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FIETE STOLTE und JULIUS VON BISMARCK

Zwei Ausstellungen

21. 06. - 02. 08. 2015 | Kunstverein Göttingen
Eingabedatum: 21.06.2015

bilder

FIETE STOLTE - HOTEL ABSENCE 21. Juni - 02. August 2015

Der Titel von Fiete Stoltes Ausstellung “Hotel Absence” beschreibt ein Paradoxon – einen von Abwesenheit und gleichzeitig von Anwesenheit bestimmten Aufenthaltsort. So durchzieht eine Atmosphäre der Gleichzeitigkeit von Präsenz und dem Nichtvorhandensein des Körpers die Ausstellungsräume, in denen Fiete Stolte jüngere skulpturale Arbeiten, eine neue große Videoinstallation und die auf der „abc“ Berlin prämierte Fotokabine „Eye“ zeigt.

Der Künstler bedient sich einer reduzierten und höchst präzisen Bildsprache, für die er neue Materialien, wie z.B. geätztes Zink und Kupfer, benutzt. In Zusammenarbeit mit Faber-Castell hat er auch eine Technik entwickelt, durch die er Objekte in Graphit abformen kann. In „Mirror (Drawing Five Lines)“ nehmen die geätzten Spuren von fünf Fingern auf einer polierten Zinkplatte eine skulpturale Dimension an. Je nachdem, an welcher Stelle des Raumes man sich befindet, hat man den Eindruck, dass die Oberfläche der polierten Zinkplatte von der dem eigenen Standpunkt gegenüber liegenden Seite berührt wurde. Ein Gegenstück zu dieser Arbeit ist „Drawing into the Space“, ein kunstvoll gestalteter, lebensgroßer Graphitguss der Hand des Künstlers. Ein Finger, dessen Spitze glatt geschliffen wurde, ist leicht nach vorne geneigt. Auf den ersten Blick suggeriert der abgeschliffene Finger, es könnte sich bei der vorsichtigen Geste um einen Akt der Materialübertragung handeln. Jede Handlung ist gleichzeitig eine Zeichnung und geht mit einer Erosion einher – die Spur, die die Zeit hinterlässt.

Die zentrale Videoinstallation „Sun Moon“ verleiht der Ausstellung Dynamik und Rhythmus. Sie zeigt zwei ca.10-minütige Aufnahmen der Sonne und des Mondes als Reflexionen auf ein und derselben dunklen Wasseroberfläche. In den Projektionen, die über einen Spiegel am Boden auf eine Wand reflektiert werden, bewegen sich Sonne und Mond tänzelnd aufeinander zu, überlagern sich kurz in einer hellen „Eklipse“ und entfernen sich wieder – eine Situation, die der natürlichen Bewegungen der Himmelskörper, die Tag und Nacht einteilen, widerspricht. Durch diese meditative Gleichsetzung von Sonne und Mond suggeriert Fiete Stolte eine andere mögliche Taktung und Erfahrung der Zeit.

In der auf der „abc“ in Berlin prämierten Fotokabine „Eye“, können Besucher diese benutzen, um ein Porträt von sich zu machen – ein Bild von sich im eigenen Auge.
Begleitend zur Ausstellung erscheint Fiete Stoltes erster umfangreicher Katalog im Sieveking Verlag.



JULIUS VON BISMARCK Tiere sind dumm und Pflanzen noch viel dümmer 5. Juli – 23. August 2015

Mit seinen Installationen, Videoarbeiten und Performances untersucht Julius von Bismarck den menschlichen Wahrnehmungs-apparat und fordert – mit Hilfe der Gesetze der Physik – unsere perzeptiven Gewohnheiten heraus. Sein interdisziplinärer Ansatz ist eine schöpferische Befragung der Welt und der Natur, die der Mensch zunehmend verwandelt. Die Ausstellung in Göttingen präsentiert eine Auswahl von Videoarbeiten des Künstlers, die sich mit diesen beiden Themenfeldern beschäftigen. Als eigenständige Arbeiten haben die Videos des Künstlers oft einen starken dokumentarischen Charakter. Sie begleiten seine Handlungen in der Natur oder im öffentlichen Raum sowie die Vorführungen bestimmter

Experimente oder Apparate: in Punishment I (2012) z.B. reist von Bismarck durch die Welt und peitscht wiederholt monumentale, romantisch anmutende Landschaften und ikonische Denkmäler aus, u.a. die Schweizer Alpen, die Wellen des Atlantik und die amerikanische Freiheitsstatue. In Landschaftsmalerei (2015), einer neuen Arbeit, die in Mexiko produziert wurde, lässt von Bismarck eine bergige Landschaft weiß streichen, um sie anschließend wieder naturgetreu zu bemalen.




