How to Work (More for) Less


Eingabedatum: 08.06.2011

bilder

Die Ausstellung How to Work in der Kunsthalle Basel vereint neun internationale zeitgenössische Künstler aus der Generation, die im ersten Jahrzehnt des neuen Millenniums in Erscheinung trat. So verschiedenartig ihre Praktiken auch sind, schliessen sie doch alle an die Konzeptkunst der 1960er und 1970er Jahre sowie deren vielfältige Ausprägungen in den späteren, neokonzeptuellen Werken der 1980er und 1990er an, die sich – nach der bahnbrechenden, von Douglas Crimp kuratierten Ausstellung „Pictures“ aus dem Jahr 1977 – kritisch mit der Politik von Bild- und Objektproduktion beschäftigten. In den 1960er Jahren reflektierte die Konzeptkunst bewusst den umfassenden ökonomischen Wandel seit den 1950er Jahren von der industriellen zur dienstleistungsorientierten Gesellschaft. Bereiche wie Werbung und Informationstechnik gewannen immer grössere Bedeutung, während sich traditionelle Industrien aufzulösen begannen.

Die in How to Work beteiligten Künstler verfolgen wiederum eine Vielzahl von Strategien, in denen sich ein bemerkenswertes politisches und ethisches Verständnis manifestiert, das von einem sehr genauen Bewusstsein über die heutige Ökonomie der Kunstwelt geprägt ist, in der jedes innerhalb (oder auch ausserhalb) dieses Systems produzierte Werk sofort in eine Ware verwandelt wird. Für ihre Arbeiten verwenden die Künstler gefundene Objekte oder aus dem Internet stammendes Material. Sie dokumentieren oder imitieren direkt die sie umgebende Wirklichkeit, um den allzu vertrauten Kontext zu verfremden. Darüber hinaus inszenieren sie performative Interventionen, welche die Realität simulieren und ihr eine neue Wendung verleihen. Dabei bedienen sie sich in détournements klassischer Techniken und Genres und nutzen Serialität oder Zufallsverfahren.

How to Work untersucht die verschiedenen Möglichkeiten, heute als Künstler zu arbeiten. Die Frage, wie im aktuellen kulturellen und politischen Umfeld zu arbeiten wäre und worin diese Tätigkeit zu bestehen hätte, muss neu verhandelt oder neu beantwortet werden. Die Arbeitsmethoden zeitgenössischer Künstler können im Zusammenhang mit der allgemeinen Verlagerung von materieller zu immaterieller oder von Hand- zu Kopfarbeit betrachtet werden. Diese ist untrennbar mit dem Wandel von einer Industriegesellschaft (die spezifische Produkte herstellt) zu einer Dienstleistungsgesellschaft (die „Lösungen“ anbietet) verbunden. In der jüngst postulierten Wissensgesellschaft, kommt es noch weniger auf das dauerhafte und greifbare Produkt oder dessen Distribution an, sondern auf das Verhältnis der Kunden untereinander, die nun Teilnehmer genannt werden. Um der zunehmenden Gleichförmigkeit der menschlichen Beziehungen in der real existierenden Utopie einer globalen, aus teilhabenden, kreativen Individuen bestehenden Gesellschaft etwas entgegenzusetzen, sollte das Werk des Künstlers einen Unterschied machen. Aber ist dieser Vorstellung, etwas könne einen Unterschied machen, überhaupt zu trauen?
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Die Auswahl der Arbeiten für How to Work in der Kunsthalle Basel folgt keinen thematischen Kriterien, auch wenn viele der ausgestellten Werke sich mit der Ökonomie ihrer eigenen Produktion sowie deren Beziehung zur Wirtschaft im grösseren Massstab beschäftigen. Der Titel der Ausstellung ist dementsprechend als allgemeiner Rahmen für die Frage zu verstehen, der sich jeder Künstler und jeder Arbeiter heute gegenübersieht, und nicht als ein starres „Thema“, das die Werke illustrieren sollen. Statt auf einer Qualitätssteigerung zu beharren oder zu erklären, „wie man besser arbeitet“, wirft die Ausstellung die kritisch reduzierte Frage auf, die schlicht zu erkunden sucht, wie man heute überhaupt arbeitet.

