Arnulf Rainer

28. 02. - 3. 05. 2015 | Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Eingabedatum: 02.03.2015

bilder

Mit mehr als 100 Werken aus verschiedenen Werkphasen von 1949 bis heute präsentiert das Museum Frieder Burda eine große Retrospektive des österreichischen Künstlers Arnulf Rainer, der vor kurzem seinen 85. Geburtstag feierte. Die Ausstellung, die in Kooperation mit der Albertina in Wien entstand, macht einmal mehr deutlich, wie vielseitig und bedeutungsvoll das Werk des Künstlers ist, das zu den ebenso zentralen wie einzigartigen Positionen der Kunstgeschichte gehört. Von Anfang an gehörte Arnulf Rainer (1929 geb. in Baden bei Wien) auch zu den wichtigsten Künstlern der Sammlung Frieder Burda.

Die Ausstellung wurde von Helmut Friedel, Intendant des Museum Frieder Burda und langjähriger Kenner des Oeuvres, in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler zusammengestellt und bereits in der Albertina in Wien mit großem Erfolg gezeigt. „Wir freuen uns sehr, dass nach dem Erfolg in der Albertina die Ausstellung nun in den besonderen Räumen des Baden-Badener Museums gezeigt werden kann, aus dem Heimspiel nun ein Auswärtsspiel wird. Der 85. Geburtstag des Künstlers ist die beste Gelegenheit, Rainer als herausragenden Künstler unserer Zeit zu würdigen.“

Der Bogen der ausgestellten Werke, die bis in die frühen 1950er Jahre datieren, spannt sich dabei vom Frühwerk mit den Zentralgestaltungen, Übermalungen und Kreuzdarstellungen über die Selbstdarstellungen der Face Farces ab 1969 und Body Poses und deren Überarbeitungen bis hin zu den Totenmasken ab 1976 und Schleierbildern ab 1995. Zudem werden jüngst entstandene Werke präsentiert. Neben Exponaten aus dem umfangreichen Konvolut des Künstlers in der Sammlung Frieder Burda umfasst die Ausstellung Arbeiten, die von internationalen Museen und privaten Leihgebern zur Verfügung gestellt werden.

Die Ausstellung gliedert sich in verschiedene Werkgruppen, die Rainer jeweils obsessiv verfolgt hat, und vermittelt dabei auch in der Präsentation im Museum Frieder Burda die Parallelität dieser verschiedenen künstlerischen Strategien in seinem Oeuvre. Die bekannten Übermalungen, die eine Auslöschung des ursprünglichen Bildes im permanenten Malprozess vorantreiben, greifen nicht selten das eigene Ich als Thema auf und gehen dabei über in einen performativen Akt. Die konsequente Selbstbeschäftigung mit dem eigenen Gesicht oder Körper hat aber keinen narzisstischen Ursprung. Im Gegenteil: Die künstlerische Existenz dient als einzige verbleibende Legitimation der Kunst im Zeitalter ihres Endes. So werden diese Bilder auch Ausdruck einer gewissen Sprachlosigkeit: „Es gibt für Rainer nichts mehr mitzuteilen außer der Vergegenwärtigung seiner eigenen Existenz“, wie Helmut Friedel sagt.

Das Kreuz ist ein immer wiederkehrendes Motiv im Werk Rainers. Damit orientiert sich der Künstler zum einen an der christlichen Symbolik. Zum anderen fungiert es als „zentrales Orientierungssystem des Menschen, als entscheidende Grundkoordinate“, so Kurator Helmut Friedel, „ohne die eine Ordnung auf der Welt nicht möglich erscheint.“ Mit den Masken, speziell den Totenmasken, und den Bezügen auf die Gesichtsgrimassen von Franz Xaver Messerschmidt tritt noch einmal die in den Bildwelten Rainers immer schwelende Affinität zum Thema Schmerz und Tod deutlich ins Bild. Angefangen mit der frühen Darstellung des „Sterbenden Rainer“ 1949 und eingebettet in den Wiener Kontext spielen die Erfahrungsmomente des Existentiellen wie des Psychologischen, wenn nicht Psychotischen, und ihr großes kreatives Potential immer eine wichtige Rolle. „Von Anfang an war Rainer dem Bild des Todes verpflichtet, der Tod erscheint im seinem Werk als eine ultimative Form des Wahnsinns. Die Auslotung der Grenze des Psychischen ist eine durchgehende Linie in seinem Werk“ (Helmut Friedel).

