TICHA. Retrospektive
27.03. - 14.06.2026 | Neues Museum Nürnberg
Eingabedatum: 24.03.2026

Erstmals wird im Westen der Republik das Werk von Hans Ticha (geb. 1940) in einer Retrospektive vorgestellt. Das Neue Museum Nürnberg zeigt vom 27. März bis 14. Juni 2026 im großen Saal die Ausstellung „TICHA. Retrospektive“. Die Eröffnung findet am Donnerstag, 26. März 2026 um 19 Uhr statt. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Kunsthalle Rostock.
Anlässlich des 85. Geburtstags im vergangenen Jahr soll Tichas malerisches Werk in deutsch-deutscher Perspektive vorgestellt werden. Für die alten Bundesländer bedeutet Hans Tichanoch immer eine Entdeckung.
Die Ausstellung TICHA. Retrospektive ist die erste umfassende Werkschau zu Hans Ticha im Westen der Republik und beleuchtet in Kooperation mit der Kunsthalle Rostock Tichas malerisches Werk in deutsch-deutscher Perspektive. Hans Ticha ist besonders in Ostdeutschland als Buchillustrator bekannt, seine Buchillustrationen prägten eine ganze Generation junger Leserinnen und Leser in der ehemaligen DDR. Abseits der Öffentlichkeit schuf Ticha zeitgleich ein malerisches Œuvre, das die hohlen Gesten und Rituale des Arbeiter- und Bauernstaates mit feiner Ironie und kritischer Schärfe entlarvte.
Seine Malerei, beeinflusst von klassischer Moderne und Pop-Art, konfrontiert symbolische Figuren wie Fahnenschwenker, Parteikader, FDJ-Jugend oder Sportler in Szenen, die politische Propaganda und soziale Rituale demaskierten. Ticha bezeichnete diese Arbeiten selbst als „Agit-Pop“, eine ironische Umdeutung des Begriffs Agitprop.
Viele der politisch aufgeladenen Bilder entstanden im Verborgenen; sie wären in der DDR kaum öffentlich ausstellbar gewesen. Ticha sorgte in seinem Atelier im Prenzlauer Berg für Vorsicht – die Gemälde standen mit dem Gesicht zur Wand. Dazwischen waren kleine Papierstreifen geklemmt. So konnte der Künstler überwachen, ob jemand ohne sein Wissen Zugang zu den Bildern hatte. Heute sind es vor allem diese Werke, die im Zentrum des Interesses an seinem Schaffen stehen.
Thematisch umfasst die Retrospektive sechs Kapitel, die Tichas Entwicklung von frühen Stadtbildern über Freizeit- und Sportdarstellungen bis hin zur Auseinandersetzung mit dem wiedervereinigten Deutschland nach 1990 nachzeichnen. Frühwerke zeigen eine malerische Formensprache, die kubistische Einflüsse und ein Interesse an alltäglichen Motiven wie Fischläden, Schiffen oder Frisiersalons verbindet.
Ein eigener Abschnitt widmet sich Tichas Darstellungen von Strandleben und weiblichen Akten, in denen Anleihen an Picasso und Fernand Léger deutlich werden; sie spiegeln zugleich Alltagskultur und sozialistische Ferienwelt der DDR wider. Ein Schlüsselmotiv für ihn wird der Sport. Die DDR instrumentalisierte ihn, um in ständiger Konkurrenz mit der Bundesrepublik die Überlegenheit des sozialistischen Systems zu beweisen. Die Dopingopfer bezahlten dafür einen hohen Preis. Tichas Bilder zeigen die Sportlerinnen und Sportler als gesichtslose, austauschbare Marionetten.
Zwei Arbeiten in der Ausstellung thematisieren die Berliner Mauer, ein in der DDR tabuisiertes Sujet; daneben hängt eine Darstellung des Bruderkusses zwischen Erich Honecker und Michail Gorbatschow von Oktober 1989 – ein ikonisches Bild kurz vor dem Mauerfall, der den Anfang vom Ende des Sozialismus markierte.
Mit dem Ende der DDR erlebte Ticha einen tiefgreifenden Wandel. Viele ostdeutsche Illustratoren, darunter er selbst, sahen sich mit drastisch veränderten Marktverhältnissen konfrontiert, als in den neuen Bundesländern traditionelle Kinder- und Jugendbuchkäufe zurückgingen. 1990 zog Ticha nach Westdeutschland, zunächst nach Mainz, später nach Maintal bei Hanau, wo er bis heute lebt und arbeitet. Sein kritischer Blick blieb bestehen und richtete sich fortan auf die Konsumgesellschaft und den triumphierenden Kapitalismus, deren Phänomene er seziert, von der Pauschalreise bis zum Traum vom Eigenheim. Auch seine Karikaturen, etwa die von Helmut Kohl als Birne mit Karnevalskappe, spiegeln Konstellationen der Nachwendezeit.
Anlässlich des 85. Geburtstags im vergangenen Jahr soll Tichas malerisches Werk in deutsch-deutscher Perspektive vorgestellt werden. Für die alten Bundesländer bedeutet Hans Tichanoch immer eine Entdeckung.
