Slavs and Tatars - Saalbadereien / Bathhouse Quackeries

03. 02. - 15. 04. 2018 | Westfälischer Kunstverein, Münster
Eingabedatum: 31.01.2018

bilder

Das Kollektiv Slavs and Tatars beweist seit seinen Anfängen 2006 ein feines Gespür für virulente gesellschaftliche Themen, denen es in einer ganz eigenen Form des Eklektizismus neue Wege eines zeitgenössischen Diskurses bahnt. Ihre Ausstellungen, Publikationen und Lecture Performances speisen sich aus Popkultur-Stilmitteln, spirituellen und esoterischen Traditionen, mündlichen Überlieferungen, modernen Mythen aber auch streng wissenschaftlicher Analyse.

Der Fokus liegt dabei auf dem Gebiet Eurasiens und auf den Beziehungen zwischen Wissenschaft, Religion, Macht, Sprache und Identitäten. Für ihre erste Einzelausstellung in Deutschland setzen sich Slavs and Tatars mit dem Königsberger Schriftsteller und Philosophen Johann Georg Hamann auseinander, der 1788 in Münster verstarb. Er gilt als Aufklärungskritiker dahingehend, dass er behauptete, es gäbe keine Vernunft vor Denken und Sprache. Hamann postulierte eine Rückbesinnung auf den Glauben und stellt darin eine für das Künstlerduo interessante Persönlichkeit dar. Slavs and Tatars widmen sich der Wissenschaftsgeschichte, indem sie etablierte westliche Curricula erneut erweitern möchten um Konzepte von Spiritualität und Glaubensfragen – Bereiche, die seit der Aufklärung aus unserem Wissenskanon verbannt wurden. Eingeladen nach Münster, dem Ort, an dem Hamann begraben liegt, war eine künstlerische Auseinandersetzung mit diesem Gelehrten naheliegend.

Der Westfälische Kunstverein ist eingetaucht in roséfarbenes Licht. Den Ausstellungsraum dominiert eine raumgreifende Installation aus Holz. Sie ist ein Hybrid aus Bühne und Bar - Treppen auf der einen und Barhocker auf der anderen Seite machen sie nutzbar von Besuchern sowie den Künstlern. Daneben steht eine Zapfstelle, an der Sauerkrautsaft (pickle juice) ausgeschenkt wird. Wie so vieles beruht auch diese Arbeit von Slavs and Tatars auf einem Wortspiel. Sprache, Übersetzungen und der Einfluss auf das Denken sind wiederkehrende Themen. So ist „to go sour on power“ (sauer werden) eine Wendung, die die Künstler nicht nur zum pickle juice sondern auch zu den wandfüllend plakatierten Postern inspiriert hat, auf denen weibliche Brüste in Form von Essiggurken zu sehen und auf denen von curd milk (saurer Milch) zu lesen ist. Kurze, knappe Wendungen in der Sprache, die doch so viel Potential enthalten, dass sie viele und vielfältige Assoziationen auslösen. Dies ist der große Reiz und die Besonderheit der künstlerischen Praxis von Slavs and Tatars, und eben auch der Ausgangspunkt für die daraus entstehenden Objekte und Installationen.

Des Weiteren präsentiert das Künstlerduo zwei verschiedene Lecture Performances: vor Ausstellungsbeginn außerhalb des Kunstvereins (im Auditorium des benachbarten Landesmuseums) und später eine weitere im Kunstverein. Doch auch während der Laufzeit der Ausstellung wird der Raum akustisch aktiviert. Aus vier Lautsprechern hören wir einen gerappten Text, den Slavs and Tatars aus Zitaten Hamanns zusammengestellt und von einem Rapper einspielen haben lassen. Stilbruch und Vermischung auch hier: auf einem Bildnis von Johann Georg Hamann ist der Philosph mit einem geknoteten Kopftuch dargestellt – Slavs and Tatars verknüpfen ihn mit dem Rapper unserer Gegenwart. Auch dieser trägt nicht selten etwas ganz ähnliches, ein sogenanntes do-rag. Beide verwenden verkürzte Rhapsodien und dichte Sinnbilder.


