Newsletter -- Künstlerdatenbank ---- Textkorpus ---- Ateliers

SCHIFF AHOY

ZEITGENÖSSISCHE KUNST AUS DER SAMMLUNG BRANDHORST

09.06. 2016 - 23. 04. 2017 | Museum Brandhorst
Eingabedatum: 01.06.2016

bilder

Mit „Dark Pop“ und „Yes!Yes!Yes! Warholmania in Munich“ stand das Museum Brandhorst 2015 ganz im Zeichen der Pop Art. Kontrapunktisch dazu setzt „Schiff Ahoy – Zeitgenössische Kunst aus der Sammlung Brandhorst“ bei Positionen der Minimal Art und des Postminimal, der Arte Povera und der Konzeptkunst an. Mit rund 150 Werken aus der Sammlung richtet „Schiff Ahoy“ den Blick auf die ungebrochene Relevanz der Kunst der 1960er- und frühen 1970er-Jahre für die zeitgenössische Kunstproduktion.
Künstler wie Carl Andre, Joseph Beuys, James Lee Byars, Andre Cadere, Mario Merz, Ed Ruscha, Niele Toroni, Richard Tuttle oder Lawrence Weiner experimentierten in dieser Zeit mit neuen Materialien, Fertigungsmethoden und Arbeitsfeldern, aber auch mit einem neuen Körperbegriff. Sie stellten den statischen und abgeschlossenen Werkcharakter infrage, adressierten offensiv die Rolle des Betrachters und beschäftigten sich mit alternativen künstlerischen Formaten und Distributionswegen. Diese Aspekte sind nach wie vor virulent und fruchtbar und offenbaren zahlreiche Verbindungslinien innerhalb der Sammlungsbestände von 1958 bis heute.

Was die aktuellen künstlerischen Positionen, jenseits inhaltlicher Themenstellungen, mit ihren unmittelbaren Vorläufern verbindet, ist das Interesse an der Aktualisierung historischer Zusammenhänge – eine Dynamik, die die titelgebenden Arbeit „Schiff Ahoy – Tied to Apron Strings“ (1989) von Lawrence Weiner beispielhaft verdeutlicht. Die 13-teilige Collageserie basiert auf von Weiner bearbeiteten Buchseiten aus „Die Siegesfahrt der Bremen“ (1940). Dabei handelt es sich um den in heroisch-patriotischem Ton verfassten Erfahrungsbericht eines Seemanns. Kommodore Ahrens überführte kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs den Schnelldampfer „Bremen“ des Norddeutschen Lloyd aus den USA in die nationalsozialistische Heimat und damit in die fatale Zukunft Deutschlands, die 1945 in einer neuen Weltordnung münden sollte. Weiner greift 1989 auf das Buch zurück – also in dem Moment als ebendiese Nachkriegs-Weltordnung, mit ihrer Aufteilung des Globus in „Ost“ und „West“, ins Wanken gerät – und demontiert durch die Beifügung „am Schürzenband hängend“ die hegemonialen Bestrebungen ideologischer Systeme.

Die Mobilisierung (kunst)historischer Kontexte bestimmt die Auswahl der Arbeiten für die Ausstellung. So reagiert die kürzlich für die Sammlung erworbene „Sitzgruppe Heimo“ (1996) von Franz West und Heimo Zobernig pointiert auf die vermeintliche Theatralität der Minimal Art. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen auf von West gestalteten Stühlen Platz zu nehmen. Vor diesen ist ein „white cube“ aufgestellt, also ein weißer Kubus, der für die minimalistisch-hermetische Form des Ausstellungsraums steht. Wen dieser weiße Kubus adressiert, ob und was er zu sagen hat, ob er ein autonomer Raum oder Objekt auf einer Bühne ist, und ob diese frontale Formation überhaupt noch eine sinnvolle Beziehung zwischen Kunstwerk und Betrachter zulässt – die „Sitzgruppe Heimo“ lädt auf kluge und humorvolle Art ein, über all diese Fragen nachzudenken. Diese Überlegungen geben den Ton an für die auf der Eingangsebene des Museums versammelten Werke. Zentrales Bindeglied der Arbeiten ist die Figur des Betrachters. Deutlich wird dies in einer klassisch minimalistischen Bodenarbeit wie Carl Andres „FeCuND“ (1986), die erstmals seit Eröffnung des Museums gezeigt wird, oder auch Heimo Zobernigs unbetitelter Spiegelwand von 1999 aus der Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, die die Besucherinnen und Besucher regelrecht ins Bild setzt. Die Betonung von Körperlichkeit spielt in einem übertragenen Sinn aber auch im Mystizismus James Lee Byars‘ und der betont energetischen Qualität der semi-abstrakten Formen Richard Tuttles eine große Rolle. Diese gewinnen angesichts einer Wiederentdeckung von Esoterik und Alchemie durch eine jüngere Künstlergeneration derzeit erneut an Aktualität.

