Josef Dabernig. Panorama

Zwischentöne

01.03.-28.04.2013 | Kunsthaus Graz
Eingabedatum: 05.03.2013

bilder

In repetitiv gleichen Aufnahmen untersucht Josef Dabernig seit 1989 Sport- und andere städtische Räume hinsichtlich ihrer Zwischentöne. Wie kaum eine andere kulturell geprägte Struktur gleichen sich seine Motive auf der ganzen Welt in Form und Ausmaß. Dabernig sucht sich Plätze aus, die für den Begriff der Randzone stehen. Als Sportplätze dienen sie der Freizeitgestaltung, sie sind aber auch aufgeladene Orte der Versammlung, des Sieges und der Niederlage – und mitunter auch der Demagogie. In einer Abfolge von Einzelbildern geht Dabernig den Typologien nach und schafft damit einerseits ein visuelles Ornament und andererseits eine filmische Miniatur, die durch die Sehbewegung ins Laufen gerät.

Das Universalmuseum Joanneum zeigt diese Ausstellung und den dazu produzierten Trailer in Kooperation mit der Diagonale 2013 an unterschiedlichen Orten: Im Kunsthaus Graz eröffnet sie den Gang durch die Erinnerungs- und filmischen Denkräume in der Needle und im Stiegenhaus. Im unteren Rundraum der Neuen Galerie Graz führt ein weiteres Kapitel den Panorama-Rundgang fort und fördert insbesondere das Zwiegespräch zwischen Architektur und historischer Bestimmung.

Kunsthaus Graz und Rundraum im Erdgeschoss, Neue Galerie Graz
Lendkai 1
8020 Graz, Austria
T +43-316/8017-9200, F +43-316/8017-9212
kunsthausgraz@museum-joanneum.at
www.museum-joanneum.at


pm




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Daten zu Josef Dabernig:

- Bergen Trienniale 2013
- Gwangju Biennale, 2012
- Manifesta 10, 2014
- Sammlung, Museum of Contemporary Art in Krakow

Medien zum Thema: Josef Dabernig



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Bin beschäftigt - Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen e.V. (13.10.06 - 7.1.07)


"Leben ohne Arbeit", schreibt der Psychoanalytiker Sigmund Freud, "kann ich mir nicht recht behaglich vorstellen. Fantasieren und arbeiten fällt für mich zusammen, ich amüsiere mich bei nichts anderem." Ne travaillez jamais - Arbeit? Niemals! Dieser den Situationisten zugeschriebene Slogan umschrieb hingegen vor über 50 Jahren an den Fassaden der Häuser von Paris das "wirklich revolutionäre Problem", nämlich die Freizeit. Die Gründungsmitglieder der französischen Künstlergruppe wussten, wovon sie sprachen: "Da wir einige Jahre buchstäblich mit dem Nichtstun verbracht haben, dürfen wir unsere soziale Einstellung als avantgardistisch bezeichnen. Denn in einer einstweilen immer noch auf Arbeit basierenden Gesellschaft haben wir ernsthaft versucht, uns ausschließlich der Freizeit zu widmen." Ist ein Leben ohne Arbeit vorstellbar? Beruf, Karriere und vielleicht Selbstverwirklichung sind heute unumstößliche und gleichzeitig brüchig werdende Modelle. Sie basieren auf einem gemeinsamen Prinzip: Arbeit wird als sichtbare, in Kapital umgesetzte Produktivität begriffen. Dem stehen Nichtstun, Muße aber auch alltägliche Beschäftigungen, sinnlose oder selbst gewählte Betätigungen anscheinend unvereinbar gegenüber. Sind sie Keimzelle von Identitätsbildung oder in kauf genommenes Beiwerk der Effektivität, ein Übel zur Regeneration des Eigentlichen - sprich der Arbeitsfähigkeit? Die Vorstellung vom Künstler als personifizierten Müßiggänger hat sich bis heute bewahrt. Das Bild des autonomen Künstlers im einsamen Atelier gehört jedoch einer romantisch-bürgerlichen Vergangenheit an. In der Neukonzeption von Arbeit löst sich diese zunehmend im Begriff der Kreativität auf. So verschwinden z.B. Hierarchien zugunsten von verantwortlicher Selbstorganisation. Die Ausstellung greift sowohl Diskussionen um die Begriffe Arbeit und Freizeit und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Bewertungen auf, wie sie diese auch aus der Perspektive der Kunst heraus problematisiert.

