BERGE BEGEGNEN SICH NICHT

Sechs Iranische Künstler

17.1.-20.3.2016 | Michael Horbach Stiftung, Köln
Eingabedatum: 09.01.2016

bilder

Berge begegnen sich nicht, wohl aber Menschen.
Dieses alte persische Sprichwort gehört zu den ältesten und den am weitesten verbreiteten. Gemeint ist unter anderem die Situation, bei der entfernte Freunde sich an einem dritten Ort treffen. Bei der aktuellen Ausstellung der Michael Horbach Stiftung treffen sich sechs junge KünstlerInnen mit persischen Wurzeln an einem neutralen Ort in der Kölner Südstadt, um gemeinsam eine von Gérard A. Goodrow kuratierten Ausstellung zu bestreiten.

Von Bildern und Zeichnungen über Objekten und Installationen bis hin zur Fotokunstsind sämtlicheMedien vertreten. Allesamt zwischen 1971 und 1980 geboren, die sechs TeilnehmerInnen – Mahssa Askari, Bahar Batvand, Gila Abutalebi, Linda Nadji, Reza Nadji und Pari Moradi – stehen Pate für eine junge bis mittlere Generation deutscher Gegenwartskünstler mit Migrationshintergründen, die – in geschickter Kombination mit den Erfahrungen und Erlebnissen in der neuen Wahlheimat – mal mehr, mal weniger Ausdruck in ihren höchst differenzierten Arbeiten finden.

Als Kind hat Bahar Batvand(*1974 inAhwaz, lebt inDüsseldorf) den ersten Golfkrieg hautnah miterlebt – Prägungen, die bis heute integraler Bestandsteil sowie Anstoß ihrer vielschichtigen künstlerischen Arbeiten sind. In der Regel sind es Schrottteile und das sogenannte Unnütze, die ihr als Untergrund für ihre Deformationen dienen. Die Zerstörung des Materials zieht sich wie ein roter Faden durch ihr malerisches Oeuvre. Dennoch versteht Bahar Batvand Zerstörung nicht zwangsläufig als etwas Negatives; es geht ihr vielmehr um den Vorgang der Veränderung, um das Prozesshafte.

Mit 29 Jahren ist Reza Nadji(*1978 in Teheran, lebt in Berlin) zum ersten Mal in die Heimat seiner Eltern gereist – und kam zurück mit einem beeindruckenden Portrait einer Stadt voller Widersprüche. In Teheran stieß er auf eine krasse Diskrepanz zwischen der staatlich diktierten islamischen Lebenswelt und der tatsächlichen. Nadji verzichtet weitgehend auf Menschen in seinen Fotos, gerade an Orten, wo man sie eigentlich erwartet – und will so zum Nachdenken über die aktuelle Situation der Iraner anregen.

Gila Abutalebi(*1971 in Ried, Österreich, lebt in Köln) geht gänzlich anders mit ihren iranischen Wurzeln um. Das Multitalent, das auch im Bereich der Sprachkunst tätig ist, setzt handgeschriebene Buchstaben als malerisch-abstrakte – aber auch erzählerische und metaphorische –Zeichen in Szene. Dabei handelt es sich hier weniger um eine kulturell bedingte Zuneigung zur Kalligrafie, sondern vielmehr um eine Faszination mit der Mehrdimensionalität der Sprache. Neben der Schrift, beider ausschließlich lateinischeBuchstaben – vor allem die Buchstabe K – verwendet werden, spielen auch vorwiegend transparente Materialien eine wesentliche Rolle in ihren buchstäblich mehrschichtigen Kunstwerken.

Mithilfe mehrfach überlagerter, semitransparenter Farbschichten erzeugt Mahssa Askari(*1980 in Khoramshahr, lebt in Düsseldorf) eine ebenfalls ungewöhnliche malerische Spannung. Ihre Motive sind meist klassisch – und dennoch sind sie einer enigmatischen Neuinterpretation unterzogen. Häufig wirken ihre Bilder wie Filmsequenzen; Perspektiven verschieben sich, so dass das Auge sich beim Betrachten der Motive immer wieder neu einstellen muss. Hierbei geht es ihr mehr als andere darum, die Fläche, das Lichtspiel der Farben, die Erinnerung und die Fantasie zu einer Einheit verschmelzen zu lassen.

