Pentagramm hinter deutscher Maschinenpistole unter Russisch Brot

art-in.de

Eingabedaten: 02.02.2009, Bielefeld

Bild Pentagramm hinter deutscher Maschinenpistole unter Russisch Brot entfernt

Pentagramm hinter deutscher Maschinenpistole unter Russisch Brot

Der >Deutsche Herbst< und die RAF in Politik, Medien und Kunst

Die einen sympathisieren mit der Roten Armee Fraktion, da sie (wenn auch mit den falschen Mitteln) den Mut hatte, sich für ihre Ideale und die Veränderung der BRD einzusetzen - die anderen verurteilen das gewaltvolle Vorgehen der Gruppe bei dem unschuldige Bürger zu Schaden kamen und kritisieren Andreas Baaders Verlangen nach Selbstdarstellung. Viel wurde über die terroristische Gruppe um Ulrike Meinhof und Andreas Baader geschrieben und nachgedacht. Dass die Angelegenheit auch 30 Jahre nach den Ereignissen des >Deutschen Herbstes< noch nicht "verdaut" zu sein scheint, zeigt der erst kürzlich in den Kinos zu sehende Film >Baader Meinhof Komplex< von Bernd Eichinger, der sogar als bester fremdsprachiger Film für den Oscar nominiert wurde. Im transcript Verlag ist ein neues Buch zum Thema erschienen, in dem vor allem die nationale und internationale Rezeption der RAF in den Medien, der politischen Öffentlichkeit sowie in der Kunst beleuchtet werden sollen.

Klar dass auf den 230 Seiten vor allem Historiker zum Wort kommen, doch geht es ihnen nicht um eine erneute geschichtliche Aufarbeitung der Vorfälle, sondern darum neue Sichtweisen zu eröffnen. Das Buch ist in drei Oberkapitel unterteilt, die sich den internationalen Aspekten der RAF-Rezeption, der Deutung des >Deutschen Herbstes< als Kommunikationsereignis sowie den Zeitzeugenberichten von Willem van Bennekom (Verteidiger in RAF-Prozessen), Joachim Lampe (Generalbundesanwalt) und Michael Buback (Sohn des 1977 ermordeten Generalbundesanwaltes Siegfried Buback) widmen. Neben den Texten von Historikern wie Klaus Weinhauer, Jacco Pekelder, Bob de Graaf, Ingrid Gilcher-Holtey oder Janneke Martens tragen vor allem die Aufsätze des Designtheoretikers Rolf Sachsse, des Kulturwissenschaftlers Hanno Balz, des Germanisten Klaus-Michael Bogdal, der Philosophin/ Dramaturgin Nicole Colin und des Romanisten Joachim Umlauf zu einem sehr facettenreichen Blick auf das Phänomen des Terrorismus im Deutschland der 1970/80er Jahre bei.

So erläutert Rolf Sachsse in seinem Artikel die Entstehungsgeschichte des RAF Logos und umschreibt es flapsig als "Pentagramm hinter deutscher Maschinenpistole unter russisch Brot". Angelika Ibrügger dagegen untersucht die im Frühjahr 1972 geführte Debatte um Heinrich Bölls Spiegel-Artikel >Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?<, welcher nach Meinung der Autorin zu einer unfreiwilligen Selbstbespiegelung der BRD führte. In >Täter- versus Opferdiskurs: Eine andere Geschichte des deutschen Terrorismus< verweist Nicole Colin auf den aktuellen Trend in der Geschichtsschreibung, zunehmend auch die Opfer von historischen Ereignissen zu thematisieren. Dies könne zwar im Falle der RAF einer Verklärung der Gruppe entgegenwirken, doch hebt Colin mit dem Verweis auf den "Fall Michael Buback" ebenso die Problematik einer solchen Herangehensweise hervor.
Die Brücke von damals zu heute schlägt Bob de Graaf in seinem Text >Die RAF im Lichte von 9/11<. Bei einem Vergleich zwischen den terroristischen Unternehmungen von Baader-Meinhof und Osama Bin Laden stellt de Graaf vor allem die verschieden gearteten Motivationen in den Vordergrund. Wo die RAF aus politischen Überlegungen heraus agierte und meinte, im Namen der aus ihrer Sicht unterdrückten Bevölkerung handeln zu müssen, sei die Al Qaida von religiösen Überzeugungen geleitet, womit theoretisch jeder Nicht-Muslime zum legitimen Opfer der Terroristen werden könne. Ein zweiter wesentlicher Unterschied zwischen den Terroristen von damals und heute sei der Umgang mit den Medien. Anders als die RAF-Mitglieder, die noch stark von den Medien als Vermittlungsinstanz abhängig waren, seien die heutigen Terroristen durch das Internet wesentlich autonomer in der Verbreitung ihrer Botschaften. Natürlich macht sich auch der Staat die Medien für seine Zwecke zu nutze – wie dies geschieht, beschreibt Klaus Weinhauer unter anderem in seiner Untersuchung >Terrorismus und Kommunikation: Forschungsstand und –perspektiven zum bundesdeutschen Linksterrorismus der 1970er Jahre<.

