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Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus

28.02. - 02.08.2026 | Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Eingabedatum: 17.02.2026

Werkabbildung
Bildtitel: Ralph Goings, Richmond Diner, 1983, Öl auf Leinwand, 101,6 x 147,3 cm, Waddington Custot, London, Paris, Dubai, Foto: Waddington Custot © Ralph Goings, Goings Family Estate, 2026
Die Stilrichtung, die sich ab Mitte der 1960er Jahre in den USA herausbildete, steht für eine Kunst, die den fotografischen Blick auf die Welt zum Ausgangspunkt nimmt – und diesen mit malerischen Mitteln auf illusionistische Weise reproduziert. Als Reaktion auf den Abstrakten Expressionismus wandten sich Künstlerinnen und Künstler wie Robert Bechtle, Richard Estes, Ralph Goings und Audrey Flack ab Mitte der 1960er Jahre erneut der gegenständlichen Malerei zu. Ausgangspunkt ihrer Werke waren Fotografien, Werbebroschüren oder andere gefundene Vorlagen, die sie mithilfe von Projektionen oder Rasterstrukturen detailgenau auf die Leinwand übertrugen. Sie strebten nach glatten Oberflächen, die ohne sichtbare Handschrift an den Glanz fotografischer Abzüge erinnern. Motive fanden sie vor allem in der amerikanischen Konsum- und Alltagskultur: sonnenbeschienene Straßenzüge, glänzende Autos, Diner-Interieurs oder farbintensive Leuchtreklamen.

War der frühe Fotorealismus zunächst ein US-amerikanisches Phänomen, so fand die Bewegung in der zweiten und dritten Generation internationale Ausbreitung und ist auch heute noch im globalen Kontext präsent. In Europa wurde sie bereits in den 1970er-Jahren intensiv rezipiert. Auf der documenta 5 in Kassel, die 1972 unter dem Titel Befragung der Realität – Bildwelten heute stattfand, wurde der Fotorealismus institutionell anerkannt. Es folgten große Ausstellungen in London, Kopenhagen und Paris, durch die sich die neue Kunstströmung auch außerhalb der USA früh etablierte.

Wettstreit mit der Wirklichkeit ist eine der größten Ausstellungen, die den Bildwelten des Fotorealismus bisher an einem Museum in Deutschland gewidmet worden sind. Werke aus der Sammlung Frieder Burda treten in einen Dialog mit über 80 Arbeiten von mehr als 30 Künstlerinnen und Künstlern aus sechs Jahrzehnten – darunter Leihgaben aus dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid und dem Whitney Museum of American Art in New York.

Auch international renommierte Gegenwartskünstlerinnen und -künstler sind vertreten, die den Fotorealismus unter heutigen Vorzeichen weiterentwickeln – darunter Alexandra Averbach, Roberto Bernardi, François Chartier, Ben Johnson, Karin Kneffel und Raphaella Spence. Die Ausstellung bietet einen facettenreichen Überblick über die gesamte Entwicklung des Fotorealismus – von seinen Anfängen in den 1960er-Jahren bis zur zeitgenössischen künstlerischen Praxis.

28.02.2026 - 02.08.2026

Museum Frieder Burda

Lichtentaler Allee 8 b, 76530 Baden-Baden

https://www.museum-frieder-burda.de

Presse

Kontext

Einordnung:
Der Fotorealismus formierte sich Mitte der 1960er-Jahre in den USA als kühle, objektive Gegenbewegung zum subjektiven Abstrakten Expressionismus. Künstler wie Richard Estes, Ralph Goings und Audrey Flack nutzten fotografische Vorlagen und technische Hilfsmittel wie Projektionen, um die amerikanische Alltagskultur – geprägt von Konsum, Chromglanz und urbaner Anonymität – mit handwerklicher Perfektion zu reinszenieren. Durch den bewussten Verzicht auf eine sichtbare künstlerische Handschrift und die Konzentration auf glatte Oberflächen trat die Malerei in einen direkten Wettstreit mit der Fotografie. Mit der documenta 5 (1972) erlangte die Strömung unter dem Paradigma der „Befragung der Realität“ internationale institutionelle Anerkennung. In der zeitgenössischen Weiterentwicklung durch Positionen wie Karin Kneffel oder Ben Johnson transformiert sich der Stil von der rein mimetischen Reproduktion hin zu einer globalen, reflektierten Auseinandersetzung mit den medialen Bedingungen unserer Wahrnehmung.
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