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Nathalie Djurberg und Hans Berg

A JOURNEY THROUGH MUD AND CONFUSION WITH SMALL GLIMPSES OF AIR

28. 02. - 26. 05. 2019 | Schirn Kunsthalle Frankfurt
Eingabedatum: 25.02.2019

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Die Begegnung mit den Filmen von Nathalie Djurberg (*1978) und Hans Berg (*1978) hat etwas von einer Verführung – eindrucksvoll und unmittelbar ziehen sie die Betrachter an, hinein in farbenprächtige, von hypnotischer Musik begleitete, suggestive Welten. In spielerisch erzählten, düsteren Fabeln voller schwarzem Humor werden die großen Fragen der Menschheit verhandelt. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt stellt das Werk des schwedischen Künstlerpaars erstmals in einer umfangreichen Überblicksausstellung in Deutschland vor. Zu sehen sind rund vierzig Video- und Soundarbeiten der letzten zwei Jahrzehnte, darunter frühe Videos wie My Name is Mud (2003) und Tiger Licking Girl’s Butt (2004), großformatige Rauminstallationen wie The Parade (2011), The Potato (2008) und The Experiment (2009), jüngste Arbeiten, etwa One Need Not Be a House, The Brain Has Corridors (2018) und Dark Side of the Moon (2017), zahlreiche Skulpturen und die erste Virtual-Reality-Arbeit des Künstlerpaars It Will End in Stars (2018).
Bereits im Jahr 2003 wurde Nathalie Djurberg mit ihren Stop-Motion-Filmen bekannt – eine langsame, sehr aufwendige Animationstechnik, bei der mit einer Serie von Standbildern die Illusion einer Bewegung erzeugt wird. Die Puppen aus Knetmasse, Ton, Textil und Kunsthaar sind Protagonisten einer filmischen Narration, die seit 2004 durch die Musik von Hans Berg ergänzt wird. Zu jedem Film komponiert Berg einen spezifischen Sound. Die Ausstellung beleuchtet das gemeinsame künstlerische Schaffen von Nathalie Djurberg und Hans Berg. Das Künstlerpaar arbeitet dabei ganz intuitiv im jeweils eigenen Medium – ohne vorgefertigtes Skript, Storyboard oder festgelegten Spannungsbogen. Das Prozesshafte des Arbeitens steht im Vordergrund, sie versuchen nicht, ein Ende zu finden, sondern es kommt auf den Prozess selbst an. Durch das Zusammenspiel von Skulptur, bewegtem Bild und Sound werden die Betrachter von einem Sog erfasst, dem sie sich kaum entziehen können. Djurberg und Berg lassen ihre Figuren an ahnungsvollen Schauplätzen, im Wald, in einer Höhle, einer Kammer oder auf einer Bühne in Aktion treten, wo sie getrieben von einem unbewussten, inneren Verlangen schmerzliche oder groteske Situationen erleben. Die Künstler nehmen die Besucher der Ausstellung mit auf eine Reise ins Innere des Menschen – mit Filmen, die absurden Träumen wie auch verdrängten Erinnerungen gleichen und atmosphärisch verdichtet die Grenzen des menschlich Erträglichen ergründen.

Philipp Demandt, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt: „Nathalie Djurberg und Hans Berg sind Künstler mit einem eigenwilligen Werk, das in der Gegenwartskunst seinesgleichen sucht. Und es ist daher von ganz besonderem Wert, dass wir ihr gemeinsames künstlerisches Schaffen unseren Besuchern erstmals in diesem Umfang in Deutschland präsentieren können. Ihre Filme, Installationen, Skulpturen und Kompositionen gleichen absurden Träumen wie auch verdrängten Erinnerungen.“

Katharina Dohm, Kuratorin der Ausstellung in der Schirn, über die Künstler: „Die Spannung in den Stop-Motion-Filmen von Nathalie Djurberg entsteht aus der Diskrepanz des vermeintlich spielerischen Mediums und den Handlungen, die oftmals an die Grenzen des menschlich Erträglichen rühren. Eine wesentliche Rolle spielt die Musik von Hans Berg, die die Stimmungen in den Filmen unterläuft oder steigert und so weitere Deutungsebenen eröffnet. Die Betrachter befinden sich scheinbar unvermittelt in einer voyeuristischen Perspektive, sie müssen sich in Beziehung zu den Exzessen und der Verletzlichkeit der Figuren setzen.“

RAUMINSTALLATIONEN
Die Ausstellung gruppiert sich um drei großformatige Rauminstallationen, die in Deutschland in dieser Zusammenstellung noch nie öffentlich zu sehen waren: The Parade (2011), The Potato (2008) und The Experiment (2009).
Den Auftakt bildet die Installation The Parade (2011), die aus bunt bemalten Skulpturen unterschiedlicher Vögel aus Draht, Ton und Leinwand sowie den fünf Videoarbeiten I Wasn’t Made to Play the Son, I am Saving this Egg for Later, Deceiving Looks, Open Window und Bad Eggs besteht. Wie häufig in den Arbeiten von Nathalie Djurberg und Hans Berg wird der Betrachter plötzlich zum Voyeur einer Handlung, zu der er sich in Beziehung setzen muss. Oft arbeiten die Künstler dabei auch mit nicht eindeutigen Opfer- und Täterfiguren.
Mit The Potato (2008) präsentiert die Schirn auch eine begehbare Skulptur in Form einer Kartoffel. In ihrem Inneren betten Djurberg und Berg in Hohlräumen drei Filme ein: It’s the Mother, Once Removed on My Mother’s Side und We Are Not Two, We Are One. Die Arbeit verhandelt in verschiedenen Erzählungen Traumata und Übergriffe sowie abweichendes und zwanghaftes Verhalten ihrer Protagonisten.
Die Installation The Experiment (2009) entstand für die Biennale in Venedig 2009 und wurde dort mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet. Skulpturen überdimensionaler Blumen und seltsamer Urwesen werden von drei Filmen mit den Titeln Forest, Cave und Greed begleitet. Im Zusammenspiel lassen diese Assoziationen an einen Garten der Lüste oder eine Unterwelt ohne Regeln zu.

