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global aCtIVISm

Erweiterter Kunstbegriff

14.12.2013 - 03.03.2014 | ZKM | Museum für Neue Kunst, Karlsruhe
Eingabedatum: 25.12.2013

bilder

Die Ausstellung global aCtIVISm widmet sich dem – im Sinne des erweiterten Kunstbegriffs, demgemäß jeder Mensch ein Künstler ist – Feld einer neuen künstlerischen Ausdrucksform des 21. Jahrhunderts. Der „globale Aktivismus“ ist politisch inspiriert, er macht durch Aktionen, Demonstrationen und Performances im öffentlichen Raum auf Missstände aufmerksam und fordert zur Veränderung bestehender Verhältnisse auf. Anhand von Objekten, fotografischen, kinematografischen, videografischen und massenmedialen Dokumenten zeigt die Ausstellung, wie verschieden die Rolle der Kunst heute in den Weltregionen sein kann.

Die Dynamiken der modernen Demokratie begannen mit der dreiminütigen Gettysburger Rede von Präsident Abraham Lincoln 1863, die ein„government of the people, by the people, for the people“ versprach.
Mit dieser „Erfindung des Volkes“ (Edmund S. Morgan, Inventing the People. The Rise of Popular Sovereignty in England and America, 1988)steht und fällt das Konzept der Demokratie. In der amerikanischen Declaration of Independence (1776) werden den Menschen unveräußerliche Rechte garantiert, darunter „life, liberty and the pursuit of happiness“, vor allem aber, dass die Regierungen, welche diese Rechte sichern, ihre Macht nur mit der Zustimmung der Regierten erhalten (Governments [...] deriving their just powers from the consent of the governed).

Eine Demokratie lebt demzufolge von dieser Dynamik zwischen Regierung und Regierten, zwischen der Politik und dem Volk. Was aber geschieht, wenn diejenigen, die das Volk repräsentieren, die Rechte und Interessen des Volkes nicht mehr beschützen, sondern verletzen? Eine mögliche Antwort hat sich in den letzten Jahrzehnten mit der Gründung von NGOs, non-governmental organisations, gezeigt. Sie übernehmen Aufgaben wie Umweltschutz, Wahrung der Menschenrechte, usw., die ursprünglich von Regierungen wahrzunehmen wären. Eine zweite aktuelle Antwort sind die gegenwärtigen Aktivismuspraktiken, die von den BürgerInnen ausgehen, welche den Dynamiken einer demokratischen Bürgerschaft entspringen. Wie das Wort CIVIS (lat. Bürger) im Wort activism bereits zeigt, handelt es sich dabei um eine neue Form der
„performativen Demokratie“ (P. Weibel): durch Aktionen, Demonstrationen und Handlungen wird im öffentlichen Raum zur Veränderung bestehender Verhältnisse aufgefordert.

Durch Aktionen von Kleingruppen wie Pussy Riot oder Massenbewegungen wie Occupy u.v.a. sind in letzter Zeit wiederholt spektakuläre Protestbewegungen in den Fokus einer weltweiten Öffentlichkeit gerückt. Auf völlig verschiedene aber immer eindrucksvolle Weise zeigen sie, was im weitesten Sinn bürgerschaftliches Engagement bewirken kann. Denn einerseits wird von einer Krise der Demokratie, sogar von einer Postdemokratie, gesprochen. Andererseits jedoch vermehren sich überall auf der Welt vielfältige Bewegungen der Bürgerbeteiligung. Der Slogan der Boston Tea Party (1773), die 1775 zum Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges führte, war: „No taxation without representation“. Die BürgerInnen von heute fordern scheinbar „no taxation without participation“. global aCtIVISm rückt dieses neue Engagement der BürgerInnen in den Fokus einer Ausstellung. Diese ist dazu geeignet, dem Konformismus der so genannten Marktkunst wirksam zu begegnen aber ebenso dem Kulturpessimismus und seiner Klage über die Macht des Konsumerismus.

