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B3 Biennale

"Dass Kunst nicht zum Nulltarif zu haben ist, ist selbstverständlich!"


Eingabedatum: 05.03.2006


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Helmut Schuster war zu Gast im bayrischen Coburg, der Residenzstadt des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha, um sich mit Angelika und Fritz Stahlberg über die tieferen Aspekte des Sammelns zu unterhalten. Das Ehepaar sammelt seit Mitte der 80er Jahre Kunst mit Schwerpunkt auf realistischer Malerei. Die Sammlung hat seit 2004 ihre Heimat in einer Etage eines neu renovierten Coburger Bürgerhauses und ist nach Vereinbarung der Öffentlichkeit zugänglich.

Helmut Schuster
Was ist Kunst für Sie als Industrieller? Schaffen Sie es, aus ihrem Alltag, der durchstrukturiert ist und bestimmte Verhaltensmuster verlangt, mit Hilfe der Kunst auszubrechen? Finden Sie Abstand aus dem Alltag durch Ihre Sammelleidenschaft, oder welche Funktion hat Kunst für Sie persönlich?

Fritz Stahlberg
In den Bildern findet sich auch Alltag wieder, aber es hilft einem, sich mit den verschlüsselten Botschaften auseinander zu setzen, die ein Künstler hat, und die sich dann auch mit den eigenen Lebenserfahrungen vermischen; ja, manchmal sogar die eigene Lebenserfahrung besser erklären helfen.

Helmut Schuster
Ist es Ihnen wichtig, Kontakt mit den Künstlern zu haben?

Fritz Stahlberg
Das ist nicht ganz selbstverständlich. Der Kontakt ergibt sich auf Messen, auf Ausstellungen usw., aber es gibt sicherlich Künstler, die sehr introvertiert sind. Ich denke es kommt einfach auch auf die jeweiligen Personen an. Es muss die Chemie stimmen und es muss sich herausstellen, dass man gemeinsame Erfahrungen gemacht hat und es lohnt, sich darüber auszutauschen.

Helmut Schuster
Gibt es eine Schlüsselarbeit in Ihrer Sammlung, durch die Sie zum Sammeln gekommen sind? Wie lange sammeln Sie denn überhaupt schon; oder hat Sammeln bei Ihnen Familientradition und ich sitze hier den Erben einer Sammlerdynastie gegenüber.


Fritz Stahlberg
Nein, es gibt keine Sammlerdynastie.
Wir sind hier etwas aus der Art geschlagen.
In den 80iger Jahren haben wir in Essen gelebt und gearbeitet. Da war Köln nicht allzu weit und der richtige Kontakt zur Kunst kam auf der Art Cologne, wo wir erst mal zwei Jahre gebraucht haben, um Kunst überhaupt etwas zu verstehen.
Die erste Sammelleidenschaft und dann auch Kaufentscheidung trafen wir dann in Richtung Realismus. Das war ein Bild von Peter Handel "Die zwei Schwestern", was eigentlich für einen Beginn einer Sammlung oder für einen Anfänger ein richtig großes und schweres Werk war.
Die Frage, warum hat man sich für so ein Werk entschieden, war und ist nicht so leicht zu beantworten...
Das haben uns unsere Künstler mittlerweile auch gelehrt, ein Bild, das sich vollständig erklären lässt, hätte eigentlich gar nicht gemalt werden müssen.


Helmut Schuster
Hat Kunst-Sammeln notwendigerweise etwas mit Geld zu tun? Muss man reich sein, um Kunst zu besitzen?

Fritz Stahlberg
Ein gewisser finanzieller Rückhalt ist natürlich schon notwendig. Denn Kunst ist nicht unbedingt etwas dringend Lebensnotwendiges, aber man muss eben auch sehen, dass man da die wirtschaftliche Betrachtung bei der Kaufentscheidung nicht aus den Augen verliert. Es kann auch genügen, ein Kunstwerk im Museum anzusehen und es ist nicht zwangsläufig so, dass man das, was einem gefällt, unbedingt besitzen muss. Aber dass Kunst nicht zum Nulltarif zu haben ist, ist selbstverständlich. Da denke ich, haben wir eigentlich ein ganz gutes Prinzip, was bei uns keinen Stress erzeugt. Wir setzen uns einen festen Etat mit einer klar definierten Obergrenze. Wir würden also nicht unsere Sammelleidenschaft soweit treiben, dass wir anfangen uns von dem Hype, der zurzeit herrscht, beeinflussen zu lassen.

Helmut Schuster: Vielen Dank für das angenehme Gespräch!

Das vollständige Interview ist in der März-Ausgabe des Kultur-Kanal nachzulesen.

kultur-kanal.de