Florian Baudrexel

03.03.2017 – 07.05.2017 | Oldenburger Kunstverein
Eingabedatum: 03.03.2017

bilder

Florian Baudrexels (geb. 1968 in München, lebt in Berlin) raumgreifende Wandreliefs und Skulpturen entstehen in unmittelbarer Auseinandersetzung mit dem Werk und ohne vorbereitendes Konzept. Sein Schaffen zielt auf einen Zustand, in dem die plastischen Massen sich zu energiegeladenen, kraftvollen Verhältnissen fügen. Auf der Basis einer durchaus ökologisch zu nennenden Haltung verwendet er ausschließlich gefundene oder billige Materialien wie Pappe, Plakate, Styropor oder Gips, die im künstlerischen Prozess einer magischen Veredelung unterzogen werden. Bei diesem „Recycling“, das wiederum auf ökonomische Vorgänge verweist, führt Baudrexel den kompositionellen Gedanken bewusst bis zu einem Punkt, an dem die abstrakte Form in ein gestisches Gebilde umschlägt und figurative Assoziationen weckt. Diese geistige oder rhetorische Dimension manifestiert sich auch in den teils assoziativen, teils bezugreichen Titeln der Arbeiten. „A Horse with no Name“ z.B. geht zurück auf einen Song der Popgruppe America und schlägt den Bogen zum Motiv des galoppierenden Pferdes als Symbol übermenschlicher Kräfte – ein zentrales Thema der Kunstgeschichte, das bei den Futuristen eine rhythmisch-stilisierte Interpretation erfuhr.




Oldenburger Kunstverein
Damm 2a
26135 Oldenburg

oldenburger-kunstverein.de

Presse






Daten zu Florian Baudrexel:

- abc 2016

- art cologne 2015

- Kunstverein Hamburg

Weiteres zum Thema: Florian Baudrexel



Gert & Uwe Tobias


Gert & Uwe Tobias, Ohne Titel, 2010, Farbiger Holzschnitt auf Papier, 216 x 194 cm, Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin

Gert & Uwe Tobias (*1973 in Brasov, Rumänien, leben in Köln) entwickeln für den Kunstverein Hamburg eine raumgreifende Installation, die das Haus in seiner räumlichen Gesamtheit zu einem fantastischen Kopfraum werden lässt: Vom Foyer, über das Treppenhaus in beide Ausstellungsräume hinein, auf einer Gesamtfläche von ca. 1.300 qm, erstrecken sich ihre Arbeiten von Ende Januar bis April 2012. Damit ist diese Ausstellung die bisher größte Aufgabe für die beiden Künstler und ihre bis dato größte Ausstellung. Danach wird nach und nach ein Teil ihrer Installation aus großformatigen Holzschnitten, Collagen, Keramikskulpturen, Wandarbeiten und Zeichnungen verschwinden und Platz machen für die Präsentationen weiterer KünstlerInnen. Im November werden nur noch das Foyer und das Treppenhaus erhalten sein. Der gemeinsame Faden all jener Ausstellungen (im folgenden von Alexandra Bircken, Florian Baudrexel, Manuel Graf u.a.) ist das Changieren zwischen folkloristisch anmutenden und handwerklich orientierten Alltagspraktiken und einer konstruktivistischen Abstraktion.

Gert & Uwe Tobias arbeiten seit Ende ihres Studiums gemeinsam an Zeichnungen, Keramiken und Holzschnitten, die sie zu Gesamtinstallationen zusammenfügen, die oftmals über farbige Wände und räumliche Eingriffe zusammengehalten werden. Aber nicht nur äußerlich sind sie verbunden, sondern auch auf der Ebene der Motivik. Folkloristische Motive entspringen aus kollektiven gesellschaftlichen Strukturen, ihren Erinnerungen und Überlieferungen. So greifen Gert & Uwe Tobias auch vereinzelt auf ein Strickmusterbuch ihrer Mutter zurück. Eine domestizierte Motivik, die die beiden in ihre Holzschnitte und ihre Schreibmaschinenzeichnungen übertragen. In jedem ihrer Medien spüren sie den Ausgeburten surrealer Vorstellungen und Fantasien nach. Zumeist sind es Figuren, die zwar dem Menschlichen nahe stehen, sich aber andererseits weit von ihm entfernen.