Was die internationalen Aspekte der RAF-Rezeption betrifft, so setzen sich zwar gleich zwei Texte mit der RAF und den Niederlanden auseinander (Jacco Pekelder und Janneke Martens), doch fällt der Bezug zu Terrorgruppen wie der italienischen Brigata Rossa, der irischen IRA oder der baskischen ETA leider recht mau aus. Auch ist es schade, dass es keine Bilder gibt und dass der Bereich der bildenden Kunst zu kurz kommt. Dennoch ist das Buch ein gelungener und vor allem interdisziplinärer Beitrag zum >Deutschen Herbst<. Schön ist, dass auch junge WissenschaftlerInnen wie Janneke Martens oder Beatrice de Graaf die Chance bekamen, an der Publikation mitwirken zu können.

>Der >Deutsche Herbst< und die RAF in Politik, Medien und Kunst. Nationale und internationale Perspektiven<
Hrg.: Nicole Colin, Beatrice de Graaf, Jacco Pekelder, Joachim Umlauf

231 Seiten, Paperback
Preis: 22,80 EUR

transcript Verlag
ISBN 978-3-89942-963-3
transcript-verlag.de

Stefanie Ippendorf

Weitere Titel zum Thema: RAF

Grafik ohne Grenzen. International Print Network 2010 - Horst Janssen Museum, Oldenburg
Ausstellungsdauer: 28.2.-11.4.10
Das Ausstellungsprojekt "Grafik ohne Grenzen" widmet sich den aktuellsten Entwicklungen im Bereich der Druckgrafik. Mit rund 200 Werken werden experimentelle Techniken und Werke zahlreicher internationaler Künstler vorgestellt.

F-Stop Fotografiefestival, Leipzig (1.-7.7.09)
Zum dritten Mal findet das Internationale Fotografiefestival F-Stop in Leipzig statt. Unter dem aktuellen thematischen Schwerpunkt "Von hier aus, wohin?" werden über 50 herausragende Fotografen aus rund 15 Ländern präsentiert.

3. Europäischer Monat der Fotografie in Wien (November 08)
Im November steht Wien zum dritten Mal ganz im Zeichen der Fotografie mit über 100 Ausstellungen an 72 verschiedenen Orten. Eröffnet wird bereits am 30. Oktober mit "MUTATIONS II" - einer Gemeinschaftsausstellung der Partnerstädte Berlin, Bratislava, Luxemburg, Moskau, Paris und Rom.

Neueröffnung des Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus (ab 8.5.08)
Am Donnerstag, den 8. Mai 08, öffnet das Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus, nach 4 jähriger Umbau- bzw. Sanierungsphase, sein neues Domizil. Das ehemalige Industriegebäude - ein von Werner Issel entworfener Klinkerbau, der 1928 seinen Betrieb aufgenommen hatte - wurde von dem Berliner Architektenbüro ...

