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Miroslaw Balka - Lichtzwang - K21 Düsseldorf (13.5.-10.9.06)


Eingabedatum: 01.05.2006

bilder

Der vielbeachtete polnische Künstler Miroslaw Balka (geb. 1958) zeigt in dieser Ausstellung zum ersten Mal ausschließlich Videoarbeiten. Nach 1989 war er mit eindringlichen, menschliche Grunderfahrungen reflektierenden Skulpturen und Installationen schnell auch im Westen bekannt geworden. 1998 hat er zusätzlich begonnen, meist kürzere Videofilme zu drehen. Er nimmt alltägliche Momente und Szenen auf, wobei sich die Aufmerksamkeit häufig auf eher beiläufige Details richtet. Die Filme entstehen meist ohne große Vorbereitung und mit einfacher Technik. Balka selbst beschreibt seinen Ansatz (etwas ironisch) als dokumentarisch, da er in vielen von ihnen etwas aufzeichnet, das ihm auf seinen Spaziergängen oder Reisen begegnet. Was man in den Videos jedoch sieht, entspricht keineswegs den Erwartungen an einen dokumentarischen Film. Die meisten haben eine zuerst vielleicht rätselhafte und dann poetische Dimension. Aus geringen Vorkommnissen werden so Bilder von hoher Intensität, die an grundlegende menschliche Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen rühren.

In Blue Gas Eyes sieht man z. B. die doppelte Projektion des Flammenkranzes eines Gasherds. Die sich leicht bewegenden Lichtkreise haben eine beinahe hypnotische Wirkung. Die Schönheit dieses Bildes aber vermischt sich mit dem Zischen des Gases, das seine natürliche Unschuld in der Geschichte des 20. Jahrhunderts verloren hat. Direkter noch handelt T-Turn in einem verlangsamten Schwenk von einem der Orte des großen Mordens und Strebens: Treblinka. In einer anderen Arbeit wird eine Fernsehsendung über Verbrechen mit der Beobachtung von Insekten verbunden, und in der größten Projektion erlebt man das Werden und Vergehen einer eigentümlich irrealen Weltlandschaft.

Alle gezeigten Arbeiten sind keine reinen Projektionen, sondern mit skulpturalen Zusätzen versehen. Mal wird das Video auf eine Salzfläche projiziert, die auf dem Boden ausgelegt ist, mal in eine Raumecke hinein, vor der sich eine Bank für zwei Zuschauer befindet. Mit solchen Mitteln wird dem flüchtigen Medium des Films ein konkreter Ort und eine gleichsam körperliche Präsenz im Ausstellungsraum gegeben. Insgesamt werden sechs solcher Videoinstallationen sowie eine Sequenz von Einzelbildern auf einem Monitor gezeigt.

Der Ausstellungstitel "Lichtzwang" ist einem Gedicht von Paul Celan entnommen. Er spielt in leicht ironischer Weise mit den Bedingungen des für die Kunst so wichtig gewordenen Mediums Video. Mehr noch ist der Titel jedoch ein Hinweis auf die ambivalente Bedeutung der Metapher des Lichts. Nicht alles wird durch Licht ‚erleuchtet’, manchmal scheint der Umweg über das Undeutliche oder gar Dunkle einen besseren Zugang gerade zu den schwierigen Dingen zu ermöglichen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Abbildungen aller gezeigten Arbeiten und einem Text von Julian Heynen.

Aus Anlass seiner Ausstellung in K 21 hat Miroslaw Balka exklusiv für die Editionsreihe Editions K20K21 eine Druckgrafik geschaffen, die im Museumsshop zu erwerben ist.

