Aufbruch - Malerei und realer Raum


Eingabedatum: 09.02.2012

bilder

Lucio Fontana, Concetto spaziale attese, 1966-67, Öl auf Leinwand, 60 x 81, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Foto Gunther Balzer, Kaiserslautern © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

„Zur Hölle mit den Bildern […] Unsere Kunst […] sollte ins Auge springen, und dies direkt.“ Der amerikanische Künstler Ellsworth Kelly bringt mit Nachdruck auf den Punkt, was seit den 1950er Jahren eine Vielzahl von Malern umtrieb. Sie waren auf der Suche nach neuen Ansätzen, um die Geschlossenheit der gerahmten Bildfläche zu überwinden. Ausgehend von 15 Arbeiten, die als Eigentum oder Dauerleihgaben zum Bestand des mpk gehören, ergänzt mit über 50 Leihgaben aus Privatsammlungen und Stiftungen des In- und Auslandes, bietet die Ausstellung, die bis 22. April zu sehen ist, in einer enormen Vielfalt Einblick in diese künstlerischen Strategien. Der Fokus liegt auf europäischen und nordamerikanischen Künstlerinnen und Künstlern und auf deren malereispezifische Entwicklung in die faktisch dritte Dimension.
Anstatt sich wie bisher der Perspektive zu bedienen, stoßen die Arbeiten in den realen Raum vor. Ihre Entgrenzung vollzieht sich als sinnliches Ereignis ohne erzählerische Komponenten. Diese Werke repräsentieren ausschließlich sich selbst und werfen dabei zugleich neu entstandene Fragen von Raum, Zeit und Wahrnehmung auf.

Im Jahr 1949 durchstieß der Italiener Lucio Fontana erstmals mit einem Locheisen die Leinwand und schuf damit einen realen Tiefenraum im Bild. Ellsworth Kelly entwickelte in Paris sein erstes rahmenloses Bildobjekt, das auf die klassisch rechteckige Form verzichtete. 1952 begann der Franzose François Morellet weiß gestrichene, einfache Bildtafeln mit sich wiederholenden Strukturen zu überziehen, „so dass der Blick keinen Abschluss findet“ - so Erich Franz im Katalog. Diese Künstler waren die ersten, die die festen Grenzen der gerahmten Bildfläche auflösten und den fiktiven Bildraum durch den Bezug zum realen Umraum ergänzten.

Kontrastierende Farbenergien sprengen bei Günter Fruhtrunk die Fläche. Sie bieten keinen festen Ausgangspunkt, an ihre Stelle treten schwankende und ständig sich ändernde Bewegungen. Emil Schumacher, Arman, Antoni Tàpies und Jürgen Meyer verwandeln den Farbkörper massiv mit konkreten Materialien hin zur Räumlichkeit. Mit dynamischen Attacken überlagert neben Lucio Fontana auch Arnulf Rainer die bildliche Geschlossenheit. François Morellet, Robert Mangold und Sabine Straßburger unterlaufen mit klaren, doch gegensätzlichen formalen Elementen eine einheitliche Bildauffassung.

Ganz gleich welcher Künstler sich hinter den Werken verbirgt, eins eint sie alle: Sie schaffen für den Besucher besondere sinnliche Erlebnisse. Sei es über das Material, indem Farbe wie Spachtelmasse dick aufgetragen wird. Sei es über den Einsatz von optischen Effekten, mit denen konkrete Flächen eine konkret wahrnehmbare Räumlichkeit erzeugen, die mit den gegebenen Flächen allerdings nichts gemein hat (Charles Hinman, Ron Gorchov). Last but not least lassen blaue wolkige Oberflächen der Werke von Yves Klein einen Tiefenraum erleben, der jenseits aller realen Räumlichkeit liegt.

Das mpk stellt an Werken von „Klassikern“, aber auch weniger bekannten und jüngeren Künstlern optische Kräfte und malerische Energien vor, mit denen die Wahrnehmung des Betrachters über die Grenzen des traditionellen Tafelbildes hinausgeführt wird. (Zu den weiteren Künstlern zählen Bram Bogart, John Carter, Ronald Davis, Ger van Elk, Sam Francis, Ulrich Gehret, Rupprecht Geiger, Kuno Gonschior, Gotthard Graubner, Marcos Grigorian, Joachim Grommek, Michael Growe, Noriyuki Haraguchi, Mary Heilmann, Eva Hesse, Gerhard Hoehme, Imi Knoebel, Rob van Konigsbruggen, Harriet Korman, Mischa Kuball, Norvin Leineweber, Morris Louis, Jürgen Meyer, Manfred Mohr, Ulrich Mokopp, Dounia Oualit, Alfredo Álvarez Plágaro, Staf Renier, Erich Reusch, Robert Ryman, Bernard Schulze, Emil Schumacher, Henriyk Stazewski, Antoni Tàpies, Claude Viallat, Yvaral, Leon Polk Smith, Frank Stella, Günter Uecker, Lee Ufan, Eisabeth Vary, Jan Wawrzyniak, Neil Williams und Herbert Zangs.)

