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kunstsammlung

Eva Mahn und Rolf Koppel, Kunsthalle Erfurt (10.12.06-14.01.07)


Eingabedatum: 27.11.2006

bilder

Eva Mahn
Heilige Familie
Fotografien

Vor blauem Fond, den bereits die Maler der Renaissance brauchten, um göttlich verklärte Sphären anzudeuten, dessen Blau aber auch ein profaner Widerschein der TV-Kanäle sein könnte, paradieren auf Einzeltafeln und ´Familienaltären` erwachsene Kids, im Grunde noch Kindsköpfe, mit brüchigem Selbst- und Sendungsbewusstsein, aber lebensfähig, mit einem Schuss Abgebrühtheit, mit Lebenspraxis. Die Hallenser Fotografin Eva Mahn (geb. 1947) portraitiert eine Generation, lässt die Modelle auf Podesten posieren, ob im legeren Familienoutfit oder mit Piercing und offen getragenem Körper-Tattoo. Mit leicht untersichtigem Blick auf ihre solcherart erhöhten Helden nimmt sie den Widerstreit von mühsam erkämpfter Einzigartigkeit und familiär-kultureller Prägung aufs Korn. Alles ist neu und alles war schon einmal da: die Archetypen der Mütterlichkeit (Madonna), des Lebens (Teufel), der Liebe (Engel) und der Macht (König). "Heilige Familie" ist die zweite Etappe eines Langzeitprojektes. 1992/93 hat Eva Mahn die gleichen jungen Leute aus Ostdeutschland schon einmal fotografiert und wie heute ergänzt durch biografisch orientierte Gesprächsprotokolle. Diese sozialdokumentarische Serie "Aufbruch in die Freiheit", ein Zeugnis des familiären und gesellschaftlichen Umbruchs, war 1994 in Erfurt zu sehen. Und so lag es nahe, auch die neue Etappe vorzustellen, Vergleiche zu ermöglichen. Nicht nur die fotografierten Personen, auch der Stil der Aufnahmen hat sich gewandelt: das reportageartige Portrait ist der Inszenierung gewichen, das Grau des Straßenalltags und der S/W-Abzüge dem farbigen Schein des Studios. Die Wandlung reflektiert verändertes Selbstverständnis - sowohl der Fotografin wie auch ihrer Modelle. Eva Mahn setzt der Familie in heiter-ironischer Weise ein Denkmal, doch was ist die Familie heute noch? Die Familie ist tot - es lebe die Familie!

Eva Mahn wurde 1947 in Aschersleben geboren. Die promovierte Kunstwissenschaftlerin lehrt Grundlagen der Fotografie im Fachbereich Kunst an der Hochschule für Kunst und Design Halle. Seit 1978 veröffentlicht sie ihre fotografischen Arbeiten in Ausstellungen, Katalogen und Bildbänden. Sie war Vorstandsmitglied der "Deutschen Gesellschaft für Photographie" und ist Vizepräsidentin der "Deutschen Fotografischen Akademie". Ihre Arbeiten sind in wichtigen deutschen Sammlungen vertreten.
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Rolf Koppel
Fotografien 1976 – 2004

Geboren 1937 in Hamburg, folgte Rolf Koppel seiner jüdischen Familie 1939 in die Emigration, nach Schweden und später in die USA, wo man sich in New York ansiedelte. Das Trauma der Shoa zeichnete seine Eltern ein Leben lang, und auch Rolf Koppel blieb davon nicht unbeeinflusst, war seine Mutter doch zugleich nachhaltig von deutscher Kultur und Sprache beseelt, die sie dem Sohn vermittelte. Koppels fotografisches Werk, in den traditionellen Genres Stillleben, Portrait, Akt und auch Landschaft entfaltet, bevorzugt das Szenografische, die Inszenierung seiner Sujets und einen komplexen Diskurs mit der Geschichte der Kunst wie auch der Spezifik des fotografischen Mediums. So wirken seine Stillleben, denen in gewisser Weise auch die homoerotischen Männerakte zugehören, viel eher beredt als still. Sie eröffnen vielfältige dialogische Bezüge in die Kunst hinein: sei es indirekt, über Form- und Ideenverwandtschaften, wie zu Vermeer, Caravaggio, Velasquez oder Gris, zu bukolischen Rollenspielen, zur barocken Nature-morte- und Theatro-mundi-Thematik, zur neusachlichen Form von Renger-Patzsch und zum Neuen Sehen eines Moholy-Nagy, oder direkt, durch Titelgebungen, wie zu Arnold Schönberg, Ernest Chausson, Giorgio Morandi und Man Ray. Offenkundig geht es ihm dabei immer auch (und noch) um das Ideale und Schöne, um klassische Kompositionsmuster und subtile Abstufungen der Grauwerte in den S/W-Abzügen. Doch zeigt er es durchzogen von Irritationen und Brüchen: zumeist verräterisch-alltäglichen Details, welche die Inszenierung im heimischen Interieur offenbaren, aber auch von Zeichen offenen sexuellen Begehrens, die sich der klassischen Form verweigern. Sie sind Ausdruck seiner zeitgenössischen Sensibilität.
Die klassische Linie in Rolf Koppels fotografischem Werk liegt sowohl in der europäischen als auch in der amerikanischen Tradition begründet. Ebenso, dass er Fotografien in schwarz-weiß ausführt. Die Ausstellung zeigt einen klassischen Fotografen,"der in der Welt seiner Stilleben mit der Magie des Lichts die Welt der Dinge aus den Angeln hebt."
Rolf Koppel lebt seit den 70er Jahren in Santa Fé/ New Mexico.

