Erik van Lieshout - Kunsthaus Zürich (13.4.-17.6.07)


Eingabedatum: 05.04.2007

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Vom 13. April bis zum 17. Juni 2007 organisiert das Kunsthaus Zürich die erste umfassende Museumsausstellung Erik van Lieshouts in der Schweiz. Der Künstler (Jg. 1968) reflektiert Fragen der Identität und spricht Tabu-Themen wie Rechtsextremismus, Homosexualität oder Rassenkonflikte in seinen Arbeiten direkt an. Ein Teil der Sammlungsräume wird zur Studiobühne für die gesellschaftskritischen Videos, Zeichnungen und Gemälde des engagierten Holländers, der mit dem Fahrrad Deutschland durchquert oder sich in Ghana das Rappen beibringen lässt.

Im Jahr 2003 hat das Kunsthaus Zürich die Arbeiten Erik van Lieshouts entdeckt und seitdem einige für die Sammlung angekauft. Er trat damals zum ersten Mal international in Erscheinung, als er an der Biennale von Venedig an den Pavillon der Niederlande eine aus rohen Holzlatten gezimmerte Hütte anbaute.

AUF DER SUCHE NACH IDENTITÄT
Er legte die Hütte mit billigen Orientteppichen aus, möblierte sie mit selbst gebastelten Pseudo-Rietveld-Stühlen und zeigt das Video «Respect» (2003) - ein multikulturelles Melodrama in den Strassen von Rotterdam. Darin kann der Zuschauer van Lieshout beobachten, wie er unter den marokkanischen Jugendlichen seines Quartiers einen Lover für seinen Bruder sucht. Homosexualität und Machismo-Kultur verbinden sich dabei zu einer ebenso irritierenden und explosiven Mischung wie die mit sorgloser Ungenauigkeit nachgebauten Designmöbel mit den bazarartigen Teppichauslagen. Die Arbeit macht deutlich, dass die Zeiten klar bestimmbarer Identitäten längst vorbei sind. Neben dem Thema Identität spielt in Erik van Lieshouts Werk die Toleranz eine wichtige Rolle. Er rückt Randgruppen ins Zentrum seiner Arbeit und schreckt nicht davor zurück, Tabu-Themen schonungslos und direkt anzusprechen. Seine Werke schockieren und berühren gleichzeitig. Die inhaltlich schwere Kost würzt der Künstler mit einer gehörigen Portion Humor und Selbstironie.

DAS POLITISCHE IST AUCH DAS PRIVATE
Eine der im Kunsthaus gezeigten Arbeiten «Rotterdam-Rostock» (2006) entstand im Auftrag der Berlin-Biennale. Sie ist die ironische Antwort van Lieshouts auf die Idee des «Staatskünstlers». Die Kamera begleitet ihn (der meist selber die Hauptrolle in seinen Videos spielt) auf einer Reise quer durch Deutschland. Der Zuschauer wird Zeuge, wie ihm ältere Bürger offen ihre Sympathie für die Nazis bekunden oder einige jüngere gar deren Arbeit weiterführen wollen. Doch solche beklemmenden Momente wechseln sich mit slapstickartigen Anekdoten aus dem Leben des Künstlers ab, über die man unweigerlich lachen muss. Das Politische ist bei van Lieshout immer auch das Persönliche und umgekehrt.

RAP UND RASSISMUS
Musik, insbesondere Hip Hop, ist ein typisches Gestaltungsmittel seiner Videos - sei es als Soundtrack, rhythmisches Element oder auf inhaltlicher Ebene. Für die 2001 entstandene Arbeit «Lariam» reiste er nach Ghana und liess sich das Rappen beibringen. Als Textgrundlage wählte er den Beipackzettel des Anti-Malariamittels Lariam, das sich die lokale Bevölkerung oft nicht leisten kann. Im Video rappt der Künstler die medizinische Beschreibung der Nebenwirkungen in der nicht coolen und nicht globalen und zudem stark gutturalen Sprache der Niederlande. Auch wenn hier die Rassenpolitik in ihrer ganzen Härte in Erscheinung tritt, hat die Szene etwas Urkomisches, das die Spannung erneut in einem befreienden Lachen auflöst.

PREMIERE: DAS NEUE VIDEO «PART 1»
Parallel zu seinen Videos stellt Lieshout Zeichnungen her. Sie ergänzen das Videomaterial und werden am Schluss zu einer Installation zusammengefügt. Im Kunsthaus Zürich konzipiert er eine speziell für den Raum entworfene Gesamtinstallation. Der Clou: die Installation setzt sich ausserhalb der Museumsmauern fort. Exklusiv für das Kunsthaus Zürich entsteht das Video «Part 1». Inspiriert dazu hat ihn die TV-Serie der «Desperate Housewives». Zurzeit wird es in Los Angeles fertig gestellt, wo van Lieshout Schauspielunterricht nahm und die Hauptrolle - ein Mann auf der Suche nach seiner neuen Rolle - spielt. Wie alle seine Videos zeichnet es sich durch einen schnellen Schnitt und Rhythmus sowie eine irritierend-faszinierende Mischung von Härte und Poesie aus. ... ( KH Zürich)

