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Subversion der Bilder - Surrealismus, Fotografie und Film, Fotomuseum Winterthur (27.2.-23.5.10)

27.02.2010, Surrealismus, Winterthur

film

Das Fotomuseum Winterthur präsentiert vom 27. Februar bis 23. Mai 2010 mit der Ausstellung Subversion der Bilder - Surrealismus, Fotografie und Film eine aussergewöhnlich reichhaltige Übersicht der surrealistischen Fotografie. Die Ausstellung umfasst mehr als 400 Fotografien, Filme und Dokumente: von den berühmtesten Fotografien von Man Ray, Hans Bellmer, Claude Cahun, Raoul Ubac, Jacques-André Boiffard und Maurice Tabard hin zu unbekannten Bildern, zu Magazinpublikationen, Künstlerbüchern, Werbung, zur Faszination für das „rohe, vorgefundene Dokument“, zu Automatenfotos und Gruppenbildern der Surrealisten. Die Ausstellung gibt ebenfalls Gelegenheit, die weniger bekannten fotografischen Werke von Paul Eluard, André Breton, Antonin Artaud oder George Hugnet, die fotografischen Spiele von Leo Malet oder Figuren wie Artür Harfaux oder Benjamin Fondane zu entdecken. Mehr als 20 Jahre nach der letzten grossen Aufarbeitung, „L amour fou – Photography & Surrealism“ (1985) von Rosalind Krauss und Jane Livingstone, demonstriert und diskutiert die Ausstellung Subversion der Bilder – Surrealismus, Fotografie und Film ausführlich die Offenheit, Vielfältigkeit und Experimentierlust, mit denen die Surrealisten die Fotografie eingesetzt haben.

Die surrealistische Formensprache hat schon lange den Weg über Mode, Werbung, Medien in den Alltag gefunden. Unter dem Begriff Surrealismus wird heute alles vereint, was magisch, traumhaft verspielt und unergründlich daherkommt. Dabei wird oft vergessen, dass die Surrealisten eine Gruppe von Künstlern und Schriftstellern waren, die sehr pointiert auf Weltveränderung und Selbsterkenntnis hinwirkten und auch gesellschaftspolitische Fragen kritisch reflektierten. Die surrealistische Avantgarde verstand sich als revolutionäre Gegenbewegung zum bürgerlichen Wertesystem. Mit neuen Bildfindungen wurden das Dasein in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und vor dem Zweiten Weltkrieg, also in einer Zeit grosser gesellschaftlicher und politischer Instabilität, hinterfragt und mit verschiedenen künstlerischen Strategien eingespielte Sicht- und Denkweisen dekonstruiert. Fotografie schien dabei als bevorzugtes Medium den Bedürfnissen der Surrealisten am meisten zu entsprechen.

Der erste Teil der Ausstellung, L’action collective, zeigt, wie die Surrealisten durch die Fotografie zu einer Einheit verschmolzen; wie sehr sie ihre gemeinsame Identität aufgebaut haben, indem sie sich über die Regeln des fotografischen Gruppenporträts hinwegsetzten. Von Amateur-Sketchen über die Erotik im Stil von de Sade bis hin zum Absurden Theater untersucht Le théâtre sans raison in einem zweiten Teil, wie die Surrealisten das Medium Fotografie nutzten, um improvisierte oder sorgfältig inszenierte, immer jedoch für das Objektiv geschaffene Situationen aufzunehmen. Im dritten Teil wird der Wert der Fotografie als Dokumentation eines Tatbestandes hinterfragt; ihre Fähigkeit, die Manifestationen des Wunderbaren, denen man auf ziellosen urbanen Streifzügen begegnet, festzuhalten. La table de montage fasst die unterschiedlichen Techniken zusammen, mit deren Hilfe die Bilder zusammengefügt wurden: Fotomontage, cadavres exquis, Cubomania, Scrapbooks, Filmmontagen, synoptische Bilder und so weiter. In Le modèle intérieur geht es um die Art und Weise, wie die surrealistischen Fotografen die Vorstellung plastisch und thematisch umsetzten, die Breton zum Paradigma der surrealistischen Kreation erkoren hatte. Die Fotografie diente den Surrealisten auch dazu, ihre Schaulust zu befriedigen, die formal in der doppelten Bewegung des Zuschneidens und der Scharfeinstellung sowie dem verschwenderischen Einsatz der Grossaufnahme zum Ausdruck kam. In Anatomie de l’image, wird eine Bestandsaufnahme der verschiedenen Techniken vorgenommen, die der surrealistischen Bewegung nahestehende Fotografen entwickelt haben, um den fotografischen Realismus wie einen Handschuh umzudrehen und so eine dem Surrealismus eigene Bilderwelt zu erzeugen. Zum Schluss zeigt Du bon usage du surréalisme, wie sehr die surrealistischen Fotografen durch ihre Arbeit in der Werbe-, Mode- oder Verlagsbranche dazu beigetragen haben, den surrealistischen Geist in der Öffentlichkeit zu verbreiten.

Der Titel „Subversion der Bilder“, mit dem der belgische Surrealist Marcel Mariën eine Fotoserie von Paul Nougé überschrieben hatte, soll zum Nachdenken anregen. Für die Surrealisten bestand die Herausforderung wohl darin, die Bilder umzustürzen und auf diese Weise die Darstellungsformen zu verändern. Aber es geht ebenso – und vielleicht sogar vor allem – darum, durch das Bild umzustürzen, also die Gegebenheiten der Realität durcheinanderzubringen. „Durch die Kraft der Bilder“, schrieb Breton, „können sich im Laufe der Zeit die wahren Revolutionen vollziehen.“

Die Überblicksausstellung wird vom Centre Pompidou in Paris organisiert und in Zusammenarbeit mit der Fundación Mapfre, Madrid, und dem Fotomuseum Winterthur gezeigt. Das Fotomuseum Winterthur ist die einzige deutschsprachige Station dieser Ausstellung.
Kuratoren sind Quentin Bajac, Clément Chéroux, Guillaume Le Gall, Philippe-Alain Michaud und Michel Poivert. (Presse)

Abbildung: Eli Lotar, Germaine Krull
Sans titre (Ohne Titel), ca. 1930
Vintage Silbergelatine-Glasplatte, 9 x 12 cm
Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, Paris
Geschenk von Anne-Marie und Jean-Pierre Marchand
© RMN / Museum Folkwang, Essen

Fotomuseum Winterthur
Grüzenstrasse 44 + 45
CH-8400 Winterthur (Zürich)

Telefon +41 52 234 10 60
Infoline +41 52 234 10 34
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