In Linda Nadjis (*1972 in Teheran, lebt in Köln) Bildern und Objekten, die meist auf alltägliche Gegenstände beruhen, wird das Transitorische buchstäblich festgehalten – in Beton oder Bronze gegossen bzw. aus Keramik geformt oder einfach auseinander genommen und neu zusammengestellt. In allen Fällen handelt es sich um einen Akt der gesteigerten Wahrnehmung, denn das, was im Alltag häufig für selbstverständlich genommen wird, wird durch Nadjas Verwandlung nicht nur sichtbar, sondern auch und vor allem wahrnehmbar. Durch die Transformation alltäglicher Gegenstände ändert sie nachhaltig unsere Sehgewohnheiten.

Auch Pari Moradi(*1977 in Teheran, lebt in Köln) setzt sich mit ihren delikaten Zeichnungen mit Motiven aus dem Alltag auseinander. Seit mehreren Jahren befasst sie sich mehr oder weniger ausschließlich mit Tongefäßscherben als Metapher für den Menschen. Alleine oder in kleinen Gruppierungen, auffällig ist, dass jede Scherbe ein Unikum, d.h. ein Individuumist. Obwohl sie nur buchstäblich Bruchstücke sind, besitzen sie viel mehr Eigencharakter als ganze, unversehrte Gefäße, die meistens nach einem mehr oder weniger standardisierten Muster geformt und gebrannt werden. Jede einzelne Scherbe ist also ein Unikat, das nie geplant oder gar gestaltet wurde, sondern aus einem beglückt unglücklichen Zufall entstanden.

Zudem in den beiden Kabinetträumen: Being Refugee

Being Refugee ist ein Projekt des Fotografen Hartmut Schneider, bei dem Flüchtlinge in ihrer Erstaufnahmeeinrichtung mit der Benutzung von Kameras vertraut gemacht wurden und dann ihr Camp (eine Turnhalle in Bergisch Gladbach-Sand), andere Flüchtlinge, ihre Lebensbedingungen, ihre Kinder, Freundschaften, die Begegnung mit dem Ort, der Stadt, mit den Betreuern fotografisch dokumentierten.Von den entstandenen 4500 Fotos werden ca. 250 in einer großen Collage und als Videoprojektion gezeigt.Das Projekt wurde von der Michael Horbach Stiftung finanziell unterstützt.


Kunsträume der Michael Horbach Stiftung
Wormser Straße 23
50677 Köln


Presse








Weiteres zum Thema: Reza Nadji



gute Aussichten - Haus der Photographie / Deichtorhallen, Hamburg (22.1.-1.3.09)


Die Ausstellung präsentiert die neun Gewinner/innen des Nachwuchsförderungs-Projektes "gute aussichten - junge deutsche fotografie 2008/2009". Die Arbeiten der Künstler wurden aus insgesamt 103 eingereichten Arbeiten von 39 deutschen Hochschulen, Akademien und Universitäten ausgewählt.

Die Jury bestand aus: der Initiatorin Josefine Raab (Wiesbaden), der Leiterin der Kunstsammlung der DZ Bank Luminita Sabau, (Frankfurt/Main), dem Künstler Norbert Bisky (Berlin), dem Art Director Mario Lombardo (Berlin), dem Fotochef der Zeitschrift "brand eins" Stefan Ostermeier (Hamburg) und dem Kurator des Hauses der Photographie, Deichtorhallen, Ingo Taubhorn (Hamburg)

Die Ausstellung umfasst 174 einzelne Motive, neun Tondokumente, acht Postkarten, zwei Bücher, einen Postkartenständer und eine Seekarte. Laura Bielau, Markus Georg, Maziar Moradi, Reza Nadji, Florian Rexroth, Heiko Schäfer, Juergen Staack, Sarah Strassmann, Katrin Trautner.