K21 Kunstsammlung

Ständehausstraße 1
40217 Düsseldorf
+49 (0)211 8381 - 600

k21 - kunstsammlung.de











Daten zu Miroslaw Balka:


- Art Basel 2013

- Art Basel 2013

- Art Basel Hong Kong 2014

- Art Basel Miami Beach 2013

- Art Basel Miami Beach 2013

- BIENNALE OF SYDNEY, 2006

- Biennale Venedig 2013

- Biennial of Contemporary Art, D-0 ARK,2015

- documenta 9, 1992

- Frieze London 2013

- Frieze London 2016

- Hartware MedienKunstVerein (HMKV)

- Liverpool Biennale 2012

- MoMA Collection

- Museo Reina Sofía, Collection

- Ökonomie der Aufmerksamkeit, 2014 Wien

- S.M.A.K. Sammlung, Gent

- Sammlung DZ Bank, Frankfurt

- Sammlung MMK, Frankfurt

- Sammlung, Museum of Contemporary Art in Krakow

- White Cube - Gallery

Weiteres zum Thema: Miroslaw Balka



Ideal City – Invisible Cities (Zamosc, PL, 18. 6 – 22. 8.06 /Potsdam 9.9.-29.10.06)


41 internationale Künstler reflektieren ab dem 18. Juni die Idee der idealen Stadt und ihrem Pendant, der unsichtbaren Stadt.

Zamosc, ein außergewöhnliches Kleinod später Renaissance-Architektur, liegt unweit der polnisch-ukrainischen Grenze, zwischen Lublin und Lwow (Lemberg). In dieser seit ihrer Gründung Ende des 16. Jahrhunderts nie zerstörten Stadtanlage werden Arbeiten von Künstlern aus zwölf europäischen und sechs nicht-europäischen Ländern auf den Spuren einer einstigen multikulturellen Gesellschaft gezeigt, mit ihren orthodoxen Kirchen, der Kathedrale, der Synagoge und den Armenierhäusern am großen Markt. Nur wenige ideale Städte wurden je realisiert oder nur in Teilen gebaut. Besonders die Entwürfe, die eng an gesellschaftliche Utopien gebunden waren, blieben für gewöhnlich ungebaut. Zamosc - nach einer Idee des Kanzlers Jan Zamoyski entworfen und zwischen 1580 und 1605 vom italienischen Baumeister Bernardo Morando gebaut - ist eines der seltenen Beispiele einer gebauten idealen Stadt. Seit 1992 gehört Zamosc zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Die Künstler mit ortsspezifischen Arbeiten reagieren auf die bestehende Architektur öffentlicher Plätze, Gebäude und versteckter Innenhöfe. Lawrence Weiner (USA) umfasst die Arkaden des großen Marktplatzes mit einer seiner Wortskulpturen. Monika Sosnowska baut einen Brunnen während Miroslaw Balka an tiefe Wunden erinnert, die der Zweite Weltkrieg gerissen hat. Daniela Brahm, Colin Ardley und Kai Schiemenz definieren Plätze und öffentliche Orte neu. Franka Hörnschemeyers Installation dagegen nimmt Bezug auf das klare Raster der Stadt; Jakob Kolding untersucht mit seinem Posterprojekt den funktionalen Aspekt der Städteplanung und Les Schliesser richtet ein Museum für einen in Zamosc geborenen fiktiven Architekten ein. Mit eigens entworfenen Architekturen werden Lucas Lenglet mit seinem Columbarium, einem Taubenhaus, in einem der Innenhöfe und Colin Ardley mit einer Pyramide am großen Markt Akzente setzen. Craigie Horsfield, der schon in den 70er Jahren Zamosc fotografierte, wird mit einer Soundinstallation präsent sein. Vor der Synagoge findet Sol LeWitt den Ort für seine Plastik, die Kartuschen im Innenraum sind mit Wandzeichnungen von David Tremlett ausgefüllt und in den anschließenden Nebenräumen entspinnt sich ein Dialog zwischen den strukturalistischen Arbeiten von Katarzyna Jozefowicz und Pedro Cabrita Reis. Im historischen Museum wird Tilman Wendland mit Dokumentationen idealer Städte der Moderne von Le Corbusier, Oscar Niemeyer oder Hansen arbeiten. Jaroslaw Flicinski wird mit einer großformatigen Wandzeichnung die ehemalige Akademie - heute das Gymnasium der Stadt - zum Schwingen bringen. In deren Turnhalle der Grieche George Hadjimichalis seinen Workshop of Projects and Images in Crisis installiert.(Forts)

