Laure Prouvost: And she will say: hi her, ailleurs, to higher grounds …

29.10.16-12.2.17 | Kunstmuseum Luzern
Eingabedatum: 30.10.2016

bilder

Die Turner-Preisträgerin Laure Prouvost (*1978) ist eine grossartige Geschichtenerzählerin, die mit ästhetisch vermeintlich dilettantischem Material, mit Sound und Fantasie ihr Publikum verführt. Sie verbindet Video, Alltagsobjekte, Keramik oder Malerei mit Architektur und verknüpft Wahrheit und Dichtung zu einer eigenwilligen Realität. War Laure Prouvosts Grossvater wirklich ein Konzeptkünstler, dessen letztes Werk – ein eigenhändig gegrabener Tunnel von Europa nach Afrika – unvollendet blieb, weil in ihm der Grossvater verschollen ist?

Das Kunstmuseum Luzern ist die dritte und letzte Station der Einzelausstellung und insofern der Höhepunkt, weil Prouvost diese Tournee als wachsenden Prozess versteht, der in Luzern zum Abschluss kommt. Während Laure Prouvost das Publikum im Le Consortium in Dijon in den Untergrund eintauchen lässt und im MMK Museum für moderne Kunst in Frankfurt durchs Erdreich führt, lässt sie es in Luzern wieder an die Erdoberfläche und ans Licht aufsteigen – dem vierten Obergeschoss gemäss, in dem sich die Ausstellungsräume befinden. Laure Prouvost begreift Jean Nouvels Architektur als Labyrinth, durch den die Künstlerin ihren eigenen Pfad ans Tageslicht führt – die Ausstellung wird zu einem körperlichen Gesamterlebnis.

Beim Eintritt in die Ausstellungsräume werden Besucherinnen und Besucher freundlich mit einem Getränk im Universum der Künstlerin empfangen. Verbunden werden die Arbeiten durch ein loses Narrativ um den verschwundenen Grossvater und der Suche nach ihm. In der Installation Maquette for Grand Dad’s Visitor Center (2014) können die Besucherinnen und Besucher beispielsweise einen Entwurf zur Gedenkstätte für den Grossvater beisteuern, der von der Grossmutter gewobene Wandteppich Behind the lobby doors, the pepper is in the right eye (2016) zeigt die künftige Fassade des Centers und die Installation Grand Ma’s Dream (2013) erzählt von den Sorgen und Fantasien der Grossmutter. Im künftigen Visitor Center will die Grossmutter die Ausstellung Love Among the Artists zeigen, zu der Freuninnen und Freunde bereits heute Werke beigesteuert haben: Sam Belinfante, Juliette Blightman, David Conroy, Tom Humphreys, Kati Karki, Gil Leung, Dana Munro, Linda Persson, Philomene Pirecki, Giles Round, Cally Spooner, Anne-Mie van Kerckhoven, Ciarán Wood. Auf dem Pfad ins Licht sind zudem bedeutende Werke wie Wantee (Tate Britain, Turner-Preis 2013) und After, After (Lyon Biennale, 2013) zu entdecken. If it was (2015, zuletzt im Haus der Kunst in München gezeigt) imaginiert ein wunderbar-wunderliches Museum nach dem Gusto der Künstlerin, in dem das Publikum auf einem frisch geküssten Boden geht und erst noch eine Nackenmassage erhält. Den krönenden Abschluss bildet Volcano Paradise (2016), ein riesiger, kopfstehender Vulkan, den Laure Prouvost für das Kunstmuseum entwickelte. Im Krater angekommen, lädt das Paradies mit Palme, Sitzbank und Vogelgezwitscher zum Verweilen ein.

Laure Prouvosts Narrationen sind verführerische Labyrinthe, ihre Installationen sind von grosser Leichtigkeit, humorvoll und in ihrem Detailreichtum überaus sinnlich. Aber Vorsicht: Wer sich hineinbegibt, findet aus ihren Geschichten vielleicht nie mehr heraus…
kuratiert von Fanni Fetzer

Kunstmuseum Luzern
Europaplatz 1
6002 Luzern
Tel. +41 41 226 78 00
kunstmuseumluzern.ch

ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr
Mittwoch 11-20 Uhr
Montag geschlossen, ausser an Feiertagen

Presse






Daten zu Laure Prouvost:

- abc 2016
- Art Basel 2016
- art basel miami beach, 2014
- Bielefelder Kunstverein
- Biennale Venedig 2015,Pav
- Galleries ART DUBAI CONTEMPORARY 2015
- Hartware MedienKunstVerein (HMKV)
- Kunstverein Hamburg 2016
- Lyon Biennale 2013
- Moscow Biennale for young art 2012
- Ökonomie der Aufmerksamkeit, 2014 Wien
- Preistraeger 2013, Turner Prize
- Taipei Biennial, 2014

Weiteres zum Thema: Laure Prouvost



Reflexion und Einfühlung


Jens Ullrich: 047 (1924), 2011, 200 x 285 cm, Toner auf Papier, Nessel, Holz, Farbe, Courtesy Jens Ullrich / VG Bild Kunst

Die Kunst und ihr Kontext sind ein schier unerschöpflicher Materialpool und ein fruchtbarer Boden für neue Entwicklungen. Seit Jahrhunderten bedienen sich Künstlerinnen und Künstler aus dem reichhaltigen stilistischen und motivischen Repertoire der Vergangenheit und spiegeln die Rahmenbedingungen, unter welchen Kunst produziert und wahrgenommen wird.

