Stipendien für Medienkunst vergeben

Noor Afshan Mirza und Brad Butler - Stefan Panhans - Shirin Sabahi

Mai 2017 | Edith-Russ-Haus und Stiftung Niedersachsen
Eingabedatum: 24.05.2017

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Ermöglicht durch die Stiftung Niedersachsen vergibt das Edith-Russ-Haus für Medienkunst jedes Jahr drei sechsmonatige und mit jeweils 10.000 Euro dotierte Arbeitsstipendien. Die Stipendien für Medienkunst 2017 gehen an: Noor Afshan Mirza und Brad Butler (*1970 und *1973) für die Realisierung von „The Scar“, Stefan Panhans (*1967) für „Because I Said So – That’s Why!” und Shirin Sabahi (*1984) für „Memory Pool“. Insgesamt hatten sich 148 Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt für die Stipendien beworben, um ihre eingereichten Werke am Edith-Russ-Haus umsetzen zu können. In den kommenden Monaten finden nun Gespräche darüber statt, wann die Stipendiaten ihre Werke im Edith-Russ-Haus realisieren und zeigen werden.

Die Jury
Die Mitglieder der internationalen Jury zur Vergabe des Stipendiums für Medienkunst am Edith-Russ-Haus waren neben den Leitern des Kunsthauses, Edit Molnár und Marcel Schwierin, Bassam El Baroni sowie Stefanie Schulte-Strathaus. Der Kurator Bassam El Baroni stammt aus Alexandria, Ägypten, und ist unter anderem Fakultätsmitglied des Niederländischen Kunstinstituts in Arnheim, Niederlande. Zudem war er Co-Kurator der Manifesta 8 (2010) im spanischen Murcia und von 2005 bis 2012 Direktor des Alexandria Contemporary Arts Forum. Stefanie Schulte-Strathaus ist Co-Direktorin des „Arsenal – Institut für Film- und Videokunst“, Mitglied des Auswahlkomitees des Berlinale Forums, sowie Co-Gründerin und Leiterin des Berlinale-Programms „Forum Expanded“. Seit 2016 ist sie Mitglied der Institutsräte des Harun Farocki Instituts und des Network for Arab Arthouse Screens (NAAS).

Jurybegründung: Noor Afshan Mirza und Brad Butler: „The Scar“
Die Drei-Kanal-Videoinstallation „The Scar“ von Noor Afshan Mirza und Brad Butler wird den Abschluss eines langfristig angelegten Recherche-Projekts bilden, das sich mit einem gravierenden Skandal in der politischen Geschichte der Türkei beschäftigt. 1996 veränderte ein Autounfall nahe der Stadt Susurluk den politischen Diskurs des Landes: Die vier Insassen des Wagens waren der damalige stellvertretende Polizeichef von Istanbul, eine führende Figur der terroristischen Organisation Graue Wölfe, eine ehemalige Schönheitskönigin und – als einziger Überlebender – ein hochrangiges Parlamentsmitglied. In dem Autowrack fand die Polizei Waffen, vom Innenminister unterzeichnete gefälschte Pässe sowie Geld und Drogen.
Die Arbeit wird in drei verschiedene Genres (experimenteller Realismus, feministischer Film Noir und feministischer Polit-Sciencefiction) realisiert und beruht auf drei Drehbüchern, die alle mit dem Unfall enden und mögliche Szenarien der letzten fünfzehn Minuten im Leben der Reisenden entwerfen. Das Projekt eröffnet die Möglichkeit, ein stärkeres Bewusstsein für den „Staat im Staate“ zu schaffen, indem es eine Vorstellung entwirft, in der die dramatische Situation des Autounfalls sich zu einer absurden Erkundung der Psychologie des Faschismus und des staatlich organisierten Verschwindens von Personen entwickelt, aber auch der Netzwerke des Widerstands und des Potenzials der Gender-Revolution. Mit ihrer Entscheidung will die Jury die von den Künstlern aufgezeigte Möglichkeit fördern.

Jurybegründung: Stefan Panhans: „Because I Said So – That’s Why!” (Arbeitstitel)
Die neue Videoarbeit von Stefan Panhans wirft ein Licht auf strukturelle Widersprüche der Gesellschaft, die unter anderem in Formen von Rassismus, Exklusion, Celebrity-Kult und VIP-orientierter Kultur sichtbar werden. Panhans spielt auf die Struktur von Videospielen an und nutzt den Kontext eines überfüllten Mehrbettzimmers in einem Hostel, um eine Situation herzustellen, in der vier verschiedene Klischeefiguren interagieren und in Austausch treten: ein schwarzer Schauspieler aus Kreuzberg und Kamerun, ein Kunsthistoriker und unterbezahlter Freelance-Kurator aus Köln und Paris, eine weiße Schauspielerin aus Neukölln und München sowie eine ehemalige Teilnehmerin von „Germany’s Next Top Model“ aus Offenbach und München mit koreanischen Eltern. Diese Charaktere werden von drei Schauspielerinnen und Schauspielern und einem digitalen Avatar verkörpert. Das Projekt ist ein neuer Beitrag zu einem bereits existierenden Werk, das von der Jury gewürdigt wird, weil es danach strebt, die populäre digitale Kultur, die Eigenheiten der Interaktion in den sozialen Medien und die Ästhetik von Computerspielen mit Strukturen des Alltags zu verknüpfen. Das Projekt erfüllt digitale und soziale Sprache mit Affekten und gewinnt daraus eine subversive Vorstellungskraft.

Jurybegründung: Shirin Sabahi, „Memory Pool“ (Arbeitstitel)
Shirin Sabahis Projekt entwickelt eine Methode der künstlerischen Forschung, die verschiedene Zugänge zum Forschungsgegenstand eröffnet. Untersucht wird ein historisches Kunstwerk aus dem Jahr 1977, ein mit Öl gefülltes Becken von Noriyuki Haraguchi, das im Teheraner Museum für zeitgenössische Kunst permanent installiert ist und erstmals auf der documenta 6 ausgestellt wurde. Im Lauf der Zeit wurde dieses Ölbecken zum rituellen Objekt: ein Wunschbrunnen wider Willen, der von den Museumsbesuchern immer wieder liebevoll vandalisiert wurde. So erinnert sich Sabahi, dass „in meiner Kindheit in Teheran jeder Museumsbesuch damit endete, dass etwas in das Becken geworfen wurde, um seine makellose, spiegelnde Oberfläche zu durchbrechen“. Das Projekt zielt darauf ab, die Geschichte dieses Kunstwerks zu skizzieren und es wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit zu rücken. Dadurch zeigt es die Möglichkeiten von künstlerischer Forschung auf, sich mit dem Werk eines anderen Künstlers, mit der Institutionsgeschichte einer Nation, den sinnlichen Aspekten des Erinnerns und den historischen Internationalismen auseinanderzusetzen, die vor den derzeitigen Bedingungen der Globalisierung existierten. Die Künstlerin plant, die Umstände der Restaurierung des Beckens zu filmen, die wiederum erst durch ihre Arbeit ermöglicht wird. Am Ende soll eine Multimedia-Installation entstehen, die zwei Filme und aus dem Becken geborgene Gegenstände sowie weitere Elemente umfassen wird.

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