Neuer Direktor in der Sammlung Udo und Anette Brandhorst

Personalien

Museum Brandhorst, München
Eingabedatum: 22.03.2013

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Armin Zweite gibt nach 6 Jahren als Direktor das Museum Brandhorst die Stelle in München auf, sein Nachfolger wird der Kunsthistoriker Achim Hochdörfer.

"... Achim Hochdörfer studierte nach dem Abitur ab 1990 in Augsburg, Rom und Wien Kunstgeschichte, Philosophie und Archäologie und erlangte 1999 mit Auszeichnung den Magistergrad. Während seines Studiums hat er u. a. 1997 mehrere Monate bei Cy Twombly in Rom und Gaeta verbracht, um am Œuvre-Verzeichnis der Skulpturen des Künstlers mitzuarbeiten. Nach einer Assistenz am Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien (mumok) zwischen 1998 und 2001, fungiert er dort seit Anfang 2002 als Kurator und leitet die Bereiche Performance und Kunsttheorie. Daneben nahm er verschiedene Lehraufträge am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien und an der Wiener Akademie der Bildenden Künste wahr.

Während seiner Tätigkeit am mumok hat Hochdörfer eine Fülle bemerkenswerter monografischer und thematischer Projekte realisiert. Die Einzelausstellungen galten u. a. folgenden Künstlerinnen und Künstlern: Jason Rhoades, Allan Kaprow, Jeff Wall, Mike Kelley, John Cage, Bruce Nauman, Tacita Dean. Hervorzuheben sind in jüngster Zeit die Cy Twombly-Ausstellung („States of Mind“, 2009) und das Claes Oldenburg gewidmete Projekt („The Sixties“), das nach der Präsentation in Wien (Sommer 2012) folgende Stationen hatte: Museum Ludwig Köln, Guggenheim Museum Bilbao, Museum of Modern Art New York und Walker Art Center Minneapolis. Für den kommenden Sommer bereitet Hochdörfer eine Albert Oehlen gewidmete Retrospektive vor.

Große Resonanz fanden auch die Performance-Veranstaltungen (so z.B. „wieder und wider: performance appropriated. Re-enactments in Tanz und Bildender Kunst“, zusammen mit Barbara Clausen, 2006; „Nothing is exciting, Nothing is sexy, Nothing is not embarassing“ gemeinsam mit Tanja Widmann, 2008; „Push and Pull“, ebenfalls mit Barbara Clausen in Zusammenarbeit mit Tanzquartier Wien und Tate Modern, London, 2010/11).

Hochdörfer hat eine Reihe viel beachteter Veranstaltungen und Symposien zu kunsttheoretischen, gattungsspezifischen und institutionsrelevanten Fragen organisiert bzw. auch selbst konzipiert, wobei sich sein Interesse in letzter Zeit vornehmlich auf Probleme der zeitgenössischen Malerei konzentrierte (exemplarisch zu nennen sind „Malerei und Affekt“, Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern, zusammen mit Gregg Brodowitz, 2007; „Das Feld der Malerei“, gemeinsam mit Wolfram Pichler, 2010).

Seine einschlägigen Buchpublikationen widmen sich u. a. dem Œuvre von Cy Twombly, Jeff Wall, Bruce Nauman oder Claes Oldenburg. In zahlreichen Aufsätzen und Rezensionen in Ausstellungskatalogen und in Zeitschriften wie Artforum oder Texte zur Kunst analysiert und würdigt Hochdörfer überdies das Schaffen von Wade Guyton, Heimo Zobernig, Louise Lawler, Maria Lassnig, Mike Kelley u. a. m.

Achim Hochdörfer ist verheiratet und hat zwei Kinder."

http://www.museum-brandhorst.de.

pm








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Claes Oldenburg


U.S.A. Flag, 1960, Muslin soaked in plaster over wire frame, painted with enamel / Musselin getränkt in Gips über Drahtgestell, bemalt mit Lackfarbe, 61 x 76.2 x 8.9 cm, National Gallery of Art, Washington; Gift of / Schenkung John and / und Mary Pappajohn, © Claes Oldenburg

Riesige, ca. zwei Meter lange Pommes frites fallen aus einer Tüte von der Decke des Ausstellungsraums, ein riesiges Tortenstück und ein ca. 3,5 Meter langes Eishörnchen aus schlaffem Stoff liegen auf Sockeln, wie auf einem riesigen Bett im Ausstellungsraum. Ein Eishörnchen aus Kunststoff befindet sich auch auf dem Dach eines Kölner Einkaufszentrums am Neumarkt. Mit derartigen Monumenten im öffentlichen Raum, die in zahlreichen Metropolen der Welt zu finden sind, ist Claes Oldenburg einer großen Zahl von Menschen bekannt geworden.
Claes Oldenburg (*1929 in Stockholm) ist einer der Hauptvertreter der amerikanischen Pop Art. Er gehört zu einer Generation von Künstlern, die sich um 1960 auf die Fahnen geschrieben hatte, die Kunst aus ihren elitären Kreisen zu befreien, sie auf radikale Weise populär und lebensnah zu machen. Mit schöpferischem Elan propagierte er eine neue Kunst, die „trieft, die schwer ist und stumpf und plump und süß und blöd wie das Leben selbst".