Die Ausstellung Reflexion und Einfühlung stellt sieben Künstlerinnen und Künstler vor, die sich mit der Eleganz von Flaneuren durch die Vertiefungen des Kunstsystems bewegen. Natalie Czech, Alexandra Hopf, Nashashibi / Skaer, Olivia Plender, Laure Prouvost, Lucy Skaer sowie Jens Ullrich untersuchen, unter welchen Bedingungen Kunst präsentiert wird, wer an ihrer Semantisierung Teil hat und welche Ausdrucksmöglichkeiten Künstlern heute zur Verfügung stehen, um eine eigene Form zu finden. Vielmehr verbindet die einzelnen künstlerischen Arbeiten eine konzeptuelle Anschaulichkeit und emotionale Aufladung, die sich in der räumlichen Verkettung der Werke im Ausstellungsraum wiederfindet.
Die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler sind als Antwort auf eine Zeit zu verstehen, die niemals zuvor so stark von der Gleichzeitigkeit des Ungleichen in Kunst, Politik und Leben beherrscht wurde. Diese Situation lässt keine objektivierbaren Aussagen über die Welt, ebensowenig über die Kunst selbst und die Bedingungen ihrer Präsentation, zu. Stattdessen gewinnt eine subjektive, nicht verallgemeinerbare Sicht auf die Dinge die Oberhand: Die Reflexion der Wirklichkeit wird abgelöst durch die ‚Wirklichkeit der Reflexion‘, in der das Verhältnis der Bilder untereinander und ihre Verbindung zum Subjekt des Denkens eine Rolle spielen. Künstlerviten, institutionelle Konzepte und existierende Werke werden gedacht als unabgeschlossene Prozesse, die zueinander und zur Kunst der Gegenwart in Bezug stehen und den Bodensatz bilden für ein Denken im unendlichen Raum der Möglichkeiten.

Künstler: Natalie Czech, Alexandra Hopf, Nashashibi/Skaer, Olivia Plender, Laure Prouvost, Lucy Skaer, Jens Ullrich

Kuratorin: Julia Höner

KAI 10 | Raum für Kunst
Kaistraße 10
40221 Düsseldorf
t +49 (0)211 99434130
kaistrasse10.de

Schwitters in Britain | Tate


Tate Britain, Linbury Galleries
30 January – 12 May 2013
Open every day from 10.00 – 18.00

Kurt Schwitters
Anything with a Stone 1941/1944
Sprengel Museum Hannover

Schwitters in Britain is the first major exhibition to examine the late work of Kurt Schwitters, one of the major artists of European Modernism. The exhibition focuses on his British period, from his arrival in Britain as a refugee in 1940 until his death in Cumbria in 1948. Schwitters was forced to flee Germany when his work was condemned as ‘degenerate’ by Germany’s Nazi government and the show traces the impact of exile on his work. It includes over 150 collages, assemblages and sculptures many shown in the UK for the first time in over 30 years.

Schwitters was a significant figure in European Dadaism who invented the concept of Merz – ‘the combination, for artistic purposes of all conceivable materials’. Whether those materials were string, cotton wool or a pram wheel, Schwitters considered them to be equal with paint. He is best known for his pioneering use of found objects and everyday materials in abstract collage, installation, poetry and performance. Schwitters’s time in Britain was quite extraordinary and continues to reverberate today, with the influence he has exerted over artists such as Richard Hamilton, Eduardo Paolozzi and Damien Hirst.

Schwitters’s escape from Germany took him first to Norway, where he boarded the last ship to leave the country before Nazi occupation. On arrival at the Scottish port of Leith, he was detained as an enemy alien. He was one of many German exiles, including a significant number of artists, who were interned on the Isle of Man during WWII. In the camp he participated in group exhibitions and gave poetry performances. On release in 1941 he became involved with the London art scene, engaging with British artists and critics such as Ben Nicholson and Herbert Read. The latter described him as ‘the supreme master of the collage’.

Exhibition highlights include an early example of Schwitters’s unique concept of Merz in the assemblage Merz Picture 46 A. The Skittle Picture 1921, the sculpture Untitled (Birchwood Sculpture) 1940 carved on his journey to Britain, and his collaged travelling trunk. Schwitters’s collages often incorporated fragments from packaging and newspapers reflecting British life such as the London bus tickets and Bassetts Liquorice Allsorts wrappers used in Untitled (This is to Certify That) 1942. The exhibition reunites a group of works shown in his 1944 London solo show at The Modern Art Gallery including the important assemblage Anything with a Stone 1941–4.

In 1945 Schwitters relocated to the Lake District. Inspired by the rural Cumbrian landscape, he began to incorporate natural objects into his work, as shown in a group of small sculptures including Untitled (Opening Blossom) 1942– 5 which he considered to be among his finest British pieces. The move also culminated in the creation of his last great sculpture and installation, the Merz Barn, a continuation of the Hanover Merzbau; an architectural construction considered to be one of the key lost works of European modernism. The exhibition concludes with an exploration of Schwitters’s lasting legacy through commissions by artists Adam Chodzko and Laure Prouvost made in collaboration with Grizedale Arts.




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