Aino Kannisto im Kunstverein Münsterland (26.9. - 14.11.2004)

aino-kannisto
Eingabedatum: 02.09.2004

bilder

Eine weitere Fotokünstlerin aus Finnland setzt mit "Staged Photographs" die Reihe der spannenden, zeitgenössischen finnischen Fotografie-Ausstellungen im deutsprachigen Raum fort.

"Aino Kannisto (geb. 1973, lebt und arbeitet in Helsinki) konstruiert Bilder, die aufgeladen durch eine besondere Atmosphäre oder Stimmung, dem Medium Fotografie neue Dimensionen der Anschaulichkeit vermitteln. Ihre "inszenierten Fotografien" zeigen fiktive Szenen, in denen die Künstlerin stets selbst die Hauptrolle spielt. Dennoch sind Kannistos Bilder keine Selbstportraits im traditionellen Sinne. Vielmehr handelt es sich bei den in wechselnden Rollen auftretenden Frauenfiguren um fiktive Erzählerinnen, an deren Kleidung, Körperhaltung, Mimik und Gestik sich das ganze Drama menschlicher Sehnsüchte, Leidenschaften, Ängste und Emotionen ablesen läßt.

Kannistos fotografische Dramaturgie versetzt die Hauptdarstellerinnen in ein karges Bühnengeschehen, das in seiner vielschichtigen Erlebnisdichte an die Intensität eines Kammerspiels erinnert. Die Zeit scheint stillzustehen, die Handlung erstarrt zu einem ausschnitthaften Moment, befangen zwischen angedeuteter Aktion und passiver Erwartung. Der Raum wirkt in seiner gezeigten Frontalität statisch. Spiegelungen und Reflexe führen zu einer optischen Verschränkung von Innen und Außen. Kein noch so nebensächlich wirkendes Accessoire scheint verrückbar, ohne den szenischen Zusammenhalt und damit die innere Logik der dramaturgischen Erzählung zu zerstören. Alles fügt sich den präzisen Regieanweisungen der Fotografin, die neben Kunst und Literatur auch den Film zu ihren erklärten Inspirationsquellen zählt.

Traumverloren, den Blick nach Innen gewandt, abgeschieden von der Außenwelt - Kannistos Frauenfiguren sind ganz auf sich allein gestellt, beschäftigt mit den eigenen, tief sitzenden Ängsten, Gefühlen und Gedanken. Ihre einsamen Protagonistinnen agieren an Orten der Kommunikationslosigkeit und inneren Abgeschiedenheit. Trotz strahlender Sonne, blühender Natur und einer zuweilen paradiesisch anmutenden Unberührtheit lassen diese jede Art von Wärme und Geborgenheit vermissen.

Subtile Anzeichen von Verzweiflung, Einsamkeit und Gewalt, die sich in Kannistos Selbstinszenierungen finden, schüren beim Betrachter Beunruhigung, Ungewißheit und Irritation. Dabei verfährt die Künstlerin virtuos mit der ihren Arbeiten entgegengebrachten Erwartungshaltung. Kannisto taucht das unprätentiös inszenierte Geschehen in eine fast unerträgliche Spannung, die sich jeden Moment entladen kann, mit welchen Auswirkungen und Konsequenzen auch immer. Am Ende bleibt für den Betrachter stets ein Rest von Unerklärbarkeit, der sich weder auflösen noch genauer definieren läßt." (Quelle: KV Münsterland)

Foto: Copyright: Aino Kannisto: ohne Titel (Frau im Wasser), 2003, Chromogenic Print auf Aluminium montiert, 90 x 126 cm

Öffnungszeiten: Di - Fr 14-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr, So 11-17 Uhr

Ausstellungsdauer: 26.9. - 14.11.2004

Kunstverein Münsterland e.V. | Jakobiwall 1 | 48653 Coesfeld

ch






Daten zu Aino Kannisto:

- Art Basel 2013

- Sammlung DZ Bank, Frankfurt

Weiteres zum Thema: Aino Kannisto



Neues "Forum für Kunst und Fotografie" in Köln / Teil 3 (28.2.03)


Noch bis 20.03. 2003 sind Fotografien der Finnin Aino Kannisto und des Litauers Antanas Sutkus in dem Forum im Kölner Süden zu sehen.
An der Auswahl dieser beiden Künstler lässt sich bereits eine der Zielsetzungen dieser Neugründung ablesen: die unabhängige Institution möchte dem Mainstream im Umgang mit Fotografie entgegen steuern.

Die schwarz-weiß Aufnahmen Antanas Sutkus (geb. 1939) zeigen menschliche und soziale Eindrücke aus seinem Heimatland, die den Betrachter mit einer stimmungsvollen Mischung aus Melancholie und Lebensfreude zu fesseln verstehen.

Völlig anders wirken da die farbigen Bilder von Aino Kannisto (geb. 1973), die fiktive Szenen herstellt, um in konstruierten Bildern eine Atmosphäre oder Stimmung durch fiktive Personen zu repräsentieren (Selbstäußerung der Künstlerin).