Mit den Ausstellungen Net_Condition (1999), CRTL [Space]. Rhetorik der Überwachung, von Bentham bis Big Brother (2001) und Making Things Public (2005) hat das ZKM schon früh auf die Optionen und Risiken der digitalen Gesellschaft hingewiesen. Ebenso präsentiert das ZKM seit Jahren Praktiken der künstlerischen Performance und der Partizipation
des Publikums. Diese Praktiken sind nun offensichtlich in die Sphäre der Politik expandiert.

Kunst und Handlung gingen seit der Expansion der Künste Mitte der 1960er-Jahre eine neue Fusion ein, die sich aber aus der rein künstlerischen Intermedialität löste und sich immer mehr um soziale und humane Agenden kümmert. Art und Agency münden in einer neuen Form des Aktivismus. Die Künstlerfunktion wandelt sich vom Werkproduzenten zum Systemflüchtling oder Systemkritiker, der Aufgaben nachgehen kann, die bisher den staatlichen Instanzen, der Justiz, der Ökonomie, der Verwaltung oblagen. Die Kunst bildet gewissermaßen ähnlich wie die Philosophie und die Medientheorie das Exil, in dem grundlegende zivile Aufgaben noch wahrgenommen werden. Mit der Funktion des Künstlers
ändern sich auch seine Medien: Statt Ölgemälden entstehen Flugblätter, Plakate, Graffiti, an die Stelle von Holzskulpturen treten Onlineportale; Transparente, Medienauftritte und Youtube-Videos lösen Kunstfilmproduktionen ab.

Die Ausstellung wird mithilfe von Fotos, Filmen, Videos, Blogs, den sozialen Medien und weiteren massenmedialen Dokumenten den globalen Aktivismus bzw. Artivismus als die erste neue Kunstform des 21. Jahrhunderts zeigen.


KünstlerInnen:
Adbusters Media Foundation, G.M.B. Akash, Anonymous News Germany, ATTAC, Martin Balluch, Zanny Begg, John Beieler, Bombily Group, Ángela Bonadies & Juan José Olavarría, Nadir Bouhmouch, Osman Bozkurt, Campact, Center for Artistic Activism, Chim↑Pom, Noam Chomsky, Ralf Christensen, Chto delat?, Paolo Cirio, Cyber Guerilla, Hassan Darsi, Johanna Domke & Marouan Omara, Electronic Disturbance Theater, Enmedio, Everyday Rebellion, Femen, Noah Fischer, Floating Lab Collective, Freedom of the Press Foundation, Muath Freij, Isabelle Fremeaux & John Jordan, Jakob Gautel & Jason Karaïndros, Greenpeace, Stéphane M. Grueso, Ed Hall, Hedonistische Internationale, Stéphane Hessel, Niklas Hoffmann, Jim Hubbard,
Indymedia, Alexey Iorsh, Just do it (Kim Asendorf & Ole Fach), Amadou Kane Sy, Thomas Kilpper, Kiss my Ba, kreativerstrassenprotest.twoday.net, Mischa Kuball, Jan Jaap Kuiper & Katja Sokolova, Sasha Kurmaz, Christopher LaMarca, Mohammed Laouli, Lynn Lauterbach, Julia Leser & Clarissa Seidel, Let’s Do It!, Viktoria Lomasko, Renzo Martens, Masasit Mati, Mikaela, Mootiro Maps, Carlos Motta, Neozoon, No TAV, occupygezipics.tumblr.com, Otpor!, Partizaning, Jean-Gabriel Périot, Platform, Pussy Riot, R.E.P., Resist, Oliver Ressler, Mykola Ridnyi, Itamar Rose & Yossi Atia, Faten Rouissi, Sandra Schäfer, Bahia Shehab, Lisa Sperling & Florian Kläger, Jonas Staal & Metahaven, Stop the Traffik, Joulia Strauss &
Moritz Mattern, Stuttgart 21-Protest, Jackie Sumell, Surveillance Camera Players, Tanya Sushenkova, Aaron Swartz & Taryn Simon, Take The Square, Pelin Tan, Teatro Valle Occupato, The Yes Men, Thomson & Craighead, Patricia Triki & Christine Bruckbauer, Troika, UK Uncut, Various authors organized by Sharon Hayes with Angela Beallor, Voina, Christoph Wachter & Mathias Jud, Mark Wallinger, WANGO, wearethe99percent.tumblr.com, WikiLeaks, Alexander Wolodarskij, Yomango, Malala Yousafzai, Salam Yousri, und andere,



