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B3 Biennale

Anja Lückenkemper wird neue künstlerische Leiterin im Kunstverein Göttingen

Personalien:

Dezember 2015
Eingabedatum: 19.12.2015

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Gotmarstraße 1 (im Künstlerhaus), 37073 Göttingen

Der Kunstverein Göttingen freut sich, die Ernennung seiner neuen künstlerischen Leiterin bekanntzugeben. Aus einer Vielzahl hochkarätiger Bewerbungen hat sich der Vorstand nach intensiven Diskussionen für die Kuratorin Anja Lückenkemper entschieden, die ab dem 1. Januar 2016 als Nachfolgerin von Laura Schleussner das Jahresausstellungsprogramm des Kunstvereins Göttingen 2016 gestaltet.

Anja Lückenkemper ist als Kuratorin in verschiedenen institutionellen wie auch freien Kontexten tätig gewesen. Sie war mehrere Jahre als Assistenzkuratorin unter anderem an den KW Institute for Contemporary Art in Berlin und dem Kunstverein München tätig, wo sie an der Ausstellungskonzeption und -umsetzung, aber auch an der Entwicklung neuer diskursiver Formate beteiligt war. Sie hat Ausstellungen und Projekte mit unter anderem Trisha Baga, Anna McCarthy, Nástio Mosquito und Ahmet Ögüt sowie verschiedene thematische Gruppenausstellungen (ko-)konzipiert und begleitet. Neben ihrer kuratorischen Arbeit veröffentlicht sie regelmäßig Texte in Künstlerpublikationen und Ausstellungskatalogen.

In den vergangenen vier Jahren wurde der Kunstverein Göttingen sehr erfolgreich von der Amerikanerin Laura Schleussner geleitet, die durch ihr Engagement entscheidend dazu beigetragen hat, die Position des Kunstvereins in inhaltlicher wie struktureller Hinsicht weiter zu stärken. Einen besonderen Fokus legte Laura Schleussner auf die internationale und interdisziplinäre Ausrichtung des Ausstellungsprogramms, etwa mit Einzelausstellungen von Lisa Oppenheim, Nevin Aladag, und Julius von Bismarck sowie den Gruppenausstellungen India is Now and We Notice No Distrurbances. Laura Schleussner wird ab Januar 2016 in das Team der Berlin Biennale wechseln und als Managing Editor das Publikationsbüro leiten.

Das Ausstellungsprogramm des Kunstvereins Göttingen unter der Leitung von Anja Lückenkemper startet am 10. Januar 2016 mit dove step, der ersten institutionellen, physischen Einzelausstellung der Künstlerin Britta Thie. Außerdem sind für das kommende Jahr Projekte mit Liz Magic Laser (20.03.-15.05.2016), Johannes Paul Raether (19.06.-31.07.2016), Diana Sirianni (16.10.-11.12.2016), wie auch die Gruppenausstellung Perfect Lives mit Trisha Baga, Loretta Fahrenholz und weiteren KünstlerInnen (14.08.-09.10.2016) geplant.

kunstvereingoettingen.de

Presse












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Ahmet Öğüt: Apparatuses of Subversion


Das Horst-Janssen-Museum Oldenburg präsentiert vom 26. Juli bis 5. Oktober die Einzelausstellung „Apparatuses of Subversion“ von Ahmet Öğüt. Der türkische Künstler setzt sich auf humorvolle und intelligente Art mit den gesellschaftspolitischen Bedingungen seiner Zeit auseinander und arbeitet dabei Elemente des Alltagslebens heraus, die oftmals übersehen werden, aber fundamentale gesellschaftliche Regeln ausdrücken. Seine künstlerische Bildsprache umfasst Performance und Video ebenso wie Animation und Installation. „Im Horst-Janssen-Museum zeigen wir eine Auswahl von Öğüts bestehenden Arbeiten sowie eine neuproduzierte Installation. übergreifendes Thema ist das Verhältnis von Individuum und Staat“, sagt Museumsleiterin Dr. Jutta Moster-Hoos. Kuratiert wird die Ausstellung von Anna Jehle (Bielefeld/Leipzig) und Anja Lückenkemper (Berlin).

