Lachen auf hohem Niveau: "Slapstick! Alÿs, Bock, Chaplin, Hein, Laurel & Hardy, Keaton, Matta-Clark

Ausstellungsbesprechung:

... nur noch bis 2.2.2014 | Kunstmuseum Wolfsburg
Eingabedatum: 20.01.2014

bilder

Der Slapstick als Archetyp des Humors schafft Distanz und gleichzeitig menschliche Nähe. Eine Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg widmet sich nun dem Phänomen und stellt vertraute Filmklassiker modernen künstlerischen Positionen gegenüber.

Torten fliegen durch die Luft, klatschen in Gesichter, landen auf Abendgarderoben und festlich gedeckten Tischen. Wie bei einem Slapstick aus vergangenen Zeiten, bewerfen sich die Protagonisten des Ein-Kanal-Videos Tortenschlacht (2003) dreizehn Minuten lang mit 800 kg Backkunst – mit sichtlichem Vergnügen. Alexey Koschkarow, 1972 in Minsk geborener und heute in New York lebender Künstler, reagiert mit seinem Film auf einen Klassiker der Stummfilme: The Battle of the Century (1927) mit Stan Laurel & Oliver Hardy in der legendären Sahnetorten-Straßenschlacht. Die Fähigkeit, über sich und andere zu lachen ist hier die Verbindung, Lachen ein Stück Anarchie.

Ursprünglich bezeichnete der Slapstick ein einfaches Theaterrequisit, das ein Schlaggeräusch imitierte, später das Genre einer kleinen Komödie. Insgesamt zehn bekannte Ausschnitte aus Stummfilmen, vorwiegend aus den 1920er und 30er Jahren, stehen im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung in Wolfsburg. Ausgewählte Schlüsselsequenzen mit Buster Keaton, Harold Lloyd oder Laurel & Hardy tragen die Charakteristika des Slapsticks bis in die Gegenwartskunst.


Wilfredo Prieto, Grasa, Jabón y Plátano, 2006, Fett, Seife und Bananenschale, Durchmesser: ca. 25 cm, Sammlung Jesús Villasante, Courtesy Annet Gelink Gallery, Amsterdam und NoguerasBlanchard, Barcelona

In einem lockeren Ausstellungsparcours arrangierten die Kuratorin Dr. Ute Ruhkamp und ihr Team Objekte, Installationen, Fotografien und Filme. Es ist ein Schlendern zwischen Tortenschlachten, Missgeschicken und kleinen Alltagskatastrophen, wie einer auf der Straße liegenden Bananenschale. Hier ist diese mitten im Raum platziert, wird täglich ausgewechselt und ist mit Fett und Seife zu einem Objekt geschichtet. Der Spanier Wilfredo Prieto (*1978) zitiert mit Grasa, Jabón y Plátano (2006) ein ebenfalls sehr beliebtes Motiv des Slapstick, spielt mit der Aufmerksamkeit der Besucher.

Seit Jahrzehnten bringen Szenen wie der Filmausschnitt aus Gold Rush (1925), in dem der weltberühmte Charlie Chaplin in aller Ruhe und Selbstverständlichkeit einen Lederschuh verspeist, die meisten Menschen zum Lachen. Auch die beschichteten Bänke aus Stahl des niederländischen Künstlers Jeppe Hein (*1974) rufen ein Schmunzeln hervor. Die Objekte der Serie Modified Social Bench wirken wie Spielzeuge für Riesen, die üblichen Proportionen und Konventionen sind aufgehoben. Die Besucher müssen sich aktiv mit dem Sitzmöbel auseinandersetzen, eine Position finden. Hein belegt seine Objekte mit einem sozialen Statement und fordert spielerisch auf, innerhalb der gesellschaftlichen Dynamiken eine individuelle Haltung zu finden und einzunehmen.


Blick in die Ausstellung, Vorne: Timm Ulrichs, (TU/S 20), Der erste sitzende Stuhl (nach langem Stehen sich zur Ruhe setzend), 1970, weiß lackiertes Holz mit 2 Scharnieren, Ed. 156/250, 90 x 45 x 45 cm, Courtesy Wentrup Berlin und der Künstler, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013. Hinten v. l. n. r.: Bruce Nauman, Bouncing in the Corner, No.1, 1968, Video, s/w, Ton, 59:39 min. Bouncing in the Corner, No. 2, 1969, Video, s/w, Ton, 59:58 min., beide Werke: Kunstmuseum Wolfsburg, © VG Bild-Kunst, Bonn 2013. Foto: Marek Kruszewski.

