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Georg Herold - Multiple Choice


Eingabedatum: 11.04.2012

bilder

Georg Herold, 1,8 kg NIVEA, 1990, Kaviardose, gestempeltes Gummiband, bedruckte Haftetiketten, 8,2 x 16 cm; 500 g NIVEA, 1990, Kaviardose, bedrucktes Gummiband, bedruckte Haftetiketten, 4,3 x 11,6 cm, Foto: Haydar Koyupinar © VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Wie kaum ein anderer Künstler unserer Zeit hat Georg Herold die Kunst des 20. Jahrhunderts in ihren unterschiedlichen Ausformungen ironisch zitiert, desillusioniert oder ins Absurde verkehrt. Herold ist kein Maler, obwohl er Bilder macht, kein Bildhauer, obwohl er Skulpturen und Installationen schafft, kein Architekt, obwohl er baut. In ihm verkörpert sich die Negation des Künstlertums akademischer Tradition. Alle seine Arbeiten basieren auf dem Prinzip der Collage oder der Montage. Dabei geht es primär nicht um Innovation und Originalität, sondern um Differenz und Widerspruch. Seine Entmystifizierung von etablierten und zur Norm gewordenen Vorstellungen machen dabei nicht Halt vor Kasimir Malewitsch, Marcel Duchamp, Donald Judd, Joseph Beuys und anderen. Damit bricht Herold mit herkömmlichen Codes der Kunst und regt ein Nachdenken darüber an, welche Funktionen sie überhaupt noch wahrnehmen kann und an wen sie sich heute wendet. Nicht nur in seiner Generation gilt er als einer der wichtigsten und einflussreichsten Künstler.

In seinen Bildern, Objekten, Multiples und Installationen hat Georg Herold in den frühen 1980er Jahren preiswerte Dachlatten und seit 1988/89 wiederholt teuren Beluga-Kaviar verarbeitet. Die banalen Holzleisten spielen bis heute in seinem Werk eine zentrale Rolle, da sie, wie er sagt, „jeder Aussage präzise angepasst werden können“. Während man entsprechende Objekte damals als anti-ästhetisch einschätzte, wurde die Verwendung von Kaviar als Provokation empfunden. Verblüffung wechselte mit mildem Entsetzen und leichtem Ekel. In den letzten 40 Jahren ist ein umfangreiches und komplexes Werk entstanden, das in zahlreichen monographischen und thematischen Ausstellungen im In- und Ausland mit Erfolg gezeigt wurde. Neben Dachlatten und Kaviar hat Herold immer wieder Ziegelsteine, Schnüre, Knöpfe und Nägel verwendet, aber auch Teesiebe, Handtaschen, Nylonstrumpfhosen, Teppiche usw. „Materialien, die eine eigene Sprache sprechen, werden von mir grundsätzlich nicht benutzt. Deshalb suche ich mir ungehobeltes, dummes Material, das keine Fragen aufwirft,“ so der Künstler.

In den letzten Jahren ist Herold überraschend zur menschlichen Figur zurückgekehrt. In seinen skizzenhaft angelegten Gestalten versucht er zu zeigen, wie der Mensch in seiner zivilisationsbedingten Erstarrung nicht nur sich selbst fremd geworden ist, sondern gleichzeitig auch rätselhaft und platt, aggressiv und wehrlos, sexuell enthemmt und entleibt, geziert und plump – mit einem Wort, Herolds Lattenfiguren fungieren nicht als Leitbilder des Humanen, sondern als Bündel höchst widersprüchlicher Eigenschaften, Möglichkeiten und Fähigkeiten. Sie zeigen damit auf, was heute der Fall ist.

Das Konzept der Ausstellung im Museum Brandhorst wurde gemeinsam mit dem Künstler entwickelt, wobei es nahe lag, die in der Sammlung Brandhorst vorhandenen Multiples und Skulpturen mit einzubeziehen. Neben jüngsten Werken zeigt die Ausstellung auch ältere Arbeiten, um inhaltliche und formale Zusammenhänge zu verdeutlichen. Einzelne Arbeiten sind in Räumen des Erdgeschosses zu sehen, wo sich die Veranschaulichung von Zusammenhängen und Widersprüchen mit Darstellungen anderer Künstler der Sammlung Brandhorst anbietet, d.h. mit Werken von Sigmar Polke, Joseph Beuys, Eric Fischl, Jannis Kounellis und anderen.
In der Sammlung Brandhorst befinden sich fünfzig Arbeiten des Künstlers, die das Museum nun mit ebenso viel weiteren figurativen und installativen Arbeiten bis 2. September präsentiert. Georg Herolds Arbeiten befinden sich in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen.

Georg Herold, 1947 in Jena geboren, wurde 1973 bei dem Versuch verhaftet, die DDR zu verlassen. Die BRD kaufte den zu Gefängnis Verurteilten frei. Nach kurzem Aufenthalt in München begann er, bei Sigmar Polke in Hamburg zu studieren, und freundete sich dort mit Werner Büttner, Martin Kippenberger, Albert Oehlen und anderen an. Seit 1999 lehrt er als Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie. Herold lebt und arbeitet in Köln.