Mit „Apparatuses of Subversion“ (Apparaturen des Umsturzes) untersucht Öğüt Momente, in denen staatliche oder wirtschaftliche Akteure in die Sphäre des Einzelnen eintreten, um den öffentlichen Raum zu regulieren und damit den gesellschaftlichen Status quo festzuschreiben. „Öğüt thematisiert dabei nicht nur den Umgang mit Protestbewegungen in demokratischen Gesellschaften oder die Unverhältnismäßigkeit der eingesetzten staatlichen Mittel, sondern identifiziert die unterschiedlichen Regeln und Maßnahmen staatlicher Kontrolle, überwachung und Abschottung“, erläutern die Kuratorinnen Anna Jehle und Anja Lückenkemper. Besonderes Augenmerk legt der Künstler dabei auf den öffentlichen Raum: diesen begreift er als (Ver-)Handlungsraum, der immer wieder aufs Neue initiiert werden muss.

Öğüt präsentiert den öffentlichen Raum dabei zwischen zwei Extremen: der politischen Bühne und einem restriktiven, durch Zensur und Überwachung kontrollierten Raum. „Als politische Bühne besitzt der öffentliche Raum für den Künstler eine performative Qualität, denn hier kann sich eine pluralistische Gesellschaft zeigen, können gesellschaftlicher Dissens und auch marginalisierte Meinungen sichtbar werden“, erklären die Kuratorinnen und fügen hinzu: „In seiner Ausformulierung als restriktiver Raum steht er für eine immer größer werdende Überwachung der Bürgerinnen und Bürger durch den Staat. Insbesondere seit dem 11. September 2001 hat sich das Ausspionieren von Privatpersonen sowohl in der Öffentlichkeit, als auch in deren Privatsphäre – was ehemals nur im Ausnahmefall stattfinden sollte – weltweit zur gängigen Regierungspraxis entwickelt. Das Phänomen des ‚Gläsernen Bürgers‘ ist daher keine Gegenutopie mehr, sondern längst Realität.“

Vor diesem Hintergrund stellt Ahmet Öğüts künstlerische Arbeit eine genaue Analyse aktueller Machtstrukturen und Regierungsstrategien in unterschiedlichen kulturellen und nationalen Kontexten dar. Auf der Grundlage der so erworbenen (Er-)Kenntnisse kehrt er die beobachteten Mechanismen mit feinsinniger Ironie und Humor ins Gegenteil oder hebt sie gänzlich auf. So laden die Instrumente der Abschottung in Öğüts Arbeiten zum Durchgang ein und Zensurorgane werden von ihm zu Verteilern von Information umfunktioniert. In Zeiten von NSA-Skandal und CCTV (Closed Circuit Television = Überwachungskamerasysteme), und einer Kultur, die eine immer stärkere werdende Verbreitung und Preisgabe des eigenen Bildes im Internet praktiziert – etwa auf Instagram oder Facebook – konfrontiert Öğüt die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher unmittelbar mit dem Thema der überwachung und den Mechanismen der Kontrolle. Dieses Spannungsfeld erweitert Öğüt im Horst-Janssen-Museum um die Neuproduktion „Pleasure Places of All Kinds“ (2014,) in der sich öffentlicher und privater Raum auf absurde Weise begegnen. Hier zeigt der Künstler, wie sich individuelle Widerstand gegenüber freiheitseinschränkenden Maßnahmen im Alltag ausdrücken kann.

Der Titel der Ausstellung „Apparatuses of Subversion“ nimmt Bezug auf Louis Althussers 1970 erschienene Publikation „Ideology and Ideological State Apparatuses“. Darin unterscheidet der französische Philosoph zwischen zwei Staatsapparaten: dem repressiven und dem ideologischen. Öğüt führt hier einen weiteren, dritten Apparat ein: den „Apparatus of Subversion“. Dieser subversive Apparat stellt weder die Ideologie, noch die Exekutive eines Staatsapparats, stattdessen tritt hier das Individuum aktiv in Erscheinung und zeigt sich in seinem persönlichen Widerstand gegenüber beiden Apparaten.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr

Horst-Janssen-Museum Oldenburg
Am Stadtmuseum 4-8, 26121 Oldenburg
Telefon: 0441 235-28 91 / Telefax: 0441 235-33 50
www.horst-janssen-museum