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B3 Biennale

Rudolf Zwirner erhält den diesjährigen ART COLOGNE-Preis (3.8.06)


Eingabedatum: 03.08.2006


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So kann es kommen: Vor mehr als 30 Jahren erfand Rudolf Zwirner eine Auszeichnung für verdiente Persönlichkeiten im Kunstbereich. Jetzt, im 40. Jubiläumsjahr der ART COLOGNE, holt ihn seine Kreation selbst ein. Er ist der diesjährige ART COLOGNE-Preisträger. Zwirner wollte damals "das negative Image des Kunsthandels über diesen Preis positiv verändern. Ich überreichte dem ersten Preisträger, Arnold Bode, dem Vater der documenta, die Auszeichnung persönlich. Ich fühle mich geehrt, nach so vielen Jahren aktiver Arbeit im Galeriebetrieb."

Zwirner eröffnete 1960 eine eigene Galerie in Essen, verlegte sie 1962 nach Köln und domizilierte ab 1972 in einem eindrucksvollen, neuerbauten Ausstellungshaus in der Albertusstrasse 18. Seine Berufswahl begreift er als Berufung, denn "so, wie ich mich als Galerist verstehe, muss man einen Instinkt für Strömungen in der Gegenwart besitzen. Allerdings ist ein Gefühl für Qualität durchaus erlernbar. Aber Formen in der zeitgenössischen Kunst, die vorher in dieser Weise noch nicht sichtbar waren, als wichtig und richtig zu erkennen, das ist nicht zu erlernen."

1992 zog er sich vom Galeriegeschäft zurück. Im Vergleich zu seiner aktiven Zeit beobachtet er gravierende Veränderungen in der Branche: "Die Globalisierung wird wahrnehmbar. Wenn wir zehn, zwölf Sammler betreuten, waren wir ausgesprochen glücklich und krisenfest in unserem kaufmännischen Geschehen. Heute sind so unendlich viele Sammler hinzugekommen, Sammler in Anführungszeichen, also sehr, sehr viele Investoren oder Spekulanten, die Sammlungen aufbauen im großen Stil, nur mit dem einzigen Ziel, Gewinne zu erzielen und die Sammlungen schon nach wenigen Jahren abzugeben."

Derlei Verwerfungen tun der Kunst nicht gut, konstatiert Zwirner, was ihn dennoch kaum zu Aufgeregtheiten veranlasst, weil "neben der offensichtlichen Banalisierung der Kunst trotzdem immer wieder bedeutende Künstler von ernsthaften Kritikern und von echten Sammlern gesehen und gefördert werden. Die passionierten Sammler werden leider weniger wahrgenommen, weil die Auktionen die Aufmerksamkeit beherrschen."

Um den Blick auf die Kunst zu schärfen, sie aus dem Griff von spekulanten und Investoren zu lösen, sie nicht allein dem Aspekt des Mehrwerts ausgeliefert zu wissen, sondern wieder einer essenziellen Betrachtungsweise zuzuführen, nutzt Zwirner mittlerweile viele Gesprächsrunden und Rednerpulte. Er möchte seine Erfahrungen weitergeben: "Das sind weit gehend meine eigenen Erfahrungen, die ich seit 1959, damals als Generalsekretär der zweiten documenta, bis 1992 gesammelt habe. Meine Tätigkeit für die documenta war sehr einschneidend für mich. Aber aktiv interessiert an Kunst bin ich über 50 Jahre. Und daraus kann ich Schlüsse ziehen und Erkenntnisse weiter reichen. Eine spezifische Botschaft, gar eine moralische, habe ich nicht. Ich habe darunter gelitten, als die Preise so hoch stiegen, für Kunsterwerb Fremdmittel einsetzen zu müssen. Ich musste mit Banken zusammenarbeiten. Mir tun die Kunsthändler leid, die nicht über die notwendige Kapitaldecke verfügen."

Sehr früh vermittelte Zwirner Kunst der 60er bis 80er Jahre in öffentliche und private Sammlungen, dies insbesondere durch die enge Zusammenarbeit mit Peter Ludwig, dem wiederum das gleichnamige Kölner Museum den Grundstock seiner zeitgenössischen Bestände verdankt: "In dem Maße, wie ich mit Peter Ludwig zusammengearbeitet habe, war das auch richtungweisend für viele Kuratoren und Museumsdirektoren. Der erste Katalog seiner Sammlung, gestaltet von Wolf Vostell, hat 12 Auflagen erlebt. Dieser Katalog hat den amerikanischen Museumsdirektoren die Augen geöffnet für das, was sie ein Jahrzehnt lang übersehen hatten. Die haben zunächst die Pop Art radikal abgelehnt. Ich galt unter ihnen als nicht seriöser Händler, weil ich einerseits Künstler wie Morris Louis, Kenneth Noland und Frank Stella zeigte und kaufte und andererseits auch Roy Lichtenstein und Andy Warhol vertrat. Das galt zwischen 1960 und 1970 als Verrat an der Kunst."