Westfälischer Kunstverein
Rothenburg 30
westfaelischer-kunstverein.de

Presse






Daten zu Slavs and Tatars:

- 2nd Ural Industrial Biennial of Contemporary Art, 2012

- 32. Biennial of Graphic Arts Ljubljana

- art berlin 2017

- art cologne 2015

- Berlin Biennale 2014

- CONTOUR 7, A Moving Image Biennale in Mechelen 2015

- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015

- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015

- Gwangju Biennale, 2012

- Kunstverein Braunschweig 2015

- Manifesta 10, 2014

- SHARJAH BIENNIAL 10, 2011

- The Third Line - Gallery

- Ural Industrial Biennial 2017

- Yinchuan Biennale 2016

Weiteres zum Thema: Slavs and Tatars



Museum Off Museum


Der Bielefelder Kunstverein präsentiert vom 07. September 2013 bis zum 26. Januar 2014 das zweiteilige Ausstellungsprojekt »Museum Off Museum«. Die Ausstellungen und das umfangreiche Begleitprogramm widmen sich dem aktuellen Interesse von Künstlerinnen und Künstlern an einem sich unter globalen Vorzeichen verändernden Reflexionsraum »Museum«. Am Beispiel von sieben Positionen zeigt die Ausstellung wie heute in künstlerischen Arbeiten die zentralen Prinzipien musealer Praxis des Sammelns, Ordnens, Präsentierens und Vermittelns thematisiert und erweitert werden. Die Projekte greifen Themen der populären und globalen Kultur auf, sie bewegen sich zwischen der Aneignung und dem Aufbrechen musealer Präsentation. »Museum Off Museum« untersucht damit über einen Zeitraum von fünf Monaten das Museum als Form der künstlerischen Handlung in der globalen Welt und als Teil des medialen Raumes im 21. Jahrhundert. »Museum Off Museum« stellt Fragen nach der aktuellen Bedeutung und dem Selbstverständnis künstlerischer Praxis, der Funktion und Form des Ausstellens, der Zukunft von Wissensproduktion und kultureller Vermittlung.

Das Interesse gilt ebenso Prozessen der Analyse und Übersetzung sowie eine Untersuchung statischer Formen der Repräsentation in Zeiten mobiler Kommunikation. Eine Erweiterung von Wissenskontexten, die Geschichte kultureller Identität, die materiell-kulturellen Codes von Sammlungen und Artefakten spielen dabei eine wesentliche Rolle. Die Unterscheidung zwischen Kunstwerk und historischem Dokument, Bild und Abbild, Exponat und Display, Installation, Bühne und filmischem Setting wird sich innerhalb der Ausstellung verschieben. Die Ausstellung reflektiert zum einen das subjektive Potenzial musealer Erzähltechniken und wissenschaftlicher Methoden. Zum anderen wird die durch museale Praxis hervorgebrachte symbolische Ordnung von Wissen hinterfragt, fiktionalisiert und erweitert. Parallel dazu thematisiert »Museum Off Museum« den Einfluss künstlerischer Interventionen auf Museums- und Ausstellungskonzepte in der Gegenwart.

Um die künstlerischen Ansätze in angemessenem Umfang vorzustellen, durchbricht »Museum Off Museum« den regulären Ausstellungsrhythmus zugunsten einer episodenartigen, fragmentarischen Programmstruktur. Die beiden Ausstellungsperioden werden von künstlerischen und wissenschaftlichen Beiträgen, Vorträgen sowie einem Blog auf unserer Webseite begleitet. Zum Abschluss des Projektes wird ein Katalogbuch (Deutsch-Englisch) erscheinen, welches die einzelnen Ausstellungsphasen dokumentiert und alle Beiträge zusammenfasst.


ERSTER TEIL:
Mit Ausstellungsbeiträgen von Kader Attia, Camille Henrot und Slavs and Tatars
ZWEITER TEIL: 09. NOVEMBER 2013 – 26. JANUAR 2014
Mit Ausstellungsbeiträgen von Özlem Altin, Isabelle Cornaro, Jeremy Deller und Simon Fujiwara

Bielefelder Kunstverein
im Waldhof
Welle 61
33602 Bielefeld

bielefelder-kunstverein.de

Manifesta 10 | State Hermitage Museum, St. Petersburg


Kasper König gab die an der Manifesta 10 teilnehmenden Künstler bekannt.