Internationale Grafik-Triennale - Horst-Janssen-Museum, Oldenburg (25.3.-6.5.07)
Auf der Grafik-Triennale werden Arbeiten auf Papier gezeigt, u.a. Radierungen,Lithografien oder Holzschnitte, dabei werden aber auch neueste Entwicklungen im Bereich der Fotografie oder der Computergrafik nicht ausgespart

Graffiti, Street Art und Wuppertal, Von der Heydt-Museum Wuppertal (11.2.-6.5.07)
Die Ausstellung "Still On And Non The Wiser..." zeigt 11 der bedeutendsten Graffitikünstler der Welt und macht wiederholt deutlich, dass Graffiti und Street Art nicht länger als reine Subkultur zu verstehen sind

Manuel Graf - Museum X, Mönchengladbach (28.10.06 - 7.1.07)
Seit September 06 wird das Museum Abteiberg für ein Jahr gerneralsaniert. Aus diesem Grund entstand das temporäre "Museum X", dessen Foyer der Künstler Manuel Graf ab 28.10.06 in einen Videoraum verwandelt.

1. Europäische Lithografietage - München ( 30.08. - 04.09.05)
Ende August finden in München, organisiert von der Lithografiewerkstatt im Künstlerhaus, die "1.Europäischen Lithografietage" statt, an denen zahlreiche Münchner Institutionen mit Veranstaltungen und Ausstellungen teilnehmen.

Concrete Photography. Konkrete Fotografie
Angeregt wurden die Autoren des vorliegenden, im Januar 2005 erschienenen Buches "Concrete Photography. Konkrete Fotografie" durch Peter C. Rupperts Sammlung zur Konkreten Kunst, die als einzige Sammlung zu dieser Richtung auch den Bereich Fotografie integriert hat.

Die Chinesen - Fotografie und Video aus China (9.10.04 - 9.1.05) Kunstmuseum Wolfsburg
Zeitgenössische Fotografie von 19 Künstlern aus China - ergänzt durch Videokunst - wird in einer umfassenden Übersichtsausstellung ab Samstag (9.10.04) in Wolfsburg zu sehen sein.


Beiträge mit lokalem Bezug: 'Bielefeld'

Rirkrit Tiravanija. Just Smile and Don´t Talk - Kunsthalle Bielefeld

Im Moment des Verdachts - Bielefelder Kunstverein

"Mehr als ein T-Shirt" - Bielefelder Kunstverein

Das is so ´ne Stadt zwischen Dortmund und Hannover, totale Provinz ...

Rhythmisches Phänomen = Zeichnung = Musik oder die Schönheit der Notation

Kataloge/Medien zum Thema: Fotografie und Video aus Chinaart-in.de

Suche: Fotografie und Video aus China

top





top

Anzeige

Anzeigenende

anzeige

Anzeige

art-in-berlin.de

Anzeige

museum ludwig

Anzeige

art-in.tv

Anzeige

Joachim Hiller

Anzeige

kur

Neuigkeiten von den Berliner Kunstmessen: die Preview Berlin

Neuigkeiten von den Berliner Kunstmessen: das art forum berlin

Was zeigen die Berliner Museen im Sommer 2010 ?

Goldrausch Künstlerinnenprojekt art IT

art-in.de
Newsletter bestellentreiber

Anzeige

Museum Kurhaus Kleve

Anzeige

k21 kunstsammlung

Anzeige

Video

Besuchen Sie art-in.tv.

Anzeigenende

Video Meldungen auf art-in.tv berlin biennaleVideo: 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunstdan-mihaltianuVideo: Dan Mihaltianu im Haus der Kulturen der WeltkurVideo: Dream Passage - Bruce Nauman im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart Berlin
twitterfacebook

Antony Gormley. Horizon Field - Außenprojekt des Kunsthaus Bregenz

Meike Staats. Guter Moment Kurzer Moment - KunstLeben e.V., Hamburg

Johanna Diehl. Displace - bau_werk, Oldenburger Forum für Baukultur

ANZEIGE: Start der filmbar 2010 - Museum Ludwig, Köln

Der belgische Künstler David Claerbout erhält den Peill-Preis 2010

Alicja Kwade erhält den Robert Jacobsen-Preis

Matthew Barney. Prayer Sheet with the Wound and the Nail - Schaulager, Basel

ANZEIGE: Olaf Nicolai und Larry Sultan, kestnergesellschaft, Hannover

Jana Gunstheimer. Ich bin ein Schwein. Macht mich heilig - Galerie im Taxispalais, Innsbruck

John Bock. FischGrätenMelkStand - Temporäre Kunsthalle, Berlin