Und so wird der Rundgang durch die Ausstellung zu einer amüsanten Reflexion über Körperreaktionen, Balance und Rhythmik. Sehr treffend beschrieben von Peter Fischli (*1952) und David Weiss (*1952-2012), die ihrem Video Der Lauf der Dinge (1987) den Satz gegenüberstellen: "Am schönsten ist das Gleichgewicht, kurz bevor´s zusammenbricht!"

Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
38440 Wolfsburg
kunstmuseum-wolfsburg.de


Dr. Barbara Borek






Daten zu Francis Alys:

- Art Basel 2013
- Art Basel Hong Kong 2014
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- art cologne 2015
- ARTRIO 2013, Brasilien
- Bienal de Sao Paulo 2016
- Bienal de Sao Paulo, 2010
- Biennale of Sydney 2004
- Biennale Venedig 2007
- Biennale Venedig 2017 Pav
- documenta 13, 2012
- fast forward2 - ZKM, Karlsruhe
- Galerie David Zwirner
- Galerie Peter Kilchmann
- Göteborg Biennial for Contemporary Art, 2011
- Heidelberger Kunstverein
- ikono On Air Festival
- Istanbul Biennial, 1999
- JULIA STOSCHEK FOUNDATION E.V., Sammlung
- La Biennale de Montréal, 2000
- Liverpool Biennial 2018
- MACBA COLLECTION
- Manifesta 10, 2014
- Marrakech Biennale, 2010
- MoMA Collection
- Museo Reina Sofía, Collection
- Museum Morsbroich, 2014
- onLine - MoMA 2010
- Playtime, 2014
- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt
- Sammlung MMK, Frankfurt
- Sammlung, Kunstmuseum Liechtenstein
- Sharjah Biennial 11, 2013
- Solomon R. Guggenheim Collection
- Taipei Biennial 2016
- Tate Post War Collection ,London
- The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989 - ZKM, 2011
- UNENDLICHER SPASS, Schirn, 2014
- UNTITLED 2018

Weiteres zum Thema: Francis Alys



Portikus zieht am 5. Mai 06 in neue Räume


Der Portikus in Frankfurt am Main zieht in neue Räumlichkeiten. Nachdem der ursprüngliche Standort hinter der Fassade der zerstörten Stadtbibliothek im Jahr 2003 aufgegeben werden mußte, wurde das Ausstellungsprogramm des Portikus über fast drei Jahre hinweg im Leinwandhaus fortgesetzt. Tobias Rehberger, Professor für Skulptur an der Hochschule für Bildende Künste - Städelschule, entwickelte eigens für diese Situation eine Architektur, in der mehr als 20 Ausstellungen präsentiert wurden.

Nun tritt die Institution in ihre dritte Phase: Am 5. Mai eröffnen die slowenische Künstlerin Marjetica Potrc und der argentinische Künstler Tomas Saraceno den neuen Raum mit der Ausstellung Personal States / Infinite Actives. Beide Künstler arbeiten architekturbezogen und werden Projekte zeigen, die speziell für das neue Gebäude entwickelt worden sind. Das erste Projekt der Reihe Light Lab von Olafur Eliasson wurde unter dem Glasdach des Gebäudes installiert und ist bei Nacht bereits von außen sichtbar. Über zwei Jahre hinweg werden weitere Lichtinstallationen entstehen und kontinuierlich das Erscheinungsbild des Gebäudes verändern.

Das neue Gebäude wurde von dem Frankfurter Architekten Christoph Mäckler entworfen und befindet sich auf der Maininsel im Zentrum der Stadt. Der Portikus versteht sich in seiner Funktion als ein Produktionsort für zeitgenössische Kunst, dessen Schwerpunkt in der Neuentwicklung von künstlerischen Projekten liegt. Der ungewöhnliche Standort und die Architektur des Gebäudes laden dazu ein, in ein experimentelles Wechselspiel mit den Arbeiten der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler zu treten. Während des ersten Ausstellungsjahres wird der Portikus Projekte verwirklichen von Dan Perjovschi (Juni-August), Francis Alÿs (September-Oktober), Paul Chan (Oktober-November), eine von Michael Krebber kuratierte Ausstellung (Dezember-Januar), John Baldessari (Februar-März, 2007), Judith Hopf & Henrik Olesen (März-April, 2007) und Paulina Olowska (Mai-Juni 2007).
(Presse / Portikus)