Kunstverein Göttingen

Gotmarstraße 1

37073 Göttingen

kunstvereingoettingen.de




Presse








Daten zu FIETE STOLTE:

- abc 2014

- Art Basel 2013

- art berlin 2017

- Biennale Venedig 2017

- Kunstverein Arnsberg 2015

- Kunstverein Göttingen 2015

- Kunstverein, GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen

- Moscow Biennale for young art 2012

Weiteres zum Thema: FIETE STOLTE



An einem schönen Morgen des Monats Mai - GAK Gesellschaft für aktuelle Kunst Bremen


Mit der Gruppenausstellung "An einem schönen Morgen des Monats Mai" werden Künstlerpositionen zusammengeführt, für die Fehler, Versagen und Scheitern zum entscheidenden Antrieb ihrer künstlerischen Produktion werden.

Ausgangspunkt und titelgebende Referenz ist Camus` Geschichte "Die Pest", in welcher der Protagonist von der Idee getrieben ist, den perfekten Roman zu schreiben, jedoch am Verfassen des ersten Satzes bereits scheitert ("An einem schönen Morgen des Monats Mai...").
Die Auseinandersetzung mit dem Scheitern wird von den Ausstellungsmachern als entscheidende Kategorie in den Mittelpunkt gestellt. Mit Blick auf die künstlerische Beschäftigung wird gefragt: Was, wenn die Fehler und Limitierungen eines Mediums, eines Materials oder einer Thematik nicht nur in Kauf genommen, sondern bewusst in den Schaffensprozess einbezogen und somit positiv genutzt werden?

Die KünstlerInnen - deren Werke sowohl Malerei und Fotografie, als auch Performance, Installation, Video und Objektkunst umfassen - loten die Grenzen des Erreichbaren auf unterschiedliche Weise aus. Fehler werden ganz bewusst in den Schaffensprozess miteinbezogen und werden selbst zum Bedeutungsträger. So nutzt Wade Guyton etwa die eingeschränkten Möglichkeiten eines Tintenstrahldruckers, indem er Leinwände mit am Computer erstellten Formkompositionen bedruckt und Fehler im Herstellungsprozess provoziert. Auf diese Weise schafft er mit Hilfe eines seriellen Verfahrens malerische Unikate.

Gescheiterte politische Utopien, Einschränkungen in der Zeiteinteilung oder Transportschäden als sichtbar gemachte materielle Defizite bilden weitere Themen der künstlerischen Positionen.

Künstlerliste:
Bas Jan Ader, John Baldessari, Walead Beshty, Juliette Blightman, Carol Bove, Liudvikas Buklys, André Cadere, Cyprien Gaillard, Sebastian Gräfe, Wade Guyton, Gareth Moore, David Sherry, Fiete Stolte und Guido van der Werve

Abbildung: Sebastian Gräfe, Fight the Power, 2010, DVD, 11 min., sound
Courtesy Galerie Lena Brüning, Berlin

Ausstellungsdauer: 30.5.-8.8.10

Öffnungszeiten:
Di-So 11-18 Uhr
Do 11-21 Uhr

GAK Gesellschaft für aktuelle Kunst
Teerhof 21
28199 Bremen

gak-bremen.de

more Konzeption Conception now


Ideen sind Werke!

In den 1960ern Jahren entstand eine radikal neue Form künstlerischen Arbeitens, die konzeptuelle Kunst. Ihre künstlerischen Strategien sind bis heute von hoher Attraktivität und bilden immer wieder Bezugspunkte im Schaffen junger zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler. Doch lassen sich die historischen Konzepte und Strategien kaum ungebrochen in die Gegenwart verlängern. Vielmehr birgt die Bezugnahme auf sie zugleich auch, die Herausforderung sie zu verändern.

Konzeption Conception

Als 1969 die Ausstellung Konzeption Conception im Museum Morsbroich für einen knappen Monat zu sehen war, stieß die Präsentation bei den Besuchern und Kritikern auf reichlich Widerstand. Die dort gezeigten konzeptuellen Arbeiten von über 40 Künstlerinnen und Künstlern, die der Düsseldorfer Galerist Konrad Fischer ausgewählt und gemeinsam mit dem damaligen Museumsdirektor Rolf Wedewer präsentiert hat, zeigten neue Formen künstlerischen Arbeitens. Nicht mehr das fertige Original, sondern der Gedanke, die Skizze, die Beschreibung, kurz das Konzept, bildeten den Fokus der Ausstellung. Die Ablösung des klassischen Werkbegriffs durch die Konzeptkunst bereitete nicht nur Probleme bei der Präsentation im Ausstellungsparcours, sondern warf auch auf kunsthistorischer Ebene die Frage nach dem Stellenwert der gezeigten Objekte auf: Es handelte sich um Fotokopien, Akten, Notizen oder Fotografien, die Konzepte schilderten, welche unabhängig von ihrer Realisierung Bestand hatten oder deren mögliche Realisierung sogar Dritten überlassen war.

