel die "Robert Rauschenberg" thematisieren (beta)

Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin (01 / 02)
Hamburger Bahnhof
Museum für Gegenwart - Berlin

Wenn ein Berliner Museum Hamburger Bahnhof heißt, kann man sicher sein, dass es sich in einem historischen Gebäude befindet. Das spätklassizistische Gebäude, in dem das Museum beheimatet ist, diente denn auch seit seiner Erbauung 1846 bis zur Stillegung 1884 als Kopfbahnhof der Strecke Hamburg-Berlin.
Als Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst trat der Hamburger Bahnhof erstmals 1988 mit der Ausstellung "Zeitlos" in Erscheinung und wurde, so der d . . .

Alfred Hrdlicka "...mit Wirklichkeit vollgezeichnet" (3.9.-2.11.03)
In der Versicherungskammer Bayern findet anlässlich des 75.Geburtstags des Künstlers eine Ausstellung mit ausgewählter Druckgrafik statt. Damit setzt das Unternehmen seine Reihe im Kunstfoyer fort, in der u.a. schon Ausstellungen von Georg Baselitz, Robert Rauschenberg, Anton Stankowski, Bernd Zimmer, Keith Haring gezeigt wurden.

Pressemitteilung / Auszug: "Im Zentrum seines Werkes steht der handelnde Mensch, den Hrdlicka beobachtet und analysiert. Darin fließen Kindheitserfahrungen im Dritten Reich ein, denn Hrdlickas Elt . . .

"Vinyl - Records and Covers by Artists" - Neues Museum Weserburg, Bremen (21.08.–27.11.05)
Im Rahmen der Bremer Veranstaltungsreihe Sound Art, die u.a. mit Konzerten, einem Radioprogramm oder einer Tagung die Klangwelt der bildenden Künstler hörbar und erfahrbar machen will, werden über 800 von Künstlern gestaltete Plattencover, Schallplatten und weitere Tonträger präsentiert.

" Das Ausstellungprojekt präsentiert auf besonders vielfältige Art die grenzüberschreitenden Aktivitäten, die im Bereich von Kunst, Musik, Literatur und Film seit den 60er Jahren stattfinden. Das Erleben der Sound Art wird über die zentrale . . .

Superstars - Das Prinzip Prominenz. Von Warhol bis Madonna, Kunsthalle Wien (04.11.05 - 22.02.06)
Seit den 1980er Jahren sprechen die Medien von »Superstars«, wenn es darum geht, Berühmtheiten von globaler Bedeutung und universalem Appeal zu kennzeichnen. Der Begriff wird nicht nur auf Celebrities aus den Bereichen Film, Musik und Mode angewendet, sondern auch auf Künstler wie Jeff Koons oder Andy Warhol, die sich als geschickte PR-Strategen in eigener Sache erweisen.

Zwar gibt es schon seit der Renaissance Künstler, die man im heutigen Sinne als »Stars« bezeichnen könnte - Malerfürsten wie Rembrandt, Michelangelo od . . .

Schlussbericht: ART COLOGNE - Spitzenverkäufe bestätigen Köln als internationalen Kunstmarktplatz
- 72.000 Besucher auf der ART COLOGNE 2005
- internationale Sammler waren in Köln
- exzellente Verkäufe in allen Segmenten

"Ich bin das zweite Mal hier und war im vergangenen Jahr mit Shapiro erfolgreich. In diesem Jahr mit Chamberlain. Ich finde die ART COLOGNE sehr frisch, sehr aufregend und großzügig, und es macht Spaß, sich umzuschauen“, so der Kommentar der New Yorker Galerie PaceWildenstein, die zwei Chamberlain-Skulpturen zu erstaunlichen Preisen zwischen 495.000 und 825.000 Euro verkaufte. PaceWilden . . .

Zum Tod von Mimmo Rotella - Kreative Schöpfung durch methodische Zerstörung
Der italienische Décollagekünstler Mimmo Rotella hat sich Zeit seines Lebens der Plakatkunst verschrieben, obwohl er hin und wieder Exkursionen in andere Bereiche der Kunst unternahm. Er verstarb Anfang diesen Jahres in Mailand im Alter von 87 Jahren auf Grund einer Lungenentzündung. Sein kunsthistorischer Einfluss hat überlebt.

Rotella wurde als Domenico Rotella im Jahr 1918 in der Hauptstadt von Kalabrien in Süditalien geboren. Nachdem er die Oberschule abgeschlossen hatte, wandte er sich einem Studium an der Kunstakademie Neap . . .

