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Boris Lurie

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Ein Garten im Garten

Unechte Landschaft

29. 07. - 20. 09. 2015 | Ausstellungspavillon auf der Freundschaftsinsel, Potsdam
Eingabedatum: 29.07.2015

Dem Vernehmen nach ist das Paradies, aus dem wir vertrieben wurden, ein Garten gewesen. Und weil vielen die Gegenwart nicht hinreichend paradiesisch erscheint, w├╝nschen sie sich wenigstens eine von Hecken eingehegte Harmonie, unter der die Widerspr├╝che verschwinden. Parterres, in denen Ordnung herrscht, und Bosketten, zwischen denen sich wandeln l├Ąsst. Je unruhiger und widerspr├╝chlicher die Zeit, desto gr├Â├čer die Hoffnung auf eine kultivierte Behaglichkeit ohne Widerhaken.

Solche G├Ąrten werden indes nicht nur von G├Ąrtnern angelegt. Immer h├Ąufiger wird an Kunst die Erwartung herangetragen, sie sei ein besonders ertragreiches Nutzgew├Ąchs, eine Art Kombinationsz├╝chtung mit vervielfachtem Fruchtertrag: Exotisch, authentisch und st├Ârungsfrei, schnell zu verzehren und hilfreich f├╝r ein kreatives Mikroklima.

"Unechte Landschaft" ist so gesehen die leise Formulierung eines stillen und entspannten Aufbegehrens. Unser k├╝nstlicher Garten versammelt Werke, in denen das Nat├╝rliche experimentell zusammengef├╝gt ist. Die Ausstellung verlangt Aufmerksamkeit f├╝r das Gemachte, Einverst├Ąndnis mit der Verz├Âgerung statt schnell verf├╝gbare Thesen zu liefern oder Kunst zum beil├Ąufig abzuhakenden Hintergrund ├Ąsthetischer Naherholung zu machen. Aus diesem Hort merkw├╝rdiger Rekombinationen vermittelt sich kein Wissen. Das Spiel hat keine Pointe und es gibt keinen Schl├╝sselbegriff f├╝r die p├Ądagogisch angeleitete Decodierung.

Im Japanischen bezeichnet "Kasansui", die "Unechte Landschaft", ein Paradox. Der (bis auf Moos als eine Art symbolisches Medium) pflanzenlose Steingarten bildet die Natur nicht nach. Er symbolisiert sie nur und imitiert ihre inneren Verh├Ąltnisse. Authentizit├Ąt und schnelles Behagen ist ihm nichts, Einsicht in das Unsichtbare alles. Zu sehen ist weder die lenkende Hand des G├Ąrtners noch eine im Vorbeigehen abrufbare Harmonie.

So gesehen ist "Unechte Landschaft" ein Projekt kuratorischer Bescheidenheit. Am Ende geht es uns um die Unterbrechung schnell flie├čender Kommunikation, um die Auseinandersetzung mit dem Zusammengesetzten, um Ma├čst├Ąbe und Ma├čstabsanpassungen und um den insistierenden, sich adjustierenden Blick.




Eine Kooperation mit der Sammlung Gaby und Wilhelm Sch├╝rmann.

BKV Potsdam e.V.
14404 Potsdam
bkv-potsdam.de


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