Detlef Orlopp - Nur die Nähe - auch die Ferne

Fotografien

5. 03.- 5. 06. 2016 | Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg
Eingabedatum: 07.03.2016

Werkabbildung

Detlef Orlopp vor Gerlinde L., 24.3.1965, Silbergelatineabzug, Besitz des Künstlers. © Detlef Orloppbilder

Ab 5. März zeigt das Kunstforum Ostdeutsche Galerie die nächste Sonderausstellung „Detlef Orlopp. Nur die Nähe – auch die Ferne. Fotografien“. Die Ausstellung, die durch das Museum Folkwang in Essen erarbeitet wurde und dort im letzten Jahr zu sehen war, bietet einen Querschnitt durch das poetische und analytische Œuvre des Künstlers Detlef Orlopp (*1937 Elbing/Westpreußen). Seine wichtigsten Motivgruppen – Seestücke, Wasserlandschaften, Berg- und Gletscheransichten – aber auch die großformatigen Köpfe, die experimentellen Objektdarstellungen sowie das Siegener Frühwerk werden vorgestellt. In rund 180 schwarz-weißen Handabzügen offenbart sich Orlopps Annäherungen zwischen den Themen: Felsformationen oder Gletscher porträtiert er wie menschliche Wesen, Gesichter erkundet er wie Landschaften.



Kunstforum Ostdeutsche Galerie
Dr.-Johann-Maier-Str. 5
93049 Regensburg

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Farbe Form Fotografie Fläche


„Die Kunst ist stets weit abstrakter, als wir glauben. Form und Farbe erzählen von Form und Farbe – sonst nichts. Oft scheint mir, dass die Kunst den Künstler weit mehr verbirgt als offenbart.“ Diese programmatische Aussage von Oscar Wilde belegt die aktuelle Ausstellung „FARBE FORM FOTOGRAFIE FLÄCHE“ der DZ BANK Kunstsammlung. Sie nimmt abstrakte Tendenzen in der künstlerischen Fotografie in den Blick und beleuchtet dabei eine Vielfalt der abstrakten Formensprache in der zeitgenössischen Fotokunst. Im Zusammenspiel mit historischen Positionen stellt sich die Frage, ob Fotografie in der Abstraktion eigene Wege geht oder ob sich Parallelen zur Malerei aufzeigen lassen.

Die Ausstellung versammelt etwa 100 fotografische Arbeiten aus der DZ BANK Kunstsammlung von 27 renommierten internationalen Künstlerinnen und Künstlern aus 10 Ländern. Gezeigt werden Arbeiten von Robert Barry, John Chamberlain, Silvie & Cherif Defraoui, Lucinda Devlin, Christiane Feser, Franco Fontana, Günther Förg, Lutz Fritsch, Andreas Gefeller, Mario Giacomelli, Gottfried Jäger, Naoya Hatakeyama, Raphael Hefti, Peter Keetman, Annette Kelm, Marc Lüders, Detlef Orlopp, Jorma Puranen, Arnulf Rainer, Georges Rousse, Thomas Ruff, Katsuhiro Saiki, Jörg Sasse, Hans-Christian Schink, Shirana Shahbazi, Hiroshi Sugimoto, James Turrell u.a.

Zu sehen ist die Schau vom 8. Februar bis 20. April 2013 im ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung in Frankfurt am Main.


Geschichte der Abstraktion in der Fotografie
Seit dem Aufkommen der Fotografie, in der Mitte des 19. Jahrhunderts, kam der Malerei die Aufgabe abhanden, die Realität abzubilden. Die Fotografie sollte diese Aufgabe übernehmen. Das war der Startschuss für die Malerei, sich abstrahierenden und abstrakten Strömungen zuzuwenden.

Zeitgleich wurde jedoch auch in der Fotografie erstmals die Forderung nach Abstraktion laut, denn die künstlerischen Fotografen orientierten sich an den ästhetischen Entwicklungen der Malerei. Schon 1916 prägte der amerikanische Fotograf Alvin Langdon Coburn den Begriff der „abstrakten Fotografie“ und bezeichnete damit Bilder, in denen ein Gefühl für „Form und Struktur“ das Interesse am Bildgegenstand übersteigen sollte, da er die Funktion der Fotografie nicht länger in der dokumentarischen Abbildung der Dinge sah. Er wollte die Möglichkeiten der Kamera realisieren, um der Fotografie den Status einer äquivalenten Kunstform neben der Malerei zuzusprechen.