Die Präsentation von Sutkus und Kannisto im Forum für Zeitgenössische Fotografie folgt dem Ziel, eigenständige Entwicklungen in der Fotografie, die eher abseits des Kunstmarkts stattfinden, vorzustellen. Der Schwerpunkt des von dem Kunstsammler Norbert Moos gegründeten Forums wird auf thematischen Ausstellungen, die inhaltlich die sozialen und historischen Dimensionen der Fotografie behandeln, liegen.
Zusätzlich zu regelmäßigen Ausstellungen werden im Forum öffentliche Seminare und Vorträge zur Bildrezeption stattfinden. Ebenfalls integriert ist eine Stiftung zur Nachwuchsförderung von Fotografen, die drei Arbeitsstipendien pro Jahr vergibt.

Sowohl das interessante Konzept des Forums als auch die beeindruckenden Aufnahmen Kannistos und Sutkus´ sind in ein Besuch wert!

Foto: Forum.f.Zeitg. Fotografie. Aino Kannisto: Untitled (Girl with a Rabbit), 1999.

Forum für Kunst und Fotografie | Schönhauser Straße 8 | 50968 Köln

Öffnungszeiten: Do+Fr 14-18h, Sa+So 11-16h

"Selbstauslöser" + "The Day Before Tomorrow", Kunsthalle Fridericianum, Kassel (21.12. - 26.2.06)


Mit der Ausstellung Selbstauslöser gibt die Kunsthalle Fridericianum in Kooperation mit FRAME (Finnish Fund for Art Exchange, Helsinki) erstmalig in Deutschland einen umfassenden Einblick in das fotografische und filmische Werk fünf finnischer Künstlerinnen. Im Mittelpunkt der Arbeiten von Elina Brotherus, Aino Kannisto, Sanna Kannisto, Fanni Niemi-Junkola und Salla Tykkä stehen nicht die großen politischen oder sozialen Themen, vielmehr sind es Bereiche des Alltäglichen und Persönlichen, die ihre Aufmerksamkeit wecken. In den sehr verschiedenen Portraits persönlicher Ereignisse, der Darstellung der eigenen Lebensrealität und ihres Verhältnisses zur Außenwelt spiegelt sich aber immer auch die gesellschaftliche Realität. Ohne Worte und auch formal in von Ruhe und Stille geprägten Bildern erzählen sie ihre Geschichten – Geschichten vom Erwachsenwerden, von der Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, Familiengeschichten. Oftmals werden die Künstlerinnen dabei selbst zum Gegenstand der eigenen Betrachtung, befinden sich inmitten kulissenhafter Umgebungen, deren schöner Schein sich unter der hochglänzenden Oberfläche als brüchig erweisen kann.

Eine ganz andere Bildsprache wählt das in Berlin und New York lebende Künstlerpaar Svetlana und Igor Kopystiansky in ihren Medieninstallationen. Ihr Interesse gilt den scheinbar nebensächlichen Aspekten des Lebens, den Alltagssituationen, achtlos weggeworfenen Abfällen als Überbleibsel unserer Konsumgesellschaft. Mit ihrem unverstellten Blick - auf jegliche Form der Inszenierung verzichtend - verwandeln sie Leben in Kunst, alltägliche Begebenheiten in scheinbar bedeutsame Ereignisse. Diese "banalen Dramen" werden in den Film- und Diaprojektionen sichtbar, die für die Ausstellung The Day Before Tomorrow ausgewählt wurden. Mit ihren Arbeiten geben sie auch einen Teil ihrer eigenen Lebens- und Arbeitsweise preis. Kleine Abweichungen in den Kameraeinstellungen oder fast unmerkliche zeitliche Verschiebungen beim Einfangen von Situationen verdeutlichen den individuellen Anteil an dem gemeinschaftlichen Produkt. Die gemeinsam mit der Galerie des Fine Arts Center der Universität von Massachusetts, Amherst, konzipierte Ausstellung gibt einen Überblick über frühere Arbeiten und präsentiert neben der aktuellen Arbeit 526 auch eine eigens für die Kunsthalle konzipierte, neue Videoarbeit.

Zu beiden Ausstellungen erscheint ein Katalog. (Presse / Kunsthalle Fridericianum)

Abbildung: Aino Kannisto, Untitled (Shower II), 2000, © Aino Kannisto; Courtesy: Galerie m Bochum

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Mittwoch und Freitag 11 bis 20 Uhr, Montag geschlossen

Kunsthalle Fridericianum
Friedrichsplatz 18
D-34117 Kassel







Anzeige
karma


Anzeige
Atelier


Anzeige
berlin



Marisa Merz Il cielo è grande spazio / Der Himmel ist ein weiter Raum

Arbeiten aus fünf Jahrzehnten des künstlerischen Schaffens von Marisa Merz, der einzigen weiblichen Vertreterin der Arte Povera, sind in der Ausstellung versammelt. weiter


Ein gemachter Mensch – Künstlerische Fragen an Identitäten

Wer bin ich eigentlich? Und warum bin ich so, wie ich bin? Fragen nach der eigenen Identität treiben jeden von uns um. weiter


