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Vija Celmins

20. 11. 2015 - 31. 01. 2016 | Wiener Secession
Eingabedatum: 20.11.2015

bilder

Vija Celmins ist seit den 1970er-Jahren für ihre eingängigen Sujets – Meere, Wüsten, Nachthimmel und Spinnennetze –, die sie in diversen Medien umsetzt, bekannt. In ihrer ersten Einzelausstellung in Österreich zeigt die Künstlerin über 70 Arbeiten aus ihrem druckgrafischen Oeuvre. Die von Vija Celmins selbst zusammengestellte Retrospektive in der Secession umfasst fünf Jahrzehnte ihres Schaffens: von Radierungen aus ihrer Studienzeit in den frühen 1960er-Jahren hin zu einer Reihe neuer, bislang nicht gezeigter Editionen.

Vija Celmins’ Motive basieren auf Fotografien und gefundenen Drucksachen: Sie isoliert diese Vorlagen von ihrem Ursprungskontext und führt sie in einem neuen Medium wieder zusammen. Durch die wiederholte Interpretation weniger Motive verschiebt sie die Aufmerksamkeit vom Motiv auf das Material, das sie in seinen spezifischen Eigenheiten und auf seine Wirkung hin untersucht. Innerhalb der großen Bandbreite an Medien, in denen Celmins arbeitet, kommt der Druckgrafik daher große Bedeutung zu: Sie steht gleichrangig neben Zeichnung, Malerei und Skulptur.

Die Drucke, für die Vija Celmins in Kupferplatten kratzt, Holz schneidet und auf Stein zeichnet, zeigen ihr großes Interesse an den verschiedenen handwerklichen Prozessen. Die Erkundung der traditionellen Drucktechniken und ihrer Möglichkeiten liegen in Celmins’ herausragenden zeichnerischen Fähigkeiten begründet. In den 1970er-Jahren begann sie mit dem der Zeichnung am nächsten stehende Flachdruckverfahren der Lithografie; am Beginn der 1980er-Jahre dominieren die Tiefdruckverfahren – Radierung, Mezzotinto und Holzschnitt. Die wohl häufigste Technik bei Celmins ist das Mezzotinto, bei der die weißen Stellen aus der Druckplatte ausgeschabt werden: je tiefer, desto heller. Es erlaubt eine große Variation samtiger Halbtöne – ideal für Celmins, um aus ihren schwarz-weißen Vorlagen die farbigen Qualitäten der fein abgestuften Grautöne zu gewinnen.

Vija Celmins betreibt für ihre Drucke einen erheblichen handwerklichen Aufwand, jedoch verschleiern die Arbeiten oft ihre Herstellung und lassen erst bei eingehender Betrachtung ihren Nuancenreichtum und die Intimität des geduldigen Aneignungsprozesses erkennen. Über ihren Holzschnitt Ocean Surface (2000), der in einem fünfjährigen Arbeitsprozess entstanden ist, sagt die Künstlerin: „… wenn man genauer hinsieht, kann man sehen, dass meine Markierungen so mechanisch nicht sind. Meine Hoffnung ist, dass Ruhe und Bewegung, Flächigkeit und Tiefe sich die Waage halten. Ich mag es, wenn die erste Erscheinung etwas verbirgt, sodass die Arbeit wie ein Foto aussieht, aber wenn man nahe herantritt, erkennt man, dass sie von Hand gemacht, in Holz geschnitten ist: eine Art Überraschung.“ (The Prints of Vija Celmins, The Metropolitan Museum of Art, New York 2002, S. 43)

Celmins’ Werke halten das Gleichgewicht zwischen Abstraktion und Abbild, zwischen Oberfläche und Proportion, zwischen der Andeutung von Bewegung und Reglosigkeit. Trotz ihrer kleinen Formate haben sie eine relativ große Weite. Viele der Bilder lassen an grenzenlose Räume und Handlungen denken, die eine neue, physisch gegenwärtige und unwandelbare Gestalt angenommen haben. Mit einer Struktur aus gleichwertigen Elementen und ohne perspektivische Fluchtpunkte bietet der Bildraum den BetrachterInnen keine räumliche Orientierung, sondern setzt sie der Totalität der Erfahrung von Meer, Wüste oder Sternenhimmel aus. An den Bildrändern wird dieser Eindruck jedoch gebrochen und auf das Material des Bildträgers Papier zurückgeführt, wodurch der Platzierung des Druckmotivs auf dem Blatt eine besondere Bedeutung zukommt. Dazu Vija Celmins in einem früheren Interview: „Weil meine Bilder oft immer weitergehen, als wären sie endlos, muss ich ihnen behutsam ein Ende setzen. An den Rändern bricht man mit der Illusion eines fortlaufenden Raums und nimmt die Gemachtheit wahr – den Prozess, in dem das Werk als Fiktion entsteht.“ (Ebd., S. 14)

Vija Celmins
Vija Celmins' Arbeiten wurden in den letzten 40 Jahren in zahlreichen Museen weltweit gezeigt. Zu ihren Einzelausstellungen zählen: 1973 im Whitney Museum, New York, 1992 im Institute of Contemporary Art, Philadelphia, 2002 im Metropolitan Museum, New York, 2006 im Centre Pompidou, Paris, und im Hammer Museum, UCLA, Los Angeles, 2010 in der Menil Collection, Houston, Texas, 2011 im Museum Ludwig, Köln und 2014 im Lettischen Nationalen Kunstmuseum, Riga.

Parallel wird die Ausstellung "Julia Haller: Smile from the Streets You Hold" gezeigt.

Vereinigung bildender KünstlerInnen Wiener Secession
Friedrichstraße 12,
1010 Wien
secession.at


Presse



Daten zu Vija Celmins:


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