Ernst Wilhelm Nay-Bernhard Schultze-Rolf Szymanski - Pinakothek der Moderne, München(26.6.-15.10.06)


Eingabedatum: 14.06.2006

bilder

In den charakteristischen »Scheibenbildern« von Ernst Wilhelm Nay, deren formale Entwicklung sich schon in den vorangegangenen Werken anbahnt, entfaltet Nay in kreisrunden Feldern das dynamisch-rhythmisierte Eigenleben der Farbe auf der Fläche. Dies entspricht seiner Überzeugung, dass das zweidimensionale Bild »keinerlei Illusionsräumlichkeit zuläßt«. Der oftmals gestische Pinselduktus unterstreicht in Zusammenhang mit den gestaffelten und einander überlagernden Farbschichten den prozesshaften, performativen Akt des Malens und verleiht der materiellen Existenz der Farbe eine spürbare Lebhaftigkeit. Die Kreise vermitteln den Eindruck pulsierender Farbfelder voll expansiver Kraft, wodurch die Vitalität der Komposition in hohem Maße gesteigert wird. Farben und Formen scheinen im imaginären Raum zu kreisen und werden auf ihre elementare Wirkung reduziert. Die Wahl der Titel trägt der Eigenständigkeit der Farbe Rechnung: »Ultramarin und Gelb« (1960), »Rhythmen und Quanten« (1964) bezeichnen nicht nur vorherrschende Pigmente bzw. deren strukturierte formale Umsetzung, sondern stehen auch für die Reduzierung auf die Grundeigenschaften farblicher Materie. So handelt es sich bei dem physikalischen Begriff der Quanten um nicht mehr weiter teilbare energetische Teilchen.

Die Malereien und Plastiken Bernard Schultzes stellen dagegen abstrahierte Figurationen dar, die sich in Stil und Formensprache an die Werke der Surrealisten anlehnen. Seine zuweilen gestisch-zeichenhaften Bildschöpfungen werden oft durch collagierte Bildzitate aus der Kunstgeschichte und der Alltagswelt angereichert. Wie aus dem Nichts wuchern aus farbigen Kürzeln Gestalten und Szenerien. Die aus unterschiedlichen Materialien gefertigten »Migof«-Plastiken - eine Wortschöpfung Schultzes, mit der er seine hybriden Wesen ab 1961 bezeichnet - sind ebenso phantasievolle wie unheimliche Visualisierungen von fetisch-ähnlichen Fabelwesen. Schultze versteht seine »Migofs« als wesenhafte Gebilde, die sich aus Tier, Pflanze und Mensch zusammensetzen und zwischen Entstehung und Verfall existieren. Oftmals aus einfachen und alltäglichen Materialien zusammengefügt, sind die einzelnen Werkstoffe, wie Schultze betont, potentiell verbrennbar und somit prinzipiell vergänglich.

Das plastische Werk von Rolf Szymanski reduziert die Figur auf abstrakt-amorphe Torsi, organische Grundgerüste, die eine unmittelbare und eindringliche Präsenz aufweisen. In seinen Arbeiten geht es ihm um die »Rekonstruktion« von Leiblichkeit. Seine antropomorphen Körper folgen keinem Idealbild, sondern verweisen auf die Kreatürlichkeit menschlichen Daseins.(Presse / Pinakothek der Moderne)

Abbildung: Bernard Schultze | Stern über Gomorrha 1982 – 1983 | Theo Wormland-Stiftung

Pinakothek der Moderne
Kunstareal Barer Straße 29, D-80799 München
Tel: ++49.89 23805-118

pinakothek.de



ch






Daten zu Ernst Wilhelm Nay:

- Art Basel 2013
- art berlin 2017
- art cologne 2015
- Gallery Weekend Berlin 2016
- Michael Werner - Galerie
- MoMA Collection
- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt
- Sammlung Würth
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD
- Sammlung, Kunstmuseum Liechtenstein

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Ernst Wilhelm Nay in der Pinakothek der Moderne, München (07.05.-27.06.04)


Aquarelle und Gouachen von Ernst Wilhelm Nay aus dem Zeitraum von 1937 bis 1968 werden in einer Ausstellung der Staatlichen Graphischen Sammlung in der Pinakothek der Moderne gezeigt.

"Ernst Wilhelm Nays (1902-1968) farbige Arbeiten auf Papier haben sich gegenüber seinem malerischen Werk stets eigenständig behauptet.

Wie bei keinem zweiten Künstler seiner Generation in Deutschland prägte Nays Weg das Streben nach einer Erschaffung des Bildes aus den strengen Gesetzen der Fläche und den grenzenlosen Möglichkeiten der Farbe, wobei sich Intuition und Reflexion in einer besonderen Weise bedingten.

Die Ausstellung versammelt in stringenten Werkgruppen zum Teil öffentlich noch nie gezeigte Aquarelle und Gouachen des Künstlers, die in einer Zeitspanne von dreißig Jahren entstanden sind.

Die Auswahl der Werke konzentriert sich dabei auf drei Werkphasen, die Nays Œuvre entscheidend geprägt haben: die späten dreißiger Jahre mit den Lofoten-Aquarellen, die Kriegszeit in Frankreich mit den Aquarellen und Gouachen von 1941-1944 sowie schließlich die letzten Schaffensjahre des Künstlers ab 1965. Die Ausstellung möchte keine umfassende, alle Entwicklungslinien nachzeichnende Retrospektive sein. Vielmehr vermag die Auswahl der Blätter in ihrer spezifischen Gewichtung neues Licht auf jene essentielle Verknüpfung von Früh und Spät im Werk Nays zu werfen.

Es ist fast als Sensation zu bezeichnen, dass Jahrzehnte nach Nays Tod aus Privatbesitz 20 Arbeiten der Kriegsjahre gezeigt werden können, die noch niemals öffentlich zu sehen waren.

München spielte für den Maler seit jeher eine besondere, prägende Rolle. In der Person Günther Frankes fand Nay schon früh einen seiner wichtigsten Vermittler. Zahlreich waren die Münchner Galerieausstellungen seit 1946. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert zeigte die Staatliche Graphische Sammlung München eine mit annähernd neunzig Blättern herausragende Werkschau von Nays Aquarellen und Gouachen. Zum hundertsten Geburtstag des Künstlers vor 2 Jahren war in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung eine umfangreiche Retrospektive zu sehen.

Anlässlich der hier gezeigten Ausstellung der Arbeiten auf Papier zeigt die Sammlung Moderne Kunst im Obergeschoss der Pinakothek der Moderne zur gleichen Zeit eine Auswahl der Gemälde Nays aus eigenen Beständen (darunter zwei bedeutende Werke aus der Theo Wormland Stiftung). ... " (Quelle: Pinakothek der Moderne / Presse)

Foto: Staatliche Graphische Sammlung, München: Ernst Wilhelm Nay, Frühling, 1946, Aquarell

Ausstellungsdauer: 07.05.-27.06.2004

Öffnungszeiten: tägl. außer Mo 10-17Uhr | Do + Fr 10-20Uhr

Pinakothek der Moderne | Staatliche Graphische Sammlung | Kunstareal | Barer Str. 29 | 80799 München


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