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Adele Röder und Lynette Yiadom-Boakye

30. 10. 2015 - 14. 02. 2016 | Haus der Kunst, München
Eingabedatum: 29.10.2015

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Zum zweiten Mal bietet das Haus der Kunst jungen, international aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern im Format von KapselAusstellungen die Möglichkeit, neue Werke zu zeigen. In diesem Jahr sind die beiden in London lebenden Künstlerinnen Adele Röder (DE *1980) und Lynette Yiadom-Boakye (UK *1977) eingeladen.

Für das Format der Kapselausstellung steht je ein Ausstellungsraum zur Verfügung, der eine selbstständige Einheit bildet. Doch besteht zwischen den Werken beider Künstlerinnen ein übergreifender inhaltlicher Bezug, denn sie beschäftigen sich mit der Repräsentation von Körpern.

Lynette Yiadom-Boakye
Die eigens für diese Ausstellung entstandene Serie von Ölgemälden zeigt Figuren in einer Umgebung, die weder zeitlich noch örtlich genauer definiert ist. Es sind Menschen des 20./21. Jahrhunderts, jedoch handelt es sich dabei nicht um Abbilder realer Personen. Lynette Yiadom-Boakye betrachtet ihre Figuren nicht als Porträts, weil deren Züge weder einen bestimmten Charakter, noch eine Gemütslage erkennen oder auf eine Situation schließen lassen. Sie ist weniger am Individuellen als am Menschenbild bzw. an der Darstellung von Menschlichem an sich interessiert. Hinweise auf die Angehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Schicht fehlen. Modische Accessoires wie Schuhe, räumliche Details wie Möbel, sowie Landschaften bleiben unspezifisch.

Sie zeigt ihre Figuren einerseits in vorbeiziehender Bewegung, was an ein zeitgenössisches urbanes Umfeld denken lässt, in dem Leute im Aufbruch oder in Eile sind. Andererseits sehen wir sie häufig in tänzerischer Haltung. Alles Situative bleibt unausgesprochen und flüchtig.

Mit der Darstellung extremer Emotionen oder Sexualität etwa hält sich die Künstlerin ebenso zurück, wie mit der Zurschaustellung von klassischer weiblicher Schönheit. Ihre Perspektive ist multifokal: Während die Betrachterin sowohl auf die weibliche als auch auf die männliche Figur sinnlich blicken kann, und ebenso der Betrachter auf den Mann, achtet Yiadom-Boakye darauf, dass keine ihrer weiblichen Figuren eine Pose einnimmt, die im herkömmlichenSinne einen männlichen voyeuristischen Blick erlaubt.

Entsprechende Vorläufer in der Kunstgeschichte wie z.B. die liegende weibliche Figur meidet sie ganz.

Zu den Künstlern, die Lynette Yiadom-Boakye beeinflusst haben, gehören Zeitgenossen wie Chris Ofili und Isaac Julien sowie historische Vorbilder wie Edouard Manet oder John Singer. Sie selbst ist britisch-ghanaischer Abstammung. Darauf angesprochen, dass die von ihr gemalten Figuren ausnahmslos „schwarz“ sind, antwortet sie, sie seien „dunkel gemalt“ (tinted black) – eben weil die Künstlerin die Welt mit ihren eigenen Augen sieht. “Die Leute sind versucht die Tatsache, dass ich schwarze Figuren male, zu politisieren, und diese Komplexität ist auch tatsächlich ein wesentlicher Teil meines Werks. Aber den Ausgangspunkt bildet immer die Sprache der Malerei und ihre Beziehung zum Bildgegenstand.“

Ihre dunkel gemalten Figuren, farbige Schatten, das Aufeinandertreffen zweier Farben und die Wahl des Hintergrunds bilden ein Spektrum, in dem sich einzelne Lichtakzente umso stärker abheben. Sie experimentiert mit schnell trocknenden Farben. Ein Gemälde entsteht meist an einem Tag, maximal innerhalb von zwei Tagen. Der Akt des Malens ist für sie eine intensive, zeitlich begrenzte Übung. Darin kommt ihr Vorbehalt gegenüber dem Begriff des ‚Meisterwerks‘ zum Ausdruck, und die Offenheit ihres Bildverständnisses, das charakteristisch ist für eine Malerin ihrer Generation.

Adele Röder
Adele Röder versteht ihre Arbeit als migratorisch oder, wie sie es nennt, als „obdachlos“: „Der Gedanke von Obdachlosigkeit bedeutet, dass ich dem Generieren einer Idee Raum gebe, (zunächst) ohne über Materialität nachzudenken.“ Entsprechend wählt sie jeweils ganz unterschiedliche Materialien und stellt einzelne Werkelemente in immer neue Zusammenhänge. Der menschliche Körper ist dabei das Instrument, mit dem sie sich die Welt erschließt.

Im Haus der Kunst zeigt Adele Röder eine neue Werkgruppe mit dem Titel „O L Y M P I A, or: Message from the Dark Room“ (2015). Ihr liegt die Ausdruckssprache des Körpers zugrunde. Mit einer kleinen Auswahl an Kreisen, Kreissegmenten und L-Formen, die auf den Formen ihres COMCORRÖDER-Projekts (seit 2010) basieren, hat Adele Röder Variationen und Details von Körperhaltungen gezeichnet. Sie können wie ein Index verschiedener Ausdrucksformen und Lebenssituationen gelesen werden – Säugling und Skelett bilden die
Klammer, die das menschliche Dasein umfasst. Die Zeichnungen materialisieren sich auf zwei verschiedene Weisen: als Diaprojektion im Loop und als Neonröhren.

Seit vielen Jahren sammelt Adele Röder Fotografien von prähistorischen Grabstätten. Die Körperhaltungen der gefundenen Skelette und geröntgten Mumien scheinen bis heute verständlich und lesbar: „Bestimmte Haltungen und Positionen sind Formen einer rudimentären Sprache, mit der kulturelles Wissen über Jahrtausende hinweg übertragen wird.“ (Adele Röder)

Die Serie „O L Y M P I A“ erzählt von Körperhaltungen als archaischer Grundform, als Alphabet zwischenmenschlichen Austauschs. In der Diaprojektion und den Neonröhren verbinden sich die abstrahierten Abbilder des Körpers mit der Immaterialität und der Energie des Lichtes. Damit ist nicht nur die Vergänglichkeit der materiellen Hülle angesprochen, sondern auch die Energie zwischenmenschlichen Austauschs.

Mit ihrem Index von Körperhaltungen verbindet Adele Röder gesellschaftliches mit intuitiv persönlichem "Wissen". Ihre Untersuchung von Verhaltensweisen ist nicht nur Darstellung des Gewesenen und Gegenwärtigen, sondern auch Adele Röders persönliche Vision des Kommenden. Und sie führt zu ganz spezifischen Fragen wie z.B. nach dem Verhältnis von Arbeit zu Alltag und Ruhe, das die Künstlerin in Posen von tiefer Entspannung und Schlaf notiert.

Haus der Kunst München
Prinzregentenstraße 1
80538 München
Germany

Haus der Kunst

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