Es ist also auffällig, dass die Bewegung hin zur Abstraktion in der Malerei und der Fotografie zeitgleich aufkam. Zu überprüfen gilt es, ob sie bei der Umsetzung gleiche Wege gegangen sind.

Analogien zwischen Fotografie und Malerei
Vor diesem Hintergrund beleuchtet die Ausstellung „Farbe Form Fotografie Fläche“ die Abstraktion in der Fotografie aus beiden Perspektiven. Zum einen zeigen die Bilder Analogien zwischen Fotografie und Malerei auf wie beispielsweise in den Arbeiten von Hans-Christian Schink. Er fotografiert Gebäudefassaden, die als monochrome Flächen erscheinen und in den Primärfarben Rot, Gelb und Blau präsentiert werden. Seine nahezu monochromen Aufnahmen erinnern an Mondrians Bildinhalte ebenso wie an die Farbfeldmalerei der 1960er Jahre und finden sich auch in den Landschaftsaufnahmen von Franco Fontana oder Lucinda Devlin wieder.

John Chamberlain erzeugt Unschärfen mit langer Verschlusszeit und bewegter Kamera, Hiroshi Sugimoto beobachtet in seiner Serie Seascapes das immer gleiche Aussehen differenter Wasserflächen und verfolgt damit die minimalen Unterschiede des vermeintlich Identischen.

In den Arbeiten von Silvie und Chérif Defraoui oder Arnulf Rainer hingegen besteht die Verbindung von Malerei und Fotografie darin, dass durch das Medium Malerei die Sichtbarkeit des Mediums Fotografie ausgelöscht oder verdeckt wird, um damit die Abbildfunktion der Fotografie in Frage zu stellen.

Autonome Entwicklung der Fotografie
Zum anderen macht die Ausstellung auch eine autonome Entwicklung der Fotografie sichtbar. Jörg Sasse und Thomas Ruff sind mit den Werken Lost Memories und Substrat vertreten, die auf Found Footage Material basieren – aus vorgefundenen Aufnahmen, die die Künstler nicht mehr selbst herstellen. Sasse sammelt analoge Amateuraufnahmen, die durch einen Verfallsprozess zersetzt worden sind. Anstelle des Referenzobjekts werden die chemischen Bedingungen der Fotografie sichtbar: bunte Formationen, die die Fotochemie durch bakterielle Einwirkung selbsttätig hervorbringt. Dagegen verwendet Ruff japanische Manga-Comics, die er im Internet aufspürt und so weit verfremdet, dass nur noch ein Kaleidoskop aus knalligen Farben zurückbleibt.

Zeigt sich bei Jörg Sasse oder Raphael Hefti ein Interesse an der Selbsttätigkeit der Fotochemie, verdeutlicht die subjektive fotografie von Peter Keetman das Interesse an Experiment und Gestaltung mit fotochemischen Materialien. Detlef Orlopp, der gleichfalls dem Umkreis der subjektiven fotografie entstammt, nutzt dagegen die Kadrierung, um Landschaftsmotive in abstrakte Bilder zu verwandeln, die sich auf gleiche Weise auch bei Mario Giacometti oder James Turell wiederfinden.

Dagegen wird in den Werken von Christiane Feser nicht nur die Tradition des Konstruktivismus, sondern durch Faltungen und Knicke auch die Erweiterung des zweidimensionalen Fotopapiers in den dreidimensionalen Raum aufgegriffen. Ihre Thematisierung des Papiers als Objekt steht ebenso wie Shirana Shahbazis rhythmische Überlagerung farbiger Flächen in einer Kontinuität mit den reflexiven Arbeiten der generativen Fotografie, die in der Ausstellung durch Gottfried Jäger repräsentiert ist.