FRÜHE ANIMATIONEN
Die frühesten Arbeiten der Ausstellung stammen aus dem Jahr 2003 und sind noch vor der Zusammenarbeit von Nathalie Djurberg und Hans Berg entstanden. Die animierten Kohlezeichnungen My Name is Mud (2003) und Untitled (Vargen) (2003) markieren Nathalie Djurbergs künstlerischen Übergang von der Malerei zum bewegten Bild. Bis heute versteht sich die Künstlerin in erster Linie als Malerin. In der Folge entstanden dann erste Filme mit Knetanimationen, zunächst einfache, kurze Szenen, die dann zunehmend komplexer werden und ab 2004 um die jeweils eigens von Hans Berg komponierte Musik erweitert wurden.
Eine Auswahl von acht frühen Animationen von Djurberg und Berg aus der Zeit von 2004 bis 2012 zeigt die Schirn im Umgang der Rotunde. Zentrale Themen sind Metamorphosen und das Verhältnis zur Natur, etwa in Turn into Me (2008) oder Putting Down the Prey (2008). Die Arbeiten verhandeln auch Sozialsatire und Klischees, etwa in New Movements in Fashion (2006) und The Parade of Rituals and Stereotypes (2012). Weitere Filme widmen sich Sexualität und sinnlosen Ritualen, die im Konflikt mit gesellschaftlichen Normen und persönlichen Begierden stehen, wie Tiger Licking Girl’s Butt (2004) und Untitled (Acid) (2010) oder dem schmalen Grat zwischen Fürsorge und Missbrauch wie in Florentin (2004).
Die immersive Soundinstallation The Black Pot (2013) ist die einzige abstrakte Arbeit in der Ausstellung. Und es ist gleichzeitig die einzige Arbeit, bei der die Künstler ihren Arbeitsprozess umgekehrt haben: Hier steht die Musik von Hans Berg am Anfang des Werkprozesses und Nathalie Djurberg entwickelte dazu eine Darstellung von abstrakt pulsierenden und sich verwandelnden Formen und Farben, die in zyklischem Verlauf wieder auftauchen und über die vier Projektionsflächen wandern. Die Animation basiert auf Ölkreidezeichnungen, die Djurberg auf einer latexbeschichteten Fläche zeichnete, dann mit Spachtel und Lappen teilweise wieder abkratzte oder wischte, bevor sie die nächste Sequenz bearbeitete.

NEUESTE WERKE
Die Ausstellung präsentiert auch zahlreiche in den letzten Jahren entstandene Arbeiten, darunter die beiden Skulpturen: Cheer Up – Yes You Are Weak And Yes, Life is Hard (2018) und My Fixation With Making You Happy And Content (2018). Wie in vielen Werken von Djurberg und Berg wird die Tierwelt hier vermenschlicht, ein Mittel zur Darstellung menschlicher Brutalität und Bestialität, das man auch aus Fabeln oder Märchen kennt.
Die Schirn zeigt zudem die Filme Delights of an Undirected Mind (2016) und Snake With a Mouth Sewn Shut, or, This is a Celebration (2018). In Letzterem arbeitet Djurberg mit Textfragmenten, die sie wie eine Kommentarebene einsetzt. Sie nutzt Schrift immer wieder als künstlerisches Medium etwa auch in Untitled (Vargen) (2003), The Parade of Rituals and Stereotypes (2012) oder One Need Not Be a House, The Brain Has Corridors (2018). In Kombination mit den Filmbildern und der von Hans Berg komponierten Musik entstehen so weitere Deutungsebenen.
In einem Kinoraum sind schließlich auf großer Leinwand drei Filme zu sehen, in denen der Sound eine entscheidende Rolle einnimmt: Worship (2016) spiegelt die Ästhetik von Musikvideos und der Clubkultur und wird in der Ausstellung von einer Installation mit 14 Objekten flankiert. Der märchenhaft anmutende Film Dark Side of the Moon (2017) kreist um eine Hütte auf einer Waldlichtung, in die einige Figuren verzweifelt versuchen, Zutritt zu erhalten. Zu den ganz neuen Werken für die Ausstellung gehört auch One Need Not Be a House, The Brain Has Corridors (2018). Pulsierende Musik begleitet die Betrachter durch verwinkelte Korridore, in denen Figuren aus früheren Filmen wieder auftauchen wie etwa der Wolf, womöglich ein Alter Ego der Künstlerin.

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, 60311 Frankfurt
www.schirn.de

Presse




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