HALLE 14 ZEIGT ZUM FRÜHJAHRSRUNDGANG GEGENWARTSKUNST AUS KUBA UND DEN BAHAMAS

Fotografien, Gemälde, Installationen und Videos

29.04. - 06.08. 2017 | Kunstzentrum HALLE 14, Leipzig
Eingabedatum: 21.04.2017

Werkabbildung

Marianela Orozco, Isla (Insel), 2006bilder

Im Rahmen des Frühjahrsrundgang der SpinnereiGalerien eröffnet das Kunstzentrum HALLE 14 am 29. April, um 15 Uhr, die Ausstellung »Übersee: Kuba und die Bahamas. Gegenwartskunst aus der Karibik«. Diese Schau bietet bis zum 6. August 2017 mit Fotografien, Gemälden, Installationen und Videos von 38 Künstlerinnen und Künstlern in seinem Umfang einzigartigen Einblick in die aktuellen Kunstszenen dieser beiden Inselstaaten. Die Ausstellung wird von der Kuratorin der National Art Gallery of the Bahamas Holly Bynoe und dem in Havanna und Vancouver lebenden freien Kurator und Kunstkritiker Antonio Eligio (Tonel) co-kuratiert.

Vom Festland aus gesehen, sind Inseln mythisch-idyllische Sehnsuchtsorte. Mittelalterliche Geschichtsschreiber vermuteten die vor den Mauren geflüchteten, portugiesischen Christen auf »Antilia«, der Insel der sieben Städte. Nach der Entdeckung der Neuen Welt durch Kolumbus übertrug sich der Name auf das Archipel Antillen vor Mittelamerika. Westindien oder Karibik sind weitere Benennungen dieser Inseln, die Dominanzansprüche und Erwartungen mit sich tragen. Gern vermischen sich diese Heterotopien mit paradiesischen Vorstellungen. Die von Daniel Defoe begründeten Robinsonaden spielten literarisch ein Inselleben fernab der Zerwürfnisse der Zivilisation durch. Nicht selten werden diese Idealwelten von sich selbst eingeholt — gleich den englischen Eliteschülern, die in Goldings »Herr der Fliegen« auf einem paradiesischen Eiland Hass, Missgunst, Mord und Folter verfallen. Glücklich Gestrandete müssen häufig Wilde, Kannibalen, Meuterer und Strandräuber oder gar Monster als Nachbarn oder in sich selbst entdecken. Der Name der Karibik rührt von »Los caribes«, dem Wort für Kannibalen oder Barbaren der spanischen Konquistadoren.

Die Janusköpfigkeit von Inseln spiegelt sich auch im Tourismus wieder. Palmen, gleißende Strände, türkisfarbene See, ein Meer aus Oldtimern, malerisch blätternde Kolonialfassaden, ein sorgloses Leben — dies ist der Stoff, aus dem Urlauberträume sind und die Hauptressource der Tourismusindustrie, von der in der Karibik fast alles abhängt. Selbstverständlich sieht es hinter den Kulissen anders aus. Jahrhundertelang waren die karibischen Inseln Figuren auf dem Schachbrett konkurrierender, europäischer Mächte. Die Ankunft der Eroberer und Entdecker verursachte die nahezu vollständige Vernichtung der indigenen Einwohner durch Massaker, Hunger und Pocken. Die Inseln wurden zu Lieferanten von Zucker, Kaffee, Kakao und Baumwolle für den aufkeimenden europäischen Kapitalismus, als billige Arbeitskräfte wurden Afrikaner versklavt und auf die Inseln verschleppt. Im 20. Jahrhundert löste der Tourismus die Plantagenwirtschaft ab.

