NUMBER TWELVE: HELLO BOYS

13. 02. - 31. 07. 2016 | JULIA STOSCHEK COLLECTION, Düsseldorf
Eingabedatum: 08.02.2016

bilder

NUMBER TWELVE: HELLO BOYS spannt einen Bogen von den feministischen Video- und Performance-Pionierinnen der 1970er Jahre zu ausgewählten Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen in Fotografie und Videokunst. Die Ausstellung mit Werken aus der JULIA STOSCHEK COLLECTION trägt den Titel der Videoperformance HELLO BOYS (1975) von Hannah Wilke und nimmt dieses Werk auch als kuratorischen Ausgangspunkt für die Wahrnehmung und Darstellung von weiblicher Identität. In dem damals neuen Medium der auf Video dokumentierten Performance erarbeiteten eine Vielzahl von Künstlerinnen eine genuine künstlerische Haltung und Ästhetik. Eleanor Antin, Lynda Benglis, VALIE EXPORT, Barbara Hammer, Joan Jonas, Martha Rosler, Gwenn Thomas und Hannah Wilke stehen für den Ausdruck des femininen Selbst aus Sicht der jeweils eigenen Fragestellung zur Körperlichkeit, Geschlechterrolle und Perspektive. In den zeitgenössischen Fotografien und Videoarbeiten von Lutz Bacher, Trisha Donnelly, Jen DeNike und Klara Lidén ist eine veränderte Qualität von Wahrnehmungsinhalten und künstlerischer Formulierung erkennbar. Diese Werke haben sich von einer unmittelbaren Selbstbeobachtung emanzipiert. Aus einem distanzierteren Blickwinkel wird Weiblichkeit in der mediatisierten Lebenswelt, in filmischen Archetypen und in performativer Aktion neu verhandelt.

Liste der Künstlerinnen
Eleanor Antin, Lutz Bacher, Lynda Benglis, Jen DeNike, Trisha Donnelly, VALIE EXPORT, Barbara Hammer, Joan Jonas, Klara Lidén, Martha Rosler, Gwenn Thomas, Hannah Wilke


JULIA STOSCHEK COLLECTION, Schanzenstrasse 54, 40549 Duesseldorf


NUMBER TWELVE: HELLO BOYS draws a line from the feminist video and performance pioneers of the 1970s to selected contemporary positions among female photographers and video artists. The exhibition featuring works from the JULIA STOSCHEK COLLECTION has borrowed its title from that of Hannah Wilke’s video performance HELLO BOYS (1975), which it also takes as the curatorial starting point for the perception and representation of female identity. A number of female artists used what was at the time a new medium, namely performance documented on video, as a means to develop a genuine artistic stance and aesthetic. Eleanor Antin, Lynda Benglis, VALIE EXPORT, Barbara Hammer, Joan Jonas, Martha Rosler, Gwenn Thomas and Hannah Wilke all advocated the expression of the female self from the point of view of their respectively unique approaches to corporeality, gender roles and perspectives. In the contemporary photographs and video pieces by Lutz Bacher, Trisha Donnelly, Jen DeNike and Klara Lidén one can discern a change in the quality of contents perceived and how these are formulated artistically. These works have emancipated themselves from direct self-observation. From a more distanced viewpoint, femininity is renegotiated in the media lifeworld, in filmic archetypes and in performance-based activities.

List of artists
Eleanor Antin, Lutz Bacher, Lynda Benglis, Jen DeNike, Trisha Donnelly, VALIE EXPORT, Barbara Hammer, Joan Jonas, Klara Lidén, Martha Rosler, Gwenn Thomas, Hannah Wilke

Julia Stoschek Collection
Schanzenstrasse 54
40549 Düsseldorf
http://www.julia-stoschek-collection.net



Presse






Daten zu Hannah Wilke:

- Alison Jacques Gallery
- Art Basel 2013
- Art Basel 2016
- Art Basel Hong Kong, 2016
- Art Basel Miami Beach 2013
- art basel miami beach, 2014
- Das imaginäre Museum, 2016
- Frieze London 2013
- JULIA STOSCHEK FOUNDATION E.V., Sammlung
- MoMA Collection
- Museo Reina Sofía, Collection
- Solomon R. Guggenheim Collection
- Tate Post War Collection ,London

Weiteres zum Thema: Hannah Wilke



Museumsstrip, Björk und eine Todesmaschine - >Number Two: Fragile< in der Julia Stoschek Collection


Aufeinandergestapelte Transportkartons und gläserne Kisten mit Rissen und Splittern bilden den Auftakt der zweiten Ausstellung aus dem Sammlungsbestand von Julia Stoschek. Für >Number Two: Fragile< hatte Julia Stoschek ein Werk bei dem in Los Angeles lebenden Künstler Waled Bashtey in Auftrag gegeben und >Broken Fedex Boxes< erhalten. Die konzeptuell angelegte Arbeit, für die Bashtey Glas- und Spiegelkuben mit einem Paketversand nach Düsseldorf geschickt hatte, verweist auf das übergeordnete Thema der Schau, bei der es um die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit des Körpers sowie Schmerzerfahrungen, aber auch um Körpererkundungen und künstlerische Selbstinszenierungen in Video, Installation und Photokunst gehen soll.