Das Spannungsfeld der künstlerischen Projekte beginnt mit John Baldessaris Statement "I’m making art" aus dem Jahre 1971, der von der Keimzelle der künstlerischen Frage im Atelier ausgeht: In welchem Verhältnis stehen Handeln und Produkt? Jean-Luc Moulène fotografierte für seine Serie der Streikobjekte ab 1988 Produkte, die im eigentlichen Sinn keine sind: Hergestellt von streikenden Arbeitern, sind sie den üblichen Kapitalströmen entzogen und dienten als Kommunikationsträger, die auf die Proteste aufmerksam machen sollten. Die Zeichnungen von Danica Phelps sind eigentlich Notationen alltäglicher Tätigkeiten von Telefonieren über Reisen bis Ausruhen. Diese Aufzeichnungen unspektakulärer Situationen kombiniert mit einer Einnahmen - Ausgabenstatistik sind in ein merkantiles System eingebunden und ihrem Marktwert entsprechend visuell codiert. Das bisherige künstlerische Leben von Antje Schiffers scheint märchenhaft: Sie präsentiert Zeichnungen, Geschichten, Fotos, Gemälde, Videos, die sie auf ihren Reisen im In- und Ausland malte, um zu leben, sprich: Sie tauschte Bild gegen Kost und Logis. Während sich der Maler in Adrian Pacis Video "Piktori" mit Schildermalerei und Urkundenfälschung herum schlägt, mischte sich Francis Alÿs in Mexiko Stadt unter Arbeit suchende Elektriker und Klempner und bot sich als "Turista" an. Matthias Klos eröffnet in seinen Stadtrundgängen mit seinen Schildern seinen individuellen Speakers’ Corner und demonstriert mutterseelen alleine mit selbst gemalten Schildern. Markus Seidl/Elisabeth Schimana hingegen machten sich auf die Suche nach einem Dorf, das bereit wäre, eine Woche lang nichts zu tun. Die Protagonisten in Aernout Miks Video "Park" scheinen sich bis zur Erschöpfung immerwährend zu vergnügen und zu entspannen. Corinna Schnitt visioniert in ihrem Video eine Kleinfamilie, die in ihrer Freizeit als selbst auferlegten Dienst an der Gemeinschaft Straßenschilder putzt. Josef Dabernigs Kamera beobachtet das Personal eines Speisewagens eines Fernzuges, in dem die Gäste ausbleiben. Alice Creischer und Andreas Siekmann zeigen erstmals ihre ab 1999 entstandene Serie von Animationsfilmen zur Utopie der arbeitsbefreiten Gesellschaft. Annette Weisser und Ingo Vetter veranstalteten unter dem Titel "NameGame*" vor der Kulisse einer Showtreppe, einem goldenen Vorhang und 20 Strohballen und thematisch dem Märchen "Rumpelstilzchen", in dem Stroh zu Gold wird, folgend, Workshops mit prekär Beschäftigten aus dem Kultur- und Wissenschaftsbereich. Die Dresdner Reinigungsgesellschaft untersuchte 2003 in einer Umfrage verschiedene Beschäftigungsgruppen nach ihrem Verhältnis zu Arbeit und entwickelte daraus ein dreidimensionales Raummodell. Für Bremen wollen sie mit ihrem "Body Style Power Generator" die für die Schönheit scheinbar verlorenen Energieressourcen in einem Fitnessstudio in das lokale Stromnetz einspeisen.

Kuratorin: Gabriele Mackert

Es erscheint ein begleitender Katalog mit Texten von Elke Krasny, Roberto Ohrt, Ramón Reichert, Barbara Schröder, Holger Kube Ventura u.a., sowie Künstlertexten.