Konsequent und unbeirrt hat Rainer seine solitäre Position im internationalen Kunstgeschehen der letzten Jahrzehnte verfolgt. Wie der ausführliche Katalog beschreibt, gab es immer wieder auch Auseinandersetzungen mit zeitgleichen Kunstströmungen wie Informel, Zero oder aber dem Wiener Aktionismus, doch kennt Rainers Werk keinen Vergleich. Wie kaum ein anderer hat er in seiner kompromisslosen Suche nach Ausdrucksmitteln von Anfang an radikal neue Verfahrensweisen entwickelt. Zusammen mit Gerhard Richter, Sigmar Polke und Georg Baselitz, Maria Lassnig und Bruce Nauman oder Yves Klein zählt er damit seit den 1960er Jahren weltweit zu den bedeutendsten Künstlern der Nachkriegszeit.

Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b
76530 Baden-Baden

museum-frieder-burda.de


Presse






Daten zu Arnulf Rainer:

- Art Basel 2013
- art basel miami beach, 2014
- art cologne 2015
- documenta 7, 1982
- Dopplereffekt. Bilder in Kunst und Wissenschaft - Kunsthalle zu Kiel
- Galerie Thaddaeus Ropac
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- Gallery Weekend Berlin 2014
- Kunstverein Augsburg
- Mis-Understanding Photography, 2014, GA
- MoMA Collection
- Sammlung 20. 21. Jh. Kunstmuseum Basel
- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt
- Sammlung DZ Bank, Frankfurt
- Sammlung MMK, Frankfurt
- Sammlung Würth
- Sammlung, Kunstmuseum Liechtenstein
- Tate Post War Collection ,London
- ZKM Sammlung, Karlsruhe

Weiteres zum Thema: Arnulf Rainer



"Love/Hate" in der Ursula Blickle Stiftung (9.11.-14.12.03)


Um "Versuche zum großen Gefühl zwischen Kunst und Theater" - so der Untertitel - soll es in dieser Ausstellung gehen. Ausgangspunkte bilden dabei z.B. Bruce Naumans "Violent Incident", Übermalungen Arnulf Rainers oder Arbeiten des polnischen Theaterregisseurs Tadeusz Kantors:

Pressemitteilung / Auszug: Den Tendenzen der Abstraktion und Reduktion in der Kunst stehen solche des Überflusses und der emotionalen Erhitzung gegenüber. Die Kunst als Reflektorin und Interpretin gesellschaftspolitischer Entwicklungsschritte entfaltet sich im dialektischen Spiel. Die Ausstellung Love/ Hate will den großen Gefühlen und Pathosformeln in der neuen Kunst nachspüren: Den Gesten der Leidenschaft, den Icons der Ekstase, den Szenarien der Selbstentäußerung und den Schaustellern der Emotion.

Love/ Hate findet in dem Ideenraum statt, der durch den Film Night of the Hunter, der einzigen Regiearbeit des Schauspielers Charles Laughton, aufgeschlossen wurde. Die Polarität der Gefühle und der Extremismus der Leidenschaft in dieser dunklen, symbolistischen Arbeit haben sich zu einer, bis heute wirkenden visuellen Metapher verdichtet: Love und Hate als Tätowierung auf den Knöcheln des Hauptdarstellers Robert Mitchum.