Ähnlich wie bei der Erstpräsentation der Stoschek Collection wurden in >Fragile< historische Arbeiten von Performance Künstlern wie Bruce Nauman, Hannah Wilke oder Vito Acconci mit Werken von jüngeren Künstlern wie Terence Koh, Mika Rottenberg oder John Bock kombiniert. Im Vergleich zu >Number One: Destroy she said< scheint die zweite Zurschaustellung der Sammlung mit 54 Werken von insgesamt 30 Künstlern jedoch um einiges konzentrierter und strukturierter zu sein. Ausgehend von Videos mit vorrangig dokumentarischem Charakter illustriert >Fragile< ganz nebenbei die Entwicklung des Mediums bis hin zu Arbeiten, die komplett computergeneriert sind.

Aua, das tut doch weh – bei einer Ausstellung zum Thema Körper, Schmerz und Zerbrechlichkeit darf der Kalifornier Chris Burden nicht fehlen. Dieser hatte sich in den 1970ern im Namen der Kunst gequält und körperliche Grenzerfahrungen in den Mittelpunkt seiner Performances gestellt. So robbte er in >Through the Night Softly< (1973) fast nackt durch Glasscherben oder ließ sich in >Shoot< (1971) von einem Freund in den Oberarm schießen. Weniger schockierend, aber sicher nicht schmerzfrei, dürften die Körpererfahrungen gewesen sein, die der Italiener Vito Acconci in seinen Aktionen machte. In >Openings< kann man 14 Minuten lang mitverfolgen, wie er sich Haar für Haar das Brusthaar ausreißt. Als weibliche Stimme im Gespann der frühen Performancekünstler spielte Hanna Wilke die Reize der Frau aus. Während des laufenden Museumsbetriebs strippte sie 1976 hinter Marcel Duchamps >Großem Glas< im Philadelphia Museum of Art – the bride stripped bare! Auch jüngere Künstlerinnen wie Jen DeNike, Patty Chang oder Alex McQuilkin nutzen die Sinnlichkeit des weiblichen Körpers. So liefern sich in Alex McQuilkins >Get your Gun up< (2002) zwei Protagonistinnen mit Stringtangas zu laut tönender Westernmusik ein Duell schwingender Hüften, Patty Chang rasiert sich mit verbundenen Augen den Schritt und Jen Denike zeigt in >Girls like me< (2006) wie sich drei junge Frauen genüsslich an den Zehen lutschen.

Neben solchen explizit auf den Körper ausgerichteten Werken, ist eine Reihe von Arbeiten mit sehr narrativem Charakter zu sehen. >The Killing Machine< (2007) des kanadischen Künstlerduos Janet Cardiff und Georges Bures Miller ist eine hochkomplexe Mixed-Media-Installation, die auf Knopfdruck eine Apparatur mit hydraulischen Stechinstrumenten, einem bewegten Zahnarztstuhl, Diskokugel und Musik in Gang setzt. Inspirationsquelle für die Todesmaschine war Kafkas >Strafkolonie<. Neben dieser auf einen nicht vorhandenen Körper ausgerichteten Aggression scheinen die Knetfiguren in Natalie Djurbergs Videos auf den ersten Blick harmlos und märchenhaft. Ein weiterer Blick jedoch verrät, dass sich in diesen poppig kindlich gestalteten Kulissen oftmals absurde, brutale, unheimlich Szenen abspielen. Was Djurberg im Privaten beschreibt, wendet Paul Chan auf die ganze Gesellschaft an. Das Formvokabular des Outsiderkünstlers Henry Darger und viele kunsthistorische Verweise nutzend, erzählt die digital animierte Videoinstallation >Happines (Finally) After 35.000 Years of Civilization (after Henry Darger and Charles Fourier< im extremen Breitbandformat vom Übergang eines Paradieszustandes in ein kriegerisches Schreckensszenario.
Nach all dem Schaudern kommen Mika Rottenbergs Videos nur recht. Durch architektonische Versatzstücke werden die Videoarbeiten in den musealen Raum hinein erweitert. Ähnlich verquer wie John Bock bei seinen grotesken Unternehmungen, wird in >Dough< (2005/06) ein Riesenaufwand betrieben, um Teig zu produzieren. Auch die langhaarigen Mädchen in >Cheese< (2007) sind in umständliche Produktionsmechanismen verstrickt, um ein einfaches Erzeugnis wie Käse herzustellen. Rottenberg schafft so ganze eigene, alternative Welten fernab unserer Effizienzgesellschaft. Eine auf ganz andere Art und Weise raumgreifende Installation ist >Snow White< von Terence Koh. In einem strahlend weißen Raum hängen Neonröhren von der Decke, unter denen eine bereits zerbrochene Porzellanchrysantheme abgelegt wurde. Der verspiegelte Sarg war Teil einer Performance, die der Künstler zusammen mit Julia Stoschek durchgeführt hatte.

Als ob die Ausstellung nicht schon abwechslungsreich und kurzweilig genug wäre, wartet im Kinosaal der Stoschek Collection noch ein absolutes Highlight: das von dem Künstlertrio Enzyklopädia Pictura gestaltete stereokopische Digitalvideo zu Björks >Wanderlust< (2008). Setzt man sich die bereitgestellten Brillen auf, kann man das traumhafte Video in 3 D betrachten. Spätestens dann bleibt nichts als Begeisterung für >Fragile<!

Abbildung:
- Janet Cardiff / Georges Bures Miller: Killing Machine, 2007, copyright Julia Stoschek Collection
- Terence Koh, Snow White, 2008
copyright Julia Stoschek Collection

>Number Two: Fragile<
11.10.2008 – Herbst 2009

Öffnungszeiten: Samstags, 11-16h, nur nach Vereinbarung
Anmeldung unter: Tel.: 0211.585 8440

julia-stoschek-collection.net

Julia Stoschek Collection
Schanzenstraße 54
40549 Düsseldorf


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