Künstlerliste: Juliette Blightman, Tania Pérez Córdova, Raphael Hefti, Judith Hopf, Tobias Kaspar, Adriana Lara, Adrian Melis, Pratchaya Phinthong, Pamela Rosenkranz, Pilvi Takala & Projekt an der Rückwand: Pedro Wirz

Abbildung: Installationsansicht "How to Work": Untitled, 2011, Spionglas von Pratchaya Phinthong, Courtesy der Künstler; im Büro: Archivfoto, Fischli/Weiss, 1990, Courtesy die Künstler / Image: Installation view of "How to Work": Untitled, 2011, one way mirror privacy window film by Pratchaya Phinthong, Courtesy the artist; in the office: archival photograph, Fischli/Weiss, 1990, Courtesy the artists

Öffnungszeiten: Di/Mi/Fr 11-18 Uhr · Do 11-20.30 Uhr · Sa/So 11-17 Uhr

Kunsthalle Basel
Steinenberg 7
CH-4051 Basel
Tel +41 61 206 99 00
kunsthallebasel.ch

Medienmitteilung








Weiteres zum Thema: Fischli und Weiss



Zeitgenössische Fotokunst aus der Schweiz (Jan. 02)


Mit Fotokunst aus der Schweiz setzt der Neue Berliner Kunstverein (NBK) seine Ausstellungsreihe fort, die der Fotografie verschiedener Länder gewidmet ist.
Neun Künstler und Künstlerinnen hat der Kurator Urs Stahel, Direktor des Fotomuseums Winterthur, ausgewählt, um möglichst unterschiedliche Positionen der Schweizer Fotografie zu verdeutlichen.
Während der vordere Raum durch die stark verfremdeten Stadtansichten Strbas, die beleuchtete Rauminstallation von Buetti und die Körperbilder Rondinones an einer grünen Wand dominiert wird, entwickeln die kleinteiligen Arbeiten von Marco Poloni und Peter Tillessen einen ganz anderen Zugang: Poloni wurde durch Berichte in italienischen Tageszeitungen auf die illegalen albanischen Einwanderer aufmerksam und kam so auf die Idee, den heimlichen Reiseweg eines fiktiven Migranten über Süditalien, den Hafen von Otranto über Mailand bis in die Schweiz in vielen kleinen Sequenzen festzuhalten und diese zusätzlich mit szenischen Anweisungen zu Kamerastandpunkt, Geräusch und Geschehen zu bezeichnen. Alles wird aus der Sicht des Migranten gezeigt; er selbst bleibt, wie in der Gesellschaft, unsichtbar. Es entsteht eine künstliche Dokumentation, die bewußt mit dem Übergang von Fotografie zu Film spielt. Tillessen (übrigens in Hanau geboren) zeigt Serien mit den Titeln "Aktionskünstler", "Kunst am Bau", "Degenerative Bilder", die den Blick auf absurde Motive des Alltags lenken. Unprätentiös als einfache Ausdrucke an die Wand gepinnt, sind sie mit ihrer Art des Humors nach Stahels Aussage vielleicht am ehesten in eine Schweizer Tradition (Fischli/Weiss) zu stellen.
Im Nebenraum erinnern Hans Danusers "Frozen Embryo Series" von weitem an steinerne Landschaften; sie enthalten zugleich Leben und Tod. Weiter die absonderlichen Mädchenbilder von Katrin Freisager, meditative Landschaftsblicke kombiniert mit Tokioter Stadtansichten von Cat Tuong Nyuyen, die urbanistischen Situationen von Claudio Moser.
Die Fotoszene in der Schweiz habe in den letzten 15 Jahren einen großen Boom durchgemacht, und Stahel legt Wert auf die Feststellung, daß man die Anzahl der Künstler gut hätte verdreifachen können, ohne einen Qualitätsverlust hinzunehmen (und einige dieser Künstler nennt er in seinem Katalogtext). Die stark gestiegene Popularität der Fotografie ist aber auch in anderen Ländern zu verzeichnen und so bleibt die Frage nach einer Schweizer Schule, die man in dieser Ausstellung zumindest nicht findet. Wie der Künstler Marco Poloni sagt: "Charakteristisch für den Schweizer Künstler ist, daß an ihm nichts Charkateristisches ist." Zeitgenössische Fotokunst aus der Schweiz ist international und hier kontrastreich und interessant präsentiert.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Februar im NBK (Neuer Berliner Kunstverein), Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin. Öffnungszeiten sind Mo - Fr 12 - 18 Uhr, Sa, So 12 - 16 Uhr.
Zur Ausstellung ist ein Katalog im Ernst Wasmuth Verlag erschienen (19 Euro) mit einem Textbeitrag von Urs Stahel.


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




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    Il deserto rosso now – Photographische Reaktionen auf Antonionis Filmklassiker

    Ein Kooperationsprojekt der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, Linea di Confine, Rubiera und Osservatorio Fotografico, Ravenna weiter


    Mit den Händen zu greifen und doch nicht zu fassen

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