Gegenseitiges Vertrauen schweißte Ludwig und Zwirner aneinander, was bei der heutigen Umtriebigkeit und rasanten Entscheidungsfreude unter Kunsterwerbern kaum noch nachvollziehbar scheint. Gehör steht vor Auge, aber "Gehör ist nichts Verkehrtes, wenn man den richtigen Beratern folgt. Kluge Sammler kaufen auch heute noch möglichst bei wenigen Händlern, bekommen dadurch günstige Konditionen beim Kauf und bestimmt auch bessere Konditionen beim Verkauf."

Exklusive Bindungen an Künstler mied Zwirner. Er war nie Vertragsgalerist. Für dieses Geschäftsgebaren sprach: "Ich scheute die Bindung, weil ich mich überwiegend als Kunsthändler und nicht als Galerist verstand. Ein erfolgreicher Galerist mit einem eigenen Stamm von Künstlern muss sich weit über das tägliche Geschäft hinaus um die Belange seiner Künstler kümmern, bis hin zu privaten Problemen des jeweiligen Künstlers. Nichtsdestoweniger habe ich mehrfach als erster Künstler gezeigt, die noch nicht durchgesetzt waren und durch meine Verbindung mit Klassikern wie Dubuffet oder wie den Surrealisten habe ich einen Vertrauensvorsprung bei eher konservativen Sammlern gehabt."

Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine Galerie aufzumachen, braucht, so Zwirner, neben Geld vor allem Enthusiasmus: "Es müssen Menschen sein, die begeisterungsfähig sind und diese ihre Begeisterung auf andere übertragen. Galeriearbeit ist ein Behauptungsgeschäft. Als Galerist muss man die eigene Behauptung, die durch nichts bewiesen ist, auch wirklich glaubhaft vermitteln."

Den vielen hochstilisierten Jungstars prophezeit Zwirner illusionsfrei: "Von den 100 gegenwärtigen Stars wird nach 10 Jahren vielleicht noch einer übrig bleiben. Das lässt sich sogar statistisch nachweisen. Viele Künstler, die zu meiner Zeit Stars waren, haben heute überhaupt keinen Auktionsmarkt mehr."
Zwirner vermisst knallharte kritische Verrisse. Die Kritik ist untergetaucht und so setzen die Maßstäbe immer noch die Museen. Deshalb sucht er zu seiner eigenen Orientierung bevorzugt nicht Galerien, sondern Museen auf: "Eine Botticelli-Dante-Ausstellung ist für jeden, der sich mit Kunst befasst, ein "Eye opener". Das ist für mich eine Messlatte. Und deshalb relativiert sich vieles für mich, was ich im zeitgenössischen Kunstbetrieb hoch geschwemmt sehe. Im Vergleich zu dem, was sich über Jahrhunderte hinweg in Sammlungen erhalten hat, ist vieles sehr windig."

Umso unverständlicher ist für Zwirner der Mangel an Wissen und Neugierde unter seinen Kollegen: "In der Tat stelle ich fest, dass Kunsthändler von der Kunstgeschichte sehr oft wenig Ahnung haben. Es passiert mir doch immer wieder, wenn ich auf den großen Messen in Köln oder Basel bin, Plagiate entdecke und vom jeweiligen Aussteller auf Nachfrage erfahre, dass ihm die Vorbilder unbekannt sind. Die Galeristen verlassen die Schule, mit oder ohne Abitur, eröffnen eine Galerie und haben nicht die leiseste Kenntnis von dem, was vor zwanzig, dreißig Jahren und früher geschaffen wurde. Denn Qualitätsmaßstäbe müssen erarbeitet werden durch permanentes Vergleichen. Dafür muss man sich in die Kunstgeschichte vertiefen. Für einen guten Kunsthändler gilt auch, das Werk seines Künstlers freundschaftlich und kritisch zu begleiten, dem Künstler zu raten, ein Bild vielleicht auch mal zu vernichten. Bevor ein Bild in den Markt kommt, sollte zunächst im Atelier zwischen Händler, Sammler, Kritiker und Künstler die Diskussion über die Position, die der Künstler beabsichtigt, geführt werden."