Die Ausstellung im Museum Ludwig bietet nun den bislang umfassendsten Überblick zu Oldenburgs künstlerischem Werdegang von den späten 1950er bis in die Mitte der 1970er Jahre. Mit zahlreichen, nur selten in dieser Dichte zu sehenden Exponaten und Werkensembles, beleuchtet sie die Entstehungsgeschichte seines künstlerischen Vokabulars - angefangen mit den historisch bedeutenden Installationen: „The Street", ein Figurenensemble aus Pappkarton, Sackleinen, Zeitungspapier und anderen gebrauchten Materialien, das von Graffiti inspirierte Darstellungen der Schattenseiten Manhattans aufgreift und „The Store", eine Installation von 1961 in seinem New Yorker Laden-Atelier, in dem er nachgebildete Gebrauchsgegenstände, überwiegend Kleidungsstücke und Esswaren wie „White Shirt", „Brown Jacket „ oder „Pastry Case" präsentierte.
Seit 1963 begann Oldenburg die Serie „The Home", für die er Haushaltsgegenstände in verschiedenen Größen und unterschiedlichen Materialien als Soft-, Hard, Giant- und Ghost Versionen anfertigte. Damals entdeckte Oldenburg Vinyl als Werkstoff und entwarf Gegenstände mit makellosen Oberflächen, denen allerdings die Spannkraft fehlt und die von der Schwerkraft zu Boden gezerrt werden. Ein Ventilator, dessen Flügel schlapp herabhängen, eine Toilette, die in sich zusammen sinkt, ein riesiger Mixer, der schlaff von der Decke hängt. Die alltäglichen Gegenstände wirken plötzlich fremd und überraschend. Da sie ihrer Funktion enthoben sind, lenken sie den Blick auf die Form.

Einen Höhepunkt der Ausstellung bildet das „Mouse Museum", ursprünglich für die documenta 5 (1972) geschaffen, das 385 kuriose Gegenstände und Ateliermodelle präsentiert, die Claes Oldenburg über Jahre hinweg gesammelt hat. Ein Kugelschreiber in Form eines Frauenbeins, eine überdimensionierte Zahnbürste, ein Tortenstück aus Plastik. Derartige Dinge bilden eine begehbare Schausammlung von Oldenburgs Motivquellen.

Teils unbekanntes Archivmaterial wie die „Clippings", Ausschnitte aus Magazinen, deren Motive sich später in skulpturalen Werken wiederfinden und von Oldenburg selbst gedrehte Super-8 -Filme sowie Filmdokumentationen seiner Happenings bereichern die Ausstellung weiterhin.

Die Ausstellung wurde von Achim Hochdörfer für das mumok Wien konzipiert, weitere Europastation ist das Guggenheim Museum Bilbao. Anschließend reist sie weiter ins Museum of Modern Art New York und ins Walker Art Center.

Im Museum Ludwig Köln, das auch als größter Leihgeber firmiert, wird sie vom 22. Juni bis 30. September 2012 zu sehen sein. Kurator für das Museum Ludwig ist Dr. Stephan Diederich.


Öffnungszeiten zur aktuellen Ausstellung:
Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage): 10 - 18 Uhr
Jeden ersten Donnerstag im Monat: 10 - 22 Uhr
Montags geschlossen.

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz
50667 Köln
Telefon +49-221-221-26165
museum-ludwig.de

Günther Förg


Das Museum Brandhorst und die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne verfügen über einen reichen Bestand an Werken des Künstlers und Akademieprofessors Günther Förg. Dies ist vor allem den Bemühungen der Sammlerehepaare Anette und Udo Brandhorst sowie Eleonore und Michael Stoffel zu verdanken, die Förgs Arbeiten bereits seit den späten achtziger Jahren sammelten. Eine Auswahl von etwa fünfzig Gemälden, zwölf Fotografien, vierzig Arbeiten auf Papier und neun Plastiken gibt einen vorzüglichen Einblick in viele Facetten des Œuvres von Günther Förg, der im Dezember 2013 im Alter von 61 Jahren verstorben ist.

Die Bezugspunkte im Werk von Günther Förg reichen vom russischen Konstruktivismus, italienischen Rationalismo bis zum Abstrakten Expressionismus und Minimalismus. Dabei nimmt Förg gleichsam die Perspektive einer postmodernen Rückschau ein, der die gesellschaftliche Utopie der Avantgarde abhanden gekommen ist. Und doch unterzieht Förg deren ästhetische Entwürfe einer erfrischenden Aktualisierung. In extremer Zuspitzung führt er gegensätzliche Aspekte der modernen Kunst zusammen: geometrische Strenge trifft auf expressive Spontaneität, der Reichtum und die Last der Erinnerung auf die unbekümmerte Leichtigkeit im Hier und Jetzt.

