Sarah Lucas - Hamburger Kunstverein (16.7. – 9.10.05)


Eingabedatum: 13.07.2005

bilder

In ihren Arbeiten setzt sich Sarah Lucas, auf mal schockierende, mal humorvolle Weise, mit Klischees auseinander und hinterfragt Geschlechterrolle und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

"Bekannt wurde Sarah Lucas (geb. 1962 in London) Anfang der neunziger Jahre im Zusammenhang der so genannten "Young British Art", die mit einer bewusst rohen und teilweise schockierenden Ästhetik auf das sich verschlechternde soziale Klima Großbritanniens unter der Regierung Margret Thatchers reagierte. Heute zählt Sarah Lucas zu den bekanntesten Künstlerinnen ihrer Generation.
Sie kombiniert alltägliche Objekte wie ausrangierte Möbel, Lebensmittel und andere Fundstücke zu irritierenden und nachhaltig provozierenden Assemblagen. Nahrungsmittel und Alltagsgegenstände werden in den Installationen und Fotos zu sexuell aufgeladenen Stillleben oder Vanitas Bildern arrangiert. Aus einfachen Materialien wie Zeitungspapier, Holz, Draht und Beton fertigt sie Bilder, Collagen, Objekte und Installationen an, die in ihrer Verbindung mit häufig drastischen Werktiteln einen aggressiven Wortwitz entfalten. Dabei entstammen die verwendeten Redewendungen und zweideutigen Anspielungen einer Umgangssprache der Arbeiterklasse, mit denen die Künstlerin nicht nur ihre eigene Herkunft thematisiert, sondern auch ihrem Interesse an Sprache und deren unterschiedlichen Konnotationen nachgeht.
In ihren Arbeiten setzt sich Sarah Lucas mit gesellschaftlichen Klischees auseinander und hinterfragt die Gültigkeit von manifestierten Klassenverhältnissen und Geschlechterrollen. Schon ihre frühen großformatigen Collagen bestehen aus Fotokopien und Ausschnitten aus Zeitungsartikeln, in denen sie Pin-up-Girls aus der Regenbogenpresse mit den spektakulären Überschriften des Sensationsjournalismus kombiniert. In der absurd erscheinenden Übertreibung des vorgefundenen Materials entstehen Verfremdungseffekte, die den Sexismus und die latent vorhandene gesellschaftliche Gewalt reflektieren.
Ihre Selbstportraits zeigen die Künstlerin in vermeintlich männlichen oder deutlich sexuell konnotierten Posen: breitbeinig auf einer Treppe sitzend, mit Lederjacke und Sonnenbrille bekleidet oder mit vieldeutigem Blick eine Banane essend. Die selbstsichere und bewusste Inszenierung der eigenen Person vermittelt eine kritisch reflektierte, am Feminismus orientierte Haltung. Ähnlich wie viele ihrer Objekte und raumgreifenden Assemblagen können auch die Selbstporträts in einer kunsthistorischen Genealogie etwa von Duchamp, über Warhol bis hin zu Martin Kippenberger gelesen werden. Gleichzeitig erfindet Lucas mit ihnen humorvolle und einprägsame Bilder von allgemeiner Relevanz.

In Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Zürich realisiert der Kunstverein in Hamburg eine umfassende Retrospektive mit den Arbeiten von Sarah Lucas - die erste überhaupt. Im Anschluss an die Stationen Zürich und Hamburg wird die Ausstellung auch in der Tate Liverpool zu sehen sein." (Presse / KV Hamburg)

Abbildung: “Complete Arsehole“, 1993/2005, Tapete, 506 x 341,5 cm, Courtesy die Künstlerin und Sadie Coles HQ, London

Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag 11-18 Uhr, Donnerstag 11-21 Uhr

Kunstverein in Hamburg
Klosterwall 23
20095 Hamburg

kunstverein.de

ch











Daten zu Sarah Lucas:


- Art Basel 2013

- Art Basel Hong Kong 2014

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach, 2014

- Biennale Venedig 2013

- Biennale Venedig 2015,Pav

- Boijmans Post War Collection

- Carnegie International 2013

- Eine Geschichte Zeitgenössische Kunst aus dem Centre Pompidou, 2016

- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015

- kurimanzutto - Gallery

- MoMA Collection

- Sadie Coles HQ - Gallery

- Tate Post War Collection ,London

- Thyssen-Bornemisza Art Contemporary,Wien

Weiteres zum Thema: Sarah Lucas



DIE WOHLTAT DER KUNST - Kunsthalle Baden Baden



Die Ausstellung "Die Wohltat der Kunst" stellt in einer pointierten Auswahl eine der international bedeutendsten deutschen Sammlungen zeitgenössischer Kunst vor: die Sammlung Goetz, München. In enger Diskussion mit der Sammlerin Ingvild Goetz wurde aus dem reichen Bestand wichtigster Positionen der letzten Jahrzehnte eine thematische Fragestellung entwickeln, die sowohl ein Hauptthema der Kunst der 90er Jahre untersucht, als auch - indirekt - die intellektuelle Physiognomie der Sammlerin in diesem Thema reflektiert.