Eine spezifische Gattungsbezeichnung ist erschwert bei dem Porträtfoto des amerikanischen Konzeptkünstlers Robert Barry einer Mitarbeiterin der DZ BANK, die für die gesamte Belegschaft des Unternehmens stehen soll. Es ist mit transparentem Acryl bis zur Unkenntlichkeit übermalt, geometrisch angeordnete Worte scheinen das Bild zu durchschweben. Barry selbst nennt diese Bilder „Gemälde“, obwohl sie aus malerischen, fotografischen sowie textlichen Elementen bestehen.

Präsentation von Neuankäufen
Erstmals in einer Ausstellung der DZ BANK Kunstsammlung gezeigt werden neu erworbene Werke von Lucinda Devlin, Gottfried Jäger, Annette Kelm, Christiane Feser und Shirana Shahbazi.

Die amerikanische Künstlerin Lucinda Devlin (Jg. 1947) ist seit Jahren in DZ BANK Kunstsammlung vertreten. Die nun angekaufte dritte Serie zeigt Aufnahmen des Lake Huron am jeweils selben Ort zu unterschiedlichen Jahres- und Uhrzeiten.

Neu in der Sammlung ist der 1937 geborene Gottfried Jäger aus der Generation Zero-Gruppe. Er ist Fotograf, Fototheoretiker und blickt auf eine fast dreißigjährige Hochschultätigkeit an der Fachhochschule Bielefeld zurück. Als Vertreter der generativen Fotografie macht er in seinen Arbeiten das Medium und sein Material zum Thema.

Von der 1975 geborenen Annette Kelm wurde eine zweite Serie für die Sammlung angekauft.

Das Werk der Künstlerin umfasst Stillleben, Porträts, Objekt- und Landschaftsaufnahmen, die sich mit dem Fokus auf Form und Struktur durch eine klare, reduzierte und sachliche Bildsprache auszeichnen.

Christiane Feser (Jg. 1977) hat an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert und lebt und arbeitet in Frankfurt. Die Preisträgerin des Kaiserringstipendiums 2012 verbindet in ihrer Werkserie der „Falten“, mit der sie sich auf Gottfried Jäger bezieht, plastische und fotografische Mittel. Dabei fotografiert sie weiße zerknüllte Papiere, fotografiert sie und verknüpft sie am Computer zu digitalen Faltenlandschaften.

Von Shirana Shahbazi hat die DZ BANK Kunstsammlung die zweite Serie erworben. Shahbazi ist 1974 im Iran geboren, mit ihren Eltern 1985 nach Deutschland emigriert und lebt seit 1998 in Zürich. Die Künstlerin lässt für ihre Arbeiten geometrischen Figuren bauen, die sie dann analog fotografiert.

ART FOYER der DZ BANK Kunstsammlung
Platz der Republik
60325 Frankfurt am Main.
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus 1.
F +49 69 7447 1685
dzbank.de

Die Idee der Landschaft


In der aktuellen Ausstellung der DZ BANK Kunstsammlung „Die Idee der Landschaft“, die vom 26. Juni bis 5. September 2015 im Rahmen von RAY 2015 im ART FOYER gezeigt wird, geht es nicht um die reale Abbildung der Natur, sondern um die Verbildlichung von Gedankenwelten und eine Wirklichkeit, die durch artifizielle Mittel geschaffen wird.

Landschaft ist in den rund 80 Arbeiten von 18 zeitgenössischen Fotokünstlern aus acht Ländern zwar stets Referent des fotografischen Prozesses, doch das bildnerische Ergebnis lässt den vermeintlichen Realitätsbezug der Fotografie hinter sich und verweist darauf, dass jede Abbildung der Realität Abstraktion und Interpretation derselben ist.

Zu sehen sind im ART FOYER Arbeiten von Künstlern der Sammlung sowie Neuerwerbungen von David Armstrong, Olivo Barbieri, Lothar Baumgarten, Caroline Dlugos, Elger Esser, Luigi Ghirri, Rodney Graham, Beate Gütschow, Dan Holdsworth, Andrej Krementschouk, Andreas Mühe, Simone Nieweg, Detlef Orlopp, Jorma Puranen, Heinrich Riebesehl, Adrian Sauer, Stephan Schenk und Anna Vogel.