Francis Alÿs, born 1959 in Antwerp, Belgium
Guy Ben-Ner, born 1969 in Ramat Gan, Israel
Joseph Beuys, born 1921 in Krefeld, Germany, died 1986 in Düsseldorf, Germany
Karla Black, born 1972 in Alexandria, Scotland
Louise Bourgeois, born 1911 in Paris, France, died 2010 in New York City, USA
Pavel Braila, born 1971 in Chisnau, Moldova
Marc Camille Chaimowicz, born 1946 in Paris, France
Jordi Colomer, born 1962 in Barcelona, Spain
Josef Dabernig, born 1956 in Kötschach-Mauthen, Austria
Lado Darakhvelidze, born 1977 in Kutaisi, Georgia
Rineke Dijkstra, born 1959 in Sittard, Netherlands
Marlene Dumas, born 1953 in Cape Town, South Africa
Nicole Eisenman, born 1965 in Verdun, France
Lara Favaretto, born 1973 in Treviso, Italy
Vadim Fishkin, born 1965 in Penza, USSR
Katharina Fritsch, born 1956 in Essen, Germany
Dominique Gonzalez-Foerster, born 1965 in Strasbourg, France
Ann Veronica Janssens, born 1956 in Folkestone, UK
Thomas Hirschhorn, born 1957 in Bern, Switzerland
Alevtina Kakhidze, born in Zhdanivka, Ukraine
Mike Kelley, born 1954 in Michigan, USA, died 2012 in South Pasadena, USA
Ragnar Kjartansson, born 1976 in Reykjavík, Iceland
Elena Kovylina, born 1971 in Moscow, USSR
Ilya Orlov and Natasha Kraevskaya, born 1973 in St. Petersburg (then Leningrad), USSR; born 1972 in St. Petersburg (then Leningrad), USSR, live and work in St. Petersburg, Russia
Maria Lassnig, born 1919 in Carinthia, Austria
Klara Liden, born 1979 in Stockholm, Sweden
Erik van Lieshout, born 1968 in Deurne, Netherlands
Vladislav Mamyshev-Monroe, born 1969 in St. Petersburg (then Leningrad), USSR, died 2013 in Bali, Indonesia
Henri Matisse, born 1869 in Le Cateau-Cambrésis, France, died 1954 in Nice, France
Boris Mikhailov, born 1938 in Kharkov, Ukraine
Yasumasa Morimura, born 1951 in Osaka, Japan
Olivier Mosset, born 1944 in Bern, Switzerland
Juan Muñoz, born 1953 in Madrid, Spain, died 2001 in Ibiza, Spain
Deimantas Narkevic, born 1964 in Utena, Lithuania
Bruce Nauman, born 1941 in Fort Wayne, USA
Tatzu Nishi, born 1960 in Nagoya, Japan
Kristina Norman, born 1979 in Tallinn, Estonia
Timur Novikov, born 1958 in St. Petersburg (then Leningrad), USSR, died 2002 in St. Petersburg, Russia
Henrik Olesen, born 1967 in Esbjerg, Denmark
Pavel Pepperstein, born 1966 in Moscow, USSR
Susan Philipsz, born 1965 in Glasgow, Scotland
Giovanni Battista Piranesi, born 1720 in Mogliano Veneto, Italy, died 1778 in Rome, Italy
Alexandra Pirici, born 1982 in Bucharest, Romania
Paola Pivi, born 1971 in Milan, Italy
Gerhard Richter, born 1932 in Dresden, Germany
Wael Shawky, born 1971 in Alexandria, Egypt
Cindy Sherman, born in 1954 in Glen Ridge, New Jersey, USA
Slavs and Tatars, founded 2006, Eurasia
Alexandra Sukhareva, born 1983 in Moscow, Russia
Wolfgang Tillmans, born 1968 in Remscheid, Germany
Joëlle Tuerlinckx, born 1958 in Brussels, Belgium
Clemens von Wedemeyer , born 1974 in Göttingen, Germany
Otto Zitko, born 1959 in Linz, Austria


manifesta.org





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