In einer Epoche, die mit Fernsehproduktionen wie Starmania, Popstars und Superstars das Starprinzip demokratisiert und potentiell die ganze Welt zur Bühne macht, ist die Frage nach dem Verhältnis des Theaters in einem exklusiven ästhetischen Raum zu den Selbstdarstellungsritualen im Weichbild der Städte neu zu stellen, und mit den Mitteln der Kunst zu vermessen. Wie viel an Authentizität und Unmittelbarkeit steckt in dem durch das Handwerk des Theaters gefilterten Bühnen-Bild und wie viel Künstlichkeit beherrscht die Auftrittsrituale auf den Catwalks eines urbanen Szenarios (Disco, In-Lokal, Kultur-Event), die einer vorbestimmten Dramaturgie folgen und längst einen performativen Kodex festgelegt haben? . . ."

Künstlerliste: Samuel Beckett, Katia Bourdarel, Philip-Lorca diCorcia, John Hilliard, Runa Islam, Isaac Julien, Tadeusz Kantor, Elke Krystufek, Ursula Mayer, Bruce Nauman, Chloe Piene, Arnulf Rainer, Markus Schinwald, Tany

Ausstellungsdauer: 9.11.-14.12.03
Öffnungszeiten: Mittwoch 14 — 17 Uhr | Sonntag 14 — 18 Uhr

Ursula Blickle Stiftung | Mühlweg 18 | D-76703 Kraichtal-Unteröwisheim | Tel.: 07251-60 91 9
ursula-blickle-stiftung.de

Arnulf Rainer in der Kunsthalle Jesuitenkirche / Aschaffenburg (31.1.-18.4.04)


Seit dem 1.1. 2004 heißt die ehemalige „Städtische Galerie“ in Aschaffenburg Kunsthalle Jesuitenkirche. Zum 75.Geburtstag Arnulf Rainers wird jetzt eine Retrospektive seiner Werke - u. a. bisher noch nie ausgestellte Arbeiten - gezeigt.

"„Kunst ist nicht das Leben, Kunst ist eine Komprimierung des Lebens“ -
so der am 8. Dezember 1929 in Baden, einer Kleinstadt in der Nähe von Wien, geborene und international bekannte Künstler Arnulf Rainer, dem am 25. Juni 2004 die Ehrendoktorwürde der Katholischen Fakultät, Münster, verliehen wird.
Dem vielfach ausgezeichneten Künstler wurde erst im November 2003 der mit 50.000,- € dotierte Rhenus-Kunstpreis im Städtischen Museum Abteiberg in Mönchengladbach überreicht. Damit ist Rainer neben Baselitz und Polke der dritte Künstler, der mit diesem Preis ausgezeichnet wurde.
. . .
Für Aschaffenburg hat Arnulf Rainer zudem eine besondere Bedeutung: 1960 stellte Arnulf Rainer in der bedeutenden Avantgarde-Galerie, der Galerie 59, zusammen mit Maria Lassnig, Josef Mikl und Markus Prachensky aus. Aus diesem Grunde wurde eine Ausstellungsreihe ins Leben gerufen, die „Rückkehr“ betitelt ist. Arnulf Rainer ist nun der letzte aus dieser damaligen Künstlergruppe, der - zudem im Jahr seines 75. Geburtstages - in der Kunsthalle Jesuitenkirche als krönender Abschluss dieser Reihe präsentiert wird.

1948 wendet er sich zunächst dem Surrealismus zu. Die Begegnung mit dem Künstler Jean-Paul Riopelle wird Rainer erstmalig mit der in Amerika geprägten Kunstrichtung des Informel vertraut machen. Die reine Linienführung als alleiniges künstlerisches Ausdrucksmittel ohne gegenständliche Bindung wird in Folge bei Rainer zu einer Darstellung führen, die er Atomisation nennt. In der surrealisti-schen Tradition der écriture automatique experimentiert Rainer mit der Technik des automatischen Zeichnens unter Ausschaltung jeder bewussten Kontrolle und gestaltet in den frühen 50er Jahren Mikrostrukturen, Optische Dezentralisationen, Zentralisationen und Blindzeichnungen. Rainer arbeitet nun bereits in Serien; 1953/54 entstehen die ersten Photoposen, während zeitgleich die bekannteste Werkgruppe (1953-1965) ihren Anfang nimmt: die Übermalungen. Ab 1970 widmet sich Arnulf Rainer zahlreichen Photo-Serien (den Face Farces, den Body Language…).
Mitte der 70er Jahre beginnt er seine Kunst auf Kunst-Serien, indem er Photo-graphien von Werken von Doré, Zanetti, Leonardo, Messerschmidt, Van Gogh, Rembrandt und Goya überarbeitet. Die Ausstellung umfasst zudem aktuelle Arbeiten, wie die Serie der Geologica und die Schleierbilder." (Quelle: Kunsthalle Jesuitenkirche / Presse)

