News -->(Eingabedatum: 13.11.2009, Frankfurt )
Botticelli - Städel Museum, Frankfurt
Vom 13. November 2009 bis 28. Februar 2010 präsentiert das Städel Museum die erste monografische Ausstellung zu Sandro Botticelli (1444/45–1510) im deutschsprachigen Raum. Ausgehend von seinem monumentalen Weiblichen Idealbildnis, einem der Hauptwerke der Sammlung des Städel Museums, zeigt die Ausstellung rund 500 Jahre nach Botticellis Todestag (17. Mai 1510) zahlreiche Werke aus allen Schaffensphasen des großen Meisters der italienischen Renaissance.

Zu Beginn der Ausstellung führen Porträts sowie allegorische Bildnisse vor Augen, wie differenziert der Maler diese hoch entwickelte Gattung zu nutzen und durch neue Impulse zu bereichern verstand. Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen Botticellis berühmte mythologische Darstellungen weiblicher Gottheiten und Tugendheldinnen, während sich das dritte Kapitel der Ausstellung schließlich dem reichen Bestand seiner religiösen Malerei widmet. Insgesamt präsentiert die Ausstellung mit über 40 Werken Botticellis und seiner Werkstatt eine umfassende Auswahl seines weltweit erhaltenen Werks. Weitere 40 Arbeiten, darunter Werke von Zeitgenossen wie Andrea del Verrocchio, Filippino Lippi oder Antonio del Pollaiuolo, stellen Botticellis kostbare Schöpfungen in den historischen Kontext ihrer Entstehung.
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Ausgangspunkt und Zentrum der gattungsübergreifenden Ausstellung ist ein nicht nur in Frankfurt weithin bekanntes Hauptwerk aus der Sammlung des Städel Museums: das Idealbildnis einer jungen Dame, die wahrscheinlich mit Simonetta Vespucci, der geliebten Turnierdame von Lorenzos Bruder Giuliano de’ Medici, zu identifizieren ist. Es geht in diesem Bildnis nicht so sehr um ein lebensnahes Konterfei der Dargestellten als vielmehr um das auch in der zeitgenössischen Poesie reflektierte Ideal einer Frau, die sich durch vollkommene Schönheit und ebenso vollkommene Tugendhaftigkeit auszeichnet. Ein solches Ideal definiert sich nicht zuletzt durch die Auseinandersetzung mit der Antike: So trägt die Schöne ein Schmuckstück um den Hals, das offensichtlich auf eine antike Gemme mit der Darstellung von Apoll und Marsyas zurückgeht, die gleichfalls in der Ausstellung zu sehen sein wird. Botticellis berühmtes Bildnis des Giuliano aus der National Gallery of Art in Washington wird in Frankfurt dem Porträt seiner geliebten Simonetta gegenübergestellt. Die beiden Gemälde stehen im Zentrum des ersten Teils der Ausstellung, welcher der Bildniskunst Botticellis gewidmet ist und an prominenten Beispielen das Wechselspiel von sozialer Norm und künstlerischer Form sowie die unterschiedlichen Gattungskonventionen des männlichen und des weiblichen Porträts vor Augen führt.
Das zweite Kapitel der Ausstellung handelt von den mythologischen Bildern Botticellis, die zu den originärsten Schöpfungen des Künstlers zählen. Die Uffizien in Florenz, welche die umfangreichste und wichtigste Botticelli-Sammlung weltweit bewahren, unterstützen die Frankfurter Ausstellung unter anderem mit einem ihrer populärsten Hauptwerke: der berühmten Minerva mit dem Kentaur, einem der monumentalen mythologischen Gemälde, das im Kontext der mediceischen Selbstdarstellung steht. Gemeinsam mit Botticellis Primavera hing es einst im Schlafgemach eines Florentiner Stadtpalastes der Bankiersfamilie. Minerva bändigt hier mit ihrer Weisheit und Tugend den wilden Kentauren, der sich seinen Leidenschaften hingibt. Die Beherrschung und Kultivierung der Affekte ist ein zentrales Thema in der Philosophie der Antike und – in Verschmelzung mit christlichem Gedankengut – auch der Renaissance; solche Themen fanden unter den Malern in Botticelli ihren kongenialen Interpreten. Dabei sind die politische Dimension und der Bezug zur Auftraggeberfamilie symbolisch in Gestalt der ineinander verschlungenen Diamantringe auf dem Gewand der Minerva präsent, die zu den Emblemen der Medici zählen. Eine weitere große Frauengestalt im Werk des Florentiner Künstlers ist die Venus. In seiner lebensgroßen Venus aus der Berliner Gemäldegalerie wiederholte Botticelli die zentrale Figur aus der (nicht leihfähigen) Geburt der Venus in den Uffizien, die er aber aus dem szenischen Kontext isolierte und auf schwarzen Grund setzte. Damit schuf er eine der ersten monumentalen Aktdarstellungen in der nachantiken Malerei.
Der dritte Teil der Ausstellung widmet sich schließlich den religiösen Bildern Botticellis. Neben den Bildnissen und den Mythologien sind es vor allem die Madonnen, denen Botticelli bis heute seinen Ruhm verdankt. Nach theologischer Vorstellung ist Maria die ideale Frau unter den Heiligen: die tugendhafteste und zugleich schönste, die Braut des Hoheliedes. Neben vielen anderen Werken, die von den frühesten Arbeiten unter dem Einfluss seines Lehrers Fra Filippo Lippi bis zum Spätstil reichen, zeigt die Frankfurter Ausstellung eine der schönsten Madonnen Botticellis: Maria, das Kind anbetend. Bei dem Gemälde aus der National Gallery of Scotland in Edinburgh, dessen brillante Farbigkeit erst vor einigen Jahren durch eine Restaurierung wieder freigelegt worden ist, folgt die Physiognomie der Madonna demselben weiblichen Idealtypus, den der Maler für Idealbildnisse und antike Göttinnen entwickelt hat. Des Weiteren umfasst das Kapitel erzählende Bilder, darunter ein abgenommenes Fresko mit der Verkündigung, das sich einst in der Vorhalle des Hospitals von San Martino alla Scala in Florenz befand und heute in den Uffizien aufbewahrt wird. Nicht nur die gewaltige Größe des Freskos (243 x 550 cm), sondern auch seine malerische Qualität bezeugt Botticellis herausragende Bedeutung im Medium der Wandmalerei. Einen Schluss- und zugleich Höhepunkt der Ausstellung bilden vier Tafeln mit Szenen aus dem Leben des hl. Zenobius, eines frühen Bischofs und Stadtpatrons von Florenz. Auf Museen in London, Dresden und New York verteilt, können sie in Frankfurt erstmals wieder zusammengeführt werden. Zu den wichtigsten Schöpfungen seines Spätwerks und seinen letzten Arbeiten überhaupt zählend, stellen sie eine Art künstlerisches Vermächtnis Botticellis dar. (Presse / Städel Museum)
Abbildung: Sandro Botticelli (1444/45-1510)
Weibliches Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als
Nymphe)
Pappelholz, 81,8 x 54 cm
Frankfurt, Städel Museum,
Foto: Ursula Edelmann – Artothek
Öffnungszeiten: Dienstag, Freitag bis Sonntag 10–18 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 10-21 Uhr
Städel Museum
Schaumainkai 63
60596 Frankfurt
Telefon +49(0)69-605098-0
Information:
staedelmuseum.de,
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