Das achte Feld - Geschlechter, Leben und Begehren in der Bildenden Kunst seit 1960 (19.08.-12.11.06)
Eröffnung: 18. August 2006

Mit Werken von:

David Altmejd, Kenneth Anger, Diane Arbus, David Armstrong, Francis Bacon, Stephen Barker, Matthew Barney, Monica Bonvicini, Louise Bourgeois, Marc Brandenburg, Brassaï, Kaucyila Brooke, Tom Burr, Claude Cahun, Daniela Comani, Lucky DeBellevue, Kerstin Drechsel, Marcel Duchamp/ Man Ray, Cheryl Dunye, Thomas Eggerer, Nicole Eisenman, Steven Evans, Valie Export, Hans-Peter Feldmann, Jochen Flinzer, Annette . . .

Sound Zero. Kunst und Musik vom Pop zur Street Art - Kunst Meran (9.9.06-7.1.07)
Vom 9. September 2006 bis zum 7. Januar 2007 zeigt kunst Meran die Ausstellung Sound Zero. Kunst und Musik vom Pop zur Street Art, in der mit rund 150 Werken die enge Verbundenheit von Künstlern und Musikern von den 60er Jahren bis in die Gegenwart dokumentiert wird. Anhand von Gemälden, Fotos, Objekten, Installationen, Grafiken, Manifesten, Performances, Video- und Wandmalarbeiten aus dem Bereich der bildenden Kunst sowie Plattencovern, Postern und Dokumentationsmaterial aus dem Bereich der Popmusik wird die gegenseitige Beeinflussung und die . . .

"Black Paintings" - Haus der Kunst, München (15.09.06 - 14.01.07)
"Black was a sacred colour for the Abstract Expressionists, it was their lapis lazuli; they made a mystique of it, partly perhaps because of its austerity, partly perhaps because there was something splendidly macho in being able to produce a good strong black." (David Sylvester)

Das künstlerische Klima in New York

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Amerika mit dem Abstrakten Expressionismus eine Malerei, mit der sich die Künstler von der als lähmend empfundenen Last europäischer Tradition ema . . .

"Tanzen, Sehen" - Museum für Gegenwartskunst Siegen (18.2.-28.5.07)
Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lässt sich mit der Entwicklung der audiovisuellen Medien eine zunehmende wechselseitige Inspiration und Provokation im Dialog von Bildender Kunst und Tanz feststellen. Die Ausstellung zeichnet mit künstlerischen Arbeiten und dokumentarischen Filmen die Geschichte der wechselseitigen Bezugnahmen, der Gemeinsamkeiten und Kooperationen nach.

"Tanzen, Sehen" zeigt auf rund 1400qm Ausstellungsfläche ca. 100 Arbeiten von über 40 Künstlerinnen und Künstlern:
Eleanor Antin, . . .


Beiträge mit lokalem Bezug: 'München'

Hito Steyerl. Ricochet #3 - Museum Villa Stuck, München

Kunst am Bau - Lenbachhaus München

Museum Brandhorst richtet Sigmar Polke - Raum ein

Geschichte der Rekonstruktion / Konstruktion der Geschichte - Pinakothek der Moderne, München

Family Files. Zeitgenössische Fotografie und Videokunst aus Israel - Jüdisches Museum München

Kataloge/Medien zum Thema: Robert Rauschenbergart-in.de

top





top

Anzeige

Anzeigenende

Anzeige

Joachim Hiller

Anzeige

museum ludwig

Anzeige

art-in-berlin.de

Anzeige

kur

Meldungen art in berlin

Auf der Rue Princesse im Haus der Kulturen der Welt

Video-Serie: VISIBLE - 6. Folge

KUR-Journal: Editorial von Ulf Bischof

Offene Ateliers in den Gerichtshöfen Berlin - Wedding

art-in.de
Newsletter bestellentreiber

Anzeige



Anzeige

k21 kunstsammlung

Anzeige

Anzeige: Hier klicken!

Anzeige

aberlinische galerie

Anzeige

Museum Kurhaus Kleve

Anzeige

Video

Besuchen Sie art-in.tv.

Anzeigenende

Video Meldungen auf art-in.tv berlin biennaleVideo: 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunstdan-mihaltianuVideo: Dan Mihaltianu im Haus der Kulturen der WeltkurVideo: Dream Passage - Bruce Nauman im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart Berlin
twitterfacebook