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Inge zu Fuß zur Arbeit

Eine Ausstellung von Markus Draper

3. 10. 2015 bis 31. 01. 2016 | Kulturhistorisches Museum Görlitz
Eingabedatum: 01.10.2015

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Als im Frühsommer 1990 zehn lange gesuchte RAF-Terroristen in der DDR verhaftet wurden, war das Erstaunen auf beiden Seiten der zu diesem Zeitpunkt noch bestehenden deutsch-deutschen Grenze groß. Ausgestattet mit neuen Identitäten, hatte die Staatssicherheit die Aussteiger in der DDR versteckt. Die Wohnorte der Aussteiger lagen dabei nicht am Rand der Gesellschaft, sondern in Plattenbauten inmitten von Neubaugebieten in Magdeburg, Schwedt, Senftenberg, Neubrandenburg und Berlin. Der Berliner Künstler Markus Draper hat dieses Thema in einem jüngst entstandenen Zyklus großformatiger Plastiken aufgegriffen. Nach umfangreichen Recherchen hat er die Wohnhäuser, in denen die RAF-Aussteiger verhaftet worden waren, in Modellen nachgebaut. In Metall gegossen, repräsentieren die Modelle alltägliche Schauplätze eines bis heute mit Mythen behafteten Kapitels der jüngeren deutschen Geschichte. Zusammen mit weiteren neu entstandenen Werken Drapers werden sie im Rahmen der Ausstellung „Inge zu Fuß zur Arbeit“, die das Kulturhistorische Museum Görlitz ab 3. Oktober als einen Höhepunkt seiner diesjährigen Ausstellungssaison zeigt, erstmals zu sehen sein.

„Inge zu Fuß zur Arbeit“ ist eine sich in mehreren Szenen entfaltende Reflexion über das Alltägliche in der DDR der 1980er Jahre. In der ersten Szene wird eine Videoinstallation mit Aufnahmen eines Backenbrechers gezeigt, einer Maschine, die zum Zerkleinern von Bauschutt dient. In großformatigen Projektionen erscheint das Mahlwerk als Sinnbild eines autoritären Staates und gleichzeitig als eine Visualisierung vom Verarbeiten, „Verdauen“ und „Ausspucken“ von Geschichte.

Im Mittelpunkt der zweiten Szene steht ein Gemäldezyklus, für den Markus Draper die Tagebücher seines Vaters verarbeitet hat. Während der 1980er Jahre hatte dieser sein Leben in einer einzigartigen, als großformatige Tabelle gestalteten Chronik reflektiert. In einer weiteren Szene zeigt Markus Draper einen Gemäldezyklus, zu dem ihn Setfotografien der vor einigen Jahren in Görlitz entstandenen Verfilmung des Romans „Der Turm“ von Uwe Tellkamp inspirierten. Er ist ein Ausgangspunkt, um über die Schwierigkeit von vermeintlich realistischen Geschichtsdarstellungen zu diskutieren.

Die Ausstellung versteht sich als ein wichtiger Beitrag zum 25jährigen Jubiläum der deutsch-deutschen Wiedervereinigung, auf das sie bewusst mit den Mitteln zeitgenössischer Kunst reagiert. Sie wird von namhaften Stiftungen und Geldgebern unterstützt, unter anderem von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Wüstenrot-Stiftung, der Hypo-Kulturstiftung außerdem von der Stadtwerke Görlitz AG, der KommWohnen Görlitz GmbH, der INFOTECH GmbH Görlitz sowie dem Architekturbüro Christian Weise, Görlitz.

Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Buch im Leipziger Verlag Spector Books. Es enthält unter anderem ein ausführliches Interview mit dem RAF-Aussteiger Ralf Baptist Friedrich über sein Leben in Schwedt in den Jahren 1980 bis 1990.
Darüber hinaus ist ein umfangreiches Begleitprogramm mit Podiumsgesprächen, Lesungen, museumspädagogischen Angeboten, Filmvorführungen und thematischen Führungen geplant.

< Kulturhistorisches Museum
Neißstraße 29,
02826 Görlitz
museum-goerlitz.de

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