Öffnungszeiten
Di 11–20 Uhr, Mi–So 10–17 Uhr, Mo geschlossen

Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern
Museumsplatz 1
D-67657 Kaiserslautern

Telefon: +49(0)631 3647-201
Telefax: +49(0)631 3647-202
mpk.de


Medienmitteilung






Daten zu Lucio Fontana:

- 10th Mercosul Biennial 2015
- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- Art Basel Hong Kong 2014
- Art Basel Hong Kong, 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- art cologne 2015
- ARTRIO 2013, Brasilien
- Das imaginäre Museum, 2016
- Gagosian Gallery
- KIAF 2016
- Lyon Biennale 2017
- MoMA Collection
- Museo Reina Sofía, Collection
- onLine - MoMA 2010
- S.M.A.K. Sammlung, Gent
- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt
- Sammlung Würth
- Socle du Monde Biennale 2017
- Solomon R. Guggenheim Collection
- Tate Post War Collection ,London

Weiteres zum Thema: Lucio Fontana



Lucio Fontana in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen (18.10.03-11. 01.04)


Der Künstler Lucio Fontana (1899-1968), der den meisten durch seine perforierten oder durchschnittenen Leinwandbilder bekannt ist, wird in dieser Ausstellung von einer anderen Seite gezeigt. Die wenigsten wissen, dass sich Fontana auf vielfältigste Weise in Zeichnungen und Malerei der menschlichen Figur gewidmet hat.

Pressemitteilung / Auszug: ". . . Die Ausstellung der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen präsentiert zum erstenmal umfassend diese Werkgruppe mit zahlreichen Studien zu figurativen Skulpturen, frühe Zeichnungen von futuristischen Roboterwesen sowie großformatige Menschenbilder. Im Zentrum der Ausstellung stehen die eigenständigen Pinsel-Zeichnungen mit erotischen Akten. Ein weiterer Höhepunkt bildet die begehbare Rekonstruktion der Raum-Installation 'Ambiente Spaziale', mit der Lucio Fontana bei der documenta 4 in Kassel 1968 beim internationalen Kunstpublikum Furore machte. Abgerundet wird die Ausstellung mit großformatigen farbigen Zeichnungen sowie mit Tagli, Buchi und Theatrini - von Fontana durchgehend 'Concetto spaziale' betitelt -, die bisher selten in Europa präsentiert wurden.

Das Konvolut von zumeist erstmals ausgestellten Zeichnungen zur menschlichen Figur ist zwischen 1940 und 1960 parallel zu seinen berühmten Bildern mit der zerschnittenen oder durchlöcherten Leinwand, seinen raumgreifenden Neon-Arbeiten, seinen Entwürfen für Bühnenbilder und Mode oder seinen Skulpturen entstanden. Die Auswahl der Werke – insgesammt sind ca. 100 Arbeiten zu sehen - unterstreicht die besondere Stellung des Künstlers für die Kunst des 20. Jahrhunderts.

Dass diese Werkgruppe erstmals in dieser Form gezeigt werden kann, ist dem großen Entgegenkommen der Fondazione Lucio Fontana in Mailand zu verdanken, von der zahlreiche Werke für die Ausstellung zur Verfügung gestellt wurden. Weitere Leihgaben aus verschiedenen europäischen Museen und Galerien wie von privaten Sammlungen ergänzen die Präsentation und zeigen einen neuen, faszinierenden Aspekt im künstlerischen Werk von Lucio Fontana."


Foto: Frank Kleinbach Stuttgart: Lucio Fontana, Liegender Akt 1964-65, Tusche auf Papier, 70 x 100 cm

Katalog: "Der unbekannte Fontana"
Hrsg. Wendelin Renn
Städtische Galerie Villingen-Schwenningen
Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit
156 S., 113 farbige Abbildungen,
21 x 27 cm, gebunden
ISBN: 3-927987-77-8
Preis: 23,00 EUR

Ausstellungsdauer: 18.10.03-11. 01.04
Öffnungszeiten: Di - So 10:00 - 12:00 Uhr | 14:00 - 17:00 Uhr | Mo geschlossen