Das Nachwuchsförderungsprojekt ist ein bundesweites Forum für Absolventen des Studienbereichs Fotografie. Den Kern des Projektes bildet ein jährlich stattfindender Wettbewerb für Abschlussarbeiten aus allen deutschen Hochschulen, Fachhochschulen und Akademien
Jede Hochschule kann maximal fünf Bewerber ins Rennen schicken.

Abbildung: Foto Maziar Moradi, 1979

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr

Haus der Photographie / Deichtorhallen
Deichtorstraße 1-2
20095 Hamburg
Telefon +49 (0)40-32 10 30

deichtorhallen.de
guteaussichten.org


Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    Ausstellung


    Anzeige
    Burg Halle


    Anzeige
    berlin


    Anzeige
    Atelier



    Jed Martin - Die Karte ist interessanter als das Gebiet

    Das Deutsche SchauSpielHaus und der Kunstverein in Hamburg feiern den fiktiven Künstler in einer retrospektiv angelegten Werkschau weiter

    Nora Sternfeld neue documenta-Professorin an der Kunsthochschule Kassel

    Prof. Dr. Nora Sternfeld wird neue documenta-Professorin an der Kunsthochschule Kassel, die Teil der Universität Kassel ist. weiter

    Anna Werkmeister

    weiter

    Berufung von Haegue Yang zur Professorin für Freie Bildende Kunst an der Städelschule

    Haegue Yang tritt die Nachfolge von Prof. Michael Krebber an, der nach mehr als 14 Jahren Lehrtätigkeit die Hochschule verließ. weiter


    Foto Kinetik

    Die Verbindung von Bewegung, Körper und Licht ist Thema der neuen Sammlungsausstellung in Partnerschaft mit der Generali Foundation am Museum der Moderne Salzburg weiter


    Karin Kneffel – Bild im Bild

    Am 30. April öffnen sich im Kunstmuseum Bonn Türen zu einer Ausstellung, die viele Geheimnisse birgt weiter

    Shilpa Gupta

    Shilpa Gupta zählt zu den bedeutendsten, zeitgenössischen KünstlerInnen Indiens, deren Werke international präsentiert werden. Sie arbeitet in jeweils wechselnden Medien, darunter Video, Fotografie, Skulptur, Performance und Sound weiter


    HALLE 14 ZEIGT ZUM FRÜHJAHRSRUNDGANG GEGENWARTSKUNST AUS KUBA UND DEN BAHAMAS

    Im Rahmen des Frühjahrsrundgang der SpinnereiGalerien eröffnet das Kunstzentrum HALLE 14 am 29. April, um 15 Uhr, die Ausstellung »Übersee: Kuba und die Bahamas weiter


    Lena Henke SCHREI MICH NICHT AN, KRIEGER!

    In Henkes Skulpturen und Installationen spielen der Umgang mit Material und Farben eine große Rolle. weiter


    Hans Haacke - Gift Horse

    Das Haus der Kunst freut sich, Hans Haackes monumentale Plastik Gift Horse (2015) in seinen Räumen zeigen zu können. weiter


    Ina Bierstedt. Entlegene Ecken

    Die Berliner Künstlerin Ina Bierstedt bringt ihre Malereien mit installativer Besetzungsenergie in den Maschinenhausraum M 1 ein. weiter


    Die Becher-Klasse

    In einer umfassenden Überblicksausstellung widmet sich das Städel Museum der Becher-Klasse und dem mit ihr verbundenen Paradigmenwechsel im Medium der Fotografie. weiter


    EMAF 2017 – die Ausstellung

    Das Internet ermöglicht Wissenssteigerung und Bildung für alle, genauso wie Echokammern der Gleichgesinnten weiter


    Trisha Donnelly

    In 2017 zeichnet die Gesellschaft für Moderne Kunst Trisha Donnelly mit dem Wolfgang-Hahn-Preis aus. weiter

    Ehrenhof Preis 2017 an Morgaine Schäfer

    Zweite Trägerin des Ehrenhof Preises ist Morgaine Schäfer (*1989), die in der Klasse von Christopher Williams studiert hat. In ihrer Abschlusspräsentation zeigte sie unter dem Titel „Westen - wschód“ konzeptuelle Fotografie als integralen Bestandteil einer Rauminstallation. weiter