Foto: Kunsthalle Jesuitenkirche: Arnulf Rainer: Kimonokreuz, 1988/89, Öl auf Holz, 186,5 x 164 cm © Arnulf Rainer

Öffnungszeiten: Di: 14 – 19 Uhr, Mi – So: 10 – 17 Uhr, Montag geschlossen

Ausstellungsdauer: 31.1.-18.4.04

Kunsthalle Jesuitenkirche | Pfaffengasse 26 | 63739 Aschaffenburg | Telefon: +49 (0) 6021 / 21 86 98
galerie-aschaffenburg.de/jesuitenkirche/index.htm


  • "Love/Hate" in der Ursula Blickle Stiftung (9.11.-14.12.03)

  • KUNSTKÖLN: Einblicke in die Sammlung Charlotte Zander (21.-26.04.2004)

  • Sammlung Frieder Burda - Baden-Baden (23.10.04-20.02.05)

  • Stefan Moses - Stiftung Moritzburg, Halle (16.07.-04.09.05)

  • Vom Informel bis heute, Städtische Galerie Erlangen (8.10.-20.11.05)

  • Schlussbericht: ART COLOGNE - Spitzenverkäufe bestätigen Köln als internationalen Kunstmarktplatz

  • Wiener Aktionismus - Die Sammlung Hummel, MOMOK Wien(5.05-16.07.06)

  • Tilo Baumgärtel – Made in Leipzig, Kunsthalle Emden (1.7.-8.10.06)

  • 110 Werke von Arnulf Rainer für die Pinakothek der Moderne München

  • Schlussbericht: ART COLOGNE 2007 mit Erfolg ins Frühjahr verlegt

  • Arnulf Rainer - Dieter Roth, Deichtorhallen Hamburg (6.9.07-6.1.08)

  • Mind Expanders - Museum Moderner Kunst, Wien (25.7.08 – 30.8.09)

  • Die Nacht und ihre Kinder - Neues Museum Weimar (27.8. - 5.11.06)

  • Dopplereffekt. Bilder in Kunst und Wissenschaft - Kunsthalle zu Kiel

  • Arnulf Rainer. Der Übermaler - Alte Pinakothek, München

  • Arnulf Rainer. VISAGES - Arnulf Rainer Museum, Baden

  • Lebenslinien - Stationen einer Sammlung

  • Aufbruch. Malerei und realer Raum

  • terra incognita. Weltbilder – Welterfahrungen

  • VALIE EXPORT

  • Aufbruch - Malerei und realer Raum

  • Erweiterungsbau des Frankfurter Städel Museums

  • Weltsichten

  • Farbe Form Fotografie Fläche

  • Eine Handvoll Erde aus dem Paradies

  • JESUS RELOADED

  • (Mis)Understanding Photography

  • 40 Jahre Sammlung - 10 Jahre Museum Frieder Burda

  • Heimo Zobernig im Österreichischen Pavillon 2015

  • Künstler liste Ende Oktober 2014

  • Arnulf Rainer

  • Arnulf Rainer

  • GESICHTER – EIN MOTIV ZWISCHEN FIGUR, PORTRÄT UND MASKE

  • Datenblätter und Kunstkompass

  • Künstlerliste 2015 inklusive Messebeteiligungen

  • Künstler mit 18,19 oder 20 Erwähnungen

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  • Poesie der Veränderung

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