Städtische Galerie | Friedrich-Ebert-Straße 35 | 78054 Villingen-Schwenningen | Telefon 07720 / 82-1098
villingen-schwenningen.de



Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    Ausstellung


    Anzeige
    Atelier


    Anzeige
    berlin




    Kimsooja. Weaving the World

    Das Kunstmuseum Liechtenstein widmet der aus Korea stammenden Künstlerin Kimsooja (*1957), die heute in New York und Seoul lebt und arbeitet, eine umfassende Einzelausstellung. weiter


    Thomas Wrede Modell. Landschaft Fotografie

    Das Kunsthaus zeigt die erste umfassende Werkübersicht von Thomas Wrede, die mit Fotografien von den frühen 1990er Jahren bis zu den aktuellen Werkgruppen erstmals die Zusammenhänge und künstlerischen Entwicklungen seiner Arbeiten dokumentiert weiter


    Georg Herold

    Georg Herold, 1977 bis 1983 Schüler Sigmar Polkes, stellte Anfang der 1980er-Jahre zusammen mit Martin Kippenberger, Werner Büttner und Albert Oehlen radikal und sarkastisch Kunst und Kunstbetrieb in Frage und entwickelte in diesen Jahren ein Werk, das wie eine Dada-inspirierte Enzyklopädie des Provisorischen anmutet weiter

    Aleksandra Waliszewska

    Der Neue Kunstverein Wien präsentiert in seiner Herbstausstellung die Arbeiten von Aleksandra Waliszewska. weiter

    ART DÜSSELDORF - Galerienliste

    Die Liste der teilnehmenden Aussteller der ART DÜSSELDORF, die vom 17. bis 19. November 2017 auf dem Areal Böhler stattfinden wird, steht fest. weiter



    Peter Zumthor - Dear to Me

    Das Kunsthaus Bregenz ist ein besonderer Ort. Seine Atmosphäre macht wachsam, sie öffnet Augen, Ohren und Poren. Für das Jubiläumsjahr — das KUB ist heuer 20 Jahre — wurde sein berühmter Architekt Peter Zumthor eingeladen. Der Pritzker-Preisträger entschloss sich, keine Ausstellung im gewöhnlichen Sinne einzurichten, sondern Denk-, Schau- und Hörkästen seiner künstlerischen Vorlieben und Inspirationen zu verwirklichen: Dear to Me. weiter

    Georg Hornemann erhält Cologne Fine Art Preis 2017

    Der gebürtige Dessauer Georg Hornemann kam bereits als 15-Jähriger mit dem Bauhaus in Berührung, als er bei einem der ehemaligen Goldschmiedemeister in die Lehre ging. weiter

    Erik van Lieshout Sündenbock

    Mit »Sündenbock« zeigt der Kunstverein Hannover die bislang umfassendste Ausstellung von Erik van Lieshout in Deutschland weiter


    Alexander Kluge Pluriversum

    Das Museum Folkwang präsentiert die erste große Museumsausstellung des Filmemachers weiter


    Alicia Framis. fearless

    Das Recht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit sowie der Schutz vor Diskriminierung, Folter und staatlicher Willkür wird in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1948 ebenso festgeschrieben wie das Recht jedes Menschen auf Arbeit, Bildung, kulturelle Teilhabe oder Rede- und Glaubensfreiheit weiter


    America '67

    Die Doppelausstellung America '67 wirft einen Blick auf den Zustand der USA im Jahr des großen gesellschaftlichen Umbruchs vor 50 Jahren. weiter

    Praemium Imperiale vergeben

    In diesem Jahr sind die Preisträger Shirin Neshat (Malerei), El Anatsui (Skulptur), Rafael Moneo (Architektur), Youssou N´Dour (Musik) und Mikhail Baryshnikov (Theater/Film). weiter


    VON DA AN

    Exakt 50 Jahre später widmet sich die Ausstellung VON DA AN. RÄUME, WERKE, VERGEGENWÄRTIGUNGEN DES ANTIMUSEUMS 1967 – 1978 dieser Geschichte. Mit Dokumenten und Objekten, Rekonstruktionen und Wiederaufführungen ... weiter

    DGPh-Bildungspreis geht an "Wirsprechenfotografisch"

    Als Preisträger 2017 hat sich die Jury für das junge Projekt "Wirsprechenfotografisch" entschieden, das die Photographie als universelle Kommunikationsform nutzt. weiter

    Birte Endrejat AKTIVITÄTSZONEN

    Birte Endrejat arbeitet ortsbezogen, das heißt, sie ist vor Ort und schaut sich um und hört und schreibt mit. Ausgangspunkt für Endrejats Annäherungen sind Fragen wie: Was machen Orte mit den Menschen? weiter