Ganz konkret zeigt sich diese Gegensätzlichkeit in Förgs Arbeitsweise. Auf der einen Seite unterwirft er den Malprozess einem kalkulierten System von formalen Variationen. Auf der anderen Seite überlässt er zentrale Entscheidungsprozesse seiner momentanen Laune. So entstehen die Bilder stets in einem Zug, ohne Korrekturen und Übermalungen: „Wenn man bei Malerei lang denken muss, wird es schwierig. Manchmal male ich auch ein Bild und habe ein Problem damit. Dann tritt man zurück, sieht es an und dann nimmt man eben eine blaue Farbe und malt blau. Ich überlege mir nicht, ob ich blau malen muss. Sondern ich greife instinktiv zum Blau. Und das ist die Qualität. Wenn Du lang überlegst, wird es verkrampft.“ (Günther Förg, 1997)
In seiner Malerei beschränkte sich Förg nicht auf Leinwand, sondern experimentierte auch mit anderen Geweben oder Papieren, mit Blei oder Holz als Bildträger. Zum Auftrag dienten ihm neben Öl und Acryl auch Gips, Blattgold oder Kreiden. Dabei reizten ihn nicht nur die verschiedenartigen visuellen und taktilen Effekte von Pinselführung und Farbauftrag, sondern insbesondere auch der Widerstand der Materialien, auf deren zufällige Beschaffenheit er künstlerisch reagieren musste.

Die Ausstellung demonstriert die große mediale Vielfalt von Förgs Kunst. Zu sehen sind nicht nur einige hervorragende Gemäldeserien aus den achtziger und neunziger Jahren – etwa der an Cy Twombly erinnernde 7-teilige Werkzyklus mit weißer Kreide auf schwarzem Grund –, sondern auch Fotografien, Skulpturen und Zeichnungen.
Der Fotograf Förg ist mit zwei großartigen Serien vertreten. Die fünf Motive aus der Serie „Gardone“ zeigen sein Interesse, aus der dreidimensionalen Gestalt eine zweidimensionale geometrische Komposition zu filtern. Diesen Kunstgriff bricht Förg jedoch selbst wieder auf, indem er seine Fotografien hinter besonders spiegelndem Glas präsentiert, wodurch Bild und Raum zueinander und zum Betrachter in Bezug treten. Sehr intensiv ist dieses Erlebnis im Saal mit der sechsteiligen Serie „Fenster, Villa Malaparte, Capri“. Die verglasten farbigen Fensteraufnahmen erzeugen ein Spiegelkabinett, das Architektur und Betrachter immer wieder neu positioniert.
Der Bildhauer Förg wird in neun Masken (1990) greifbar, die in Bronze ausgeführt rudimentäre Gesichtszüge zeigen. Sie zählen zu den frühesten Skulpturen Förgs. Vorbereitend dazu entstanden mehrere Serien auf Papier, von denen zwei in der Ausstellung zu sehen sind.

Die Präsentation im Museum Brandhorst sucht das Zusammenspiel von Kunst und Architektur aufzugreifen, das für Förgs Kunst eine zentrale Rolle spielt. Die minimalistische Hängung lässt den Patio im Untergeschoss als eine Gesamtinstallation erscheinen, wobei die streng angewandte Symmetrie in den Kabinetten durch Gegenüberstellungen verschiedener Medien immer wieder durchbrochen wird.

Der Werdegang des 1952 in Füssen geborenen Günther Förg ist eng mit der Stadt München verbunden. In den siebziger Jahren studierte er bei Karl Fred Dahmen an der Akademie der Bildenden Künste in München, reagierte in Werkserien auf Ausstellungen etwa von Cy Twombly im Lenbachhaus oder Blinky Palermo in der Galerie Heiner Friedrich. Seit seinen ersten Einzelausstellungen bei Rüdiger Schöttle waren seine Werke regelmäßig in München zu sehen, und als Professor für Malerei an der Akademie übte er bis zuletzt prägenden Einfluss aus.

Die Präsentation von Arbeiten Günther Förgs im Museum Brandhorst wird im Mai begleitet durch mehrere Abendveranstaltungen, in denen Wissenschaftler und Weggefährten den Künstler und sein Werk würdigen. In Kooperation mit der Akademie der Bildenden Künste wird am 28.5. eine Gedenkveranstaltung zu Ehren von Günther Förg stattfinden.

Die Präsentation wurde kuratiert von Nina Schleif und Achim Hochdörfer.

Öffnungszeiten: Täglich außer MO 10.00 - 18.00
DO 10.00 - 20.00

Museum Brandhorst
Theresienstrasse 35a
80333 München
museum-brandhorst.de


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