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Julia Steiner. Am Saum des Raumes

08. 02. 2020 - 19. 07. 2020 | Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
Eingabedatum: 06.02.2020

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Out of Horizon, 2012, Ø 6m H: 3m, Cantonale Thun, Courtesy the artist and Galerie Urs Meile, Beijing-Lucerne, Foto: David Aebi, Bernbilder

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zeigt vom 08. Februar bis zum 19. Juli 2020 großformatige Pinselzeichnungen, Skulpturen sowie Rauminstallationen von Julia Steiner. Vom 13. Januar an arbeitet die Künstlerin über einen Zeitraum von bis zu drei Wochen direkt auf Wände und Decken von Eingangshalle und Treppenhaus des Museums und lässt so vor Ort eine Raumzeichnung im unmittelbaren Sinne des Wortes entstehen. Wir laden gerne ein zum Entstehungsprozess der Arbeit vor Ort und bitten um Terminabsprache.

Es sind Werke der Gegensätzlichkeit. Steiners Arbeiten – mit dem Pinsel gezeichnet – haben mitunter eine monumentale Größe und strahlen dennoch etwas Flüchtiges, Zartes aus. Rahmenlos wuchern sie über das Papier hinweg und besetzen den Raum. Für den Moment eingefrorene Prozesse, wie Wind, der durch Wolken fegt, ein die Nacht durchdringendes Licht oder auseinanderberstende Erde verschaffen sich auf energische Weise Raum. Doch wer ein Motiv erkannt zu haben meint, verliert es alsbald in der reinen malerischen Zeichnung, ihren zarten Grautönen sowie dem scharfen Kontrast von Schwarz und Weiß und sucht aufs Neue.

Es wundert kaum, als thematische Schwerpunkte Steiners „Raum und Zeit", „Bewegung und Vergänglichkeit" auszumachen. Es sind abstrakte Inhalte, die über die körperliche Wahrnehmung in Gefühl übergeleitet werden. Steiners Werke sprechen schon allein aufgrund ihrer Größe unmittelbar das Körpergefühl an, machen es bewusst und verbinden es mit dem Sehen, der Bewegung und jeweils individueller Erinnerung: Raum und Zeit werden als wichtige Wahrnehmungsparameter bewusst und damit zugleich befragbar.

Für dieBesucher*innen beginnen Erfahrungen schon im ersten Moment, in dem sie das Museum betreten. In der sechs Meter hohen Eingangshalle und dem Treppenhaus erwarten sie Zeichnungen auf allen Wänden und auch auf den Decken. Somit treten sie mitten in die Bildwelt ein und sind von ihr umgeben. Man kann sich ihr nicht entziehen. Es gibt keinen Blickpunkt, von welchem sich die Raumzeichnung als Ganzes erfassen lässt. Mit jeder Bewegung verändert sich der Ausschnitt und verlangt eine Überprüfung der eigenen Position. Zusätzlich lösen sich die Grenzen des Raumes optisch scheinbar auf; reale Ecken verschwinden, fiktive Öffnungen entstehen.

Installative Werke betonen Horizontale und Vertikale, verändern damit das Raumgefühl und machen auch hier Unterschiede von Raumwahrnehmungen deutlich. Gegensätzliche Materialität und Körperlichkeit, die z.B. Papierarbeiten und in verlorener Form gegossene Bronzeskulpturen mit sich bringen, betonen dies. Unterschiedliche Zeitebenen durchdringen sich. Zeichnungen von bis zu acht Metern Länge dokumentieren sowohl die Herstellungszeit als auch den körperlichen Einsatz sowohl der Künstlerin wie der Betrachter*innen. Ihre notwendige Bewegung macht das Sehen zum vielschichtigen, bewussten Prozess.

Aus Glasplatten zusammengesetzte Modellräume, z.T. mit durchlässigen Zeichnungen versehen, oder mit verschiedenen Materialien kombiniert oder gefüllt, zeigen weitere Möglichkeiten über den Raum anschaulich nachzudenken. Innen und Außen,Transparenz und Durchlässigkeit, Grenzen und Übergänge sind dabei wichtige Stichwörter. Sie werden ergänzt um das Provisorische, Fragile und damit auch Vergängliche; insgesamt Verhältnisse, denen per se Zeitlichkeit eingeschrieben ist.

Julia Steiner (*1982 in Büren zum Hof) studierte 2002 bis 2007 an der Hochschule der Künste Bern sowie Kunstgeschichte an der Universität Bern, 2005 absolvierte sie ein Auslandssemester an der Universität der Künste Berlin und besuchte von 2006 bis 2008 die Pädagogische Hochschule Bern. Von 2018–2019 hatte sie die Verwaltungsprofessur für die Fachklasse Zeichnen an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig inne. Steiner wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2017 mit dem Wiener STRABAG ArtAward International.

Der Entstehungszeitraum der Arbeiten reicht von eignes für die Ausstellung entwickelten und jüngsten Arbeiten bis zurück in die letzten acht Jahre. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Ausstellungsansichten und einem Text der Kuratorin Svenja Kriebel auf Deutsch und Englisch. Grafik und Konzeptgestaltung groenlandbasel.

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, ist mittwochs bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet.
www.mpk.de

Presse




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