Öffnungszeiten zur aktuellen Ausstellung: Dienstag – Sonntag und an Feiertagen 12 – 18 Uhr

Der Kunstverein, seit 1817.
Klosterwall 23
20095 Hamburg
Tel. +49(0)40 32 21 58
kunstverein.de

Florian Baudrexel


Florian Baudrexel, Kneeling Window, 2012,Installationsansicht / installation view, Kunstverein Hamburg 2012, Foto / photo: Fred Dott / Kunstverein,Courtesy Linn Lühn, Düsseldorf,VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Florian Baudrexel (*1968, lebt in Berlin) entwickelt für seine Einzelausstellung im Erdgeschoss des Kunstvereins zwei unterschiedliche Raumkonzepte: einen Raum der Leere, der in schrägen Wänden zurückweicht und wenig Anhaltspunkte bietet – sowohl im Sinne eines physischen Erlebens als auch eines phänomenalen Sehens –, und einen Raum der Fülle, der in sein eigenes Zentrum dringt und die Trennung zwischen begrenzender Hülle und Raum auflöst. Der Übergang zwischen beiden ist angelehnt an ein menschliches Gesicht, durch dessen Mund die Besucher wie Luft ein- und ausströmen. Ein Außen- und ein Innenraum, der Leere und Dichte, Kühle und vermutlich Wärme in sich vereint – eine Dialektik, die auf der Betonung von Form basiert. Der Außenraum hält sich mit den vermeintlich unauffälligen Formen zurück, während sich der Innenraum skulptural in den Vordergrund drängt. Dieser gegensätzliche Moment sollte aber natürlich keineswegs darüber hinwegtäuschen, dass beide bewusst so gestaltet werden, um ihren Gegensatz auszubilden.

Zu den Arbeiten von Florian Baudrexel

Der Titel der gesamten Rauminstallation, Kneeling Window, eröffnet einen Bezug zu dem von Michelangelo entworfenen Fenstertypus, der 1517 für den Palazzo Medici Riccardi in Florenz erstmals gebaut und in Manierismus und Barock wiederholt aufgegriffen wurde. Entgegen der üblichen, klassischen Ordnung setzte Michelangelo die Voluten unter das Gesims des Fensters, so dass sie dieses trugen. Da diese Fenster im Erdgeschoss gebaut wurden, reichten die Voluten fast bis zum Boden und bekamen deshalb den Namen des „knienden Fensters“. Diese Vermenschlichung der Architektur – oder allgemeiner: der Form – bezieht das Gemachte unmittelbar auf das Organische, das Eigene, das Menschliche und ist damit Sinnbild dessen was wirkt. Eine Form ist Form in ihrer Gestaltungsweise und ihrer Wahrnehmung. Und darin muss sie verhandelbar bleiben, kann anders gefunden werden, dringt auf den Betrachter ein oder weicht vor ihm zurück.

