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Neues Forum für Kunst und Fotografie in Köln / Teil 5 (07.03.03)


Eingabedatum: 07.03.2003


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In den neuen Räumen der Galerie Zander im Forum für Kunst und Fotografie werden rund 30 Aufnahmen des amerikanischen "street photographer" Garry Winogrand (1928-1984) aus den 60er und 70er Jahren sowie die Serie "Looking for Love" des Liverpooler Fotografen Tom Wood (geb.1951) präsentiert.

Die beiden Künstler vertreten vermeintlich gegensätzliche Positionen.
Garry Winogrand fotografierte geradezu manisch auf den Straßen New Yorks oder den Highways der USA. Seine Bilder zeigen die Unsicherheit einer Supermacht, die sich ihrer Überlegenheit nicht mehr sicher ist, mit dem schwarzen Humor eines New Yorkers, der sich nie ganz heimisch fühlen konnte in dem Land und der sich seiner Heimatstadt mehr geographisch als kulturell verbunden fühlte. In der Ausstellung befinden sich zahlreiche der kürzlich im New Yorker International Center of Photography ausgestellten Fotografien aus "1964". Mit diesen Arbeiten hat Winogrand den Kern Amerikas auf den Punkt gebracht und mit einer freundlichen Respektlosigkeit entmythisiert.
Winogrand schreibt 1964 in seinem Antrag für das Guggenheim-Stipendium: "Wenn ich mir die Bilder ansehe, die ich bisher aufgenommen habe, dann beschleicht mich dieses Gefühl, dass was wir sind und wie wir fühlen und was wir werden keine Rolle spielt. Unser Streben und unsere Erfolge waren trivial. Ich lese die Zeitungen, sehe mir die Magazine an, die lediglich Illusionen und Fantasien verkaufen. Und ich kann nur zu dem Schluss kommen, dass wir uns verloren haben, dass die Bombe vielleicht alles zum Ende bringen wird und dass es dann keine Rolle mehr spielt, dass wir das Leben nicht geliebt haben. Ich kann diese Schlussfolgerung nicht akzeptieren und muss diese fotografische Forschung weiterführen und vertiefen. Das ist mein Projekt."
In Köln kann man sich nun überzeugen, wie gut Winogrand sein Projekt gelungen ist.

Tom Wood findet seine Bildwelten seit über 20 Jahren in der englischen Industriestadt Liverpool. Seine Fotografien sind geprägt von Respekt, einer großen Nähe und prinzipieller Vertrautheit mit den Abgebildeten. Dafür wurde er auch 2002 von der Jury des Fotofestivals von Arles mit dem Prix Dialogue de L´Humanité (Outreach Award) geehrt.
Die Serie "Looking for Love" entstand zwischen 1984 und 1987 in der Diskothek "Chelsea Reach" in New Brighton. Aus unglaublich intimer Nähe hielt Wood die Rituale der Suche nach dem sexuellen Abenteuer, nach der großen Liebe, nach dem Glück des Lebens fest. Die Emotionen und Begierden der Abgebildeten sind für den Betrachter beinahe fühlbar und man fragt sich, ob und wer von diesen Menschen wohl mittlerweile sein Glück gefunden hat. Wood präsentiert mit distanziert erfassendem Blick und fast klaustrophobischer Nahsicht den Mikrokosmos einer Diskothek. Die Bilder sind in ihrer Komposition und ihren Nuancen individuell und weder ironisch noch aufdringlich. Sie zeigen die sorgsam versteckte Unsicherheit und die Jahrhunderte alten Rituale der Jugend.
Die Eindringlichkeit von Tom Woods Fotografien machen einen Besuch in der Galerie auf jeden Fall lohnenswert.

Ausstellungsdauer: 27.Januar bis 14. April 2003
Öffnungszeiten: Di.- Fr. 11-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr
Galerie Rolf Hengesbach | Schönhauser Straße 8 | 50968 Köln

jk


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