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Lucy Raven. Curtains

Eine Videoinstallation aus stereoskopischen Bildern

27. September – 23. November 2014 | Portikus, Frankfurt am Main

Mit Curtains holt der Portikus Lucy Raven zu ihrer ersten Einzelausstellung in Europa nach Frankfurt. Die US-amerikanische Künstlerin arbeitet mit den erweiterten Mitteln des Films. Indem sie sich der Schaffung räumlicher Illusion widmet und medial ein Spannungsfeld zwischen dem Standbild und der 3D-Animation eröffnet, behandelt sie eine essentielle Fragestellung der Filmproduktion des 21. Jahrhunderts. Seit dem Ende des analogen Films werden Bildwerdungsprozesse in Hollywoods industrieller Herstellung von animierten Kulissen zusehends entmaterialisiert. Schauspieler, die in grünen Boxen ihre Rollen spielen, werden im Nachhinein durch Post-Production-Studios in eine programmierte Umwelt hineingesetzt, die auf keiner real existierenden Grundlage beruht. Der halb-animierte Film rückt der Malerei näher denn je. Die Zusammenhänge zwischen Arbeit und Bildproduktion werden dabei in einer globalisierten Arbeitswelt immer komplexer.

Für den exklusiv für diese Ausstellung produzierten Film Curtains verwandelt Lucy Raven den Portikus in ein Kino und bezieht sich in ihrem Film auf die ursprünglichste aller 3D-Techniken: Die Videoinstallation besteht aus stereoskopischen Bildern, einem fotografischen Verfahren, das bereits seit den 1850er Jahren zur Anwendung kam. Bildern wird hier die Illusion einer Räumlichkeit verliehen, indem der Betrachter durch eine Brille zwei Ansichten, die aus leicht versetzter Perspektive aufgenommen wurden, zu einem Bild mit räumlichem Eindruck verschwimmen sieht.

Anders als bei der Stereoskopie laufen in Curtains die beiden Standbilder allerdings jeweils von den Seitenrändern auf die Mitte zu und wieder auseinander. Sie können mit oder ohne Hilfe einer 3D-Brille angesehen werden. Die Bilder zeigen Post-Produktions-Designer, die an der digitalen Umwandlung aktueller Kino-Filme in 3D-Erlebnisse arbeiten, indem sie Bild für Bild dem gefilmten Set eine zweite Perspektive hinzurechnen. Bei den 24 Bildern pro Sekunde eines Kinofilms ist das ein aufwändiger Prozess, an dem viele Arbeitskräfte beteiligt sind, outgesourced fernab von Hollywood, oftmals in Asien, aber auch in Vancouver, London und Los Angeles, wo Regierungen der Filmindustrie Steueranreize anbieten. Die Künstlerin erzwingt mit den sich ineinanderschiebenden Standbildern eine Verlangsamung des Kinos, zurück zum einzelnen Frame. Hier verharren die modernen Arbeiter bewegungslos in einem Büroraum voll von flachen Bildschirmen, die der digitalen Erschaffung körperlicher Bilder in räumlicher Illusion dienen. Ihre Bewegungslosigkeit steht gegensätzlich zu ihrem Auftrag für die „moving pictures“, wie sich das Kino in den USA einst nannte. Der Ton gibt die zu den Bildern gehörigen Geräusche aus Postproduktionsstudios in Indien oder China wieder.

Lucy Raven ist für diesen Film zu den unterschiedlichen Produktionsstätten gereist, um die globale Arbeitsteilung und ihren „Unterbietungswettlauf“, wie sie es bezeichnet, nachzuvollziehen. Es geht ihr hier um die Kartographie eines neu entstehenden Bearbeitungsprozesses filmischer Räume, und darum, die Fragmentierung dieser globalisierten Industrie zu zeigen. So wie der Schauspieler, der seine Rolle spielt, ohne in einem realen Film-Set als Drehort zu stehen, verliert auch der Techniker den Bezug zum physischen Aspekt des Films, den real anwesenden Kulissen, der Materialität der 35mm-Filmrolle. In der digitalisierten Filmindustrie geht das Ende des Materials mit dem Ende der Ortsgebundenheit an Hollywood einher und bezeichnet damit eine der größten Herausforderungen seit Beginn des Kinos.

Lucy Raven (geb. 1977) lebt und arbeitet in New York, USA. Sie studierte im Graduiertenprogramm des Bard College in New York State und unterrichtete zuletzt im kalifornischen Berkeley und der Cooper Union, New York. Ihre Film-Arbeiten hat sie unter anderem im Hammer Museum, Los Angeles, dem MoMA, New York, und dem mumok, Wien, in Einzel- oder Gruppenausstellungen einem großen Publikum zugänglich gemacht. Das Yerba Buena Center for the Arts in San Francisco widmet der Künstlerin im Anschluss an den Portikus eine Einzelausstellung. In Vorbereitung auf die Ausstellung im Portikus war Lucy Raven Teil des Artist in Residence Programms des Experimental Media and Performing Arts Center EMPAC in New York State, wo sie bei der Produktion ihres Films unterstützt wurde. Ihre Werke befinden sich in den Sammlungen der Tate Modern, des MoMa New York, Guggenheim Museum, Whitney Museum, Berkeley Art Museum und dem mumok in Wien.
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Portikus
Alte Brücke 2 / Maininsel
60594 Frankfurt/Main
Tel: +49 69 962 4454 - 0
portikus.de


Presse





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