Als Zwirner 1967 den "Kölner Kunstmarkt", den Vorläufer der ART COLOGNE, gemeinsam mit seinem Kollegen Hein Stünke aus der Taufe hob, ging es beiden um die Stärkung des deutschen Kunsthandels im internationalen Kunstbetrieb. Wie steht es heute um die Verflechtung des deutschen Handels in die globalen Geldströme? Zwirner: "Da der amerikanische Markt alles beherrschend ist, viel stärker noch als in meiner Zeit, insbesondere für die zeitgenössische Kunst, spielt der deutsche Handel eine relativ kleine Rolle. Allerdings nach der Durststrecke, die die deutschen Kunsthändler durchgemacht haben,
verändert sich die Situation auch durch die Hauptstadt Berlin, die auch eine Kunsthauptstadt für zeitgenössische Kunst geworden ist. Man kann sagen, dass die europäischen, die amerikanischen und die asiatischen Sammler sich auch in Berlin orientieren und auf den deutschen Messen. Durch die Messen wird die Provinzialität, die wir mit der ersten Kunstmesse durchbrechen wollten, auch für deutsche Händler aufgehoben. Ein deutscher Händler, der in Miami auf der Messe mit unbekannten Bildern von unbekannten Künstlern auftritt, hat die gleiche Chance wie sein Kollege aus New York. Ich erlebe, wie junge Kollegen mit unbekannten Künstlern auf den Messen einen Riesenerfolg haben.
Die Teilnahme muss man sich finanziell natürlich leisten können. Die Kundschaft ist globalisiert und fliegt zu den großen Messen, wo auch immer sie stattfinden."

Abgesehen von seiner kurzen Kooperation mit der New Yorker Galeristin Barbara Gladstone, hat Zwirner nie erwogen, ganz oder teilweise nach New York seine Galerie zu verlagern. Und das trotz der Gewissheit, dass das Big Apple für die Kunst "der Standort mit der größten Ausstrahlung ist." Zwirner hielt es als Galerist in Köln: "Mir war klar, New York ist die Zukunft für den Handel. Andererseits war Köln für mich eine wunderbare Stadt mit einer hohen Lebensqualität. Beides miteinander abgewogen, wirtschaftlicher Erfolg oder eine tausendjährige Stadt mit tausendjähriger Kultur, stand für mich fest: Ich verlasse Köln nicht nur des Kommerzes wegen."

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Weiteres zum Thema: Art Cologne



Abschlußbemerkungen Art Cologne 2001


Trotz verkürzter Messedauer fand die Art Cologne auch in diesem Jahr wieder 65 000 Besucher.
Das Angebot der ART COLOGNE sei selektiv auf dem Gebiet der Klassischen Moderne und vielfältig breit bei zeitgenössischer und aktueller Kunst, so Dr. Karl Schweizer, der Direktor Art Banking der UBS.
Und es war nach den Aussagen der Mehrheit der Aussteller, die wirtschaftlich erfolgreichste seit Jahren, so Bernhard Aufderheide, Geschäftsführer der KölnMesse GmbH.
So konnte der Berliner Galerist Michael Schultz nicht nur 20 Werke von Norbert Bisky veräußern, sondern auch noch ein Baselitz-Gemälde (1,3 Millionen), fünf Lüpertz Papierarbeiten (24.000 bis 30.000 DM) und vier Ölbilder von Cornelia Schleime (18.000 bis 36.000 DM).

Die nächste Art Cologne findet Ende Oktober/Anfang November 2002 statt.

ART COLOGNE - Daten & Fakten 2002


Mit der ART COLOGNE findet jährlich die bedeutendste Kunstmesse in Deutschland statt. Der Internationale Kunstmarkt Köln ist seit seiner Gründung im Jahr 1967 das Flaggschiff aller internationalen Kunstmessen und von Zusammensetzung und Ambiente in der Welt einmalig. Darüber und auf die Qualität und Ausgewogenheit des Angebots achtet ein international besetzter Zulassungsausschuss.

Die auf etwa 260 international renommierte Galerien begrenzte Teilnehmerzahl garantiert Überschaubarkeit, bietet gleichzeitig aber einen umfassenden Überblick über das Kunstgeschehen des 20. Jahrhunderts - von der Klassischen Moderne bis zu aktuellsten Kunstproduktionen. Schwerpunkte im Angebot sind neben den Klassikern die Kunst der 60er, 70er, 80er und 90er Jahre.

In das Ausstellungsareal der Rheinhallen der KölnMesse GmbH integriert ist das Segment Köln Skulptur. In diesem weltweit einmaligem Präsentations-Umfeld sind ausschließlich dreidimensionale Objekte zugelassen. Im internationalen Förderprogramm, unterstützt vom Bundesinnenministerium, der Stadt Köln und der KölnMesse, beteiligen sich in diesem Jahr wieder eine Vielzahl von Debütanten.

