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B3 Biennale

Joe Scanlan "Passing Through" - K21, Düsseldorf (12.05.07-05.10.08 )


Eingabedatum: 12.05.2007

bilder

in Zusamenarbeit mit Lüderwaldt Verhoff Architekten

Mit dem Amerikaner Joe Scanlan (geb. 1961) hat ein weiterer Künstler für den großen, spektakulären Raum unter der Glaskuppel von K21 ein Langzeitprojekt entworfen, das auf die spezifischen Bedingungen dieses Raumes eingeht und sie auf seine Weise nutzt.

Das Konzept von Passing Through besteht aus zwei Te ilen. Ein modularer, von Scanlan in Zusammenarbeit mit Lüderwaldt Verhoff Architekten entworfener Pavillon wird ausgewählte eigene Arbeiten, aber auch solche von anderen Künstlern präsentieren. Der Pavillon besteht nur aus drei Hauptelementen und ist in Leichtbauweise ausgeführt. Mit wenigen Handgriffen kann er in seiner Grundkonstellation verändert werden, sodass immer wieder andere Raumgefüge entstehen. Im Laufe der anderthalb jährigen Dauer des Projektes wird der Pavillon so durch regelmäßigen, partiellen Umbau langsam über die vier Flügel des Kuppelraums "wandern". Dabei deutet eine subtile Spur auf dem Boden seinen bereits zurückgelegten Weg an. - Der Pavillon ist gleichzeitig Skulptur und funktionales Gehäuse, er kann ebenso für Kunst wie in Zukunft auch für andere sinnvolle Zwecke genutzt werden. Er nimmt die flanierende Bewegung des Besuchers im Kuppelraum auf, unterwandert so beiläufig seine eigene statische Natur und gibt den gezeigten Kunstwerken dennoch einen flexiblen Rahmen. Bewusst verschiebt er dabei den musealen Charakter in Richtung auf Präsentationsformen, wie man sie aus Messe- oder anderen Konsumarchitekturen kennt. Diese Angleichung an geläufige Formen der Wahrnehmung liefert die Kunstwerke jedoch nicht der Warenwelt aus, sondern nutz diese gleichsam als Kommunikationsform. Die Wahl bescheidener, aber klarer und eleganter Formen und Materialien gibt dem Pavillon eine ganz eigene Würde, die auf das scheinbare Paradox einer seriösen Kunst im Kontext der Ökonomie zielt.

Der zweite Teil des Projektes befindet sich im Zentrum des Dachraumes. Dort hat Scanlan eine große, freistehende Wand

durch einen riesigen schwarzen Rahmen in die Projektionsfläche eines Tageslichtkinos im wörtlichen Sinne verwandelt. Der "Film", der hier abläuft, ist das sich ständig verändernde Spiel von Sonne und Schatten, in dem die komplexe Stahlskonstruktion der Kuppel das zentrale Motiv ist. Eine Landschaft von bequemen Sitz- und Liegelemente lädt zum Verweilen ein, zum Luxus eines Schauens ohne Ziel. Wenn der Pavillon Bewegung und Veränderung in rationaler Weise anschaulich macht, bietet das "Kino" sie als eher unbewusste Zustände zur Kontemplation an. In beiden Fällen aber sind es einfache architektonische Eingriffe ohne großen Aufwand, die als "vorübergehende" (passing through) Strukturen das Sehen und Erleben beeinflussen.

Mit dem Projekt Passing Through setzt Scanlan seine in den achtziger Jahren begonnenen, vielgestaltigen Untersuchungen in den Zwischenräumen von Kunst, Design, Architektur sowie Ökonomie und Ökologie fort und schafft ein Instrument, das sowohl sein eigenes Werk als auch den Kuppelraum von K 21 in einem neuen Licht erscheinen lässt.