RAUM FÜR KOMMENTARE IN DER AUSSTELLUNG

Bin beschäftigt - was früher womöglich eine abwehrende Behauptung gegenüber unliebsamen Anliegen war, erscheint in Zeiten, in denen der Mensch mehr und mehr wegrationalisiert wird, Arbeit in Zukunft ein Auslaufmodell zu sein scheint und man sich von der Idee der Vollbeschäftigung verabschiedet hat, nicht mehr unbedingt zu heißen: habe keine Zeit, sondern: Ich habe (noch) Arbeit. Doch so bedrückend die Situation manchmal sein mag, sie bietet die Chance, über das, was wir tun anders nachzudenken. Arbeit bildet einen wesentlichen Bestandteil unseres Selbstwertgefühls. Wer arbeitet, fühlt sich dadurch meistens anerkannt. Aber ist Anerkennung mit Bezahlung gleich zu setzen? Oder ist ein Leben ohne Arbeit vorstellbar? Was macht für Sie Arbeit aus – jetzt, und was sollte sie ausmachen?

In der Ausstellung Bin beschäftigt wartet eine Assoziationswand auf Ihre Kommentare. Dort sind Jugendliche wie Erwachsene, Auszubildende oder Rentnerinnen, Arbeitssuchende und Berufstätige, Einzelne oder Gruppen, Theoretiker, Wissenschaftler oder Künstlerinnen aufgerufen, ihre Geschichten von der Arbeit in die GAK zu bringen und somit möglichst unterschiedliche Lebens- und Arbeitszusammenhänge bei zu tragen:
Mussten Sie Bankkauffrau lernen, obwohl Sie Tierärztin werden wollten?
Können Sie sich in ihrer Arbeit selbst verwirklichen oder ist der Job eher Mittel zum Zweck der Existenzsicherung?
Hängematte oder Schleudersitz, verlässliche Routine oder abwechslungsreiches Risiko?
Wie war das, als Sie damals das erste eigene Geld verdienten?
Mit welchen Gefühlen blicken Sie im Ruhestand auf die heutige Arbeitswelt?
Machen Sie heute noch, was Sie als junger Mensch gelernt haben? Oder warum nicht?
Und schließlich: Wann haben Sie das letzte Mal nichts getan und was war das dann?
Sie können sich auch aus der Ferne an der Kommentarwand beteiligen und uns schreiben.(Presse / GAK Bremen)

FRANCIS ALŸS (B)
JOHN BALDESSARI (USA)
ALICE CREISCHER/ANDREAS SIEKMANN (D)
JOSEF DABERNIG (A)
MATTHIAS KLOS (D/A)
AERNOUT MIK (NL)
JEAN-LUC MOULÈNE (F)
ADRIAN PACI (AL/I)
DANICA PHELPS (USA)
REINIGUNGSGESELLSCHAFT (D)
CORINNA SCHNITT (D)
MARKUS SEIDL/ELISABETH SCHIMANA (A)
ANTJE SCHIFFERS (D)
ANNETTE WEISSER/INGO VETTER (D)

Abbildung: Corinna Schnitt, Zwischen vier und sechs, 1997/98, 16 mm auf DVD, 6:04 min, Farbe, Ton

Es gibt eine Begleitprogramm.

Öffnungszeiten: Di-So 11-18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr

GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen e.V.
Teerhof 21, D-28199 Bremen
Tel: +49 421 500 897

gak-bremen.de

Beziehungsarbeit – Kunst und Institution


Es ist ein zwiespältiges Verhältnis, welches Künstler_innen an die Institutionen ihres Feldes bindet und mehr denn je sind sich Künstler_innen der Verstrickung ihrer Arbeit mit den institutionellen Rahmenbedingungen ihrer Präsentation bewusst. Am Kreuzungspunkt zwischen den Ansätzen der Institutionskritik, die sich Schritt für Schritt zu einer allumfassenden Methode künstlerisch-gesellschaftlicher Bezugnahme entwickelt hat, den verschiedenen Ausformungen ortsspezifischer Kunst und ebenso vielfältigen individuellen Herangehensweisen ist der künstlerische Zugriff auf die Orte und Systeme der Vermittlung allumfassend geworden. Die Palette reicht von der Entwicklung modellhafter Räume über Funktionsverschiebungen und Eingriffe in die operativen Systeme bis hin zur Nutzbarmachung institutioneller Ressourcen für soziale oder aktivistische Zwecke. Das Projekt „Beziehungsarbeit” widmet sich – anlässlich des 150-Jahre Jubiläums der Künstler_innenvereinigung Künstlerhaus – der Vielfalt dieser Zugriffe anhand von Beispielen aus den letzten vier Jahrzehnten. Der Ausgangspunkt liegt dabei auf der Behauptung eines symbiotisch-konstruktiven Verhältnisses zwischen Produktion und Institution und dessen Ausformung als Wunschvorstellung, Inbesitznahme, Mitgestaltung, Kritik und Abwendung.