Einen eigenen Bereich innerhalb der Messe bilden auch wieder junge Galerien, die auf Einladung einer Expertenjury mittels Förderung durch die Stiftung Kultur der Stadtsparkasse Köln an der Messe teilnehmen können. Die ART COLOGNE zählt jährlich rund 70.000 Besucher.
Nächster Termin: 30. Oktober bis 3. November 2002
  • Abschlußbemerkungen Art Cologne 2001

  • ART COLOGNE-PREIS - 2001

  • ART COLOGNE 2002

  • Schlussbericht Art Cologne 2002

  • Koelnmesse verstärkt das Kunstmessen-Team (30.7.)

  • Meldungen von der ART COLOGNE (5.9.03)

  • Professor Dr. Dr. h.c. Werner Spies erhält den ART COLOGNE-Preis 2003 (29.10 – 02.11.2003)

  • Art Cologne 2003 (29.10 – 02.11.2003)

  • art.fair- ENJOY CONTEMPORARY ART (30.10. - 02.11. 2003)

  • ART COLOGNE 2003 - Abschlussbericht

  • Gérard A. Goodrow zum Kölner Kunstmessen-Quartett im April 2004 (30.1.04)

  • KUNSTKÖLN 2004 / 21.4.-26.4. / wird von beispielhaften Sonderschauen begleitet (13.2.04)

  • KUNSTKÖLN: Einblicke in die Sammlung Charlotte Zander (21.-26.04.2004)

  • ART Committee hat das Teilnehmerfeld der ART COLOGNE 2004 festgelegt (28.10.-1.11.)

  • Sonderschau der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur

  • 'Expanded Arts' und 'Richter, Polke, Lueg' Sonderschauen auf der Art Cologne (28.10.- 01.11.2004)

  • ART COLOGNE 2004: Abschied als Aufbruch (28.10.-01.11.04)

  • Sir Nicholas Serota, Direktor der Londoner Tate Gallery, erhält den ART COLOGNE-Preis 2004 (14.9.04)

  • "New Contemporaries" Förderprogramm auf der Art Cologne

  • Art Cologne 2004 - Abschlussbericht

  • Großer Erfolg für die Frühjahrs-Kunstmessen Köln 2005

  • COLOGNE FINE ART - Premiere im Februar 2006

  • ART COLOGNE-Preis 2005 geht an René Block

  • ART COLOGNE zeigt: Sonderschau koreanischer Videokunst - Nam June Paik als Übervater

  • KunstFilmBiennale, Köln (19.10.05-24.10.05)

  • Kunst & Investition - Wo liegt der Gewinn? - Köln (Symposium 26.10.05)

  • Bewegung auf dem Markt für Digitalkunst. ART COLOGNE 2005

  • Die Oktober-Ausgabe des Kultur-Kanal mit folgenden Themen:

  • Annette Kelm ist erste Trägerin des ART COLOGNE-Preises für junge Kunst

  • Schlussbericht: ART COLOGNE - Spitzenverkäufe bestätigen Köln als internationalen Kunstmarktplatz

  • Staatliches Museum Schwerin ist "Museum des Jahres" 2005

  • Neue Töne auf der Tonleiter

  • "Dass Kunst nicht zum Nulltarif zu haben ist, ist selbstverständlich!"

  • Der ehemalige Galerist Rudolf Zwirner erhält den ART COLOGNE-Preis 2006

  • ART COLOGNE: Ab 2006 Verschlankung auf 180 Galerien - ab 2007 Frühjahrstermin

  • 23 New Talents auf der ART COLOGNE 2006

  • Teilnehmer der 40. ART COLOGNE stehen fest (20.07.06)

  • Rudolf Zwirner erhält den diesjährigen ART COLOGNE-Preis (3.8.06)

  • Schlussbericht: ART COLOGNE 2007 mit Erfolg ins Frühjahr verlegt

  • "Portrait und Menschenbild" - Art Cologne

  • Exzellenter Messestart mit guten Umsätzen

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  • Abschlussbericht: ART COLOGNE feierte ihr Jubiläum

  • 25 New Talents auf der ART COLOGNE 2007 (18.-22.04.07)

  • Erhard Klein ist ART COLOGNE-Preisträger 2007

  • art KARLSRUHE vs UND#2: Ein Rückblick auf die Karlsruher Kunstmessen

  • Kunstverein Wolfsburg erhält den ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstvereine

  • Frühjahrs-ART COLOGNE ist erfolgreich gestartet

  • Fröhliche Metzelei

  • Kölner Kunstmessen vor Neuausrichtung

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