ZKM | Zentrum für Kunst und
Medientechnologie Karlsruhe
Lorenzstraße 19
zkm.de
PM






Daten zu Mark Wallinger:

- Anthony Reynolds Gallery
- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- art berlin 2017
- Beaufort 2015
- daad Stipendiat
- Dopplereffekt. Bilder in Kunst und Wissenschaft - Kunsthalle zu Kiel
- Fifth edition of Beaufort 2015
- Frieze London 2016
- Galerie Krinzinger
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- Gallery Weekend Berlin 2016
- Istanbul Biennial, 1997
- Kunstverein, GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen
- La Biennale de Montréal, 1998
- Preistraeger 2007, Turner Prize
- Sammlung 20. 21. Jh. Kunstmuseum Basel
- skulptur projekte münster 2007
- Tate Post War Collection ,London
- ZKM Sammlung, Karlsruhe

Weiteres zum Thema: Mark Wallinger



Vom Pferd erzählen. Das Pferd in der zeitgenössischen Kunst - Kunsthalle Göppingen (25.6.-20.8.06)


Das Bild vom Pferd gehört zu den ältesten Motiven der Kunst- und Kulturgeschichte. Die Ausstellung Vom Pferd erzählen zeigt, wie stark dieses Motiv in die Gegenwartskunst wirkt. Vor allem in Fotografie und Video aber auch in Skulptur, Malerei und Installation suchen Künstlerinnen und Künstler den ’Mythos Pferd’ zu fassen. Das Pferd erscheint als Projektionsfigur für Sehnsüchte und Träume, es ist ein Bild von Schönheit, Kraft, Dynamik, von Klasse, Rasse und Macht.

Künstlerinnen und Künstler:
Sonja Alhäuser / Heike Aumüller /Marina Abramovic / John Baldessari / Stephan Balkenhol / Joseph Beuys / Johannes Brus / Berlinde de Bruyckere / Daniele Buetti / Tom Burr / Loris Cecchini / Enzo Cucchi / Charlotte Dumas/ Tamara Grcic / Swetlana Heger / Ottmar Hörl / Jörg Immendorff / Jannis Kounellis / Esko Männikkö / Dirk Meinzer / Olaf Metzel / Yves Netzhammer / Astrid Nippoldt / Ralf Peters / Sigmar Polke / Richard Prince / Thomas Putze / Lois Renner / Anila Rubiko / Anri Sala / Tomas Schmit / Andreas Slominski / Diana Thater / Abisag Tüllmann / Henk Visch / Alexandra Vogt / Mark Wallinger / Jenny Watson / Georg Winter / Christof Zwiener

Publikation:
Im Verlauf der Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog im Hatje Cantz Verlag.

Abbildungen: Swetlana Heger, Playtime (SH & Hermès, photographed by Alexander Gnaedinger), 2002, Colour lambda print

Öffnungszeiten
Di - Fr 13 - 19, Sa, So und an Feiertagen 11 - 19 Uhr,
Mo geschlossen

Kunsthalle Göppingen
Marstallstraße 55, D-73033 Göppingen
Tel. 49 (0) 71 61/65 07 77

goeppingen.de





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