Jaques Jordaens - Museum Fridericianum, Kassel (1.3.-16.6.2013)

01.03.2013


bilder

Jaques Jordaens, Huldigung der Ceres, um 1624/25, Öl auf Leinwand,
165 x 112 cm, Madrid, Museo Nacional del Prado, Inv. PO15470 (Foto: Museo Nacional del Prado)

Jordaens und die Antike / Jordaens und die Moderne

Jordaens und die Antike

Peter Paul Rubens, Anthonis van Dyck und Jacques Jordaens gelten als die drei führenden Meister der flämischen Barockmalerei. Während es zu den beiden ersten in der Vergangenheit bereits zahlreiche Ausstellungen gegeben hat, stand Jacques Jordaens, der nach dem Tod von Rubens (1640) und van Dyck (1641) für beinahe 40 Jahre den Kunstmarkt in Flandern beherrschte, bislang stets im Schatten der Aufmerksamkeit. In Kassel und Brüssel gab es bereits jeweils eigene erfolgreiche Ausstellungen zu Rubens. Nun soll erstmals gemeinsam das Werk von Jacques Jordaens in den Blick genommen und in einer Ausstellung in Brüssel und Kassel gezeigt werden.
Die in Kooperation mit den Königlichen Kunstmuseen Belgiens in Brüssel vorbereitete Ausstellung „Jordaens und die Antike“ verfolgt die Absicht, das durch romantische und nationalistische Mythen des 19. Jahrhunderts geprägte Bild von Jordaens als volksnahem und gutbürgerlichem Maler fröhlicher Gesellschaften zu revidieren, wie er sich z.B. in den beliebten Darstellungen „Der König trinkt!“ oder „Wie die Alten sungen, so pfeifen auch die Jungen“ zu zeigen scheint. Durch intensive vorbereitende Forschung ist es möglich, dieses Bild in der Ausstellung eindrucksvoll zu widerlegen. Die Antikenrezeption ebenso wie die Nähe zu hochadligen Auftraggebern war bisher das Privileg seines Antwerpener Malerkollegen Rubens. Doch bewegte sich Jacques Jordaens ähnlich wie er in einem Kreis von Kennern und Sammlern. Jordaens rezipierte zahlreiche antike Quellen, sei es literarisch oder künstlerisch, und gelangte zum Teil zu völlig neuartigen Deutungen der antiken Geschichte. Am bekanntesten ist vielleicht die Fabel von Aesop „Der Satyr beim Bauern“, die Jordaens in verschiedenen Fassungen schuf. Sein Zugang zur Antike ist höchst originell, seine Götter und Helden wirken erdverbundener, gleichzeitig dem Betrachter näher. In den monumentalen Gemälden wird Antike lebensnah präsentiert.
Zahlreiche Leihgaben aus den großen Museen Europas sowie aus Privatbesitz, die zum Teil noch nie öffentlich zu sehen waren, bereichern diese Ausstellung. Anhand von über 100 Werken von Jordaens und seinen Zeitgenossen sowie antiken Kunstwerken entsteht ein faszinierendes Panorama der Antikenrezeption in der flämischen Barockmalerei. Die Präsentation im Museum Fridericianum, die im Anschluss an die Ausstellung in Brüssel gezeigt wird, ist darüber hinaus die erste monographische Werkschau von Jordaens in Deutschland!
Die Ausstellung „Jordaens und die Antike“ steht unter der Schirmherrschaft Ihrer Majestäten König Albert II. und Königin Paola und des deutschen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Jordaens und die Moderne

Begleitausstellung zu „Jordaens und die Antike“
Welche Wirkung hat Jacques Jordaens noch heute? Bis in die Gegenwart zeigen sich Künstler beeindruckt und beeinflusst durch die Arbeiten des flämischen Meisters. „Jordaens und die Moderne” verfolgt diese Aktualität und präsentiert in umittelbarer Nähe zu Jordaens Werken die Arbeiten von drei ausgewählten zeitgenössischen Künstlern – Johannes Grützke, Hubertus Giebe und Rainer G. Mordmüller –, die sich dezidiert mit Jordaens auseinandersetzen. Dessen Themen und Motive, aber auch Stil und Kompositionsweisen scheinen hier neu auf, inspirieren, werden variiert, transponiert, übersetzt und fortgesetzt.
Johannes Grützke (geb. 1937), Mitbegründer der Berliner ‚Schule der neuen Prächtigkeit’, versammelt wie Jordaens eine Fülle von Figuren auf engem Raum, die bisweilen regelrecht aus dem Bild heraus zu stürzen scheinen. Üppige, barocke Sinnlichkeit kombiniert er mit Überspitzung und ironischer Brechung und schafft großformatige Werke, die wie Paraphrasen auf Jordaens’ Kompositionen wirken; Grützke selbst bezeichnet den flämischen Meister als seinen malerischen Ahnen.
Der in Dresden lebende Hubertus Giebe (geb. 1953), der hier auch Malerei und Grafik studierte und lehrte, knüpft in seinem eigenen Werk an bildnerische Traditionen von Renaissance und Barock an. Seine auf engen Raumstreifen wie bei Jordaens blockhaft verdichteten Figurengruppen ergeben spannungsreiche Kompositionen, übernehmen einen expressiven Stil und schildern zugleich ernste, mythenhaft wirkende Szenen, die auch zu Jordaens’ Oeuvre zählen.
Rainer G. Mordmüller (geb. 1941) lehrte an der Universität Osnabrück und lebt heute in Bremen und Paris. Seit den 1990er Jahren greift er in großformatigen malerischen Zyklen bevorzugt auf die Kunst des flämischen Barock zurück. Nicht nur zeigt er sich in Skizzen fasziniert von der Dynamik und Lebendigkeit der Jordaens-Bilder, sondern kehrt vor allem immer wieder zurück zu Variationen des Themas der Tischgesellschaft, das in Sujets wie „Der König trinkt!” zu Jordaens’ häufigsten Kompositionen zählt.
Wie „Jordaens und die Antike” einen neuen Zugang zum Verständnis dieses Künstlers schaffen soll und ihn aus dem Schatten berühmter Zeitgenossen wie Rubens heraustreten lässt, so eröffnet auch die Begleitausstellung „Jordaens und die Moderne“ neue Perspektiven auf Werk und Wirkmacht dieses ‚Alten Meisters’. Jordaens’ Arbeiten verdienen demnach nicht nur historische Würdigung, sondern bieten bis heute das Potenzial ästhetischer Neuerung.

Museum Fridericianum
Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel
museum-kassel.de

pm









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