Die Kabinette im Untergeschoß setzen bei den erweiterten künstlerischen Formaten und Distributionsformen der Kunst der 1960er-Jahre an. Beispielhaft dafür sind Ed Ruschas Künstlerbücher, denen die ihnen zugrundeliegenden fotografischen Serien der „Gasoline Stations“ (1962) und „Los Angeles Apartments“ (1965) gegenübergestellt werden. Die Aufnahmen zeigen die (sub)urbane Landschaft an der Westküste der USA. Ruscha hatte die Fotografien mit dem Ziel, sie in Buchform zu publizieren, gemacht. Die Bücher galten als demokratische und bewusst unspektakuläre Form für die Kunst der damaligen Zeit – man konnte sie bereits für wenige Dollar erwerben. In dieser Tradition sind auch die Künstlerbücher und eBooks (2010-2013) von Paul Chan zu sehen, die sich u.a. mit militärischer Macht und ökonomischen Strukturen beschäftigen. Martin Kippenbergers „Pop It Out“ (1994), eine Mappe mit 31 Plakaten, die befreundete Künstlerinnen und Künstler für ihn gestaltet haben, führt die Überlegungen zu erweiterten künstlerischen Formaten fort. Die „Distribution“ von Autorenschaft und Subjektivität, die „Pop It Out“ zugrunde liegt, spielt auch in den Bildern von Christoper Wool, Louise Lawler und R.H. Quaytman eine Rolle. Den Abschluss der Raumfolge bilden Bilder und Objekte von Seth Price, die formal den Briefkuverts von Unternehmen nachempfunden sind. Sie lassen sich als Metaphern für die Aushöhlung der Privatsphäre aber auch für die Entleerung von Inhalten durch eine inflationäre Zirkulation von Bildern und Informationen verstehen. Damit werden sie zu dystopischen Endpunkten der von der Konzeptkunst zelebrierten alternativen Distributionsformen, die von dem Impuls einer breiten Zugänglichkeit getragen waren. Heute, wo beinahe alles nur noch einen Mausklick entfernt ist, liegt das letzte Geheimnis in der schützenden Hülle.

Ein besonderer Fokus liegt auf den Neuankäufen der vergangenen beiden Jahre, die größtenteils erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Mit Arbeiten von Kerstin Brätsch, Paul Chan, Jacqueline Humphries, Louise Lawler, Seth Price, Josh Smith, R.H. Quaytman, Kelley Walker oder Heimo Zobernig markiert „Schiff Ahoy“ die programmatische Sammlungserweiterung in Richtung aktueller künstlerischer Positionen. Diese Schwerpunktsetzung, die mit den Einzelausstellungen von Kerstin Brätsch und Seth Price im kommenden Jahr weiter ausgebaut wird, erfolgt im Zeichen der eigenen Sammlungsgeschichte, die seit den 1970er-Jahren mit den Künstlerinnen und Künstlern ihrer Zeit gewachsen ist.