more Konzeption Conception now

Für die aktuelle Ausstellung more Konzeption Conception now bilden die 1969 in Leverkusen präsentierten Ansätze von Konzeptkunst den Ausgangspunkt. Über 20 junge internationale Künstlerinnen und Künstler setzen sich einerseits in ihren Werken mit der Konzeptkunst der 1960er Jahre auseinander. Andererseits nehmen sie bewusste Veränderungen und Verschiebungen vor, mit denen sie sich gegen damalige konzeptuelle Strategien absetzen. Die Ablehnung einer objektfokussierten Kunstauffassung führte in den 1960er Jahren zu tiefgreifenden Konsequenzen im Hinblick auf die klassische Vorstellung eines künstlerischen Originals und mithin zur Neubewertung der Idee bzw. des Konzeptes und der damit eng verbundenen sprachlichen Komponente der Werke. In Kenntnis konzeptueller Positionen der 1960er Jahre bedienen sich heutige Künstlerinnen und Künstler gezielt diverser Strategien, wie sie 1969 in Leverkusen präsentiert wurden. Sie bringen aber auch neue Komponenten mit ins Spiel, die Noemi Smolik in ihrem Text zur Ausstellung als „Verunreinigung“ des Konzeptuellen bezeichnet – so beispielsweise die Idee des Folkloristischen oder des Alltäglichen. Es geht ihnen also nicht um eine ungebrochene Fortführung der historischen Konzeptkunst, zumal da diese nur „vor dem Hintergrund einer Zeit zu verstehen [ist], in der die radikale Veränderung von Kunst und Gesellschaft einer jungen Generation noch als reale Möglichkeit vor Augen stand“ (Daniel Marzona in seinem Katalogbeitrag). Die Reflexion konzeptueller Strategien in den Arbeiten der jüngeren Künstlerinnen und Künstler sowie der darin enthaltene „shift“ zielen in einer gewandelten Zeit auch auf veränderte Inhalte. Sie generieren eine neue Aktualität und Inhaltlichkeit konzeptueller Ausdrucksmöglichkeiten, so beispielsweise bei Ceal Floyer, die für die Arbeit Title variable (2001–2009) ein schwarzes Gummiband über die gesamte Wand hinweg spannt und damit eine Art Vermessung vornimmt – allerdings paradoxerweise mit einem elastischen Material. Die Arbeit erinnert an die Raumvermessungen von Timm Ulrichs oder von Mel Bochner, der in der Ausstellung von 1969 Linien über die Wände gezogen und die genauen Maße dort vermerkt hatte.

Mit Arbeiten von Maria Anwander, Michal Budny, Matt Calderwood, Sara Christensen, Natalie Czech, Willem de Rooij, Elmgreen & Dragset, Christian Falsnaes, Henning Fehr und Philipp Rühr, Ceal Floyer, David Horvitz, Bethan Huws, Charbel-joseph H. Boutros, Sven Johne, Annette Kelm, Jonathan Monk, Slavs and Tatars, Juergen Staack, Fiete Stolte, Studio for Propositional Cinema, Jan Timme, Adam Vackar, Jorinde Voigt

und mit Dokumenten und Projektskizzen der Ausstellung Konzeption Conception (1969) von Keith Arnatt, John Baldessari, Robert Barry, Iain Baxter, Bernd und Hilla Becher, Mel Bochner, Alighiero Boetti, Marcel Broodthaers, stanley brouwn, Daniel Buren, Victor Burgin, Donald Burgy, Eugenia P. Butler, Pier Paolo Calzolari, Paul Cotton, Hanne Darboven, Jan Dibbets, Hamish Fulton, Gilbert & George, Dan Graham, Douglas Huebler, Richard Jackson, Stephen Kaltenbach, On Kawara, Michael Kirby, Joseph Kosuth, David Lamelas, Sol LeWitt, Bruce McLean, Bruce Nauman, Giuseppe Penone, Adrian Piper, Sigmar Polke, Emilio Prini, Markus Raetz, Allen Ruppersberg, Ed Ruscha, Fred Sandback, Richard Sladden, Robert Smithson, Timm Ulrichs, Bernar Venet, Lawrence Weiner, ZAJ – Walter Marchetti

sowie Arbeiten aus der Grafischen Sammlung des Museum Morsbroich von Mel Bochner, Daniel Buren, Sigmar Polke, Fred Sandback und Lawrence Weiner

Museum Morsbroich
Gustav-Heinemann-Str. 80
51377 Leverkusen
museum-morsbroich.de


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