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Florian Germann


Eingabedatum: 20.11.2011

bilder

Florian Germann, The Poltergeist Experimental Group (PEG) Applied Spirituality and Physical Spirit Manifestation, 2011
PVC, Spritzgummi, Blei, Zinn, Holz, Stoff, Grösse variabel, Courtesy of the artist

Mit seinen gross angelegten Werkzyklen, die sich thematisch jeweils einem Narrativ widmen, schafft der Schweizer Künstler Florian Germann (*1978, lebt und arbeitet in Zürich) komplexe Verweissysteme. Zudem spielt er mit der Rolle des «Künstler-Forschers», wenn er sich dabei so unterschiedlichen Feldern wie Kultur, Wissenschaft und Natur anzunähern sucht. Seine Werke wirken meist wie eine Mischung aus physikalischen Instrumenten und modernistischen Skulpturen und erinnern somit an Versuchsanordnungen, deren Sinnzusammenhang sich erst allmählich erschliesst. Ausgangspunkte der Arbeiten Germanns bilden oftmals historische Figuren und mythologisch-fantastische Motive, welche er einer Um- und Neuschreibung unterwirft, wobei faktische und fiktive Momente miteinander verwoben werden. Für seine erste institutionelle Einzelausstellung hat Florian Germann einen neuen, umfangreichen Werkzyklus geschaffen, der erstmals im Migros Museum für Gegenwartskunst gezeigt wird. Dieser basiert auf der Beschäftigung mit «Geistererscheinungen» und deren Stofflichkeit, dem sogenannten Ektoplasma.

In seinem Werkzyklus The Poltergeist Experimental Group (PEG) Applied Spirituality and Physical Spirit tritt – wie im Titel impliziert – ein anonymes Kollektiv in Erscheinung, das sich mit dem Phänomen des Poltergeists beschäftigt. Unter einem «Poltergeist» versteht man das Auftreten von Klopfgeräuschen, elektrischen Störungen, Bewegungen von Gegenständen, die nicht durch eine unmittelbare physikalische Ursache ausgelöst werden. Den beiden amerikanischen Parapsychologen Joseph Gaither Pratt und William G. Roll zufolge treten Poltergeist-Phänomene vor allem in der Gegenwart pubertierender oder medial veranlagter Personen auf und können als wiederkehrende spontane Psychokinese («recurrent spontaneous psychokinesis») bezeichnet werden. Demnach handelt es sich nicht um einen «realen Geist», sondern um eine mentale Projektion, die sich unter anderem bei Jugendlichen als «psychokinetischer Effekt» entladen kann. In Germanns Werkzyklus – den er als unabgeschlossen verstanden wissen will, wird er sich mit der Thematik doch auch in Zukunft beschäftigen – bildet dieses paranormale Phänomen das Zentrum. Davon ausgehend, zieht er verschiedene Verbindungen und macht Rückkoppelungen – so etwa zur Kultur der Pfadfinderbewegung (man denke an die nächtlichen Taufrituale) oder zum Symbolgehalt von Orgelpfeifen, die im Verbund als musikalisches Leitinstrument für die Gemeinde eine zentrale Stellung in der Liturgie einnehmen (durch ihren Klang können Menschen in Trance versetzt werden) und als Zeichen für Geistlichkeit gelesen werden können. Gleichzeitig spiegeln die Orgelpfeifen, welche aufgrund ihrer Blei-Zinn-Legierung schon bei geringer Hitze leicht verformbar sind, das Interesse Germanns sowohl an der Beschaffenheit und den Eigenschaften von Materialien als auch an physikalischen Prozessen und der Transformation von Energien wider. Dass die Beschäftigung mit solcherart Fragestellungen einen zentralen Stellenwert in seiner künstlerischen Produktion einnimmt, lässt sich zudem an der Haptik seiner Werke wie auch daran ablesen, dass seine Objekte und Skulpturen häufig einen (Aktivierungs-)Prozess in Form von «Aktionen» durchlaufen, der für den Betrachter nur noch als Spur an den Objekten sichtbar ist. So hat Germann auch einen Teil des im migros museum für gegenwartskunst gezeigten Werkzyklus The Poltergeist Experimental Group (PEG) Applied Spirituality and Physical Spirit während der Aufbauarbeiten und am Eröffnungsabend der Ausstellung im Zuge mehrerer Aktionen vor Ort «aktiviert».

Das Vorgehen Germanns – beruhend auf dem Aufgreifen und Verbinden literarischer, filmischer, historischer sowie wissenschaftlicher Figuren, Motive und Wissensfelder – als schlichtes «Sampling» zu bezeichnen, wäre jedoch zu kurz gegriffen, da der Künstler sich insbesondere für die Zwischenräume interessiert, die sich in einer solchen Verknüpfung ergeben. Ebenso wenig kann Germanns Arbeitsweise als intertextuelles Verfahren bezeichnet werden, bei dem das in und zwischen den Texten Vorhandene herausgearbeitet wird. Vielleicht könnte man sich Germanns Schaffen nähern, indem man seine Werkzyklen als eine Arbeitsmethode versteht, die Themen und Motive miteinander verbindet, Parallelen und Linien, die vorher unsichtbar waren, herausarbeitet und ebenso faktische wie fiktive Momente zu einem Ganzen verwebt mit dem Ziel, einen «Erkenntnisgewinn» zu generieren.

Kurator der Ausstellung: Raphael Gygax.

migros museum für gegenwartskunst / Hubertus Exhibitions
Albisriederstr. 199a
CH-8047 Zürich
T. +41 44 277 20 50
www,migrosmuseum.ch

Pressemitteilung




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