Abbildung: Ohne Titel, 2006, Acrylfarbe und Plastikfolie auf Leinwand
208 x 302 mm

Öffnungszeiten: Di-Do 10-21 Uhr, Fr-So 10-17 Uhr

Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
8001 Zürich

kunsthaus.ch

ch






Daten zu Erik van Lieshout:

- 5th Thessaloniki Biennale of Contemporary Art
- Annet Gelink Gallery
- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- art berlin 2017
- Berlin Biennale 2006
- Biennale Venedig 2013
- Frieze London 2016
- Galerie Krinzinger
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- Gwangju Biennale, 2006
- Kochi-Muziris Biennale 2016
- Manifesta 10, 2014
- Manifesta 9
- Maureen Paley - Gallery
- Sammlung MMK, Frankfurt
- SAMMLUNG WEMHÖNER

Weiteres zum Thema: Erik van Lieshout



"Modelle für Morgen: Köln" - European Kunsthalle, Köln (2.3.-28.4.07)


Vom 2. März bis zum 28. April 2007 präsentiert die European Kunsthalle mit "Modelle für Morgen: Köln" ihre lang erwartete, erste Ausstellung. An außergewöhnlichen kulturellen ebenso wie an alltäglichen Orten in der Kölner Innenstadt stellen 21 KünstlerInnen ihre Entwürfe für eine neue Kunsthalle vor.

Die European Kunsthalle verfügt in ihrer Gründungsphase über keinen eigenen Ausstellungsort. Für "Modelle von Morgen: Köln" nutzt die Institution daher den städtischen Raum mit seinem Angebot an öffentlich zugänglichen Orten. Die speziell für die Ausstellung entstandenen Skizzen, Pläne und modellhaften Arbeiten der internationalen KünstlerInnen thematisieren sowohl die Architektur des neuen Ausstellungsortes als auch seine möglichen Nutzungskonzepte. "Modelle für Morgen" stellt Projekte und Visionen für eine Kunsthalle im Kontext der Stadt vor und entwickelt Alternativen zur institutionellen Kunstpräsentation.

Gegen Ende der zweijährigen Gründungsphase richtet die European Kunsthalle mit dieser Ausstellung den Blick in besonderer Weise auf ihren konkreten Standort und Ausgangspunkt. "Modelle für Morgen: Köln" gibt als zugleich publikumsnahes und kritisch-reflexives Ausstellungsprojekt einen Ausblick auf die institutionelle Bindung einer zukünftigen Kunsthalle in Köln und stellt damit die Basis für ihre weitere Entwicklung sicher.

Mit Vito Acconci, Michael Beutler, Bik van der Pol, Andreas Fogarasi, Luca Frei, Liam Gillick, Tue Greenfort, Karl Holmqvist, International Festival, Erik van Lieshout, An Te Liu, Alex Morrison, Olaf Nicolai, Tobias Rehberger, Pia Rönicke, Silke Schatz, Sean Snyder, Superflex, Lawrence Weiner, Axel John Wieder & Jesko Fezer und Haegue Yang.

Exemplarische Liste der Ausstellungsorte: Shoppingmall, Kirche, Fitnessstudio, öffentliche Verwaltung, Einzelhandel, Museumsfoyer, Bibliothek, Callshop, Bar, Tankstelle, Verkehrsbetrieb, öffentliche Toilette, Parkhaus. (Presse European KH)

Ausstellungsdaten: 2. März bis 28. April 2007

www.kunsthalle.eu


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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    Kimsooja. Weaving the World

    Das Kunstmuseum Liechtenstein widmet der aus Korea stammenden Künstlerin Kimsooja (*1957), die heute in New York und Seoul lebt und arbeitet, eine umfassende Einzelausstellung. weiter


    Thomas Wrede Modell. Landschaft Fotografie

    Das Kunsthaus zeigt die erste umfassende Werkübersicht von Thomas Wrede, die mit Fotografien von den frühen 1990er Jahren bis zu den aktuellen Werkgruppen erstmals die Zusammenhänge und künstlerischen Entwicklungen seiner Arbeiten dokumentiert weiter


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    Georg Herold, 1977 bis 1983 Schüler Sigmar Polkes, stellte Anfang der 1980er-Jahre zusammen mit Martin Kippenberger, Werner Büttner und Albert Oehlen radikal und sarkastisch Kunst und Kunstbetrieb in Frage und entwickelte in diesen Jahren ein Werk, das wie eine Dada-inspirierte Enzyklopädie des Provisorischen anmutet weiter

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    Birte Endrejat arbeitet ortsbezogen, das heißt, sie ist vor Ort und schaut sich um und hört und schreibt mit. Ausgangspunkt für Endrejats Annäherungen sind Fragen wie: Was machen Orte mit den Menschen? weiter