Wie kein Jahrzehnt zuvor sind die 90er Jahre künstlerisch durch die offensiven und in ihrem analytischen Blick keineswegs konfliktscheuen Werke junger Künstlerinnen geprägt. Im Vergleich zum überkommenen emanzipatorischen Ansatz des Feminismus, eine der einschneidendsten gesellschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts, haben sich die Strategien und Perspektiven junger Künstlerinnen grundlegend verändert. Selbstbewusst haben sie sich in Kunstöffentlichkeit und -markt etabliert.
Dass neben international renommierten Künstlerinnen auch die Positionen dreier Künstler integriert sind, demonstriert, dass manche ältere Polarität der feministischen Diskussion längst durch vielschichtigere Befragungen von Rollenklischees und Geschlechterbildern abgelöst wurde.

Gezeigt werden Werke von: Matthew Barney, Rineke Dijkstra, Tracey Emin, Mona Hatoum, Jonathan Horowitz, Sarah Jones, Mike Kelley, Karen Kilimnik, Sarah Lucas, Tracey Moffatt, Cady Noland, Catherine Opie, Pipilotti Rist, Daniela Rossell, Cindy Sherman , Ann-Sofi Sidén, Sam Taylor-Wood, Gillian Wearing, Sue Williams, Andrea Zittel.

Die Ausstellung wurde gemeinsam von der Sammlung Goetz und der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden konzipiert und von Rainald Schumacher und Matthias Winzen kuratiert.
Es erscheint ein Katalog mit Essays von Katharina Sykora und Jessica Morgan, Kommentaren zu allen Werken, einem kritischen Gespräch mit Thomas Meinecke und Barbara Vinken zum Begriff einer "post-feministischen Kunst" und einem Interview, das Matthias Winzen mit der Sammlerin Ingvild Goetz zur Charakteristik und den Schwerpunkten ihrer Sammlung führte.


14. September – 10. November 2002

Eröffnung: 13. September 2002, 19.00 Uhr

Folkwang Museum: Sammlung Olbricht (bis 7.9.03)


Update(01.05.2010): Video Interview mit Thomas Olbricht
Andere Museen haben es vorgemacht: das K21 zeigt z.B. die Sammlung Ackermans (Artikel 02(04), Hans Grothe bespielt mit seiner Sammlung die Küppersmühle (Artikel 07 / 01), Erich Marx präsentiert seine gesammelten Werke im Hamburger Bahnhof / Berlin etc.

Einen Versuch in diese Richtung wagt nun auch das Folkwang Museum, welches Aspekte der Sammlung des Essener Mediziners Prof. Dr. Thomas Olbricht zeigt.

Lag der Schwerpunkt bisher auf deutscher und französischer Malerei sowie auf Skulptur des 19. und 20. Jahrhunderts, wird dieser durch die über die Region hinaus bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst erweitert.

Moving Energies # 1 zeigt bis zum 7. September 2003 eine kleine, exklusive Auswahl der Sammlung zum Themenkomplex Eros, Tod und Erlösung (u.a. Werke von Juan Muñoz, Chapman Brothers, David Nicholson, Sarah Lucas und Kiki Smith). Danach soll in dem Raum, der für die Olbricht Sammlung innerhalb der Räumlichkeiten der permanenten Sammlung zur Verfügung gestellt wurde, eine weitere Auswahl der Olbricht Sammlung präsentiert werden (vorgesehen sind aktuelle Biennale-Malerei und verschiedene Gerhard Richter-Perspektiven).

Demnächst werden Sie an dieser Stelle ein Interview von Silke Lemmes mit dem Sammler Prof. Dr. Thomas Olbricht lesen können.

Museum Folkwang Essen
Goethestr. 41
45128 Essen
Tel. +49.201.88 45 314

Dienstag – Sonntag 10-18 h, Freitag 10-24 h, Montags geschlossen