Das Triptychon „La Gran Sabana” von Lothar Baumgarten (*1944 in Rheinsberg) zeigt die wilde Landschaft der Jahrmillionen alten Hochfläche in Venezuela mit einem tafelförmigen Bergmassiv im Zentrum. Entscheidend für die Arbeiten des Beuys-Schülers und viermaligen Documenta-Teilnehmers sind die diskursive Einlassung auf einen Ort und der Bezug auf dessen Ethnologie.

Wie gemalt wirkt die direkt auf Aluminium gedruckte und mit Shellack versiegelte Fotografie der historischen Gartenanlage von Ninfa. Der in Rom aufgewachsenen Becher-Schüler Elger Esser (*1967 in Stuttgart) beschwört die mythische Szenerie der Nymphen herauf, jenen Flussgottheiten aus der griechischen Mythologie, denen die ursprüngliche Tempelanlage gewidmet war.

Rodney Graham (*1949 in Matsqui/British Columbia) hat seine Arbeiten von auf den Kopf gestellten Eichen wie Auftragsporträts von einem Fotografen anfertigen lassen. Eigenschaften wie Verwurzelung, Standhaftigkeit, Unerschütterlichkeit, die der Mensch der Eiche zuschreibt, werden von Graham sinnbildlich auf den Kopf gestellt. Mit der Ähnlichkeit der Äste und seiner Wurzeln verweist der Künstler auch darauf, dass es Eindeutigkeiten der Wahrnehmung nicht gibt.

Die Bilder, die Beate Gütschow (*1970 in Mainz) konstruiert, wirken wie Landschaftsmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts. Tatsächlich sind die den idealen Landschaften nachempfundenen Kompositionen aus bis zu hundert Einzelaufnahmen am Computer entstanden. „Sampling” nennt Gütschow ihr Verfahren analog zum Zusammenmischen musikalischer Versatzstücke, mit dem sie die Authentizität fotografischer Reproduktionen hinterfragt.

Detlef Orlopp (*1937 in Elbing/Westpreußen) verwandelt die Oberflächen von Landschaft in reduzierte, aber keineswegs abstrakte Bilder. Seine Fotografien stellen den Betrachter vor die Frage, was genau man eigentlich sieht. Wasser, Gletscher oder Gestein? Die gewohnte Wahrnehmung, die neue Bilder inneren Bildermodellen zuordnet, funktioniert hier nicht mehr.

Die konzeptuellen Fotoarbeiten von Adrian Sauer (*1976 in Berlin) analysieren die Fotografie des digitalen Zeitalters. Der Meisterschüler von Timm Rautert erforscht dabei mit besonderer Raffinesse alle Aspekte, Verwertungs- und Herstellungsweisen des digitalen Bildes.

Der in der Schweiz lebende Stephan Schenk (*1962 in Stuttgart) dokumentiert in seinen Arbeiten die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. Seine Arbeiten zeigen in wörtlichem Sinne in der Größe eines Soldatengrabes einen kleinen Ausschnitt des Bodens. Der fragmentarische Blick und die Vogelperspektive lassen die Aufnahmen abstrakt wirken und erzeugen zugleich eine starke physische Präsenz. Diese Präsenz wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass die Aufnahmen zu monumentalen Tapisserien verwoben sind.

Anna Vogel (*1981 in Herdecke), Meisterschülerin von Andreas Gursky, collagiert am Computer eigene Fotoaufnahmen oder im Internet Gefundenes. Diese übermalt sie digital, schneidet Aussparungen und Linien hinein, retuschiert sie oder arrangiert sie neu. Die Landschaften kommen einem irgendwie vertraut vor, aber gleichzeitig irritieren sie durch fast surrealistische Mittel.




DZ BANK Kunstsammlung - ART FOYER
Platz der Republik, 60325 Frankfurt/Main
Öffentlicher Zugang: Friedrich-Ebert-Anlage / Cityhaus I
Öffentliches Parkhaus „Westend“
dzbank-kunstsammlung.de




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