Die Eindringlichkeit und Vehemenz, mit der noch in den neunziger Jahren über interaktive Medienkunst diskutiert wurde, hat nachgelassen. Statt dessen nimmt - trotz der erst kurzen Geschichte der Medienkunst - die kulturwissenschaftliche Einordnung und Kategorisierung ihrer unterschiedlichen Tendenzen ihren Lauf und beschwichtigt gleichzeitig deren gesellschaftliche Relevanz.
Das Buch+CD mit dem Titel "Formen interaktiver Medienkunst" hat es sich nun zum Ziel gesetzt: "... nicht eine konsensorientierte ´Aussöhnung` von Standpunkten, sondern eine pointierte Profilierung divergenter Argumentationskontexte und Erfahrungsbereiche, ... als Einführung und Anstoß für weitere diskursive und künstlerische Praktiken ... (zu geben)".
Nachdem zunächst in der Einleitung der Begriff der Interaktivität als "Beschreibung aller kommunikativen Prozesse (auch) jenseits des Kunstsystems, die mediengestützte Simulation einer Face-to-Face-Kommunikation weiterentwickeln", definiert wird, folgt eine gut geordnete Kapitelaufteilung:
Zur Geschichte der interaktiven Medienkunst
Zur Theorie der Interaktivität
Theorie als Praxis / Praxis als Theorie
Positionen interaktiver Medienkunst der Gegenwart
Jenseits des Kunstsystems
Jedem Kapitel sind Aufsätze von Autoren/innen wie u.a. Marie Luise Angerer, Bazon Brock, Oliver Grau oder Peter M. Spangenberg zugeordnet, die sich dem Thema kulturhistorisch, systemtheoretisch, diskursgeschichtlich oder kunsttheoretisch nähern. Dabei werden auf interessante Weise bekannte und noch weniger bekannte Tendenzen der interaktiven Medienkunst mit ihrem ursprünglichen Anspruch und dem Ergebnis konfrontiert.
Die zu dem Buch gehörende CD bietet zusätzlich Informationen wie z.B. Künstlerbiografien, Interviews, Linksammlungen und Abbildungen zu den unterschiedlichen Werken der Künstler. Hier hätte man sich - bei diesem ambitionierten Projekt - eine etwas mutigere Herangehensweise gewünscht.
Ansonsten gibt das Buch interessante Anregungen und bietet einen guten Überblick zur interaktiven Medienkunst.
ch
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