Auch gegen die respektlose Ausbeutung Havannas als Amüsiermeile US-amerikanischer Touristen, Mafiosos sowie gegen die allgegenwärtige Prostitution richtete sich die »Bewegung des 26. Juli«, die nach einem über 100 Jahre währenden Ringen nach Unabhängigkeit zur kubanischen Revolution führte. Mittlerweile existiert Kuba als sozialistischer Staat seit bald 60 Jahren und hat damit den gesamten Kommunistischen Block überlebt. Vom Meer umschlossen und isoliert von der Welt genießen die Kubaner im mittelamerikanischen Raum einen vergleichsweise hohen Gesundheits- und Bildungsstandard. Ihre Insel ist jedoch zu einer Zeitkapsel der 1950er erstarrt — heute »unique selling point« für konsumsatte Wohlstandstouristen. Nicht zuletzt deswegen wird die Welt derzeit Zeuge einer langsamen Öffnungspolitik.

Auch die sich vor Florida erstreckenden Bahamas mit 700 Inseln, 30 davon bewohnt, haben seit der spanischen Eroberung — der Name stammt vom spanischen »baja mar« (flaches Meer) — eine widersprüchliche Geschichte. Lange Zeit hatten Piraten hier ihre Hochburg. Der Freibeuter Woodes Rogers setzte dem im Auftrag Großbritanniens ein Ende und machte so die Bahamas zu einer Britischen Kronkolonie. In den folgenden Jahrhunderten wurde der Schmuggel in die verschiedenen amerikanischen Kolonien zur bevorzugten Einkommensquelle, der seine Blütezeit während der Prohibition in den USA hatte. Der Weg der Inselkette in die vollständige Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich im Jahr 1973 verlief vergleichsweise friedlich. Dennoch ist Queen Elizabeth II. auch heute noch das Staatsoberhaupt der konstitutionellen Monarchie. Das tägliche Leben ist von Armut, Verbrechen und Gewalt sowie niedrigen Bildungs- und Gesundheitsstandards geprägt. Extreme soziale Ungleichheit hörte mit dem Ende der Kolonialzeit nicht auf.

Die Bahamas und Kuba teilen eine gemeinsame Geschichte von Kolonialismus und Sklaverei und sind doch sehr verschiedenen, nicht nur in Tradition und Staatsform (Sozialismus und Kapitalismus), sondern auch in Ethnien, Sprachen (Spanisch, Englisch und Kreole) und Religionen (Christentum und west-afrikanische Yoruba-Kulturen). Afrikanische, indigene und europäische Wurzeln haben ein Kaleidoskop an Hybridkulturen entwickelt. Karibische Identitäten sind flüchtig und prekär. Diese Ausstellung zeigt, was es bedeutet, zeitgenössische Kunst vor dem Hintergrund komplexer und zugleich fragiler Identitäten in der Inselisolation und im Ringen mit kolonialen Gespenstern (Ungleichheit, Rassismus, Kolonialismus) und nicht selten im Kampf mit der sozialen Realität zu schaffen. In Zusammenarbeit mit der bahamischen Kuratorin Holly Bynoe sowie dem in Havanna und Vancouver lebenden freien Kurator und Kunstkritiker Antonio Eligio (Tonel) entsteht eine Schau, die erstmals Kunst — darunter Materialcollagen, Skulpturen, Malerei und Installationen bekannter und junger Kunstschaffender — beider Inselstaaten in der HALLE 14 zusammenbringt.

HALLE 14
Leipziger Baumwollspinnerei
Spinnereistr. 7
04179 Leipzig
halle14.org










Auf der Karte finden Sie folgende Standorte:




    Anzeige
    berlin


    Anzeige
    rundgang


    Anzeige
    Burg Halle


    Anzeige
    Ausstellung


    Anzeige
    Atelier




    BEWEGUNG IM BILD – DIE INFORMELLE MALEREI TRIFFT AUF DIE GESTE IN DER FOTOGRAFIE

    In der Präsentation „BEWEGUNG IM BILD“ steht künstlerische Fotografie aus der DZ BANK Kunstsammlung drei informellen Gemälden von Bernard Schultze, Emil Schumacher und Hann Trier aus der Kunstsammlung der ehemaligen WGZ BANK gegenüber. weiter