Joe Scanlan wurde 1961 in Stoutsville, Ohio, geboren, hat am College of Art and Design in Columbus, Ohio, Kunst studiert und kam Mitte der 80er Jahre nach Chicago. Zehn Jahre später zog er nach New York und lebt heute in New Haven, Connecticut, wo er an der Yale University School of Art lehrt. Seine in weitesten Sinne skulpturalen Arbeiten bestehen aus einfachen, alltäglichen Materialien, und ihre Herstellung folgt ebenso einfachen, handwerklichen bzw. kleinindustriellen Methoden. Viele von ihnen orientieren sich an funktionalen Gegenständen wie etwa Möbeln, die zwischen Gebrauchsgegenstand und Skulptur oszillieren. Scanlans Ausgangspunkt waren Arbeiten, die mit seinen unmittelbaren Lebensumständen zu tun hatten und der Regel des kleinsten ökonomischen Aufwandes folgten. Das Konzept des Do-it-Yourself ist bis heute nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch als Strategie künstlerischer Existenz unter den herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen für ihn wichtig geblieben. Eine zweite wesentliche Leitlinie von Scanlans Arbeit ist die strategische Akzeptanz und Benutzung der Marktwirtschaft als gesellschaftlicher Kommunikationsform. In Erweiterung seiner künstlerischen Arbeit hat er zahlreiche Texte zur Kunst und zu allgemeinen kulturellen Phänomenen verfasst und Projekte zusammen mit anderen Künstlern ins Leben gerufen.

Scanlan hat in vielen Museen und Galerien in den USA, in Europa und in anderen Teilen der Welt ausgestellt. Größere Einzelausstellungen fanden u. a. im Haus Lange in Krefeld, im Museum of Contemporary Art in Chicago, im Jewish Museum in New York, im Van Abbemuseum in Eindhoven, und in der Icon Gallery in Birmingham statt. Er nahm an der documenta IX in Kassel, der 12. Biennale von Sydney, an der 4. Shanghai Biennale und an zahlreichen sonstigen Gruppenausstellungen teil.

Joe Scanlan unterhält eine eigene, informative Website
(thingsthatfall.com).

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Das Projekt Joe Scanlan – Passing Through
entsteht in Kooperation mit
M:AI, Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW.

Abbildung: Daybed, 2000/2003
Holz
Ca. 55 x 210 x 80 cm
Galerie Micheline Szwajcer, Antwerpen
© Joe Scanlan, 2007

Öffnungszeiten:
dienstags bis freitags 10.00 - 18.00 Uhr
samstags, sonntags und feiertags 11.00 - 18.00 Uhr
montags geschlossen
jeden 1. Mittwoch im Monat 10.00 - 22.00 Uhr

K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen im Ständehaus
Ständehausstraße 1
40217 Düsseldorf
Tel.(0211) 8381-630
Fax(0211) 8381-601

kunstsammlung.de











Daten zu Joe Scanlan:


- Art Basel 2013

- Art Basel Miami Beach 2013

- art cologne 2015

- documenta 9, 1992

- Galerie Martin Janda

- S.M.A.K. Sammlung, Gent

- SHARJAH BIENNIAL 8, 2007

Weiteres zum Thema: Joe Scanlan



Parallelwelt Zirkus


Daniel Firman, Nasutamanus, 2012 Courtesy Galerie Perrotin, Paris © Daniel Firman, Foto/Photo: Guillaume Ziccarelli

Der Zirkus gilt als Symbol für eine exotische Gegenwelt, für eine Welt des Traumes, als Gegenentwurf zu gesellschaftlichen Konventionen. Im Akt der Dressur werden biologische Gesetze scheinbar auf den Kopf gestellt. Akrobaten überwinden im Hochseilakt ebenso scheinbar die Gesetze der Schwerkraft und die Clowns treiben ihr
Spiel mit Moral, Wertvorstellungen und sozialen Umgangsformen. Doch auch die Zirkuswelt kennt Hierarchien, lebt nach eigenen Gesetzen, existiert im Alltag und verfügt über eine enge Bindung an die Außenwelt. So agiert der Zirkus innerhalb eines Handlungsfeldes, das das Publikum aus der eigenen Erfahrung bereits kennt, verzerrt diese Wahrnehmung jedoch durch Übersteigerung und Ironie.