Museum Brandhorst
museum-brandhorst.de

Presse



Daten zu Albert Oehlen:


- ars viva Preistraeger

- Art Basel 2013

- Art Basel Hong Kong, 2016

- Art Basel Miami Beach 2013

- art basel miami beach, 2014

- art berlin 2017

- art cologne 2015

- Biennale Venedig 2013

- Daimler Art Collection

- Flashback - Museum für Gegenwartskunst, Basel, 2006

- Flick Collection

- Frieze LA 2019

- Frieze London 2016

- Gagosian Gallery

- Galerie Gisela Capitain

- Galerie Max Hetzler

- MoMA Collection

- Sammlung 20. 21. Jh. Kunstmuseum Basel

- Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt

- Sammlung F.C. Flick

- Sammlung MMK, Frankfurt

- Sammlung zeitgenoessische Kunst der BRD

- ZKM Sammlung, Karlsruhe
  • Sammlung Scharpff in der Staatsgalerie Stuttgart (20.3. - 13.6.04)

  • Flashback - Museum für Gegenwartskunst, Basel (30.10.05-12.2.06)

  • Jonathan Meese - Deichtorhallen, Hamburg (30.04.- 03.09.06)

  • Sammlung Grässlin

  • Jutta Koether - Kunsthalle Bern (20.01.-11.03.2007)

  • Erhard Klein ist ART COLOGNE-Preisträger 2007

  • Daniel Richter - Hamburger Kunsthalle (4.5. - 5.8.07)

  • Extended - ZKM, Karlsruhe (21.5.-18.10.09)

  • Wunder

  • Georg Herold - Multiple Choice

  • «Deftig Barock» im Kunsthaus Zürich

  • From Beckmann to Warhol. 20th- and 21st-century art

  • Neuer Direktor in der Sammlung Udo und Anette Brandhorst

  • Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten

  • Die Gruppe SPUR, der Pop und die Politik

  • Das Glück kommt aus dem Nichts. Werke aus der Slg. Wilhelm Otto Nachf.

  • Aus der Datenbank - 200 Künstler mit Biennale Hintergrund

  • Werner Büttner. Gemeine Wahrheiten

  • Städel Museum erhält Schenkung

  • Tobias Rehberger - Klotz am Bein. Skulpturen aus der Sammlung

  • Dr. Ralf Beil wird neuer Direktor des Kunstmuseum Wolfsburg

  • Künstler liste Ende Oktober 2014

  • Selbstjustiz durch Fehleinkäufe

  • Datenblätter und Kunstkompass

  • DEUTSCHE KUNST NACH 1960

  • AUFRUHR IN AUGSBURG

  • Die 80er. Figurative Malerei in der BRD

  • Künstlerliste 2015 inklusive Messebeteiligungen

  • Stephen Prina - Galesburg, Illinois

  • Achenbach Art Auction - Groß, größer, XXL

  • MALEREI IM INFORMATIONSZEITALTER

  • Künstler mit 18,19 oder 20 Erwähnungen

  • Albert Oehlen

  • Künstlerliste 2018

  • Dreamaholic – Kunst aus Finnland

  • Städelschule Rundgang

  • Georg Herold

  • Peter Saul

  • Künstlerliste 2017

  • Künstlerliste mit Biennalebeteiligungen

  • Künstlerliste mit nur einer bzw. zwei Biennalebeteiligung

  • Der Begriff oder/I in Texten zur zeitgenössischen Kunst

  • Dominik Halmer - Übergriff

  • Hyper! A journey into art and music

  • Albert Oehlen. UNFERTIG

  • top



    Anzeige
    Responsive image


    Anzeige
    Responsive image


    Anzeige
    Responsive image


    Anzeige
    Responsive image


    Card image cap

    Senga Nengudi. Topologien

    17.9. 2019 – 19.1. 2020 | Lenbachhaus, München

    Card image cap

    Tutto. Perspektiven italienischer Kunst

    19.09.2019 - 29.02.2020 | Sammlung Goetz, München

    Card image cap

    Jetzt! Junge Malerei in Deutschland

    19. 09. 2019 - 19. 01. 2020 | Kunstmuseum Bonn

    Card image cap

    Nina Staehli - Battlefields of Cupiditas

    15. 09. - 27. 10. 2019 | kunst galerie fürth Königsplatz 1, 90762 Fürth

    Card image cap

    Doris Salcedo erhält Possehl-Preis für Internationale Kunst

    07.09. – 03.11.2019 | Kunsthalle St. Annen, Lübeck

    Card image cap

    Ars Electronica Festival 2019 – die Highlights

    5. – 9. September 2019 | Linz