    Niele Toroni. 13. Rubenspreis der Stadt Siegen

    Am 2. Juli 2017 wird der Konzeptmaler Niele Toroni (*1937 im Tessin, Schweiz; in Paris lebend und arbeitend) mit dem 13. Rubenspreis der Stadt Siegen ausgezeichnet. weiter


    gezeichnet

    Nach längerer Zeit wird nun erstmals wieder die Sammlung Sächsische Kunst nach '45 der Neuen Sächsischen Galerie gezeigt weiter

    Alien-Nation: Momentum 9 in Moss sieht im Fremden eine Chance

    Von einem Besuch auf der Biennale Momentum 9 ... (von Inge Pett) weiter


    Natalie Czech ›you see // but / you say‹

    Im Werk der Fotokünstlerin Natalie Czech geht es auf charakteristische Weise um das Verhältnis von Bild, Bildgegenstand und Text. weiter


    Kunst ins Leben!

    In den 1960er-Jahren bildete das Rheinland ein wichtiges Zentrum für ein revolutionäres Kunstgeschehen: Eine neue, international vernetzte Generation von KünstlerInnen widersetzte sich der traditionellen Kunst weiter


    Castell Art Weekend 2017: Between Circles and Time

    Neues über Kunst erfahren, spannende Künstler persönlich kennen lernen, anregende Gespräche führen und ein im Bau befindliches Museum besuchen... Dieses Jahr mit dabei sind Judith Albert (CH), Simon Starling (UK), Dr. Katharina Ammann und Fritz Hauser (CH)
    Sponsored Content weiter


    OH WOW

    Kunst, die sich auf der Höhe internationaler Debatten bewegt, entsteht in einem Geflecht aus Bezugnahmen und Weiterentwicklungen, bedeutet kritische Entgegnung und Verwerfung. weiter

    Stiftung Insel Hombroich erstellt Werkverzeichnis zu Erwin Heerich

    Wer besitzt Arbeiten von Erwin Heerich? Das Archiv Erwin Heerich der Stiftung Insel Hombroich, das unter Mitwirkung von Martin Heerich den künstlerischen Nachlass seines Vaters betreut, bittet private und institutionelle Besitzer ... weiter



    Koki Tanaka. Provisorische Studien (Arbeitstitel) + Haegue Yang. The VIP’s Union

    Das Kunsthaus Graz präsentiert ab 23. Juni 2017 zwei neue, von Barbara Steiner kuratierte Ausstellungen der international renommierten Kunstschaffenden Koki Tanaka und Haegue Yang. weiter


    Frank Bowling: Mappa Mundi

    Mit „Frank Bowling: Mappa Mundi" widmet das Haus der Kunst dem 1934 in Bartica in Britisch-Guayana geborenen Künstler seine bisher umfassendste Überblicksausstellung, mit teils monumentalen Gemälden aus fünfzig Jahren künstlerischen Schaffens weiter


    Ruinen der Gegenwart

    Unsere globalisierte Gegenwart kann als Zeitalter der Ruinen charakterisiert werden. Weltweite politische Instabilität und medial omnipräsente Bilder der Zerstörung liefern uns Ruinen quasi frei Haus weiter


    Graphzines aus der Bibliothek des Zentralinstituts für Kunstgeschichte

    Zum ersten Mal überhaupt werden französische Graphzines in einem Museum in Deutschland zu sehen sein weiter


    Work it, feel it!

    Work it, feel it!, der Beitrag der Kunsthalle Wien zur Vienna Biennale 2017, umkreist die Themen Arbeit und Körper in Gegenwart und Zukunft weiter

    Meisterschüler 2017

    Sprungbrett in den Ausstellungsbetrieb: Die Ausstellung „Meisterschüler 2017“ der HBK Braunschweig findet erstmals in der Städtischen Galerie Wolfsburg statt. weiter