Die von Peter Weiermair und Michael Mauracher kuratierte Ausstellung war bisher in der Galleria d’Arte Moderna Bologna und der Galerie Fotohof Salzburg zu sehen.
In Erfurt hat sie ihre bisher einzige deutsche Station.

Abbildung: Eva Mahn: Alex (25), Susanne (26), Anneliese (7), Valentin (11/2) und Jannis (2 Monate), 29. August 2001, aus der Serie "Heilige Familie", C-Print, 120 x 120 cm, Copyright Eva Mahn

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag, 11 - 18 Uhr, Donnerstag 11 - 22 Uhr

Kunsthalle Erfurt
im Haus zum Roten Ochsen
Fischmarkt 7
99084 Erfurt
Tel. (0361) / 6555660
kunsthalle-erfurt.de




ch








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7. Internationale Fototage Mannheim/Ludwigshafen (16.6.05-10.7.05)


Neben dem Stuttgarter "Fotosommer"(s.unten) findet in Mannheim / Ludwigshafen Deutschlands größtes Fotofestival, die 7. Internationonalen Fototage, statt.

" . . . Ausgestellt wird nur an "Originalschauplätzen" vor Ort, interessante öffentliche Räume wie das Hallenbad Nord in Ludwigshafen beherbergen während der Fototage die Ausstellungen. Dahinter steckt die Grundidee von Festivalleiter Hansjoachim Nierentz: "Bilder zu den Menschen zu bringen, eindrucksvoll und auf hohem bildnerischen Niveau."

Zu den Themen "Die Kunst Deutsche(r) zu sein" und "Amerikanische Zeitgenössische Fotografie" werden in Mannheim und Ludwigshafen über 130 Fotografinnen und Fotografen ihre Bilder ausstellen, an insgesamt zehn Orten in Mannheim und Ludwigshafen. So sind im Wasserturm in Mannheim die Werke des Amerikaners Warren Padula zu sehen, der sich in großformatigen Fotografien mit der Heißenberg´schen Unschärferelation befasst. Die Alte Feuerwache beherbergt die "Forbidden Pictures" von Larry Fink: Eine bitterböse Politsatire auf US-Präsident Bush und seine Regierungsmannschaft. In der Trinitatiskirche in der Mannheimer City zeigt u.a. Eva Mahn ihrer Portraitserie "Heilige Familie": eine Parabel auf Ehe und Familie, auf Verbindungen und Brüche.

Das Mannheimer Augusta Carree beherbergt die Ausstellungen von 20 amerikanischen Fotografen, darunter auch Alejandro Tomas mit seiner Serie "Los Rancheros Visitadores": Bilder von einem Cowboy-Western-Treffen der Reichen und Mächtigen an der Grenze zu Mexiko. Sehr interessant ist auch die Sonderschau des vergessenen Vietnam-Fotografen Henry Huet. Ebenfalls im Augusta Carree zu sehen ist der Zyklus „Neuland“ des deutschen Fotokünstlers Claudio Hils sowie die Deutschland-Serie "Die neue Mitte" von Regina Schmeken.

Im Stadthaus N 1 ist u.a. Paul Berger aus Seattle als einer der bedeutendsten Vertreter digitaler Bildkunst ausgestellt mit seiner Serie "Card Plates". Außerdem zeigt Arlene Gottfried ihre einfühlsamen Fotostudien von "Midnight", ihrem psychisch kranken Freund. Zum Thema „Die Kunst Deutsche(r) zu sein“ haben 28 Foto-Studenten der Fachhochschule Dortmund speziell für die 7. Internationalen Fototage Mannheim/Ludwigshafen eine Ausstellungsreihe geschaffen, die ebenfalls im Stadthaus N 1 in Mannheim zu sehen sein wird.

Im Gebäude N 2 zeigen neben vielen anderen Lili Almog, Esther Levine, Andrew Savulich und Jeff Mermelstein ihren Blick auf New York City. Außerdem im Gebäude N 2: Die Ludwigshafener Reportagereihen des "Brückenprojekts", in dem 24 Top-Fotojournalisten die Städte Mannheim und Ludwigshafen einen Tag lang bildjournalistisch in Szene gesetzt haben. Andreas Reeg zeigt ebenfalls hier seine beeindruckende Fotoserie "Menschen mit Downsyndrom."

Die Mannheimer Reportagen des "Brückenprojekts" der 7. Internationalen Fototage werden ausgestellt im Hallenbad Nord in Ludwigshafen. Der deutsche Shooting-Star, Peter Granser, ist dort ebenfalls vertreten mit seiner mehrfach preisgekrönten Portraitserie "Alzheimer", außerdem der Mannheimer Fotograf Benedikt Zaja: Er zeigt Jugendliche in Deutschland und ihre ganz privaten Lebensräume.

Neben vielen anderen US-Fotografen präsentiert hier der New Yorker Steven Simon seine Beobachtungen entlang der amerikanischen - kanadischen Grenze. Beeindruckend auch: Diana Thorneycrofts provozierende Puppenbilder mit dem Titel "Doll Mouth". . . . ( Presse / Internationale Fototage)

Alle Ausstellungsorte der 7. Internationalen Fototage Mannheim/Ludwigshafen:

Mannheim:
Wasserturm
Alte Feuerwache, Brückenstr. 2
Trinitatiskirche, G 4, 5
Augusta Carree, Augusta Anlage 32
Stadthaus N 1, Paradeplatz
Gebäude N 2, N2, 10

Ludwigshafen:
Hallenbad Nord, Pettenkoferstr. 3
Amt, Lutherstr. 10
Ernst-Bloch-Zentrum, Walzmühlstr. 63
Faktorhaus, Berliner Platz

weitere Infos: internationalefototage.de




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