Baudrexels Bearbeitung des Innenraumes lässt sich auch als Skulptur gewordene Malerei verstehen, als räumliches Relief. Hier kommt der Aspekt des Eintauchens in eine andere Welt sowie die Perspektive ins Spiel. Sie bildete lange Zeit ein großes Thema in der Kunst und ist im Zuge von Verortungen, Kontexten usw. in den Hintergrund getreten, um vermeintlichen Geschichten und einer damit einhergehenden Distanz Platz zu machen. Dennoch bleibt relevant, dass Kunst etwas schafft, was zunächst einmal sich selbst genügt, ohne sich pragmatisch in einen funktionalen Kontext einspannen zu lassen. Ein Interesse und eine bildnerische Logik verfolgen ihre eigenen Ziele innerhalb bestimmter Regeln, bei denen es aber legitim ist, diese zu brechen. So ist der Verweis auf Michelangelo ein augenzwinkernd zweifacher: Einerseits auf ästhetische Immanenz und andererseits auf die jeweilige Manier.
Den Auftakt des Reliefbildes markieren einzelne Formen, die wie „Wächter“ erscheinen. Solche Figuren tauchen oftmals in der Architektur (an Toren oder auf Dächern) und von dort übernommen, auch in Filmbildern auf. So zum Beispiel in „Batman“-Filmen in Momenten des Innehaltens, bevor es zum großen Finale kommt: Auf den Dächern über Gotham City und als stumme Begleiter leisten nur die steinernen Hunde dem Superhelden Gesellschaft. Das Formale, die Abstraktion, das Kompositorische, aber auch – oder gerade deshalb – das Spielerische, mit dem sich die Skulptur entwickelt hat, fallen auf. Wenig ist bis ins Detail geplant, die wesentlichen Entscheidungen fallen im Prozess. Gestaltung ist insofern ein wesentliches Stichwort.Florian Baudrexel arbeitet oftmals am Modell und gerade seine kleinformatigen Skulpturen an den Wänden des äußeren Raumteils erinnern recht unmittelbar an solche. Damit sind sie einem Vorgehen verwandt, das vielfach in der Architektur und der Raumgestaltung zum Einsatz kommt. Die Arbeit Ohne Titel (2012) – eine Art Setzkasten kleiner, modulartiger Teile – ist eine Fundgrube von Elementen, die sich ins Unermessliche erweitern lässt und immer wieder neu gefunden und bearbeitet werden will. Versatzstücke sind immer nur Versatzstücke und lassen sich, bei beibehaltener Offenheit, stetig neu bewerten.
Womit wir zu Michelangelos „Kneeling Window“ zurückkehren könnten, der sich zwar des Vorhandenen bediente, aber seine vermeintlich logischen Regeln brach und sich neu zu ihnen in Beziehung setzte. Kräfte hat er dort wirken sehen, die man auch anders deuten konnte, als bisher und damit war er vielleicht klassischer als manch anderer: „Entasis“ (Anspannung) ist die Schwellung des Schaftes einer antiken Säule und kann als Ausdruck der wirkenden Kräfte gelesen werden.

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag und an Feiertagen 12 – 18 Uhr

Kunstverein Hamburg
Klosterwall 23
20095 Hamburg
Tel. +49(0)40 32 21 58
kunstverein.de






Anzeige
berlin


Anzeige
Atelier


Anzeige
karma


Florian Slotawa

Bekannt geworden ist der Berliner Konzeptkünstler Florian Slotawa für seine „Besitzarbeiten“, für die er schon mal sämtliche Gegenstände aus seinem persönlichen Besitz als bildhauerisches Material verwendet hat. weiter


Harsh Astral. The Radiants II

The Radiants II« ist eine gedankliche Fortsetzung der Ausstellung »The Radiants«, die 2015 in der Bortolami Gallery in New York stattfand... weiter


Marisa Merz Il cielo è grande spazio / Der Himmel ist ein weiter Raum

Arbeiten aus fünf Jahrzehnten des künstlerischen Schaffens von Marisa Merz, der einzigen weiblichen Vertreterin der Arte Povera, sind in der Ausstellung versammelt. weiter


Ein gemachter Mensch – Künstlerische Fragen an Identitäten

Wer bin ich eigentlich? Und warum bin ich so, wie ich bin? Fragen nach der eigenen Identität treiben jeden von uns um. weiter


Hans Hartung. Malerei als Experiment – Werke von 1962 - 1989

Hans Hartung (1904-1989) gehört zu den herausragenden Malerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. In Leipzig geboren, verließ er Deutschland früh, um in Spanien und Frankreich zu leben. weiter

Nicolaus Schafhausen verlässt Kunsthalle Wien

Nicolaus Schafhausen hat sich entschlossen, die Kunsthalle Wien mit 31. März 2019 zu verlassen. weiter


HÖHENRAUSCH. Das andere Ufer

Der HÖHENRAUSCH ist seit der Kulturhauptstadt 2009 eines der auffälligsten und erfolgreichsten Ausstellungsformate für zeitgenössische Kunst in Österreich.
weiter

