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Boris Mikhailov. The Space Between Us

16.11.2019 - 9.2.2020 | Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
Eingabedatum: 11.11.2019

bilder

30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion präsentiert die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden mit Boris Mikhailov eine künstlerische Position, die stark von den politischen und sozialen Umschwüngen dieser Zeit geprägt ist und zugleich eine wichtige Stimme der Gegenwart darstellt.

Seit den 1960er-Jahren experimentiert der 1938 in Charkow in der heutigen Ukraine geborene Künstler mit den Möglichkeiten der Fotografie. Sein Blick zielt dabei immer wieder auf die Ränder, die der Gesellschaft ebenso wie die des normativ Zeigbaren. So bestechen seine Werke durch eine oft direkte, schonungslose Bildsprache und einen starken konzeptuell-performativen Umgang mit der Wirklichkeit. Heute zählt Mikhailov zu den bedeutendsten Künstlern im Bereich der zeitgenössischen Fotografie.

Im Zentrum der Baden-Badener Ausstellung, die zahlreiche Werkzyklen von 1965 bis heute versammelt, steht ebenjener konzeptuell-performative Ansatz des Künstlers. Präsentiert werden Fotografien wie die Serie von Vier, die in den frühen 1980er-Jahren entstand und bisher nur sehr selten gezeigt wurde. In Baden-Baden ist sie zum ersten Mal umfänglich zu sehen und deutet auf eine der wichtigsten künstlerischen Maximen Mikhailovs: die Serialität. Die Wahrheit, so Mikhailov, liegt nie in einem einzigen Bild, sondern in der Beziehung zwischen verschiedenen.
Auch das Werk Case History, mit dem er in den 1990er-Jahren internationale Bekanntheit erlangte, ist hiervon geprägt. Die insgesamt über 400 Bilder umfassende Serie, die mit obdachlosen Menschen in Charkow entstand, nimmt die Verlierer des Systemwechsels in den Fokus. Besonders in der Gruppierung der Bilder wird die Komplizenschaft zwischen den Personen vor und hinter der Kamera deutlich.

Die Serie Parliament wird erstmals in Deutschland gezeigt. Hier arbeitet der Künstler mit Fernsehbildern von Politiker*innen, deren Körper durch digitale Bildstörungen in suprematistisch anmutende Teile zerlegt sind. Die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper als Ort sozialer Einschreibungen zeigt sich auch in Mikhailovs wiederholter Beschäftigung mit dem Motiv der Badenden: Während es in Crimean Snobbism um den spielerischen Verweis auf die vergangenen glorreichen Zeiten des Kurortes Gurzuf auf der Krim geht, steht in Salt Lake die Eigentümlichkeit einer ordinären Badepraxis im Mittelpunkt, die sich an einem industriell genutzten See in der Nähe von Slavjansk entwickelt hat.

Boris Mikhailov ist der diesjährige Brenners Artist in Residence. Unser herzlicher Dank gilt dem Brenners Park-Hotel & Spa.

Über den Künstler:
In der Sowjetunion nicht als offizieller Künstler anerkannt, arbeitete Boris Mikhailov lange im Privaten und entwickelte ein Werk, das sich kritisch mit dem politischen System und seinen bildlichen Repräsentationen auseinandersetzte. Hierzu gehörte auch, den Blick auf Motive des Alltäglichen zu richten, die aus diesen Repräsentationen ausgeschlossen waren.
Heute lebt und arbeitet Mikhailov in Berlin und Charkow. Seit den 1990er-Jahren wurden seine Werke in zahlreichen Ausstellungen weltweit präsentiert, u.a. im Museum of Contemporary Art, Tel Aviv (1990), im Fotomuseum Winterthur (2003), im Museum of Modern Art, New York (2011) und im Sprengel Museum Hannover (2013). 2015 erhielt er den renommierten Kunstpreis Kaiserring der Stadt Goslar.

Katalog:Zur Ausstellung erscheint ein Künstlerbuch zur Serie von Vier mit zahlreichen Abbildungen im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, mit einem Text der Kuratorin Luisa Heese.

Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

Baden-Baden



Presse



Boris Mikhailov:


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