Der Zirkus ist in seiner Rezeption schon lange über sich selbst hinaus gewachsen und so weist auch die Ausstellung „Parallelwelt Zirkus“ über den Rand der Manege hinaus, indem sie internationale, künstlerische Positionen versammelt, die den Zirkus auch außerhalb des Zirkuszeltes thematisieren und Figuren, Formen und Metaphern daraus entlehnen. Alexander Calder´s Auseinandersetzung mit dem Zirkus steht für die lange Tradition der Beschäftigung von KünstlerInnen mit dem Zirkus und wird in der Ausstellung durch einen Film von Carlos Vilardebo dokumentiert. Jeppe Hei´s „Light Pavilion“ nimmt die Ästhetik des Zirkuszeltes auf, das die BesucherInnen durch körperliche Anstrengung auf- und abspannen können. Eine weitere raumbestimmende Arbeit ist Daniel Firman´s jüngstes Werk „Nasutamanus“ - ein Elefant, der mit dem Rüssel in der Wand steckt. Clifton Childree entwickelt für die Ausstellung eine Szenario, das den Zirkus als Projektionsraum thematisiert und Jonathan Monk verlagert mit „It´s a Circus“ das subversive Handeln der Zirkusleute in den Ausstellungsraum hinein. Fünf monochrome Gemälde deuten auf eine Geschichte und Praxis des Ausstellens, die in einer vom Künstler choreographierten Performance von Zirkusartisten unterwandert wird. Was zu sehen sein wird, sind Fotografien dieses Aktes, der vor der Ausstellungseröffnung und ohne Publikum stattfinden wird. Für Peter Blake ist der Zirkus seit Jahrzehnten ein wichtiges thematisches Bezugsfeld. Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus dem vielschichtigen Werk des Pop-Art-Künstlers, die sich auf den Zirkus beziehen, und gibt darüber hinaus Einblicke in die faszinierende Welt seiner Zirkussammlung.

Der Zirkus hat auch innerhalb der Filmgeschichte einen festen Platz. So ist der Zirkusfilm ein eigenes Genre, das selbst wieder zurück in die Manege weist, indem der Zirkus an seinen eigenen Klischees partizipiert und diese immer wieder weiterspielt und aufnimmt. Filmische Stationen in der Ausstellung sind Charlie Chaplin´s Film „The Circus“ oder Ausschnitte aus dem Filmwerk von Federico Fellini, für den der Zirkus nicht nur Spektakel, sondern ein Lebens- und Weltmodell ist, wie auch Ulrike Ottinger´s Episodenfilm „Freak Orlando“.

Eine der zentralen Figuren der Ausstellung ist der Clown, der als August jede Norm bricht und sich als weißer Clown mit seiner Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit lächerlich macht. In seiner Grenzüberschreitung ist der August Verkörperung subversiver Strategien, die der Zirkus auch als Gesamtheit vertritt. So beziehen sich auch zahlreiche Arbeiten der Ausstellung auf die Figur des Clowns. Rona Yefman´s Fotografien transportieren das Clownmotiv in eine surreale Szenerie, die Alltagswelt und Metapher eng verwebt. Ugo Rondinone´s lebensgroße Clownfigur konfrontiert das Klischee des Clowns mit einem Gefühl des Unbehagens, ebenso die Arbeit „Cabinet of“ von Roni Horn, die den Clown als Symbol thematisiert, das auf den Betrachter zurückweist. Erwin Wurm orientiert sich in einer One-Minute-Sculpture am Scheitern des August im Zirkus, und überträgt diese Erfahrung auf die BesucherInnen.

Der Akt der Dressur ist Inhalt der Arbeiten von Anna Kolodziejska, William Wegman und Nives Widauer. Die amerikanische Künstlerin Rhona Bitner entführt in die Welt der Akrobaten und Seiltänzer und ist mit einer Fotoinstallation präsent, die über viele Jahre entstanden ist, in denen sie Zirkusse begleitet hat. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist dem Zeigen von Absonderlichem und Exotischem und dem Thema „Freaks“ bzw. den „Side Shows“ gewidmet, die u.a. durch Arbeiten von Peter Blake und Ulrike Ottinger Eingang in die Ausstellung
finden.

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler:
Diane Arbus, Matthew Barney, Julien Bismuth, Rhona Bitner, Peter Blake, Olaf Breuning, Bernhard Buhmann, Alexander Calder/Carlos Vilardebo, Charlie Chaplin, Clifton Childree, Charles & Ray Eames, Federico Fellini, Daniel Firman, Thilo Frank, Jeppe Hein, Roni Horn, Anna Jermolaewa, Anna Kolodziejska, Tomasz Kowalski, Patricia Leite, Zilla Leutenegger, Ulrike Lienbacher, Jonathan Monk, Bruce Nauman, Ulrike Ottinger, Marion Peck, Ugo Rondinone, Julian Rosefeldt, Joe Scanlan, Elisabeth Schmirl, Deborah Sengl, Cindy Sherman , Simmons & Burke, Kristian Sverdrup, Javier Téllez, Joe Wagner, Martin Walde, William Wegman, Nives Widauer, Erwin Wurm, Rona Yefman

KuratorInnen: Gerald Matt, Verena Konrad

Öffnungszeiten: Täglich 10 – 19 Uhr, Do 10 – 21 Uhr

Kunsthalle Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien
Infoline +43-1-52189-33
kunsthallewien.at