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Kunstmuseum Bonn - Reihe Museum des Monats


Eingabedatum: 16.12.2003


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"Die Kunst von 1900 bis morgen" ist das erklärt Sammlungsziel des Bonner Kunstmuseums, explizite Schwerpunkte liegen zum Beispiel auf dem Rheinischen Expressionismus oder im Bereich der 60 er, 70 er und 80 er Jahre. Mit Werken der deutschen bildenden Kunst im internationalen Zusammenhang bietet es ein breites Spektrum an bekannten Ausstellungsobjekten.
In der deutschen Museumslandschaft besitzt das Kunstmuseum aufgrund seiner Schwerpunkte eine einzigartige Stellung. Deutsche Kunst nach 1945 in dieser Fülle ist nirgends sonst zu finden. Dabei werden vornehmlich nicht Einzelstücke präsentiert, sondern eher ganze Künstlerräume zusammengestellt. Den einzelnen Künstlern bzw. ihren Werken wird dadurch viel Platz zur Entfaltung angeboten.
Auf 4000 Quadratmetern sind Werkgruppen zusammengefasst, unter anderen von Baselitz, Beuys, Darboven, Kiefer, Knoebel, Laib, Palermo, Penck, Polke und Richter.
Besonderes Augenmerk liegt neben der Präsentation von Kunst auf dem Zusammenspiel von Kunst und Architektur. 1992 von dem Kanzleramtsarchitekten Axel Schultes erbaut, fällt das Haus schon durch seine äußere Erscheinung aus dem Rahmen der bekannten Museen in Europa. Hier wird eine architektonische Skulptur angeboten, die sich zum Ziel gesetzt hat, keine Konkurrenz zur sie bewohnenden Kunst darzustellen.
Hat der Architekt seine selbstgesetzten Ziele bezüglich der Vermeidung von Monumentalität, Architektur als Mittelpunkt der Kunst (über die zentrale Treppe)und die Erschaffung einer Herberge für Kunst erreicht?
Drei architektonische Aspekte des Kunstmuseum Bonn aus heutiger Sicht.


Monumental?
"…die Balance von Monumentalem und Behaglichem, Skurrilem und Banalem, Grobem und Feinem, von Massigem und Filigranem als lebendige Entwicklung des Bauwerks…"

So formuliert Schultes seine Ansprüche, aber hat er diese Gegensätze auch umsetzen können? Trotz riesiger Ausmaße - allein die filigranen Säulen sind 12 Meter hoch - ist das Gebäude nicht monumental. Symmetrien sind hauptsächlich innenräumlich erfahrbar. Sie bringen keinen monumentalen Herrschaftsanspruch zum Ausdruck, sondern eher die gut bürgerliche Bildungsanstalt. Der wunderbare Treppenraum ist jedenfalls bar jeder Machtfantasie. Indes "Behaglichkeit" scheint auch nicht zu gelingen, dafür sind die Ausstellungsräume für eine klassisch museale Präsentation viel zu geeignet.

Strukturiert?
"…die große Treppe, der einzig vertikale Raum des Hauses, vom Keller bis über das Dach, ist Lichtfalle und Stundenglas. Folgt in Charakter und Stimmung mit seiner extremen Doppelorientierung dem Sonnenzirkel, ist Nabe und Drehscheibe im Schwerpunkt der Ausstellungen; …"

Der zentral gelegene Treppenraum ist von schlichter Eleganz und Leichtigkeit. Er verbindet die zwei Hauptgeschosse und liegt am Schnittpunkt der Dreiecke, die das gesamte Gebäude strukturieren. Eine Diagonale trennt die orthogonal angeordneten Ausstellungsräume von dem frei gestalteten Grundriss des Eingangs- und Verwaltungsbereiches.
Wie viele Museen empfängt das Kunstmuseum mit grandios inszeniertem Foyer: Große, spannungsvolle Flächen werden durch stark kontrastierende Raumhöhen ergänzt. Staunend und ehrfurchtsvoll, aber vor allen Dingen offen für die Kunst soll der Besucher den Werken entgegentreten und tut es auch.

Konkurrierend?
"…der Raum und sein Licht – die Quintessenz von Architektur – kann, so verstanden, nie beschädigen, weiß nichts von Konkurrenz, kann sie nur mit ihrer eigenen, ordnenden Qualität beherbergen und bergen."

Tatsächlich weiß der Raum nichts von Konkurrenz. Die eher konventionelle Ausstattung der eigentlichen Ausstellungsräume nimmt sich zurück und schafft geordnete Verhältnisse für die Präsentation der Objekte im schlichten und vornehmen Sinne. (Weiße Wände, Stabparkett, Oberlichter) Wohltuend ist auch eine durch Wanddicken und Erschließung angebotene Orientierung im Gebäude. Nach kurzer Zeit finden die unterschiedlichen Wandstärken ihre Entsprechung in der Lage jedes Raumes und eine unaufdringliche Wegeführung eröffnet sich dem nach Wegweisern suchenden Gast.
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"Das Licht fällt hinein wie Wasser durchs Sieb überschwemmt alle Oberflächen der Räume"



Erstklassig!
Ein wunderbares Haus, das sich behaupten kann, gegen den so abweisend erscheinenden Bau der Bundeskunsthalle von Peichl nebenan. Sicher wäre der Ort durch Schultes Gesamtkonzept noch bereichert worden. Aber, da nun die Zeit der kulturellen Geldschwemme entgültig vorbei ist, kann sich jeder über großartige Häuser freuen, die schon gebaut wurden.
Das Kunstmuseum Bonn kommt einer deutlich zu verzeichnenden Eventkultur der heutigen Zeit sehr entgegen, es ist graphisch gut aufzuarbeiten und inszeniert - wie das Kanzleramt - seine mediale Verwertbarkeit immer wieder beeindruckend neu.


Alle Zitate stammen von Axel Schultes selbst und sind nachzulesen in "Das Kunstmuseum Bonn, Ein Haus aus Wand und Licht.", herausgegeben vom Kunstmuseum Bonn 1995.

Kunstmuseum Bonn
Museumsmeile
Friedrich-Ebert-Allee
53113 Bonn
Di.-So. 10-18 Uhr
Mi. bis 21 Uhr
bonn.de

Stella Hoepner-Fillies


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