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Spezial: Zeitgenössische Kunst aus Oaxaca, Mexiko


Eingabedatum: 13.04.2012

bilder

Vivi Kallinikou für art-in.de aus Mexiko:
Rafael Coronel. Retrofutura II im Museo de los pintores oaxaqueños
Ein tödlicher Karnevalszug in Oaxaca

Wer mexikanische Kunst verstehen will, muss nach Oaxaca. Eine lange Tradition indigener und zeitgenössischer Kunst, ein blühender Kunstmarkt, zauberhaft mysteriöse Berge und prächtige Farben laden in eine, wenn nicht die schönste Kolonialstadt Mexikos ein. Ein Ort für Liebhaber der Malerei in ihren ausgefeiltesten Techniken und Formen. Es ist nicht verwunderlich, dass wir ausgerechnet hier eine der aktuell spannendsten Ausstellungen des Landes finden: Das Museo de los Pintores Oaxaqueños beherbergt seit 2005 oaxaquenische Kunst von 1500 bis heute. In Wechselausstellungen werden lokale Positionen, aber auch besondere aus anderen mexikanischen Regionen präsentiert. Seit dem 9. März und bis zum 15. April zeigt es 42 Arbeiten des zakatenischen Malers und Bildhauers Rafael Coronel.

Bereits im September zeigte das Museo de Bellas Artes in Mexiko-Stadt eine große Ausstellung unter dem Titel “Retrofutura” zu Ehren des 80. Geburtstages Coronels. Als Weiterführung “Retrofutura II” ist nun diese Hommage im Museo de los Pintores Oaxaqueños zu sehen.

Rafael Coronel, 1931 geboren, wurde an der renommierten Escuela Nacional de Arquitectura in Mexiko-Stadt ausgebildet, er war der Schwiegersohn von Diego Rivera und hat 20 Jahre lang in seinem Atelier gearbeitet. Laut Eigenaussage hat er dort seine wichtigsten plastischen Arbeiten produziert. Seit 1956 werden seine Arbeiten in zahlreichen internationalen Museen ausgestellt und mit wichtigen Preisen honoriert, unter anderem wurde Coronel 1965 mit dem Hauptpreis der Sao Paulo Biennale und 1975 mit dem ersten Preis der Tokyo Biennale ausgezeichnet. Er ist zweifellos ein Meister seines Faches. Seine Bilder erzielen dramatische Effekte durch einen geschickten Einsatz von Hell-dunkel-Kontrasten und zeugen durch eine Mischung aus präzisen, realistischen Figuren und nebulösen Räumen von einer melancholischen Nüchternheit und Theatralik, die man aus unserer europäischen zeitgenössischen Malerei nicht kennt.

Der Titel “Retrofutura” verrät, dass es sich bei den ausgestellten Arbeiten um frühe und alte Werke handelt, eine Retrospektive also, die um eine neue, zukunftsweisende Serie aus 18 Werken erweitert wurde. Die ausgestellten Porträtmalereien sind realistische Bruststücke in Acryl auf Leinwand, aufgeteilt in drei Kategorien, biografisch und technisch. Coronel nähert sich in den drei Reihen auf unterschiedliche Weise dem Verfall im Alter und Tod.

Die erste Reihe zeigt hyperrealistische Abbilder von greisen, hageren Männern. Man meint Rembrandt, Goya, Coronel selbst, aber auch unvergängliche Figuren wie Merlin oder Teufelspersonifikationen zu erkennen. Sie halten Gegenstände aller Art, Tiere oder Köpfe in ihren Händen, die einen Hinweis auf ihre Identität geben können. Nicht alle Arbeiten sind benannt, wenn doch, sind es oft rätselhafte Indizien. So wird das Betrachten der feierlich wirkenden und makabren Karnevalsbilder zu einem spannenden Ratespiel. Meist gehüllt in schwere, prächtige und zeitlose Roben, wird die Psychologie der Figuren mit Genauigkeit erfasst und ihr Aussehen so sorgfältig dargestellt, der Hintergrund besteht dagegen aus einem diffusen Nebel. Coronel spielt in dieser Serie mit Zitaten aus der Kunstgeschichte oder Popularkultur und vermischt sie mit fantastischen Kompositionen. So trägt ein Magier den Kopf eines Greisen in Judith-Manier, ein Flötenspieler beschwört eine Maus.

Die zweite Reihe zeigt Menschen unterschiedlichen Alters in einem expressiv realistischen Stil, die Figuren lösen sich in der Farbe auf, in den Gesichtern der Porträtierten sind Narben von Erfahrung und Zeit deutlich zu sehen.

Der letzte Abschnitt der Ausstellung hängt im Dunkeln. Diese Arbeiten brechen mit den übrig ausgestellten; in der gleichen Konfiguration liegt der Schwerpunkt hier auf dem Ende des Lebens, im Verfall, im Tod. Ein Frauenskelett in mexikanischer Manier - den Tod nicht fürchtend - ist in Schmuck und Pelz gehüllt, die Lippen in kräftigem Rot geschminkt; die Figur erinnert an eine der beiden alternden Frauen aus Goyas Gemälde “Las Viejas” (1812) oder “La Calavera de la Catrina” (1913) von José Guadalupe Posada. Ihre Dekadenz kann sie vor dem Tod nicht bewahren. Man beobachtet stufenweise die Auflösung und den Verfall der Körper mit der Zeit und im Tod.

Coronels Interesse an der Porträtmalerei, die Komposition der Charaktere und ihre Theatralik, die Mehrdeutigkeit von Raum und die Ausdruckskraft der Gesichter machen die Ausstellung zu einem magischen und makabren Karnevalserlebnis.

Die Ausstellung wird bis zum 15.4.2012 in den Räumen des Museo de los pintores oaxaqueños gezeigt. Wer sich in das historische Zentrum des kolonialen Schatzes Oaxaca verirrt, sollte sich die Ausstellung auf jeden Fall angucken. Sie wird von einem Booklet begleitet, das eine gute Einführung in Coronels Arbeit bietet. Leider sind weder Wandtexte noch Begleitlektüre auf Englisch zu haben, Spanischkenntnisse oder ein Übersetzer wären von Vorteil.

Ausstellungsdauer: 9.3. - 15.4.2012
Öffnungszeiten: Mi - Sa 10 - 20 Uhr und So 10 - 18 Uhr.

Rafael Coronel. Retrofutura II

Museo de los Pintores Oaxaqueños
Avenida Independencia No. 607, Vigil, Centro histórico, Oaxaca, Mexico C.P. 68000


Vivi Kallinikou




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