Abbildung: Olafur Eliasson, Light Lab, test 1, 2006

PORTIKUS
Alte Brücke 2 / Maininsel
60311 Frankfurt am Main

portikus.de
  • Shortlist "blueOrange" (1.10.03)

  • blueOrange 2004 (19.2.04)

  • SOZIALE KREATUREN. Wie Körper Kunst wird im Sprengel Museum Hannover(29.2. - 13.6.04)

  • Die zehn Gebote - eine Kunstausstellung im Deutschen Hygiene-Museum, Dresden (19.6.-5.12.04)

  • blueOrange 2004

  • Francis Alÿs - Walking Distance from the Studio - Kunstmuseum Wolfsburg 4.09.- 28.11.04

  • Thomas Hirschhorn - Pinakothek der Moderne, München (03.03.-03.07.05)

  • Tacita Dean und Francis Alys - Schaulager Münchenstein / Basel (13.5.–24.9.06)

  • Ideal City – Invisible Cities (Zamosc, PL, 18. 6 – 22. 8.06 /Potsdam 9.9.-29.10.06)

  • Francis Alÿs - Portikus, Frankfurt a.M. (2.9. - 15.10.06)

  • Bin beschäftigt - Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen e.V. (13.10.06 - 7.1.07)

  • "Oppositions and Dialogues" im Kunstverein Hannover (30.5.-9.8.09)

  • Radical Conceptual - MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main

  • fast forward 2. The Power of Motion - ZKM Museum für neue Kunst, Karlsruhe

  • Bild für Bild – Film und zeitgenössische Kunst

  • Spezial: Francis Alÿs im MoMA, New York: Eine Geschichte der Täuschung

  • The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989

  • Wunder

  • Spezial: Alina Szapocznikow im WIELS, Brüssel

  • Posada bis Alÿs. Mexikanische Kunst von 1900 bis heute

  • Teilnehmerliste der documenta(13)

  • BILDERBEDARF. Braucht Gesellschaft Kunst?

  • twitters tages themen kunst

  • Visionen – Atmosphären der Veränderung

  • Lachen auf hohem Niveau: "Slapstick! Alÿs, Bock, Chaplin, Hein, Laurel & Hardy, Keaton, Matta-Clark

  • Aktuelle Buchliste

  • Kunst im TV: ikono On Air Festival.

  • «Go! You sure? Yeah.»

  • Künstler des Jahres 2013

  • Am 02. 02. 2014 enden folgende Ausstellungen

  • Propaganda für die Wirklichkeit

  • Unser aktuelles top 69 Ranking im Februar 2014 - ungefiltert

  • HANS IM GLÜCK – KUNST UND KAPITAL

  • Playtime

  • Manifesta 10 | State Hermitage Museum, St. Petersburg

  • Die top 106 im Mai 2014

  • Unendlicher Spass

  • Broken. Slapstick, Comedy und schwarzer Humor

  • REINES WASSER

  • Künstler liste Ende Oktober 2014

  • Künstlerdatenbank

  • Datenblätter und Kunstkompass

  • Künstlerliste 2015 inklusive Messebeteiligungen

  • Biennalen Künstler Verknüpfungen

  • EchtZEIT – Die Kunst der Langsamkeit

  • Francis Alÿs

  • Neues aus der Künstlerdatenbank

  • Biennale Künstler 14.12.2016

  • Ruinen der Gegenwart

  • top




    Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




      Anzeige
      karma


      Anzeige
      berlin


      Anzeige
      Atelier



      Existenz Kapitel 1: Skizzen

      Ein Ausstellungsprojekt im Oktogon der HfBK Dresden mit Professor*innen, Studierenden, Lehrenden, Absolvent*innen der HfBK Dresden und Gästen. weiter


      Roman Ondak. Based on True Events. Lovis-Corinth-Preis 2018

      Nach wahren Begebenheiten, verheißt der Titel der Schau, doch in unserer Welt der Fake News, alternativen und Post-Fakten ist dieses Versprechen verstörend geworden. Was ist denn wahr und wer bestimmt, was Wahrheit ist? weiter


      Jonathan Meese / Daniel Richter / Tal R - BAVID DOWIE

      Unter dem Titel Bavid Dowie präsentiert das Kunsthaus auf drei Etagen farbintensive Gemälde und Skulpturen, die in einer einmaligen Zusammenarbeit im Vorfeld der Ausstellung entstanden sind. weiter

      Der Begriff - erscheinen - in Texten zur zeitgenössischen Kunst

      Industry erscheinen innerhalb der, Inhaltlich erscheinen seine Arbeiten, Installationen erscheinen als Orte, Institutionen erscheinen diese Forderungen
      Interaktion, erscheinen auf den, interessant erscheinen uns die .... weiter