Häufig im Grenzbereich politischer Aktivität und künstlerischer Praxis, mitbeeinflusst aus ironisch-subversiven Herangehensweisen von Fluxus und Dada, und wesentlich geprägt durch ein Verständnis von Institutional Critique und Site-Specificity als gesellschaftliche Bezugnahme, wurden die Orte und Strukturen von Kunstpräsentation und Vermittlung spätestens seit den 1960er Jahren zu Objekten der Kritik. Direkte Bezugnahme auf Ausstellungsinstitutionen zählt seither beinahe bereits zum „Repertoire” der jeweils aktuellen Kunst.

Bereits sehr früh zeichnet sich jedoch ab, dass jenen Arbeiten, die eine analytisch-kritische Haltung mit räumlich-architektonischer Praxis verbinden – zumindest metaphorische – Potenziale zur Veränderung der Institutionsstrukturen und der Rezeptionserfahrung beinhalten und dass – in nur scheinbarem Gegensatz zu einer offensiv kritischen Haltung – Museen, Galerien, Kunsthallen und Sammlungen „Objekte der Begierde” künstlerischer Arbeit sein können. Es scheint selbstverständlicher Bestandteil des Verhältnisses zwischen Künstler_innen und Institutionen zu sein, dass aus einer Nahebeziehung starke wechselseitige Erwartungshaltungen und Forderungen erwachsen, die den Wunsch mit einschließen, die Trennlinien zu verwischen und Bestandteile des Institutionellen in die eigene künstlerische Arbeit zu integrieren oder dieser Nahebeziehung an den jeweiligen Orten Ausdruck zu verleihen.

Mit Beiträgen von
Georg Baselitz, Helke Bayrle, Martin Beck, Linda Bilda, Monica Bonvicini, Marcel Broodthaers, Daniel Buren, Celine Condorelli & Gavin Wade, Josef Dabernig, Carola Dertnig, Heinrich Dunst, Maria Eichhorn, Robert Filliou, Andreas Fogarasi, Claire Fontaine, Andrea Fraser, Peter Friedl, Katharina Fritsch, Sandra Gamarra, Mario Garcia Torres, Dan Graham, General Idea, Guerilla Girls, Hans Haacke, Natascha Sadr Haghighian, Marlene Haring, Lise Harlev, Erwin Heerich, Christian Helbock, Nikolaus Hirsch & Philipp Misselwitz (in Kollaboration mit Judith Hopf, Raqs Media Collective, Tobias Rehberger, Rirkrit Tiravanija, Anton Vidokle und Eyal Weizman), Candida Höfer, Emily Jacir, Leopold Kessler, Michael Kienzer, Per Kirkeby, Yves Klein, Matthias Klos, Mierle Laderman Ukeles, Louise Lawler, Erik van Lieshout, Marko Lulic, Dorit Margreiter, Tom Marioni, Francois Morellet, Ivan Moudov, Christian Philipp Müller, Nils Norman, Brigitte Pamperl, Lia Perjovschi, Walter Pichler, Florian Pumhösl, Tobias Rehberger, Gerwald Rockenschaub, Stefan Römer, Werner Ruhnau, Ulrich Rückriem, Karin Sander, Thomas Schütte, Yuji Takeoka, Sofie Thorsen, Wolf Vostell, Franz Erhard Walther, Wochenklausur, Jun Yang, Heimo Zobernig

Abbildung: Monica Bonvicini, Building up for Art, Courtesy: Monica
Bonvicini und Galerie Max Hetzler, Berlin, VBK, Wien 2011

Öffnungszeiten: Täglich 10-18, Do 10-21 Uhr

Künstlerhaus k/haus
Karlsplatz 5
1010 Wien
Tel. 01 / 587 96 63
Fax 01/ 587 87 36
k-haus.at


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