Mit Themen, die um scheinbare Sicherheit, Geometrie, Ordnungssysteme, Verteidigungsstrategien und Widerstand kreisen, werden die Foto, Film- und Videoarbeiten von Tarek Al-Ghoussein, Francis Alys, Tacita Dean und Rula Halawani in den Kasematten der die Stadt umlaufenden Festungsanlage in einen eindrucksvollen Rahmen gesetzt. In der ehemaligen Akademie, wie im Historischen Museum und in der Städtischen Galerie Zamosc werden 20 Künstler mit Arbeiten vertreten sein, die um die großen Themenbögen der Ausstellung kreisen: Stadt, die Erinnerung und das Raster.
Zeitgenössische Kunst nimmt die Herausforderung an, einen substantiellen Diskurs mit einer idealen Stadt und ihren darunter liegenden, durch Zeit und Geschichte verborgenen unsichtbaren Städten aufzunehmen. (Presse)

Zamosc/ PL / 18. Juni-22. August 2006
Potsdam / DE / 9. September-29. Oktober 2006

Künstlerliste:
Tarek Al-Ghoussein, Francis Alÿs, Carl Andre, Archigram, Colin Ardley, Tim Ayres, Miroslaw Balka, Daniela Brahm, Pedro Cabrita Reis, Rui Calçada Bastos, Constant, Jonas Dahlberg, Tacita Dean, Jaroslaw Flicinski, Carlos Garaicoa, Dan Graham, George Hadjimichalis, Rula Halawani, Franka Hörnschemeyer, Craigie Horsfield, Katarzyna Józefowicz, Jakob Kolding, Ola Kolehmainen, Lucas Lenglet, Sol LeWitt, David Maljkovic, Gerold Miller, Matthias Mueller, Teresa Murak, Brian O’Connell, Daniel Roth, Albrecht Schaefer, Kai Schiemenz, Les Schliesser, Melanie Smith, Monika Sosnowska, David Tremlett, Anton Vidokle, Lawrence Weiner, Tilman Wendland, Krzysztof Zielinski

Abbildung: Projekt für Ideal City - Invisible Cities, 2006, Modell; Abmessungen Skulptur: 10 x 10 x 7 m, Holz, Schalplatten, Ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der FILIGRAN GROUP, oto: Colin Ardley

weitere Informationen finden Sie unter:
idealcity-invisiblecities.org

Twisted Entities


Seit einigen Jahren findet die polnische Kunstszene international immer stärkere Beachtung. Dabei steht nicht nur die junge Kunstszene im Fokus, sondern auch die polnische Avantgarde aus den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, die immer noch Entdeckungen bereithält.

Die Ausstellung „Twisted Entities“ widmet sich wiederum der jüngeren polnischen Kunstszene und zeigt Arbeiten von: Wojciech Bakowski, Miroslaw Balka, Michal Budny, Aneta Grzeszykowska, Zuzanna Janin, Maciej Kurak, Robert Kusmirowski, Agata Madejska, Jan Mioduszewski, Anna Molska, Marzena Nowak, Konrad Smolenski, Monika Sosnowska und Honza Zamojski.
Ein verbindendes Element der präsentierten Arbeiten ist ihr subversiver Ansatz, der die Dinge in Frage stellt, überdehnt, verschiebt, aufbricht, neu zusammensetzt und somit eine andere Sichtweise ermöglicht.

"„Twisted Entities“: „Entität“ steht als Sammelbegriff für etwas Seiendes und umfasst neben Objekten und Subjekten auch Prozesse oder Räume. „To twist“ bezeichnet eine drehende, sich windende oder wickelnde Bewegung, kann aber auch eine überraschende Wendung, eine Ver- oder Überdrehung meinen. In den gezeigten Skulpturen, Installationen und Videoarbeiten wird mit der Aktion des (Ver)Drehens immer auch die gebrochene Regel, die aufgehobene Norm oder Ordnung, reflektiert. Wie bei Friedrich Nietzsche der schmerzlich angespannte Zustand des Körpers zu verfeinerter Beobachtung führt, zu einem aufschlussreichen „Um-die-Ecke-sehn“ (Ecce Homo, [1889] 1908), so eröffnet der Twist der Perspektive den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern Wege einer Umwertung ihres Daseins."

Kuratorin der Ausstellung ist Stefanie Kreuzer.

Museum Morsbroich
Gustav-Heinemann-Str. 80
51377 Leverkusen
museum-morsbroich.de