      IN THE CUT - Der männliche Körper in der feministischen Kunst

      Sexualität als zentrales Thema in der Kunst war bis in die 1970er Jahre vornehmlich vom männlichen Blick auf den weiblichen Körper beherrscht. weiter


      Raum D: Digitale Projekte Malte Bruns

      Bis zum 9. September gibt die neu initiierte Reihe „Raum D: Digitale Projekte“ Einblicke in die Praktiken junger medienkünstlerischer Positionen. weiter


      Raphaela Vogel Ultranackt

      Die neuen Arbeiten in dieser ersten Einzelausstellung ausserhalb ihrer deutschen Heimat entfalten eine Welt, die aufregend und dystopisch zugleich ist.
      weiter


      Jutta Koether Tour de Madame

      Kaum eine andere Künstlerin hat unser heutiges Verständnis von Malerei und von der Kulturlandschaft seit den 1980er Jahren so entscheidend geprägt wie Jutta Koether. weiter


      Jan Bräumer / Sebastian Tröger

      Unter dem Titel Von vielen Möglichkeiten weiß der Dinosaurier nichts präsentiert das Kunsthaus Gemälde, Zeichnungen und Installationen von Jan Bräumer (*1970 in Darmstadt) und Sebastian Tröger (*1986 in Erlangen). weiter


      Ernst Caramelle - Very angenehme Konzeptkunst

      Was ist Wirklichkeit, was nur Schein? Bei den raffinierten Wandgemälden des in Tirol geborenen Künstlers Ernst Caramelle (*1952) verschwimmen diese Grenzen. In der stillen und zugleich eindrucksvollen Einzelausstellung „Very angenehme Konzeptkunst“ zeigt Marta Herford anhand von Zeichnungen, Film, „Lichtarbeiten“ sowie einer eigens für die Lippold-Galerie konzipierten Wandmalerei Caramelles gewitzte und verblüffende Konzeptkunst. weiter

      Elke aus dem Moore ist neue Leiterin der Akademie Schloss Solitude

      Elke aus dem Moore folgt Jean-Baptiste Joly, der die Akademie von Beginn an geleitet hat. weiter


      erreger– | EIGEN frequenz

      Die zweiteilige Ausstellung erreger- | EIGEN frequenz widmet sich vom 17. Mai bis 10. Juni 2018 mit Werken von Prof. Una H. Moehrke sowie von ihren Studierenden und Alumni und einem außergewöhnlichen Begleitprogramm dem Phänomen der Gabe und dem Prinzip von Impuls und Resonanz. weiter


      Herr Fritz, woher stammen die Bilder? Ausstellung zur Provenienzforschung im MKK Dortmund

      „Herr Fritz, woher stammen die Bilder?“ Provenienzforschung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund weiter

      Andreas Wachter – Bilder, Plastiken

      "Nichts erklären – beleuchten" (Andreas Wachter) weiter

      Tatjana Doll erhält den Konrad-von-Soest-Preis 2018

      Tatjana Doll, Professorin für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, erhält den Konrad-von-Soest-Preis. weiter


      Schirin Kretschmann

      Die ortsbezogenen Arbeiten von Schirin Kretschmann bestechen durch ihre Präsenz. weiter


      Christine und Irene Hohenbüchler Räume im Raum

      Die Künstlerinnen Christine und Irene Hohenbüchler (geb. 1964 in Wien) sind bekannt für ihre Installationen, die das Publikum im Sinne einer Multiplen Autorenschaft miteinbeziehen. weiter


      Gert & Uwe Tobias

      2018 endet die Steinkohleförderung und damit eine für die deutsche Geschichte der letzten 150 Jahre prägende Epoche. weiter


      Ulrich Wagner. Urbane Systeme

      Weiß, aber keinesfalls farblos – so präsentieren sich die Werke der Ausstellung „Weiß ist der Grund“ ab 6. Mai im Museum Ritter. Zu sehen sind rund 60 Bilder, Plastiken und Objekte aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter, in denen Weiß eine besondere Rolle spielt. weiter


      DYSTOPIA. Zum 200. Geburtstag von Karl Marx

      Anhand verschiedener künstlerischer Interventionen zeigt die Ausstellung Arbeiten von KünstlerInnen, die sich kritisch mit unserer ökonomischen und sozialen Gegenwart und deren ideellen Hintergründen auseinandersetzen. weiter