Museum Brandhorst
Kunstareal München
Theresienstraße 35 a
80333 München
T +49.89.23805-1321
museum-brandhorst.de

Medienmitteilung






Daten zu Georg Herold:

- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- Art Basel Hong Kong 2014
- Art Basel Hong Kong, 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- art berlin 2017
- art cologne 2015
- art cologne 2015
- Contemporary Fine Arts
- Daimler Art Collection
- documenta 9, 1992
- Flashback - Museum für Gegenwartskunst, Basel, 2006
- Galleria Raucci/Santamaria
- Kunstverein Freiburg
- MACBA COLLECTION
- MoMA Collection
- S.M.A.K. Sammlung, Gent
- Sadie Coles HQ - Gallery
- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt
- Sammlung MMK, Frankfurt
- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD
- Sammlung, Kunstmuseum Liechtenstein
- Skulptur Projekte Münster 1987
- skulptur projekte münster 1997
- ZKM Sammlung, Karlsruhe

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Kunstmuseum Wolfsburg: Baustellen der Subversion-Update #7 (13.06 bis 23. 11.03)


"Update # 7" mit Werken der Künstler Fischli/Weiss, Georg Herold, Bruce Nauman, Manfred Pernice ist die Fortsetzung einer Reihe, die das Kunstmuseum konzipiert hat, um seine eigene Sammlung in Auszügen und unter bestimmten thematischen Vorgaben zu zeigen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Leihgaben

Pressemitteilung / Auszug: "... Mit der Ausstellung XTOONE hatte das Kunstmuseum 1995 erstmals das Werk Georg Herolds in seiner ganzen Bandbreite vorgestellt. Mit dem Lichthaus und dem Bilderzimmer (beide 1995) konnten aus dieser Ausstellung eine kapitale Einzelarbeit und ein komplettes Ensemble dieses Künstlers erworben werden, in denen Herolds "fröhlicher Dekonstruktivismus mit einem kritischen Impuls" offen zutage tritt. So vereinigt das Bilderzimmer Arbeiten, die in den Jahren 1988 bis 1995 entstanden sind und in der Regel am Beginn von "Versuchsreihen" des Künstlers standen. Es finden sich Beispiele für Ziegelstein-Bilder, Collagen aus Plastiktüten, vier Kaviarbilder und zwei Multiple-Vitrinen, die den traditionellen Kunstbegriff in Frage stellen und den Betrachter systematisch verunsichern, um ihn zu einer – oft durch Humor und Ironie gewürzten – neuen Perspektive auf alltägliche Verhaltensweisen und Gegenstände zu provozieren. Einige Leihgaben wie Die Verwandlung von Dachlatten in Gold werden dieses Konzept noch verdeutlichen.

Auch Manfred Pernices Werke heben sich von den Hochglanzarbeiten seiner Zeitgenossen vor allem durch ihren spröden und unfertigen Charakter ab. Zunächst scheinen sie auf vertraute Utensilien – vor allem Behältnisse verschiedener Art – abzuzielen, untergraben diese Vertrautheit jedoch bei näherem Hinschauen durch die Rohheit bzw. das Fragmentarische ihrer Verarbeitung. Seine Architekturen, Container und floßartigen Gebilde verunsichern den Betrachter, da sie zunächst keinerlei Sinn zu stiften scheinen: Pernice spricht daher auch von einem "Unsinnzusammenhang" den der Besucher betritt, "eine unerträgliche Zumutung von Einzelaspekten, die nur als künstlerischer Entwurf akzeptabel ist und doch potentiell einen Typus alltäglicher Wahrnehmung parallelisiert. Dieser Typus ist die heterogene Situation – eine temporäre oder permanente Koexistenz von aneinander nicht interessierten Einzelaspekten. [...] Jede Beschäftigung des Betrachters mit einem Einzelaspekt ergibt Sinn, die Aspekte insgesamt jedoch nicht. Auf der Suche nach Sinnfälligkeit werden diese Unsinnsituationen meist nicht bemerkt, obwohl das Leben voll davon ist." Neben dem 1a Dosenfeld ’00 aus der Sammlung wird auch Manfred Pernices documenta-Arbeit von 2002, ESTREL: Quattro Stagioni präsentiert.

Mit dem Lauf der Dinge und ihrem Kanal-Video (zer)stören Peter Fischli und David Weiss die Erwartungen an den Umgang mit alltäglichen Dingen. Während im Lauf der Dinge vornehmlich Haushaltsgegenstände in immer neuen Konstellationen in einer scheinbar endlos langen Kettenreaktion ein energiereiches Eigenleben entwickeln, wurden im Kanal-Video sämtliche störenden Elemente entfernt, um in einer endlosen Geradeausfahrt durch Kanalröhren bei gleichbleibender Geschwindigkeit jede Hoffnung auf eine kurzweilige Handlung zu enttäuschen. Die Nützlichkeit, die Funktionalität der Dinge wird in einen absurden Zusammenhang überführt.

Über die Dehnung von Raum und Zeit gelingt es Bruce Nauman in seiner Videoinstallation Falls, Pratfalls and Sleights of Hand, den Betrachter in den Zustand der Desinformation und Verunsicherung zu führen. Indem Nauman rund um den Betrachter sowohl alltägliche Handlungsabläufe wie auch Zaubertricks bis unterhalb der Ebene des Erkennens extrem verlangsamt, schafft er ein Modell für die Undurchschaubarkeit unserer modernen, funktional differenzierten Gesellschaft."


Ausstellungsdauer: 13.06 bis 23. 11.03

Öffnungszeiten: Di 11.00 bis 20.00 Uhr | Mi bis So 11.00 bis 18.00 Uhr | Mo geschlossen

kunstmuseum-wolfsburg.de
Kunstmuseum Wolfsburg | Porschestr. 53 | 38440 Wolfsburg



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