Existenz Kapitel 1: Skizzen

Ein Ausstellungsprojekt im Oktogon der HfBK Dresden mit Professor*innen, Studierenden, Lehrenden, Absolvent*innen der HfBK Dresden und Gästen. weiter


Roman Ondak. Based on True Events. Lovis-Corinth-Preis 2018

Nach wahren Begebenheiten, verheißt der Titel der Schau, doch in unserer Welt der Fake News, alternativen und Post-Fakten ist dieses Versprechen verstörend geworden. Was ist denn wahr und wer bestimmt, was Wahrheit ist? weiter


Jonathan Meese / Daniel Richter / Tal R - BAVID DOWIE

Unter dem Titel Bavid Dowie präsentiert das Kunsthaus auf drei Etagen farbintensive Gemälde und Skulpturen, die in einer einmaligen Zusammenarbeit im Vorfeld der Ausstellung entstanden sind. weiter

Der Begriff - erscheinen - in Texten zur zeitgenössischen Kunst

Industry erscheinen innerhalb der, Inhaltlich erscheinen seine Arbeiten, Installationen erscheinen als Orte, Institutionen erscheinen diese Forderungen
Interaktion, erscheinen auf den, interessant erscheinen uns die .... weiter



IN THE CUT - Der männliche Körper in der feministischen Kunst

Sexualität als zentrales Thema in der Kunst war bis in die 1970er Jahre vornehmlich vom männlichen Blick auf den weiblichen Körper beherrscht. weiter


Raum D: Digitale Projekte Malte Bruns

Bis zum 9. September gibt die neu initiierte Reihe „Raum D: Digitale Projekte“ Einblicke in die Praktiken junger medienkünstlerischer Positionen. weiter


Raphaela Vogel Ultranackt

Die neuen Arbeiten in dieser ersten Einzelausstellung ausserhalb ihrer deutschen Heimat entfalten eine Welt, die aufregend und dystopisch zugleich ist.
weiter


Jutta Koether Tour de Madame

Kaum eine andere Künstlerin hat unser heutiges Verständnis von Malerei und von der Kulturlandschaft seit den 1980er Jahren so entscheidend geprägt wie Jutta Koether. weiter


Jan Bräumer / Sebastian Tröger

Unter dem Titel Von vielen Möglichkeiten weiß der Dinosaurier nichts präsentiert das Kunsthaus Gemälde, Zeichnungen und Installationen von Jan Bräumer (*1970 in Darmstadt) und Sebastian Tröger (*1986 in Erlangen). weiter


Ernst Caramelle - Very angenehme Konzeptkunst

Was ist Wirklichkeit, was nur Schein? Bei den raffinierten Wandgemälden des in Tirol geborenen Künstlers Ernst Caramelle (*1952) verschwimmen diese Grenzen. In der stillen und zugleich eindrucksvollen Einzelausstellung „Very angenehme Konzeptkunst“ zeigt Marta Herford anhand von Zeichnungen, Film, „Lichtarbeiten“ sowie einer eigens für die Lippold-Galerie konzipierten Wandmalerei Caramelles gewitzte und verblüffende Konzeptkunst. weiter

Elke aus dem Moore ist neue Leiterin der Akademie Schloss Solitude

Elke aus dem Moore folgt Jean-Baptiste Joly, der die Akademie von Beginn an geleitet hat. weiter


erreger– | EIGEN frequenz

Die zweiteilige Ausstellung erreger- | EIGEN frequenz widmet sich vom 17. Mai bis 10. Juni 2018 mit Werken von Prof. Una H. Moehrke sowie von ihren Studierenden und Alumni und einem außergewöhnlichen Begleitprogramm dem Phänomen der Gabe und dem Prinzip von Impuls und Resonanz. weiter


Herr Fritz, woher stammen die Bilder? Ausstellung zur Provenienzforschung im MKK Dortmund

„Herr Fritz, woher stammen die Bilder?“ Provenienzforschung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund weiter