Die Ausstellung TICHA. Retrospektive ist die erste umfassende Werkschau zu Hans Ticha im Westen der Republik und beleuchtet in Kooperation mit der Kunsthalle Rostock Tichas malerisches Werk in deutsch-deutscher Perspektive. Hans Ticha ist besonders in Ostdeutschland als Buchillustrator bekannt, seine Buchillustrationen prägten eine ganze Generation junger Leserinnen und Leser in der ehemaligen DDR. Abseits der Öffentlichkeit schuf Ticha zeitgleich ein malerisches Œuvre, das die hohlen Gesten und Rituale des Arbeiter- und Bauernstaates mit feiner Ironie und kritischer Schärfe entlarvte.
Seine Malerei, beeinflusst von klassischer Moderne und Pop-Art, konfrontiert symbolische Figuren wie Fahnenschwenker, Parteikader, FDJ-Jugend oder Sportler in Szenen, die politische Propaganda und soziale Rituale demaskierten. Ticha bezeichnete diese Arbeiten selbst als „Agit-Pop“, eine ironische Umdeutung des Begriffs Agitprop.
Viele der politisch aufgeladenen Bilder entstanden im Verborgenen; sie wären in der DDR kaum öffentlich ausstellbar gewesen. Ticha sorgte in seinem Atelier im Prenzlauer Berg für Vorsicht – die Gemälde standen mit dem Gesicht zur Wand. Dazwischen waren kleine Papierstreifen geklemmt. So konnte der Künstler überwachen, ob jemand ohne sein Wissen Zugang zu den Bildern hatte. Heute sind es vor allem diese Werke, die im Zentrum des Interesses an seinem Schaffen stehen.
Thematisch umfasst die Retrospektive sechs Kapitel, die Tichas Entwicklung von frühen Stadtbildern über Freizeit- und Sportdarstellungen bis hin zur Auseinandersetzung mit dem wiedervereinigten Deutschland nach 1990 nachzeichnen. Frühwerke zeigen eine malerische Formensprache, die kubistische Einflüsse und ein Interesse an alltäglichen Motiven wie Fischläden, Schiffen oder Frisiersalons verbindet.
Ein eigener Abschnitt widmet sich Tichas Darstellungen von Strandleben und weiblichen Akten, in denen Anleihen an Picasso und Fernand Léger deutlich werden; sie spiegeln zugleich Alltagskultur und sozialistische Ferienwelt der DDR wider. Ein Schlüsselmotiv für ihn wird der Sport. Die DDR instrumentalisierte ihn, um in ständiger Konkurrenz mit der Bundesrepublik die Überlegenheit des sozialistischen Systems zu beweisen. Die Dopingopfer bezahlten dafür einen hohen Preis. Tichas Bilder zeigen die Sportlerinnen und Sportler als gesichtslose, austauschbare Marionetten.
Zwei Arbeiten in der Ausstellung thematisieren die Berliner Mauer, ein in der DDR tabuisiertes Sujet; daneben hängt eine Darstellung des Bruderkusses zwischen Erich Honecker und Michail Gorbatschow von Oktober 1989 – ein ikonisches Bild kurz vor dem Mauerfall, der den Anfang vom Ende des Sozialismus markierte.
Mit dem Ende der DDR erlebte Ticha einen tiefgreifenden Wandel. Viele ostdeutsche Illustratoren, darunter er selbst, sahen sich mit drastisch veränderten Marktverhältnissen konfrontiert, als in den neuen Bundesländern traditionelle Kinder- und Jugendbuchkäufe zurückgingen. 1990 zog Ticha nach Westdeutschland, zunächst nach Mainz, später nach Maintal bei Hanau, wo er bis heute lebt und arbeitet. Sein kritischer Blick blieb bestehen und richtete sich fortan auf die Konsumgesellschaft und den triumphierenden Kapitalismus, deren Phänomene er seziert, von der Pauschalreise bis zum Traum vom Eigenheim. Auch seine Karikaturen, etwa die von Helmut Kohl als Birne mit Karnevalskappe, spiegeln Konstellationen der Nachwendezeit.
27.03. - 14.06.2026
Neues Museum Nürnberg, Nürnberg
Klarissenplatz, 90402 Nürnberg
Presse
Kontext
Einordnung:Hans Tichas Œuvre besetzt eine singuläre Position in der deutsch-deutschen Kunstgeschichte, da es die Formensprache der Klassischen Moderne und der westlichen Pop-Art subversiv mit der politischen Realität der DDR verschränkt. Unter dem eigens geprägten Begriff „Agit-Pop“ – einer ironischen Umkehrung der staatlichen Agitprop – unterwandert er die Doktrin des Sozialistischen Realismus durch eine kubistisch reduzierte Ästhetik, die in ihrer flächigen Gestaltung und Figurenauffassung deutliche Anleihen bei Fernand Léger und Pablo Picasso nimmt. Indem Ticha systemtreue Akteure wie Parteikader oder gedopte Sportler zu gesichtslosen, mechanischen Marionetten stilisiert, dekonstruiert er die hohlen Rituale totalitärer Macht. Seine kunsthistorische Bedeutung liegt in diesem innovativen Brückenschlag: Er adaptierte die im Westen oft konsumbejahende Pop-Art als Instrument scharfer, im Verborgenen praktizierter Systemkritik – eine analytische Haltung, die er nach 1990 nahtlos auf den westlichen Kapitalismus übertrug und ihn so als universellen Beobachter gesellschaftlicher Mechanismen ausweist.