Hans Hartung. Malerei als Experiment – Werke von 1962 - 1989

Hans Hartung (1904-1989) gehört zu den herausragenden Malerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. In Leipzig geboren, verließ er Deutschland früh, um in Spanien und Frankreich zu leben. weiter

Nicolaus Schafhausen verlässt Kunsthalle Wien

Nicolaus Schafhausen hat sich entschlossen, die Kunsthalle Wien mit 31. März 2019 zu verlassen. weiter


HÖHENRAUSCH. Das andere Ufer

Der HÖHENRAUSCH ist seit der Kulturhauptstadt 2009 eines der auffälligsten und erfolgreichsten Ausstellungsformate für zeitgenössische Kunst in Österreich.
weiter

Existenz Kapitel 1: Skizzen

Ein Ausstellungsprojekt im Oktogon der HfBK Dresden mit Professor*innen, Studierenden, Lehrenden, Absolvent*innen der HfBK Dresden und Gästen. weiter


Roman Ondak. Based on True Events. Lovis-Corinth-Preis 2018

Nach wahren Begebenheiten, verheißt der Titel der Schau, doch in unserer Welt der Fake News, alternativen und Post-Fakten ist dieses Versprechen verstörend geworden. Was ist denn wahr und wer bestimmt, was Wahrheit ist? weiter


Jonathan Meese / Daniel Richter / Tal R - BAVID DOWIE

Unter dem Titel Bavid Dowie präsentiert das Kunsthaus auf drei Etagen farbintensive Gemälde und Skulpturen, die in einer einmaligen Zusammenarbeit im Vorfeld der Ausstellung entstanden sind. weiter

Der Begriff - erscheinen - in Texten zur zeitgenössischen Kunst

Industry erscheinen innerhalb der, Inhaltlich erscheinen seine Arbeiten, Installationen erscheinen als Orte, Institutionen erscheinen diese Forderungen
Interaktion, erscheinen auf den, interessant erscheinen uns die .... weiter



IN THE CUT - Der männliche Körper in der feministischen Kunst

Sexualität als zentrales Thema in der Kunst war bis in die 1970er Jahre vornehmlich vom männlichen Blick auf den weiblichen Körper beherrscht. weiter


Raum D: Digitale Projekte Malte Bruns

Bis zum 9. September gibt die neu initiierte Reihe „Raum D: Digitale Projekte“ Einblicke in die Praktiken junger medienkünstlerischer Positionen. weiter


Raphaela Vogel Ultranackt

Die neuen Arbeiten in dieser ersten Einzelausstellung ausserhalb ihrer deutschen Heimat entfalten eine Welt, die aufregend und dystopisch zugleich ist.
weiter


Jutta Koether Tour de Madame

Kaum eine andere Künstlerin hat unser heutiges Verständnis von Malerei und von der Kulturlandschaft seit den 1980er Jahren so entscheidend geprägt wie Jutta Koether. weiter


Jan Bräumer / Sebastian Tröger

Unter dem Titel Von vielen Möglichkeiten weiß der Dinosaurier nichts präsentiert das Kunsthaus Gemälde, Zeichnungen und Installationen von Jan Bräumer (*1970 in Darmstadt) und Sebastian Tröger (*1986 in Erlangen). weiter


Ernst Caramelle - Very angenehme Konzeptkunst

Was ist Wirklichkeit, was nur Schein? Bei den raffinierten Wandgemälden des in Tirol geborenen Künstlers Ernst Caramelle (*1952) verschwimmen diese Grenzen. In der stillen und zugleich eindrucksvollen Einzelausstellung „Very angenehme Konzeptkunst“ zeigt Marta Herford anhand von Zeichnungen, Film, „Lichtarbeiten“ sowie einer eigens für die Lippold-Galerie konzipierten Wandmalerei Caramelles gewitzte und verblüffende Konzeptkunst. weiter

Elke aus dem Moore ist neue Leiterin der Akademie Schloss Solitude

Elke aus dem Moore folgt Jean-Baptiste Joly, der die Akademie von Beginn an geleitet hat. weiter


erreger– | EIGEN frequenz

Die zweiteilige Ausstellung erreger- | EIGEN frequenz widmet sich vom 17. Mai bis 10. Juni 2018 mit Werken von Prof. Una H. Moehrke sowie von ihren Studierenden und Alumni und einem außergewöhnlichen Begleitprogramm dem Phänomen der Gabe und dem Prinzip von Impuls und Resonanz. weiter


Herr Fritz, woher stammen die Bilder? Ausstellung zur Provenienzforschung im MKK Dortmund

„Herr Fritz, woher stammen die Bilder?“ Provenienzforschung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund weiter

Andreas Wachter – Bilder, Plastiken

"Nichts erklären – beleuchten" (Andreas Wachter) weiter

Tatjana Doll erhält den Konrad-von-Soest-Preis 2018

Tatjana Doll, Professorin für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, erhält den Konrad-von-Soest-Preis. weiter